Vladimir Nabokov: Lolita

Puh! Geschafft! Das letzte Drittel musst ich mich richtig durchkämpfen. Weiß nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Es ist ganz bestimmt kein „schönes“ Buch zum Entspannen. Ein Buch das mich teilweise abgestoßen, verärgert, verwirrt und nachdenklich gemacht hat.

Die Geschichte ist ja in den Grundzügen bekannt: Ein Mann verfällt den Reizen eines Mädchens (am Anfang des Buches erschreckende 12 Jahre jung). Die Hauptperson erzählt in der Ich-Perspektive, was das Buch ziemlich unheimlich und beklemmend macht, weil man die Geschichte aus der Perspektive eines Verbrechers liest. Unter dem Pseudonym Humbert Humbert erzählt er von seinem Leben, das in den Untergang geführt hat. Aufgrund einer unglücklichen Jugendliebe verfällt Humbert zunehmend den Reizen von jungen Mädchen. Um seiner auserkorenen Lolita nahe zu sein, heiratet er ihre Mutter. Diese stirbt jedoch bald darauf bei einem Unfall und Humbert zieht mit seiner „Tochter“ durch die Lande und durch die Hotelbetten. Humbert wird in seiner „Liebe“ und sexuellen Verfallenheit immer krankhafter und bringt am Ende einen vermeintlichen Nebenbuhler um.

Zunächst mal zum sprachlichen: Nabokov ist ein ganz Großer. Er ist ein fabelhafter Erzähler und er hat einen tollen Schreibstil. Gut zu lesen und doch nicht platt. Er kann mit Sprache umgehen und findet viele schöne Sprachbilder. Aber der Inhalt! Der liegt schwer im Magen. Man schaut in die Psyche eines zunehmend kranken Pädophilen. Man gewinnt an manchen Stellen ein gewisses Verständnis für ihn und findet ihn aber zugleich einfach nur schrecklich.

Was wohl Nabokov dazu  bewogen hat so ein Thema aufzugreifen? Und dazu noch aus der Ich-Perspektive, so dass kein Erzähler und keine andere Person einen korrigierenden Blickwinkel einnehmen kann! Wollte er bewusst provozieren? Wollte er die Faszination des Verbotenen darstellen?

Was auch immer er beabsichtigt hat: In dem Buch kann man einiges über Sünde lernen. Man kann sehen, welche Abgründe in uns Menschen stecken und wie schwer es ist, aus diesen Abgründen heraus zu kommen. Das dramatische ist ja, dass Humbert ganz genau weiß, dass sein Handeln falsch ist. Aber er schafft es nicht anders zu handeln. Und am Ende ist er so in seinem Wahn gefangen, dass er die Realität auch nicht mehr annähernd richtig wahrnehmen kann. Hat mich an Römer 7 erinnert: Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

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