Ulrike Purschke: Hendrikje, vorübergehend erschossen

Purschke: HendrikjeSicher kein anspruchsvolles Stück Weltliteratur, aber doch ein charmantes, unterhaltsames und gut geschriebenes Buch. Wenn ich den Roman mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das Wort: skurril. Sowohl von den Personen her als auch von der Geschichte her. Es erinnert mich von der Art etwas an manche Romane von John Irving. Eine skurrile Geschichte so zu erzählen, dass sie nicht ins völlig ins Lächerliche abdriftet oder total überdreht wirkt, ist eine gar nicht so einfache Kunst (und dieser besondere Art von Humor findet man gerade in der deutschen Literatur äußerst selten). Ich finde das ist der Autorin recht gut gelungen.

Die Hauptperson ist Hendrikje, eine eher schüchterne und etwas naive Malerin, die sich ihren Lebensunterhalt aber vor allem als Kellnerin in einem Cafe verdient. Ihr Leben verläuft eigentlich in einigermaßen stabilen Bahnen. Sie wohnt bei Oma, die sie zwar etwas bevormundet, welche aber trotzdem von Hendrikje über alles geliebt wird. Sie lebt in einer Beziehung mit einem Mann, der aber nicht ihr fester Freund sein will, sondern die gemeinsame Zeit vor allem auf das Bett beschränkt. Ihre Chefin im Cafe ist eher von der cholerischen Sorte und macht Hendrikje das Leben oft ziemlich schwer. Aber insgesamt ist für die die Hauptperson das Leben doch ganz okay und sie hat sogar die Aussicht, einige ihrer Bilder auszustellen und endlich mit ihrer Malerei auch Geld zu verdienen.

Doch dann bricht ein Unglück nach dem anderen über die arme Malerin herein. Die Großmutter stirbt, ihr „Nicht-Freund“ verlässt sie, um mit einer anderen Freundin eine Familie zu gründen, ihr Atelier samt all ihrer Bilder brennt nieder und sie hat auf einen Schlag Schulden von über 100.000 Euro. Das alles ist selbst der duldsamen Hendrikje zuviel und sie beschließt sich umzubringen. Aber natürlich geht auch das schief. Als sie dann ihr Unglück ein paar sogenannten Freunden berichtet, wollen diese ihr helfen und organisieren ein kleines Abschiedsfest inklusive einem begleiteten und schmerzlosen Selbstmord… Aber man ahnt es: auch das läuft nicht wie geplant und am Ende sitzt Hendrikje wegen Mordes im Gefängnis…

Die Geschichte wird vor allem rückblickend von Hendrikje selbst erzählt, die im Gefängnis der bildschönen Psychologin in allen Details und mit der ihr eigenen Naivität ihr Schicksal berichtet. Gerade diesen naiven Ton der Hauptperson trifft die Autorin sehr gut und dies macht den Roman auch sehr gut lesbar. Gegen Ende hin fand ich den Ausgang des Romans etwas absehbar, aber trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten und so manches mal zum Schmunzeln gebracht.

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