Sprüche 27, 1-7 Ratschläge, die wehtun und guttun

„Die Schläge des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hasser sind trügerisch.“ (V.6) Was für eine tiefe Wahrheit! Aber es ist wie so oft: Diese Wahrheit einzusehen ist relativ leicht, aber sie zu leben ist unendlich schwer. Ich merke das bei mir selbst. Ich bin ein eher harmoniebedürftiger Mensch. Jemand zurecht zu weisen fällt mir schwer. Ich schweige lieber, um des lieben Friedens willen. Noch schwerer ist dies bei jemand, den man liebt. Denn wenn man einen Freund „schlägt“ (z.b. indem man ihm einen kritischen Ratschlag gibt), dann tut das einem selbst auch weh.

Schwierig finde ich auch zu beurteilen, was denn gut für den Anderen ist. Wann ist es besser zu reden und wann ist es besser schweigend zu unterstützen? Kann ich aus meiner Perspektive beurteilen, was besser für den Anderen ist? Und selbst wenn ich mir sicher bin: wie kann ich es sagen, so dass es beim Anderen auch ankommt und er es versteht? Keine leichte Sache…

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Galater 6, 1-5 Lasten tragen statt vergrößern

Immer und immer wieder ist es dasselbe: bei anderen sehen wir die Fehler und ihr Versagen sehr viel schneller als bei uns. Immer und immer wieder ist es dasselbe: anstatt dem anderen die Wunden zu verbinden, legen wir unseren Finger in seine Wunden und stochern darin herum. Und wenn ich das so schreibe, dann muss ich mit dieser Feststellung bei mir selbst anfangen: auch ich bin einer, der immer und immer wieder die Fehler beim anderen sucht…

Paulus sagt uns, dass wir zuerst mal uns selbst anschauen sollen: „Ein jeder prüfe sein eigenes Werk“ (V.4). Schau zuerst mal dich selbst an, schau auf das was du tust und denkst. Dieses Schauen auf sich selbst hilft zur nötigen Demut, Nachsicht und Sanftmut. Wenn du dann beim anderen eine „Verfehlung“ entdeckst, dann hilft „ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist“ (V.1). Vergrößere die Last des anderen nicht durch Vorwürfe und selbstgerechte Besserwisserei, sondern hilf dem anderen mit dem Tragen seiner Last (V.2).

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