Sprüche 30, 1-19 Genug haben

Agur warnt vor all zu großer Selbstsicherheit des Weisen. Menschliche Weisheit ist gut und richtig, aber wir dürfen dabei nie vergessen, dass wir nur Menschen sind und unser Wissen daher begrenzt ist. Wirkliche Weisheit finden wir nur bei Gott und dem was er uns offenbart. Agur stellt hier (V.4) ähnliche Fragen, wie Hiob sie von Gott gestellt bekommt (Hiob 38). Hiob kommt mit der Frage nach dem Leid an die Grenze der menschlichen Weisheit. Er bekommt auch letztendlich von Gott keine Antwort, sondern wird auf seine menschliche Begrenzung hingewiesen. Auf eben diese Grenze weist auch Agur hin.

Mir gefällt in dem Abschnitt besondert V.8f. Agur bittet darum, weder zu reich noch zu arm zu sein. Denn beides birgt Gefahren. Der Reiche wird schnell satt und vergisst Gott dabei. Der Arme steht in der Gefahr aus Verzweiflung gegen Gottes Gebote zu verstoßen. Jeder der genug, aber nicht zu viel zum Leben hat, sollte von Herzen dankbar sein. Ich habe genug zum Leben, nicht nur materiell gesehen. Und doch kenne auch ich diese Gier nach mehr, diese innere Unzufriedenheit. Agur hält mir hier den Spiegel vor: Es ist gar nicht erstrebenswert noch mehr zu haben. Sei zufrieden und freue dich an dem, was du hast!

| Bibeltext |

John Naish: Genug

Dieses Buch spricht mir aus der Seele. Wir leben in einer Welt des Überflusses, wir haben mehr als genug – und trotzdem wollen wir immer mehr und mehr. Der britische Journalist John Naish entlarvt nüchtern die Fallstricke unserer westlichen Überflussgesellschaft. Um gut und zufrieden leben zu können, haben wir von allem Wesentlichen genug: Wir haben genug Informationen, Essen, Sachen, Arbeit, Auswahl, Glück, Wachstum (diesen Stichworten geht Naish in seinem Buch nach). Trotzdem machen wir uns vor: wenn wir nur noch ein bisschen mehr hätte, dann ginge es uns besser. Aber das ist ein Trugschluss.

Naish spricht sich für eine Lebensphilosophie des Genughaben aus. Weniger ist mehr. Wenn wir lernen, mit dem was wir haben, zufrieden zu sein, dann leben wir entspannter und erfüllter. Der Autor geht sehr rational an die Sache heran und zitiert oft wissenschaftliche Untersuchungen. Er argumentiert auch des Öfteren mit der menschlichen Evolutionsgeschichte.

Um so überraschender war für mich das letzte Kapitel, in welchem er den grundsätzlichen Lebensansatz entfaltet, wie wir nach seiner Meinung der Überflussgesellschaft entkommen können: Dankbarkeit. Er empfiehlt uns, dankbar für das zu sein, was wir haben. Das geht bei ihm sogar so weit, dass er – als jemand der mit Gott offensichtlich nicht so viel anfangen kann – mit seiner Familie die Sitte des Tischgebets eingeführt hat! Auch wenn er nicht daran glaubt, dass dieses Gebet tatsächlich von einem Gott gehört wird, sieht er es als sinnvoll an, um sich darin in Dankbarkeit zu üben. Da können auch wir Christen noch so einiges lernen…

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Und bring mich ans Ziel

Immer wieder begegnen mir ältere Christen, die mich faszinieren und deren Glauben mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt (leider begegne ich auch vielen älteren Christen, die mich eher enttäuscht und frustriert machen…;) ). Gestern habe ich eine Frau besucht, die weit über 80 Jahre alt ist. Sie hatte kein einfaches Leben und so manche Schicksalsschläge einstecken müssen. Aber dennoch strahlt sie eine gewaltige innere Zufriedenheit aus. In diesem Wort Zufriedenheit steckt ja der Frieden, und diesen habe ich bei der Frau gespürt. Eigentlich wollte ja ich ihr etwas Gutes tun mit diesem Besuch – aber als ich zur Haustür rausging, hab ich mich selbst reich beschenkt gefühlt.

Diese Frau ist dankbar für ihr Leben, für alles was Gott ihr geschenkt hat (wobei sie auch immer noch den Schmerz fühlt, über das was Gott ihr genommen hat). Aber sie ist auch bereit zu gehen. So manche ältere Menschen, auch Christen, klammern sich mit einer krampfhaften Verzweiflung am Leben fest. Sie haben eine tiefe Angst vor dem was kommt. Diese Frau nicht. Sie hat sich mit ihrem eigenen Tod auseinander gesetzt und ist bereit dafür. Nicht dass sie Todessehnsucht hätte -aber sie freut sich auf die Gemeinschaft mit ihrem Herrn. Sie betet täglich: „Halte mich fest und bring mich ans Ziel.“
Wunderschön! Diese Zufriedenheit, auch wenn im Leben nicht alles so gelaufen ist, wie man es sich erträumt hat. Wunderschön! Diese zuversichtliche Geborgenheit in Gottes Händen. Wunderschön! Dieser göttliche Frieden, der sich in einem Menschenleben zeigt.

Kohelet 5, 9-19 Körnchen des Glücks

„Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben.“ (V.9) Zack! Das sitzt! Recht hat er! Und wie! Bis heute! Mehr denn je! Das Gute bei Kohelet ist, dass er nicht einfach ein Polemisierer ist, der mit extremen, vereinfachenden und platten Positionen alles niedermäht. Er sagt nämlich nicht, dass man nur ohne Geld glücklich werden kann, dass das Kapital abgeschafft werden sollte, dass man nur richtig glücklich wird, wenn man von der Luft und der Liebe lebt: „Denn wenn Gott einem Menschen Reichtum und Güter gibt und lässt ihn davon essen und trinken und sein Teil nehmen und fröhlich sein bei seinem Mühen, so ist das eine Gottesgabe.“ (V.18)

Also: Reichtum lieben? Nein! Davon wirst du niemals satt. Du willst immer mehr und wirst immer hungriger dabei! Aber: Reichtum genießen? Ja! Als Gabe Gottes, als Geschenk. Die Kunst ist, mit „seinem Teil“ zufrieden zu sein und sich darüber zu freuen, anstatt immer von der Sehnsucht nach dem Ganzen getrieben zu sein. Das Ganze, die Fülle des Lebens, der Reichtum des völligen Friedens und Glücks, den kriegst du hier auf Erden nie zu fassen. Darum genieße die Körnchen des Glücks, die Gott dir jetzt schon schenkt!

| Bibeltext |

Kohelet 3, 9-15 Spaßgesellschaft?!

Gar nicht so leicht zu verstehen, was der Prediger eigentlich sagen will. Aber ich glaube, es geht in folgende Richtung: Versuche nicht die großen Dinge und Zusammenhänge zu verstehen. Dafür ist Gott zuständig. Auch wenn wir das manchmal nicht kapieren und durchschauen, wird er dafür sorgen, dass alles zur richtigen Zeit passiert (V.11: Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit).

Was wir tun können und sollen ist, dass wir uns an den „kleinen Dingen“ freuen: Fröhlich sein, gemütlich tun, essen und trinken, guten Mutes sein (V.12-13). Auch das ist ein Geschenk Gottes. Genieße, was du hast und zerbrich dir nicht dauernd den Kopf über Dinge, die du nicht verstehst.

Wobei ich ergänzen würde, dass es schon ganz sinnvoll sein kann, auch mal über die großen Dinge (wie z.B. dem Sinn des Lebens) nachzudenken. Auch der Prediger hat das ja getan und ist erst durch diese Überlegungen hindurch zu seinem Fazit gelangt. Wenn man von Anfang an nur an Spaß und einen vollen Bauch denkt, dann kann das auch schief gehen…

| Bibeltext |