Römer 10, 5-13: Zusammen, was zusammen gehört

Paulus bindet hier sehr schön zusammen, was zusammen gehört: mit dem Herzen glauben und mit dem Mund bekennen. Innerliche Herzensfrömmigkeit und äußerliches Bezeugen des Glaubens gehören zusammen. Wie so oft stehen wir Menschen in der Gefahr, die eine oder andere Seite zu sehr zu betonen. So manchem genügt sein kleiner privater Glaube, die innige Beziehung zwischen Gott und ihm. Einem anderen genügt es offiziell Christ zu sein, ab und zu im Gottesdienst zu sein und ein anständiges Leben zu führen. Aber beides für sich genommen ist zu wenig. Beides muss zusammenkommen: der Glaube des Herzens und das sichtbare Leben als Christ. Da dürfen wir auch nicht eines gegen das andere ausspielen oder herabsetzen.

Verdeutlichten kann man sich das z.B. an den Sakramenten. Taufe und Abendmahl sind äußerlich sichtbare Zeichen. Aber zugleich sind sie eben äußerliche Zeichen, die auf einen tieferen Vorgang verweisen. Beides ist wichtig. Das äußerliche Zeichen, das konkret, sichtbar und erlebbar ist. Aber genauso das, was dabei im Herzen eines Menschen geschieht. Das eine widerspricht dem anderen nicht, sondern es unterstützt sich gegenseitig.

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Johannes 14, 12-24 Größere Werke

Was für eine Verheißung: Wer an Jesus glaubt, der wird noch größere Werke tun als er (V.12)! Gigantisch! Aber in der Praxis kann das oft zu mehr Frust als Freude führen. Johannes berichtet ja von so manchen Zeichen und Wundern, die Jesus getan hat. Wenn ich im Vergleich dazu mein Glaubensleben anschaue, dann sieht das ernüchternd aus: Ich hab noch nie Wasser in Wein verwandelt, ich habe noch nie Brot vermehrt, ich habe noch nie Blinde sehend gemacht, ich habe noch nie Tote auferweckt… Was mache ich falsch? Habe ich nicht genug Glauben? Das scheint die einzig logische Erklärung zu sein – denn sonst müsste sich ja Jesus mit seiner Verheißung getäuscht haben. Und schon ist aus dieser wundervollen Verheißung ein Text geworden, der mich belastet, bedrückt und entmutigt.

Wie meint Jesus das? Um was geht es ihm? Was sind die größeren Werke, die seine Jünger tun werden? Ich glaube nicht, dass es Jesus darum geht, uns unseren fehlenden Glauben unter die Nase zu reiben. Vielleicht sind mit den größeren Werken nicht Wunder und Zeichen gemeint, welche Menschen auf äußerliche Weise beeindrucken. Vielleicht geht es in erster Linie um das große Wunder, dass Menschen zum Glauben finden. Wenn wir das Johannesevangelium lesen, dann stellen wir fest, dass durch Jesus selbst nur wenige Menschen zu einem echten und tiefen Glauben gefunden haben. Die meisten seiner Zeitgenossen haben am Ende geschrien: „Kreuzige ihn!“ – Auch wenn sie vielleicht davor kurzfristig über seine Wunder und Zeichen begeistert waren.

Aus dieser kleinen jüdischen Bewegung um Jesus von Nazareth herum ist heute eine weltumspannende Gemeinschaft geworden. Auch heute noch finden Menschen durch uns Christen zum Glauben. Vielleicht ist das eines der größeren Werke, die Gott durch uns auch heute noch tut.

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Johannes 12, 37-50 Glaube und Unglaube

Das ist der letzte Abschnitt vor den sogenannten Abschiedsreden. Der Abschnitt ist somit ein Fazit von Jesu öffentlicher Wirksamkeit, denn in den Abschiedsreden wendet sich Jesus dann an den engeren Jüngerkreis. Dieses Fazit fällt ernüchternd aus: „Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn.“ (V.37) Jesus hat seinen Anspruch nicht nur in Worten geäußert, sondern auch durch sichtbare Zeichen untermauert – und trotzdem glauben die Menschen nicht an ihn. Da ist es wieder: das Problem des Unglaubens, das Johannes in seinem Evangelium so oft anspricht. Wie kann es sein, dass Jesus Menschen begegnet, sie seine Zeichen sehen und sie dennoch nicht glauben?

Der Text versucht mit einem Hinweis auf zwei Jesajatexte ein Erklärung zu geben: Gott hat ihre Herzen verstockt. Aber ist das eine ausreichende Erklärung? Wenn nur das der Grund wäre, dann könnten die Menschen auch nicht für ihren Unglauben verantwortlich gemacht werden, denn dann trägt ja Gott die alleinige Schuld. Der Text gibt aber noch einen anderen Gedanken weiter: So manche – selbst von den Oberen – glaubten an Jesus, aber aus Menschenfurcht bekannten sie sich nicht zu ihrem Glauben. Nach dieser Erklärung ist nicht Gott schuld, sondern die Menschen selbst.

Wie so oft in der Bibel greifen wohl beide Erkärungsversuche ineinander über: Beides ist irgendwie richtig, aber eine Erklärung ohne die andere ist falsch. Glaube ist sowohl ein Geschenk Gottes als auch eine Entscheidung des Menschen. Dementsprechend ist es wohl auch beim Unglauben. Mir fällt dazu der berühmte Satz ein: „Bete, als ob alles arbeiten nichts nütze und arbeite als ob alles beten nichts nütze.“ Beim Glauben ist es vielleicht ähnlich. Es ist beides wichtig: Das menschliche Wollen und das göttliche Wirken. Wir können daraus allerdings keine einfache mathematische Gleichung machen: 50 % menschlicher Glaube plus 50 % göttliches Wirken. Nein, irgendwie ist beides zu 100 % nötig.

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Johannes 12, 1-11 Wahrer Reichtum

Die Geschichte ist mir schwer zugänglich. Jemand mit kostbarem Salböl die Füße zu salben ist ein Zeichen aus einer längst vergangenen und mir fremden Kultur. Dieses Zeichen und seine Bedeutung ist mir nicht mehr unmittelbar zugänglich und es ist schwer, sich vorzustellen, was die Menschen damals – auch emotional – damit verbunden haben. Den ganz profanen Einwand des Judas kann ich dagegen besser verstehen. Die Frage wie man Geld sinnvoll einsetzt, scheint damals wie heute dieselbe zu sein. Es ging dabei um viel Geld: umgerechnet der Jahreslohn eines Arbeiters.

In Zeiten knapper Kassen sind die Finanzen heute mehr als damals das am heißesten diskutierte und umkämpfte Thema in vielen Kirchen und Gemeinden. Ich erlebe es leider häufig, dass nie so leidenschaftlich und ausdauernd diskutiert wird, wie beim Thema Geld. Wenn wir auf anderen Gebieten genauso leidenschaftlich und ausdauernd wären, dann sähen unsere Gemeinden vielleicht anders aus. Die Tat Marias fordert mich auch heute noch heraus. Was ist mir Jesus wert und wie zeige ich das? Was für ein innerer Reichtum muss das sein, wenn jemand so viel Geld ausgibt, um seine Liebe zu Jesus zu zeigen? Was die Geschichte für mich auch deutlich macht ist, dass es letztendlich nicht um Geld geht, sondern dass unser wahrer Reichtum die Hingabe an Jesus ist.

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Johannes 6, 60-71 Der Mut des Glaubens

So manches mal denkt man ja, dass Glaube einfacher wäre, wenn Jesus tatsächlich leibhaftig vor einem stehen würde, wenn man tatsächlich die Worte aus seinem Mund hören könnte, wenn man die Zeichen und Wunder sehen könnte, die er getan hat. Aber die Textstelle heute zeigt, dass Glaube für die Jünger damals nicht einfacher gewesen ist als für uns heute. Ich vermute eher das Gegenteil: es war schwieriger. Vieles von dem was Jesus tat und sagte, konnten sie noch gar nicht richtig einordnen und verstehen. Wir heute können auf Jesu gesamtes irdisches Leben zurückblicken. Wir wissen um Kreuz und Auferstehung. Wir können die Andeutungen Jesu zum Abendmahl und damit zu seinem Kreuzestod besser einordnen.

Für die Jünger damals muss das alles ziemlich fremd und unverständlich gewesen sein. Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele von Jesus abgewandt haben (V.66). Wer weiß auf welcher Seite ich damals gestanden hätte? Glaube ist nie ein einfaches Wissen, sondern es ist immer Vertrauen. Es kostet heute wie damals Mut, sich auf diesen Jesus einzulassen.

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Johannes 6, 22-34 Was tust du für ein Zeichen?

In ähnlicher Weise wie die Frau am Jakobsbrunnen (Joh.4) zunächst nicht so richtig versteht, was Jesus meint, wenn er von lebendigem Wasser spricht, so verstehen auch hier die Zuhörer zunächst nicht richtig, was Jesus meint, wenn er von eine Speise spricht, die nicht vergänglich ist. Die Menschen haben ganz handfest erlebt, wie Jesus sie mit irdischem Brot satt gemacht hat. Jetzt sagt Jesus, dass sie eine andere Speise brauchen, eine Speise die zum ewigen Leben führt.

Die logische Frage ist dann: Was sollen wir denn tun? (V.28) Jesus sagt: An mich glauben! (V.29) Daraufhin fordern die Leute Zeichen. Sie wollen eine Grundlage für ihren Glauben, für ihr Vertrauen. Dabei haben sie doch kurz zuvor das Zeichen der wunderbaren Brotvermehrung miterlebt. Vielleicht ist gerade das eine Gefahr von Zeichen: man möchte immer wieder neu ein Zeichen, am besten noch ein deutlicheres und eindrucksvolleres.

Allerdings kann ich die Frage nach einem deutlichen Zeichen auch ganz gut verstehen. Es gab ja auch in der Bibel Menschen, die von Gott ein deutliches Zeichen wollten, ob ein bestimmter Weg der von Gott gewollte Weg ist. Glaube muss doch immer wieder auch konkret erfahren und erlebt werden – auch wenn es nur zeichenhaft ist. Ansonsten wäre es ja nur eine Vertröstung auf eine ferne Zukunft. Insofern macht die Spannung im Johannesevanglium durchaus Sinn: auf der einen Seite tut Jesus Zeichen und Wunder, auf der anderen Seite kritisiert er eine reine Zeichengläubigkeit. Denn letztendlich kommt es nicht darauf an, auf Zeichen zu vertrauen, sondern auf Gott.

Johannes 5, 1-9 So ist Gott

Wieder einmal wird deutlich, wie sorgfältig Johannes die Ereignisse für sein Evangelium ausgesucht und angeordnet hat. Nach der Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten, folgt eine weitere Heilung – allerdings am anderen Ende der Gesellschaft. Zuerst jemand der mit den römischen Besetzern zusammen arbeitet, dann jemand, der wegen seiner langjährigen Krankheit aus der Gesellschaft ausgeschlossen ist. Zuerst jemand, der von sich aus auf Jesus zukommt und um Heilung bittet, dann jemand, der von Jesus angesprochen wird. Johannes macht damit deutlich: Jesus wendet sich allen zu. Es gibt für ihn keine gesellschaftlichen oder politischen Schranken.

Mich berührt die Leidensgeschichte dieses kranken Mannes. 38 Jahre lang ist er schon krank und er scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben. Andere sind immer schneller als er. Als Jesus ihn fragt, ob er gesund werden will, antwortet er darauf gar nicht, sondern erklärt nur, warum er darauf keine Hoffnung hat. Trotzdem wendet Jesus sich ihm zu – ungefragt und ungebeten. Aus reiner Barmherzigkeit. Auch das ist ein Zeichen. Ein Zeichen an dem Gottes Wesen deutlich wird.

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Johannes 4, 43-54 Wunderglauben

Das Verhältnis von Glaube und Wundern scheint schon für Jesus nicht ganz einfach gewesen zu sein. Er beklagt sich über seine Zeitgenossen: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ (V.48) Hier wird deutlich, dass das Entscheidende nicht die Zeichen und Wunder sind, sondern der Glaube. Wenn ein Mensch körperlich gesund wird, dann ist das schön. Es ist ein Zeichen für Gottes heilschaffende Macht. Aber wenn ein Mensch zum Glauben kommt, dann ist das das Entscheidende um das es Jesus geht.

Aber trotz seiner Klage über Wundergläubigkeit tut er ein weiteres Wunder und heilt den Sohn des Mannes aus der Ferne. Und Johannes bestätigt ausdrücklich, dass dies dann positive Auswirkungen auch für den Glauben der Beteiligten hat: „Und er glaubte mit seinem ganzen Hause.“ (V.53) Also ist es doch gut, dass dieses Wunder zum Glauben führte?! Zu beachten ist allerdings, dass der Glaube des Mannes schon vorher da war: „Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.“ (V.50) Schon bevor er das Wunder sieht, vertraut er auf das Wort Jesu. Das ist echter Glaube: Vertrauen, schon bevor ich etwas sehe.

Außerdem bezeichnet Johannes dieses Wunder ausdrücklich als Zeichen. Ein Zeichen ist immer etwas, das auf etwas anderes verweist. Ein Zeichen ist nicht das Eigentliche, sondern ein Hinweis auf das Eigentliche. Wunder sind nicht das Eigentliche, sondern sie verweisen auf Gott und seine heilschaffende Macht. Wenn es nur um das Zeichen geht und nur das Zeichen Glauben weckt, dann ist etwas schief. Der Glaube bezieht sich nämlich auf Gott, bzw. Jesus und sein Wort, nicht auf das Zeichen.

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Johannes 2, 13-25 Worauf es wirklich ankommt

Für Johannes hat die Tempelreinigung ebenso programmatische Bedeutung wie das Zeichen bei der Hochzeit zu Kana. Gleich zu Beginn des Berichts über Jesu Wirksamkeit wird auch hier deutlich, um was es Jesus geht. Indem er den Tempel reinigt, macht er zeichenhaft deutlich, dass er die wahre Gottesverehrung wieder herstellen will. Glaube soll kein religiöses Geschäft sein, sondern soll sich allein auf Gott ausrichten. Gleich in dieser Geschichte wird auch deutlich, wie Jesus das letztendlich erreichen will: durch seinen Tod und seine Auferstehung (V.19). In der damaligen Situation konnte das niemand verstehen – erst im Nachhinein ist auch den Jüngern klar geworden, was damit gemeint ist.

Gleich zu Beginn lesen wir also hier einen Hinweis auf Jesu Heilshandeln in Tod und Auferstehung. So wie es schon vorher Hinweise darauf gab (z.B. Joh.1,29: Jesus als Gottes Lamm), soll hier deutlich werden, dass das ganze Evangelium unter diesem Blickwinkel zu lesen ist. Hier handelt nicht ein menschlicher Wundertäter oder ein großer Rabbi, sondern es handelt der Sohn Gottes, der für uns Erlösung und Heil bringt.

Für viele interessant ist natürlich die Frage, warum die Tempelreinigung bei Johannes zu Beginn von Jesu Wirksamkeit steht und bei den anderen Evangelien am Ende seiner Wirksamkeit. Was stimmt jetzt? Wer hat Recht? Wie war es historisch tatsächlich? Wenn wir ängstlich am Buchstaben kleben bleiben wollen, dann müssen wir behaupten, dass es zwei Tempelreinigungen gab. Ich für mich sage: Ich kann es historisch nicht genau sagen. Wir haben zwei Überlieferungen, die verschiedene Aussagen machen und dahinter kann ich nicht zurück. Wichtig ist für mich auch nicht, wann es geschehen ist, sondern dass es geschehen ist – und darin sind sich beide Überlieferungen einig.

Gerade dieser Abschnitt zeigt uns ja, wie sehr wir Jesus missverstehen, wenn wir uns nur am Buchstaben festklammern: die Juden können Jesu Aussage über den Tempel überhaupt nicht verstehen, weil sie Jesus nur buchstäblich verstehen (V.20). Jesus geht es aber in Wahrheit um eine ganz andere Ebene. So begegnen uns im Johannesevangelium häufig Missverständnisse, weil die Zuhörer Jesus auf einer viel zu oberflächlichen Ebene verstehen und gar nicht die geistlichen Wahrheiten dahinter erkennen. Ähnlich geht es uns, wenn wir die Wahrheit der Bibel an rein historischen Fragen festmachen wollen.

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Johannes 2, 1-12 Ein Hochzeitsfest am dritten Tag

Es ist kein Zufall, dass die erste öffentliche Handlung Jesu nach Johannes (er nennt es das „erste Zeichen“ Jesu; V.11) gerade die Weinvermehrung bei einer Hochzeit ist. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass Johannes am Anfang so betont, dass dies „am dritten Tag“ geschah (V.1). Das Johannesevangelium steckt voller tiefsinnigen Andeutungen hinter der Erzählebene.

In der alttestamentlichen Zukunftshoffnung wird die endzeitliche Erfüllung von Gottes Verheißungen oft mit einer Hochzeit verglichen. Wenn Gott kommt, dann wird ein Freudenfest gefeiert. Jetzt beginnt Jesu seine Wirksamkeit mit einem Freudenfest. Er sorgt sogar dafür, dass das Fest nicht so schnell zu Ende geht. Er sorgt für genügend Wein. Der Wein wird im Alten Testament teilweise kritisch gesehen, aber er ist auch ein Zeichen der Freude und der Fülle. Zu einem gelungenen Fest gehört einfach Wein dazu. Die Zeitangabe „am dritten Tag“ erinnert den Leser natürlich an Jesu Tod und Auferstehung. Jeder der die Geschichte Jesu auch nur ein wenig kennt, weiß dass er am dritten Tag nach seiner Kreuzigung auferstanden ist. In Jesu Wirksamkeit und erst recht durch seine Auferstehung am dritten Tag beginnt das endzeitliche Hochzeitsfest. Am Anfang des Markusevangeliums sagt Jesus: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen (Mk.1,15). Hier im Johannesevangelium macht er dasselbe durch seine Zeichenhandlung deutlich. In Jesus baut Gott sein Reich.

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