Zeit zum Lesen

Hab in letzter Zeit etwas mehr Freiraum, um zu lesen… Obwohl komischerweise auch mit weniger Arbeit irgendwie ständig was los zu sein scheint. Und auch die Kraft und Geduld ist nicht immer so vorhanden, wie ich mir das wünsche… Hier auf dem Blog einfach ein paar Eindrücke und Gedanken (keine ausführlichen Rezensionen) zu den letzten Büchern die ich gelesen habe:

Martin Suter: Der letzte Weynfeldt

Suter lese ich einfach gerne! Er ist ein brillanter Schriftsteller und hat immer wieder gute und ausgefallene Ideen für seine Bücher. Er schreibt gut und fesselnd, die Hintergründe für seine Geschichten sind sorgfältig recherchiert und seine Ideen gut und professionell ausgearbeitet. Man könnte am ehesten noch kritisieren, dass seine Bücher zu perfekt und glatt sind…

Auch „Der letzte Weynfeld“ hat mir sehr gut gefallen und ich habe es verschlungen wie viele andere Suter-Bücher. Es geht in der Geschichte um ein Gemälde, das auch auf dem Cover des Buches zu sehen ist.  Die Hauptperson ist ein Kunstexperte in den Mitfünzigern, dessen gutbürgerliches, geordnetes und langweiliges Leben aus der Bahn geworfen wird. Und durch was wohl? Natürlich durch eine Frau…

John Updike: Hasenherz

Marcel Reich-Ranicki meint seit langem, dass Updike eigentlich den Literatur-Nobelpreis verdient hätte. Auf dem Umschlag des Buches ist ein Zitat von ihm abgedruckt: „John Updike, der die wohl schönsten Geschichten verfaßt hat, die man in der angelsächsischen Literatur der letzten 20 Jahre finden kann, ist zwar ein unbestechlicher Beobachter und doch ein barmherziger Erzähler: Zu sehr leidet er mit seinen Figuren, um über sie je den Stab zu brechen.“

Allerdings ging es mir bei „Hasenherz“ so, dass ich das alles andere als eine „schöne“ Geschichte fand. Im Gegenteil, es ist eigentlich eine ziemlich traurige und trostlose Geschichte über einen Mann, der seine Familie verlässt. „Schön“ im Sinne von hübsch und nett ist das alles wahrlich nicht.

Ich bin ehrlich gesagt mit dem Buch, der Geschichte und auch den Personen nicht so richtig zurecht gekommen. Irgendwie hat mir der Zugang gefehlt und ich bin nicht in der Geschichte drin gewesen. Ein gutes Buch fesselt mich und ich erlebe die Geschichte zusammen mit den Personen der Büchern. Das war bei mir bei Hasenherz nicht der Fall.

Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr

Das dritte Buch in dieser Reihe hat mir dagegen wieder ausgezeichnet gefallen und war gut zu lesen. Das lag natürlich auch an der Art des Buches: Es ist eher ein Thriller, bzw. eine Kriminalgeschichte. Und dementsprechend erzählt de Winter auch mit mehr Tempo und mehr Aktion. Normalerweise sind solche Thriller nicht gerade mein Fall und die Geschichte um die es geht ist auch alles andere als „schön“. Aber trotzdem fand ich das Buch nicht nur fesselnd, sondern auch interessant und inspirierend.

Es geht um einen holländischen Juden, der nach Israel kommt und dort eine Familie gründet. Er wandert dann aber wieder aus und nimmt in Amerika eine Stelle als Professor für Geschichte an.  Dann geschieht ein tragisches Unglück: Sein vierjähriger Sohn verschwindet. Es ist keine Spur mehr von ihm zu finden. Die Ehe zerbricht und die Hauptperson bekommt schwere psychische Probleme.

Was die Geschichte besonders interessant macht ist, dass sie zum Teil in der Zukunft spielt: Im Israel des Jahres 2024. Nach der Vision von de Winter wird es dann auf ein kleines Restgebiet zusammengeschrumpft sein. Der Terror der Palästinenser hat zugenommen und wer irgendwie kann, verlässt das Land. Es geht also nicht nur um einen Kriminalfall, sondern auch um Politik im Nahen Osten und irgendwann wird dann natürlich deutlich, dass auch der verschwundene Sohn etwas mit dieser politischen Lage zu tun hat…

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