William P. Young: The Shack

Noch ein Buch, das ich im Urlaub verschlungen habe: The Shack von William P. Young. Es ist ein Buch in welchem in Romanform versucht wird, Antworten auf die Theodizee-Frage (die Frage, warum Gott das Leid zulässt) zu finden. Ein ziemlich hoher Anspruch und eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Aber gemessen an diesem Anspruch ist das dem Autor erstaunlich gut und unterhaltsam gelungen.

Die Geschichte dreht sich um Mack, ein Familienvater im mittleren Alter. Sein Leben ist von einer großen Traurigkeit durchdrungen seit seine sechsjährige Tochter bei einem Campingurlaub entführt und ermordet wurde. Eines Tages bekommt er einen seltsamen Brief: Jemand will ihn in der abgelegenen Hütte treffen, in welcher die letzten Spuren seiner vermissten Tochter und ihres Mörders gefunden wurden. Unterschrieben ist die Nachricht mit „Papa“. Die Frau von Mack nennt Gott als ihren liebenden Vater gerne „Papa“…

Mack lässt sich auf diese Einladung ein und begegnet dort tatsächlich Gott. Allerdings ist Gott ganz anders, als man sich das landläufig so vorstellt. Gott erscheint ihm in Form einer großen und liebevollen schwarzen Frau, eines entspannten Schreiners aus dem mittleren Osten und einer einsichtsvollen und flüchtig wirkenden Frau aus Asien. An der Stelle dachte ich zunächst: Moment! Was soll der Humbug!?! Aber der Autor macht auf charmante Weise deutlich, dass er natürlich nicht Gott an sich beschreibt, sondern dass Gott sich Mack auf diese Weise zeigt, damit er von ihm akzeptiert und verstanden wird. Durch diese Verfremdung gewinnt man einen erfrischend anderen Blick auf Gott.

Mack bleibt ein Wochende in der Hütte und hat viele Gespräche mit den drei göttlichen Personen. Stück für Stück werden seine Gefühle, Zweifel und Fragen bearbeitet und er gewinnt wieder Vertrauen in die Liebe und Güte Gottes.

Die Konzeption des Buches (dass Gott selbst mit einem Betroffenen die große Frage nach dem Leid in der Welt durcharbeit) ist zum einen sehr interessant und herausfordernd, zugleich ist es eine große Gefahr: Für Gott selbst gibt es natürlich keine ungelösten Fragen, für ihn ist das Leid kein Problem, für ihn ist das Problem eher, dass Mack eben diese göttlichen Einsichten noch nicht hat. Dadurch dass Gott selbst auf die Theodizee antwortet, verflachen meines Erachtens die Antwortversuche und auch das Leid selbst wird letzten Endes heruntergespielt. Ich denke wir haben keine völlig befriedigende Antworten auf diese Fragen (zumindest in dieser irdischen Welt) und wenn der Autor versucht, aus der Sicht Gottes diese Fragen zu beantworten, dann übernimmt er sich zwangsläufig.

Eine Tendenz des Buches ist, dass sehr stark die liebevolle und freundliche Seite Gottes betont wird. Er ist der gute Kumpel, der eigentlich nur unser Bestes will, der aber oft durch die äußeren Umstände dieser eigenwilligen Welt seine guten Absichten nicht so ohne weiteres durchsetzen kann. Dass Gott zornig sein kann über die Sünde, dass er allmächtig ist und dass sein Wesen unser Verstehen weit übersteigt, bleiben Seiten Gottes, die kaum beleuchtet werden.

Aber wie gesagt: Angesichts der Herausforderung, der sich der Autor gestellt hat, ist ihm ein erstaunlich gutes Buch gelungen. Natürlich kann auch er keine letzten Antworten geben. Und man darf seinen Roman auch nicht all zu hart auf theologische Richtigkeiten abklopfen. Wenn man das Buch als Anlass nimmt, einmal einen neuen, erfrischend anderen Blick auf Gott und die Frage nach dem Leid zu wagen, dann ist es sehr inspirierend und bewegend.

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3 Gedanken zu „William P. Young: The Shack“

  1. „Die Hütte“ – darüber hat man in letzter Zeit ja so einiges gehört, und nun will ich hier meinen Senf auch mal noch dazu geben 😉

    Wie gesagt, wurde dieses Buch in letzter Zeit heiß diskutiert und ich habe eine Weile überlegt, ob ich es lesen soll oder nicht. Dann wurde mir die Entscheidung abgenommen, denn ich bekam das Buch geschenkt 🙂 Nun habe ich es durch (nach ca. 1 ½ – 2 Wochen) und kann meine Meinung kundtun…

    Also ich fand das Buch nicht schlecht. Man darf natürlich nicht aus den Augen verlieren, dass es sich hier um einen Roman handelt und nicht um ein neues Lehrbuch „So ist Gott“. Zwar finde ich wird in dem Buch Gottes liebende Seite etwas zu stark betont, und auf der anderen Seite der Ehrfurchtsgedanke und die damit irgendwie verbundene Souveränität Gottes vernachlässigt, aber es ist halt auch nicht leicht ein allumfassendes Bild von Gott zu geben 😉 Wenn man sich also dieser Dinge bewusst ist und das Buch liest, gibt es einem viele gute Impulse zum selber weiter denken und zeichnet einen „neuen, erfrischend anderen Blick auf Gott“ 🙂

    Die Frage nach dem Leid (und der Versuch diese Frage zu beantworten) hat mich beim Lesen gar nicht so sehr beschäftigt, ich fand viel intressanter die Darstellung der Dreieinigkeit. Ich finde es ist dem Autor recht gut gelungen das Ganze darzustellen und es hilft die Dreieinigkeit besser nachvollziehen zu können.

    Alles in allem ist das Buch lesenswert, solange man nicht jedes einzelne Wort und jede Aussage auf die Goldwaage legt. Es regt an, sein eigenes Gottes Bild zu hinterfragen und schenkt einen frischen Blick auf Gott.
    Und wer weiß, vielleicht trägt es ja auch dazu bei, dass Leute, die noch nichts mit Gott zu tun haben, anfangen über „Papa“ nachzudenken 🙂

    1. Genau: Ein Roman, kein theologisches Lehrbuch. Es regt an, oder besser gesagt provoziert einen, sich selbst über die Frage nach dem Leid und auch über die Dreieinigkeit Gedanken zu machen …

  2. Ich hab eben erst Deinen Beitrag hier gefunden. Das Buch habe ich auch gelesen und es hat mich schon sehr beeindruckt. Ich komme nicht mit allem klar, aber dennoch hat sich mein Gottesbild verändert.

    Ich werde es wohl nochmal lesen müssen, um mir über alles klar zu werden. Dennoch würde ich es jedem (gerade Menschen die Leid erfahren haben) sehr empfehlen.

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