Test: Zenwalk 6.0 RC1

Vor ein paar Tagen ist vom nächsten Zenwalk Version der erste Release Candidate erschienen. Nach zwei Tagen testen hier mein erster Eindruck von der neuen Version.

Zenwalk Desktop
Der Zenwalk-Desktop nach der Installation: Schlicht und funktional.

Zunächst ein paar grundsätzliche Worte zu Zenwalk: Diese Distribution ist ein Ableger von Slackware-Linux, einer der ältesten, schnellsten und stabilsten Linux-Distributionen, die es gibt. Auch die neue Version von Zenwalk ist kompaktibel mit Slackware (Version 12.2). Man kann also ohne Probleme Pakete, die auf Slackware 12.2 laufen auch hier installieren. Die Zielsetzung von Zenwalk ist, aktuell, schnell und nicht zu überladen zu sein. Von Slackware unterscheidet sich Zenwalk v.a. durch einige eigene Konfigurationstools und durch die Wahl der Desktop-Umgebung: Es kommt hier statt KDE das etwas schlankere XFCE zum Einsatz.

Installation

Zenwalk ist nichts für blutige Linux-Neulinge. Das wird gleich bei der Installation klar. Während die meisten Linux-Distributionen heute einen grafischen Installer haben und viele sogar erst mal ein Live-System booten, von dem aus man bequem installieren kann, so hat man bei Zenwalk den Eindruck, man wird in die 80’er zurück gebeamt. Die ganze Installation wird mit einem Text-basierten Installer erledigt. Ich finde das gar nicht soooo schlecht. Das funktioniert genau so gut wie ein grafischer Installer, man kann alle nötigen Einstellungen vornehmen, der Installer ist seit vielen Jahren bewährt und arbeitet zuverlässig. Sieht halt nicht so schön bunt aus wie bei anderen.

Die Paketauswahl hat man sich gespart, es wird einfach alles was auf der Installations-CD drauf ist installiert. Zusätzliche Software kann man dann auch später über die Repos nachinstallieren. Etwas ärgerlich finde ich, dass Zenwalk immer noch den Bootloader LILO installiert. Der Standard bei den meisten anderen Distributionen ist inzwischen Grub. Das ist leichter zu handhaben und gerade bei Computern mit verschiedenen Linux- und Windowssystemen geht die Konfiguration einfacher. Seltsam ist auch, dass LILO so voreingestellt ist, dass es dann beim Start nicht etwas Zenwalk automatisch auswählt und startet sondern Windows! 🙁

Die Installation selbst geht sehr schnell. Auf meinem 4,5 Jahre alten PC (Intel Pentium) dauerte es nur knapp 10 min. bis alle Software-Pakete installiert waren. Nach dem Neustart werden dann zunächst einmal die Zustimmung zu verschiedenen Lizenzbedingungen abgefragt (bei mir war das die GNU-Lizenz, Adobe und Intel). Danach werden einige Systemeinstellungen vorgenommen: Lokalisierung, root-Passwort und die Einrichtung von Benutzern.

Hardware-Erkennung

Leider wurde die Auflösung meines Monitors nicht richtig erkannt. Zenwalk wählte eine viel niedrigere Auflösung und das sieht auf einem LCD-Bildschirm dann ziemlich hässlich und pixelig aus. Leider gab es auch kein Tool, um die Auflösung nach oben zu korrigieren. Für meine NVIDIA-Grafikkarte wählte Zenwalk den freien Treiber nv. Im Repo findet sich dann zwar auch ein NVIDIA-Treiber, doch der funktionierte bei mir nicht. Erst nach dem Herunterladen und Installieren des Originaltreibers von NVIDIA funktionierte die beschleunigte Darstellung. Mit dem Tool von NVIDIA kann man dann auch die Bildschirmauflösung auf die korrekten Werte setzen. Schade, dass Zenwalk (zumindest bei mir) solche Probleme mit der Grafik hat.

NVIDIA X-Konfigurationstool
NVIDIA X-Konfigurationstool

Die restliche Hardware wurde zuverlässig erkannt. Der Sound funktionierte auf Anhieb und auch mein Kartenleser läuft problemlos.

Software

Ein Grundsatz von Zenwalk ist es, für jede Aufgabe nur ein Programm zur Verfügung zu stellen. Das finde ich einen guten Ansatz. Falls einem das jeweilige Programm nicht passt, kann man es dann immer noch löschen und ein anderes installieren. Erwähnenswert ist v.a. dass mit der Version 6.0 von Zenwalk nun OpenOffice 3.0.1 als Standard-Office-Programm installiert wird (vorher war es Gnome Office). Gute Entscheidung! Vor allem schön, dass man OpenOffice mit deutscher Sprachunterstützung schnell aus den Zenwalk Repos herunterladen kann. Bei der „Mutter-Distribution“ Slackware ist das nicht so einfach, weil Slackware selbst kein OpfenOffice anbietet. Man ist auf die Original-Pakete von OpenOffice angewiesen (die allerdings nur im deb- oder rpm-Format angeboten werden und dann mit tgz2rpm für Slackware umgewandelt werden müssen) oder man findet woanders (z.B. bei slacky.eu) ein entsprechendes Packet (die sind dann aber nicht in deutsch…).

Ansonsten ist alles wichtige vorhanden. Gimp zur Bearbeitung von Bildern, gThumb für das Betrachten und organisieren von Fotos, Exaile für die Musik, Icweasel, Icedove, gftp und Pidgin für’s Internet, Brasero als Brennprogramm und noch einiges mehr. Interessant ist auch, dass Zenwalk das brandneue XFCE 4.6 als Desktopumgebung einsetzt. Das hat keine weltbewegenden Neuerungen seit Version 4.4, aber doch manche Verbesserungen im Detail. Schön ist, dass das Flash-plugin für den Browser gleich installiert ist (deswegen am Anfang auch der Lizensvertrag von Adobe). Bei anderen Distributionen, die Wert auf freie Software legen muss man das nachträglich installieren (die nicht-propietären Alternativen funktionieren leider bis jetzt alle nicht so gut wie das Original von Adobe…). Andere proprietäre Software, wie z.B. Java von Sun findet sich auch in den Repos. Seltsam finde ich bei Zenwalk dann allerdings, dass zwar das Adobe-Flash-Plugin installiert wird, aber beim Browser dann Iceweasel statt Firefox verwendet wird.

Die Verwaltung der Software übernimmt das Zenwalk spezifische Tool Netpkg. Das ist nicht so komfortabel und intuitiv wie z.B. Synaptic bei Debian, aber es funktioniert ganz ordentlich. Es hat ein grafisches Frontend, in dem man nach Paketen suchen kann und das auch die notwendigen Paketabhängigkeiten mit installiert. Schade ist, dass man immer nur ein Repo auswählen kann und man bei einem Wechsel des Repos dann wieder neu laden muss.

Die Zenwalk eigene Software-Verwaltung Netpkg
Die Zenwalk eigene Software-Verwaltung Netpkg

Das Zenwalk-Repo ist natürlich nicht so groß wie bei Debian, Ubuntu oder Fedora, aber alle grundlegende Software ist vorhanden. Wer mit XFCE nicht glücklich wird kann z.B. auch KDE (noch in der stabilen und bewährten Version 3.5.10) oder Gnome (in der Version 2.24) nachinstallieren. Auch Compiz ist im Repo vorhanden und es funktioniert bei mir hier einwandfrei. Falls es speziellere Software-Wünsche gibt, findet man so manches auf slacky.eu. Ich mag z.B. die Google Gadgets für Linux. Die funktionieren seit einiger Zeit stabiler und zuverlässiger als so manche andere Linux-Desklets. Bei slacky.eu findet man die passende Version für Slackware 12.2 und die läuft dann unter Zenwalk ohne Probleme.

Mein Zenwalk Desktop mit gkrellm (links unten) und Google Gadgets (rechts)
Mein Zenwalk Desktop mit gkrellm (links unten) und Google Gadgets (rechts)

Performance

Klein, schnell und stabil! So könnte man Zenwalk zusammenfassen. Zenwalk ist eine der schnellsten Linux-Distributionen, die es gibt. Der Boot-Vorgang ist bei mir ähnlich schnell wie bei Debian Lenny oder wie bei Arch-Linux. XFCE an sich ist ja auch schon nicht gerade langsam. Vom Speicherverbrauch her bin ich aber eher etwas enttäuscht. Von XFCE und von so einer schlanken Distribution hätte ich mir einen sparsameren Umgang mit dem Arbeitsspeicher erhofft. Ich hab auch bei einer längeren Iceweasel-Sitzung und mehreren anderen geöffneten Programmen einen unverhältnismäßig großen Zuwachs des Speicherbedarfs festgestellt und auch die CPU war dann ziemlich am rotieren. Weiß aber nicht, ob das an Iceweasel lag, dem noch ziemlich neuen XFCE oder an Zenwalk?

Mit der Stabilität hatte ich bis jetzt keinerlei Probleme. Hier machen sich die guten und zuverlässigen Wurzeln bemerkbar: Slackware ist ganz einfach sehr stabil und zuverlässig.

Look and Feel

Naja, ganz nett – aber es wirkt alles ein bisschen altbacken. Nicht modern und stylisch, wie manche neueren Distributionen, die KDE 4.2 verwenden.

Fazit

Ich mag Zenwalk. Es kommt natürlich darauf an, was man will. Ubuntu oder OpenSuse sind irgendwie umfassender und benutzerfreundlicher. Aber sie sind dadurch auch größer und behäbiger: Da wird einfach alles installiert und aktiviert, was der Benutzer evtl. benötigen könnte. Ich mag es lieber, wenn ein schlankes Grundsystem installiert wird und man sich dann alles was man sonst noch braucht selbst zusammen sucht. Und das geht bei Zenwalk gut.

Positiv ist vor allem die Geschwindigkeit und die Stabilität. Problematisch war bei mir die Erkennung der richtigen Grafikeinstellungen. Da musste man mit einiger Handarbeit nachbessern. Aber es handelt sich ja auch erst um einen Release Candidate. Bis zur Final gibt es vielleicht noch manche Verbesserung.

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