Apostelgeschichte 11, 1-18 Ein Herz und eine Seele

„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.“ (Apg.4,32) Mit diesen schönen Worten beschreibt Lukas die Einheit der ersten Christen. Im heutigen Abschnitt stellen wir fest, dass diese Einheit nicht bedeutet, dass die Urchristen sich nie gestritten hätten und immer einer Meinung waren. Als Petrus nach seiner Begegnung mit dem Hauptmann Kornelius wieder zurück kam, „stritten die gläubig gewordenen Juden mit ihm“ (V.2). Sie waren ganz und gar nicht einig mit dem, wie sich Petrus verhalten hatte.

Die Einheit zeigt sich nicht darin, dass die Urchristen immer einer Meinung waren, sondern darin, wie sie mit diesem Konflikt umgegangen sind. Petrus erzählt erst einmal in Ruhe, was passiert war und warum er so gehandelt hat. Die anderen lassen ihn reden und hören erst einmal zu. Sie beharren nicht auf ihrer Meinung, sondern lassen sich überzeugen: „Als sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott…“ (V.18) Sie erkannten, dass Petrus nicht eigenmächtig gehandelt hat, sondern dass er sich von Gott leiten lies.

Solch eine Einheit wünsche ich uns auch heute. Wir brauchen nicht immer einer Meinung sein. Wir können auch streiten. Aber es ist wichtig, dem Anderen zuzuhören und seinen Weg mit Gott ernst zu nehmen. Die Christen damals konnten ihre Meinungsverschiedenheit beilegen und haben sich gemeinsam an Gott ausgerichtet. Wobei dann in Apg. 15 deutlich wird, dass das Thema der Heidenmission weiterhin für Differenzen sorgte. Das Streitthema wurde nicht einfach beiseite geräumt, sondern sorgte weiterhin für Diskussion. Trotz allen Differenzen waren sie aber eins vor Gott.

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Sprüche 31, 1-8 Zuhören, statt aburteilen

Keiner weiß, wer Lemuel, der König von Massa ist. Der Ortsname und auch manche Ausdrücke in diesem Abschnitt weißen auf einen arabischen Stamm hin. Ein jüdischer König dieses Namens ist auf jeden Fall nicht bekannt. Ich finde es klasse, dass die Bibel so offen für Traditionen von außerhalb ist. So manche Christen sind da heute engstirniger. Der jüdische Glauben erkennt nicht nur außerisraelitische Weisheit als wahr und gut an, er nimmt sie sogar in die Heilige Schrift auf!

Das steht in einer gewissen Spannung zum gestrigen Abschnitt, in dem betont wird, dass wahre Weisheit von Gott kommt. In Spr. 30,6 werden wir darauf hingewiesen, nichts zu Gottes Worten hinzuzufügen. Aber offensichtlich kann sich Gottes Weisheit auch in den Worten von nichtisraelitischen Königen zeigen. Und umgekehrt muss nicht alles wahr sein, was israelitische Propheten im Namen Gottes sagen. Es tut uns also gut, in Demut auch das anzuhören, was Menschen mit anderem Glauben Gutes zu sagen haben…

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