Johannes 13, 1-11 Dreckige Füße

Die Fußwaschung ist offensichtlich eine Zeichenhandlung. Jesus will seinen Jüngern damit etwas deutlich machen. Wie so vieles konnten sie auch dieses Zeichen erst nach Kreuz und Auferstehung richtig verstehen. Zu Beginn wird auf Jesu Tod hingewiesen („erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater“, V.1). Der Zusammenhang legt darum nahe, die Fußwaschung als ein deutendes Zeichen für Jesu Tod am Kreuz zu sehen. Durch das Kreuz reinigt Jesus seine Jünger.

Simon Petrus sieht zunächst nur die äußere Handlung: Das Waschen der Füße war damals ein Sklavendienst. Darum will er es nicht annehmen, dass Jesus ihm die Füße wäscht. Aber wer nicht auf Jesu Heilstat am Kreuz vertraut, der hat keinen Anteil daran. Darum ist es auch für Petrus wichtig, sich von Jesus die Füße waschen zu lassen.

Jesus wird zum Diener. Am Kreuz wäscht er uns die dreckigen Füße. Er reinigt uns von unserer Sünde. Er nimmt all unser Versagen, unsere Wut, unseren Hass, unsere Überheblichkeit, unseren Stolz, unsere Lieblosigkeit, unsere Unfähigkeit, unsere Müdigkeit, unsere Verzweiflung, … auf sich. Vielleicht verhalten auch wir uns manches mal wie Simon Petrus und wollen uns gar nicht eingestehen, dass wir das nötig haben. Wir sind doch Christen, wir verhalten uns im Vergleich zu anderen doch gar nicht schlecht, wir sind doch ganz okay, so wie wir sind. Ist es wirklich nötig, dass sich Jesus für uns die Hände dreckig macht? Ja! Jeder braucht das. Immer wieder neu.

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Hesekiel 4 Ein antiker Aktionskünstler

Neben Visionen und normaler prophetischer Verkündigung sind Zeichenhandlungen für Hesekiel typisch. Und zwar Zeichenhandlungen, in denen er selbst zum Zeichen, zum Symbol wird. In diesem Kapitel soll er mit Zeichenhandlungen den drohenden Untergang von Jerusalem und die Schuld des Volkes ankündigen. Besonders bei der zweiten Handlung verlangt Gott viel von ihm: Er soll sich 390 Tage lang auf die linke Seite legen und damit das Tragen der Schuld Israels symbolisieren. Dann soll er für die Schuld Judas 40 Tage lang auf der rechten Seite liegen. Während dieser Zeit soll er sein Essen und Trinken streng rationieren, um den Mangeln an Nahrungsmitteln in der drohenden Belagerung der Stadt Jerusalem zu verdeutlichen.

Erstaunlicherweise hat er dagegen wohl nichts einzuwenden gehabt. Nur als Gott verlangt, dass er in dieser Zeit seine Gerstenfladen auf Menschenkot backen soll, da wehrt er sich: nicht weil er das als eklig empfand, sondern weil er sich damit nach dem alttestamentlichen Gesetz unrein machen würde. Körperliche Schmerzen und Mangel macht ihm weniger aus, als sich in seinem Glaubensleben zu verunreinigen!

Hesekiel gibt sich mit seinem ganzen Leben dem Wort Gottes hin. Und wo Worte nichts mehr nützen, da stellt er sich selbst als Symbol zur Verfügung, um seine Mitmenschen wachzurütteln. 430 Tage lang auf dem Boden rumliegen und kaum genug Nahrung zum überleben haben! Über ein Jahr seines Lebens opfern, nur um deutlich zu machen, welche Schuld das Volk auf sich geladen hat! Extrem! Auch aus moderner, werbetechnischer Sicht ist das eine geniale und provozierende Aktion, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wie schnell geben wir uns dagegen oft geschlagen, wenn Menschen nichts von Gott wissen wollen! Wie langweilig und unkreativ sind wir dagegen oft, wenn es darum geht, auf die Botschaft unseres Glaubens aufmerksam zu machen!

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