Test: Mandriva One 2009.1 RC 1 (KDE4)

Zu Mandriva habe ich eine besondere Beziehung: Vor ca. 7 Jahren war das die erste Linux-Distribution, die ich wirklich für den produtkiven Einsatz Windows vorgezogen habe. In Sachen Benutzerfreundlichkeit und Einsteigerfreundlichkeit waren Mandrake (so hieß die Distribution damals noch)  und Suse damals das Beste, was es gab (von Ubuntu wusste noch niemand was…). Noch im Frühjahr soll die neue Version 2009.1 von Mandriva herauskommen (geplanter Public Release: 29.04.2009). Am 11. März erschien der erste Release Candidate, den ich mir ein bisschen genauer angeschaut habe und von dem ich hier ein paar Eindrücke weitergebe.

Installation

Von den verschiedenen Versionen von Mandriva hab ich mir die One Live CD für KDE 4 herunter geladen. Der große Vorteil gegenüber der Free-DVD ist, dass man die Hardware vor der Installation im Live-Betrieb ausprobieren kann und dass auch manch proprietäre Software mitgeliefert wird. So wurde z.B. meine NVIDIA Grafikkarte schon im Live-Modus erkannt und automatisch richtig konfiguriert. Sehr schön! Auch der Flash Player von Adobe ist schon mit dabei und muss nicht später nachgeladen werden. Sound funktionierte bei mir auch auf Anhieb. Ärgerlich war nur, dass die Tastaturbelegung im Live-Betrieb auf Englisch war – aber das kann man ja im Kontrollzentrum schnell ändern. Gut ist dagegen, dass manche Multimediatasten meiner Tastatur ohne weitere Konfiguration funktionierten.

Die Installation erfolgt dann im Live-Betrieb und funktionierte bei mir tadellos. Bei der One-CD gibt es keine Paketauswahl, sondern er wird einfach die begrenzte Softwareauswahl der CD aufgespielt. Als Bootloader wird Grub installiert und dabei wurden auch die bei mir noch installierten Systeme richtig erkannt und eingebunden (Windows XP, Opensuse und Debian). Beim ersten Neustart nach der Intallation werden dann einige Einstellungen gemacht (Land festlegen, Passwort und User anlegen). Gut ist, dass inzwischen die Repos automatisch eingebunden werden und auch beim ersten Start aktualisiert werden. Dann folgen noch die nervigen Hinweise zur auf die Bezahl-Version von Mandriva und die Einladung zu einer User-Umfrage.

Komisch war bei mir dann, dass trotz vorheriger Eingabe des Landes nun beim Start von KDE die Tastatur und die Zeitzone noch einmal extra umgestellt werden musste. Die Kontrollleiste von KDE erstreckte sich bei mir nicht über die gesamte Bildschirmbreite. Ich nehme nicht an, dass das so gewollt ist (lässt sich aber schnell ändern). Ansonsten ist mir noch aufgefallen, dass Compiz im Kontrollzentrum zwar als Auswahl für Desktop Effekte zur Verfügung steht, dass es aber nicht richtig konfiguriert ist und man da noch einiges an Handarbeit anlegen musste. Ärgerlich ist, dass bei der One-CD das Drucksystem Cups nicht gleich mitinstalliert wurde. Auch die Hilfstools im Kontrollzentrum für die Druckereinruchtung wurden nicht installiert. Für einen Einsteiger ist es damit fast unmöglich, seinen Drucker zum Laufen zu bringen. Woher soll er wissen, dass er erst mal das Paket system-config-printer installieren muss, um den Drucker konfigurieren zu können?

Was ist neu?

Natürlich gibt es einiges an Software, die seit der letzten Version aktualisiert wurde. Dazu zählt v.a. KDE 4.2.1, das deutlich flüssiger und stabiler läuft als 4.0 und 4.1. Auch das neue XFCE 4.6 kann über die Repos installiert werden. In der Final von 2009.1 soll dann auch Gnome 2.26 verfügbar sein. Openoffice liegt auch auf der One-CD in der aktuelle Version 3.0.1 bei. Firefox ist mit 3.0.7 dabei.

Als neues Feature besonders angekündigt ist das „Speed Boot“. Das klingt gut, erweist sich aber letztendlich als Augenwischerei. Beim RC1 ist es noch nicht standardmäßig aktiviert, es kann aber getestet werden, wenn man im Grub-Menu den zusätzlichen Parameter speedboot eingibt. Speedboot funktioniert so, dass zuerst alle nötige Software für das Starten des X-Systems geladen wird. Anderes, wie z.B. die Netzwerkverbindungen werden dann erst später nachgeladen und gestartet. Es wird also nicht wirklich die Ladezeit verkürzt, sondern es erscheint nur so, weil X früher startet.

Tatsächlich geht es auch sehr schnell bis der grafische Login-Manager erscheint. Aber: zumindest in der Form, wie es auf dem RC umgesetzt ist, bringt es praktisch nichts. Denn letztendlich entscheidend ist ja nicht wann der Login-Manager erscheint, sondern wann ich mit KDE arbeiten kann. Und hier bringt Speedboot bis jetzt gar nichts – im Gegenteil: Wenn ich meinen Computer mit KDE-Auto-Login starte, so dauert es mit Speedboot zwar nur 19 Sekunden von Grub bis zum Start des X-Systems (beeindruckend!), aber bis dann KDE vollständig da ist (bzw. bis der Begrüßungssound zu hören ist) vergehen dann insgesamt 1:17 min. Ohne Speedboot braucht Mandriva zwar einige Sekunden länger bis zum Start von X, allerdings ist der KDE-Sound schon nach 1:11 min zu hören!!! (Zum Vergleich: Auf demselben Computer braucht Opensuse 11 mit aktuellem KDE 4.2.1 1:07 min)

Mein Eindruck

Für einen ersten Release Candidate läuft das System schon ganz schön rund und zuverlässig. Natürlich gibt es noch so manche Feineinstellungen, die nicht so hundertprozentig stimmen. Mandriva ist eine sehr gute Linux-Distribution. Nach wie vor beeindruckend ist das Kontrollzentrum, in dem alle wesentlichen Einstellungen mit grafischen Tools gemacht werden können. Gerade für Einsteiger ist das sehr hilfreich. Die Speedboot Option überzeugt (bis jezt) noch nicht. Von der Performance her ist die Paketverwaltung bei den letzten paar Releases ständig besser geworden (kann allerdings immer noch nicht mit apt-get bzw. Synaptic von Debian mithalten). Insgesamt wirkt Mandriva auf mich von der Leistung her etwas behäbig. Es werden viele Dienste automatisch gestartet und relativ viel Speicher von vornherein belegt, auch wenn der User nicht alles davon wirklich braucht. Das Design (v.a. der Standardhintergrund und der KDE-Splash-Screen) ist gar nicht mein Ding. Spricht mich überhaupt nicht an – aber das kann man ja schnell ändern…

Von der Ausrichtung her könnte man Mandriva mit Opensuse vergleichen. Einsteigerfreundlich, professionell und umfassend. Im direkten Gegenüber würde ich mich für Opensuse entscheiden. Das läuft nach meiner Einschätzung einfach einen Tick zuverlässiger und durchdachter.

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