Thomas Mann: Königliche Hoheit

Ein kleines Schmankerl aus meiner umfangreichen Krankheitslektüre: der Roman Königliche Hoheit von Thomas Mann. Das ist kein Buch, das ich begierig verschlungen habe, sondern eines das ein wenig Zeit und Mühe gekostet hat.

Thomas Mann ist einfach ein Meister der Sprache. Immer wieder bin ich auch bei diesem Buch ins Staunen gekommen, über seine präzise, detaillierte und trotz aller scheinbaren Kühle doch warmherzigen Art zu erzählen. Da sitzt jedes Wort. Da merkt man die besondere Begabung und zugleich die harte Arbeit, die hinter seinen Formulierungen steht. Das macht seine Bücher natürlich nicht ganz einfach zu lesen. Das liest man nicht so nebenher und das überfliegt man nicht. Das muss man sich erarbeiten und dann genießen.

Aber nicht nur die Sprache hat mir gefallen, sondern auch die Geschichte, um die es geht. Hauptperson ist Klaus Heinrich, ein Prinz aus einem Adelsgeschlecht, das schon bessere Zeiten gesehen hatte. Der Hintergrund ist ein fiktives Großherzogtum in Deutschland um 1900. Ausführlich blickt Thomas Mann hinter die Kulissen des schönen Scheins. Die Hauptaufgabe des Prinzen ist, Haltung zu bewahren und zu repräsentieren. Sein Leben besteht nicht eigentlich darin selbst zu leben, sondern etwas darzustellen, eine Rolle zu spielen.

Aus dieser Welt des Scheins und der Uneigentlichkeit holt ihn Imma Spoelmann heraus, die Tochter eines Milliardärs. Im letzten Drittel des Buches geht es um die langsame Annäherung und Verwandlung der Beiden. Der Prinz gelangt durch Imma Zugang zum wirklichen Leben. Und natürlich endet alles romantisch und glücklich. Die beiden heiraten und durch das Geld des Milliardärs wird auch das marode Großherzogtum gerettet.

Ich fand es beeindruckend, wie gekonnt Mann das Lebensgefühl von Adligen heraus arbeitet. Ich glaube grundsätzlich hat sich hier bis heute nichts geändert: Adlige leben in einer schönen Welt des Scheins und ihre Aufgabe ist es, zu repräsentieren und „Hoheit“ auszustrahlen. In dem Buch wird vor allem die innere Einsamkeit und die Schwierigkeit ganz, normale Freundschaften zu schließen deutlich.

Für Klaus Heinrich besteht die Lösung nicht darin, dass er aus seiner Rolle flieht und er ein anderer sein will. Nein, er füllt seine Rolle neu aus, erweitert sie und füllt sie mit Leben und Echtheit. Das ist für mich eine Botschaft des Buches: Wenn unser Leben nicht so läuft wie wir uns das erträumen, dann ist der einfache Weg die resignative Flucht in Scheinwelten (was heute viele Menschen tun; sei es die bürgerliche Variante mit vergnüglicher Freizeitunterhaltung und Hobbys, die zum Lebensinhalt werden, oder seien es andere Varianten wie Drogen, vor dem Fernseher oder im Internet versumpfen). Der bessere Weg ist, sein Leben mit seinen Herausforderungen anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

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