Ulrich Giesekus: Glaub‘ dich nicht krank

Heute mal ein Hinweis auf ein hilfreiches kleines Büchlein von einem Christen und ausgebildeten Psychologen. Ich hab den Autor, Ulrich Giesekus, vor einiger Zeit auf einer Tagung live erleben dürfen und fand ihn von seiner Art her sehr interessant. Er ist auf der einen Seite sehr differenziert und ausgewogen, aber zugleich auch sehr kraftvoll und deutlich. Manchmal führt die Ausgewogenheit ja auch zur Langeweile, weil alles auf ein uninteressantes Maß glatt gebügelt wird. Bei Giesekus ist das nicht so, er bleibt trotz differenzierter Sichtweise auch herausfordernd und inspirierend. Das gilt auch für das Buch „Glaub‘ dich nicht krank“.

Das Buch besteht aus drei Teilen: I. Gesund sein an Leib, Seele und Geist; II. Krank machende Normen; III. Gesunder Glaube im Alltag. Im ersten Teil beschreibt der Autor aus welcher Perspektive er schreibt (nämlich als Christ und Psychologe) und er betont, dass es auch für Christen wichtig ist, sich selbst ganzheitlich wahrzunehmen. Auch als Christ sollte man sich nicht nur um seine geistliche Gesundheit kümmern, sondern auch um die körperliche und psychische. Im zweiten Teil geht es um falsch verstandene christliche Normen, die dann wirklich auch krank machen können. Im dritten Teil wird aufgezeigt, wie biblische Aussagen zu einem gesunden und heilvollen Leben führen können (z.B. der Umgang mit Schuld und Vergebung).

Wie gesagt: Mir gefällt seine differenzierte Sichtweise. Immer wieder macht er deutlich, dass nicht alles, was biblisch klingt auch wirklich so ist. Immer wieder zeigt er Spannungen auf, die uns krank machen können. Aber zugleich macht er klar: Nicht der Glaube an sich macht krank, sondern wenn er falsch verstanden und gelebt wird. Natürlich können auch Christen psychisch krank werden. Und oft kann ein falsch verstandener Glaube sich hier verstärkend auswirken. Aber genau so gilt, dass statistisch gesehen die Christen psychisch und körperlich gesünder sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Zum Schluss noch ein Beispiel für seine trotz aller psychologisch-wissenschaftlichen Ausgewogenheit doch provozierende Art zu schreiben: „Auch wenn es vielen Leuten nicht passt: Es ist nicht die Hauptsache geistlichen Lebens, zu möglichst vielen spürbaren spirituellen Höhenflügen zu kommen – so sehr wir uns das auch wünschen mögen. In erster Linie geht es beim Glauben nicht um unsere subjektive Befindlichkeit, sondern um Erlösung, nicht um Heilung, sondern um Heil.“ (S.46)

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