Römer 15, 14-21: Demut und Sendungsbewusstsein

Bei Paulus finden wir eine interessante Mischung zwischen Demut und Sendungsbewusstsein. Auf der einen Seite schreibt er demütig, dass die Christen in Rom selbst genügend Güte und Erkenntnis haben, um sich untereinander zu ermutigen (V.14). Sie brauchen die Worte des Paulus eigentlich gar nicht. Paulus nimmt sich nicht zu wichtig. Andererseits nimmt er von sich selbst in Anspruch, dass seine Worte keine Privatmeinung sind, sondern dass Christus durch ihn redet (V.18). Das klingt alles andere als bescheiden.

Um Christi Zeugen zu sein brauchen wir beides: Demut und Sendungsbewusstsein. Wir dürfen uns nicht zu wichtig nehmen, aber wir dürfen unsere Botschaft auch mit Mut und Gottvertrauen weitergeben. Die Demut betrifft uns selbst: Wir als Person sind nicht das entscheidende. Die Gewissheit betrifft unsere Botschaft: Sie ist vertrauenswürdig und muss nicht versteckt werden. Schwierig wird es, wenn wir zu sehr in eine Richtung tendieren. Manche Christen sind so demütig, dass sie den Mund nicht aufbekommen. Andere dagegen sind so gewiss, dass sie in der Gefahr stehen andere niederzuwalzen.

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Johannes 8, 24-41 Ich war blind…

Was wollen die Pharisäer hier eigentlich erreichen? Da wurde ein Mensch von Jesus geheilt und er bezeugt nur was er erlebt hat. Nach einer ersten Befragung und nach der Befragung der Eltern wenden die Pharisäer sich zum zweiten mal an den Geheilten. Aber wozu? Soll der Geheilte leugnen, dass er geheilt wurde? Soll er sich von Jesus distanzieren? Soll er Jesus als Scharlatan entlarven? Aber er kann ja nichts anderes sagen, als das was er erlebt hat: „Eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.“ (V.25)

Es geht den Pharisäern nicht um den geheilten Menschen. Es geht ihnen um Jesus. Jesus scheint für sie gefährlich und bedrohlich zu sein. Sie versuchen alles, um Jesus in Misskredit zu bringen. Die wunderbare Heilung eines Blindgeborenen passt ihnen darum gar nicht. Aber sie können das Geschehen ja nicht rückgängig machen. Sie haben sich in ihrer Abwehrhaltung verrannt.

Der Geheilte dagegen tut das, was Jesus von jedem von uns erwartet: er bezeugt vor anderen, was er mit Jesus erlebt hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er muss keine Wunder vollbringen. Er muss die Pharisäer nicht von Jesu Messianität überzeugen. Er muss keine theologischen Streitgespräche führen. Er muss keine Leute bekehren. Er braucht nur zu bezeugen, dass Jesus ihn sehend gemacht hat.

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Johannes 5, 31-47 Die Schrift als Zeugnis von Christus

Ich finden in diesem Abschnitt vor allem Jesu Aussagen zur Schrift interessant. Das ist ja bis heute eine spannende und durchaus kontrovers diskutierte Frage: In welchem Sinn ist die Bibel Gottes Wort? Jesus sagt hier auf jeden Fall ganz deutlich, dass die Schrift allein nicht zum ewigen Leben führt: „Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt.“ (V.39) Da sind also Menschen, für die ist die Schrift Gottes Wort und sie suchen das darin das ewige Leben – aber sie finden es nicht. Denn nicht die Schrift gibt ewiges Leben, sondern der von dem sie zeugt. Nach Jesus ist die Hauptaufgabe der Schrift also das Zeugnis von ihm selbst.

Ich finde das eine sehr gute Beschreibung. Die Schrift ist nicht an sich ein heiliger Text, der auf magische Weise zum Leben führt. Gott ist nicht in der Schrift zur Welt gekommen, sondern im Menschen Jesus Christus (ganz deutlich sagt das ja Johannes zu Beginn seines Evangeliums: Das Wort ward Fleisch – eben nicht im Buchstaben, sondern in der Person Jesu Christi). Die Schrift hat nicht an sich Autorität, sondern nur weil sie die entscheidende Autorität bezeugt: Jesus Christus. Damit ist beides festgehalten: Auf der einen Seite die Wertschätzung und Kostbarkeit der Bibel – denn sie ist das wesentliche und deutlichste Zeugnis von Jesus Christus. Zum anderen ist es aber auch eine Relativierung gegenüber einer falsch verstandenen Vergöttlichung der Bibel – sie ist nicht das Eigentliche, sondern nur ein Zeugnis vom Eigentlichen.

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Apostelgeschichte 28, 1-16 Endlich in Rom

Nun ist Paulus endlich in Rom angekommen. Schon im Römerbrief hat er der Gemeinde in Rom angekündigt, dass er sie gerne besuchen würde und dass er von Rom aus auch gerne in Spanien missionieren möchte (Röm.15,23f). Er sah seine Aufgabe im Osten des Römischen Reiches als erfüllt an und wollte nun auch im westlichen Teil das Evangelium verkündigen. Allerdings hat er sich seine Reise nach Rom wohl anders vorgestellt. Denn er kommt nicht als freier Mann nach Rom, sondern als Gefangener. Immerhin war er ein Gefangener mit Sonderbehandlung: er durfte alleine wohnen und hatte nur einen Soldaten, der ihn bewachte. Auch schien es kein Problem zu sein, dass er mit den Christen von Rom Kontakt hatte.

Gottes Wege sind manchmal anders, als wir uns das vorstellen. Wie es dem Paulus selbst wohl dabei gegangen ist? Lukas berichtet nichts über sein Innenleben. Hatte Paulus seine Fragen und Zweifel über diesen Weg, den Gott mit ihm gegangen ist? Oder konnte er diesen Gefangenentransport nach Rom als gute Fügung Gottes ansehen? Wie auch immer: er erscheint nicht als ein Mensch, der resigniert hat, sondern er nutzt jede Möglichkeit, um anderen zu helfen und um Jesus zu bezeugen.

Apostelgeschichte 26, 1-23 Paulus bezeugt seinen Glauben

Paulus scheint richtig froh gewesen zu sein, endlich mal vor jemand reden zu dürfen, der die religiösen Hintergründe seiner Auseinandersetzung mit den jüdischen Leitern von Jerusalem richtig verstehen und einordnen konnte. Agrippa II. war selbst Jude, wurde jedoch am römischen Kaiserhof erzogen. Er kannte also sowohl die jüdische Welt, wie auch die römische. Er durfte den Titel König von Judäa führen und hatte als dieser auch von politischer Seite her die Oberaufsicht über den Tempeldienst in Jerusalem. Er setzte sich für ein reibungsloses Miteinander von Römern und Juden ein und versuchte z.B. auch den jüdischen Krieg (66-70 n.Chr.) durch Verhandlungen zu verhindern.

Paulus kommt in seiner Rede gar nicht auf die politischen Anklagepunkte zu reden, sondern gibt im wesentlichen ein persönliches Glaubenszeugnis. Er berichtet von seiner eigenen Bekehrung und betont dabei seine bleibende Verbundenheit mit dem Judentum bzw. vor allem mit deren Heiligen Schriften (V.22b: „Propheten und Mose“). Paulus benützt die Gelegenheit ganz einfach, um seinen Glauben an Jesus zu bezeugen und auch andere davon zu überzeugen. Auch hier fällt wieder auf, dass er nicht provozieren und polemisieren will, sondern dass er sein Zeugnis so formuliert, dass es bei seinem jüdischen Zuhörer verstanden wird. Ein klares Zeugnis, dass doch einladend und werbend formuliert ist.

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