Walter Kempowskie: Alles umsonst

Ein eindrücklicher Roman über Flucht und Vertreibung gegen Ende des 2. Weltkrieges. Erzählt wird die Geschichte einer adeligen Familie, die auf einem herunter gekommenen Gut in Ostpreußen lebt. Der Vater ist mit der Armee in Italien. Die Mutter ist eine schöne, aber verträumte Person, welche die harte Kriegsrealität gar nicht richtig wahrnehmen will. Die praktische Organisation auf dem Gut übernimmt eine Tante und drei Ostarbeiter. Der zwölfjährige Peter ist blondgelockt, aber oft kränklich. Seine jüngere Schwester ist vor zwei Jahren verstorben.

Ohne großes Pathos berichtet Kempowski von den Wirrnissen der letzten Kriegsmonate. Der Winter ist hart, die Russen rücken näher, tausende sind auf der Flucht, die Vertreter des Staates versuchen zunehmend verzweifelt, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Durch die nüchterne Erzählweise treten die Schrecken dieser Zeit um so bedrückender hervor.

Der Autor hält sich mit Wertungen zurück. Auch Nazis werden als Menschen mit Stärken und Schwächen dargestellt. Letztendlich schauen die Meisten im großen Durcheinander vor allem auf sich selbst. Wie kann man selbst überleben?

Für jemand, der in Wohlstand und Frieden aufgewachsen ist, ist es kaum vorstellbar, welches Leid die Menschen damals durchmachen mussten. Vor kurzem habe ich ein Buch über Hitler gelesen. Da wurde gut heraus gearbeitet, dass Hitler am Ende ganz bewusst den totalen Untergang Deutschlands herbei führen wollte. Wie viel Leid hätte vermieden werden können, wenn er schon vorher versucht hätte ein Friedensabkommen zu erreichen?! Und wofür das alles?

Das ist auch die Frage des Buches: War letztendlich nicht alles umsonst? All die Bemühungen, irgendwie zu überleben? Im Buch steht am Ende die Frage: „War nun alles gut?“

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