Josua 8 Göttlicher Hinterhalt

Israel hat erfahren müssen, dass sie ohne Gott keine Chance haben das verheißene Land zu erobern (Jos. 7). In diesem Kapitel ist nun das Verhältnis zwischen Gott und Israel wieder geklärt. Spannend finde ich jetzt, auf welche Weise Gott den Israeliten hilft. Bei Jericho stürzten durch ein Wunder die Stadtmauern ein. Gott hat etwas vollbracht, was völlig außerhalb der menschlichen Möglichkeiten lag. Bei der Eroberung der Stadt Ai gibt Gott dem Josua einfach eine Taktik mit auf den Weg, wie er die Stadt ohne große Verluste kriegerisch einnehmen kann: er soll einen Hinterhalt legen. Ein Teil der Streitkräfte soll sich in der Nähe der Stadt verstecken, ein anderer von vorne sichtbar anrücken, die Bewohner in Ai in einen Kampf verwickeln und so tun, als ob sie voller Angst fliehen. Dann sollen die Männer aus dem Hinterhalt die schutzlose Stadt erobern. Die Israeliten halten sich an den Plan und es funktioniert tatsächlich auch alles so.

Gott muss nicht immer durch ein übernatürliches Wunder eingreifen.Manchmal gibt er uns einfach auch nur Tipps, wie wir schwierige Situationen mit unseren eigenen Fähigkeiten und der Gewissheit von Gottes Nähe bewältigen können.

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Hesekiel 9 Wirkt Gott Unglück?

Kein angenehmes Kapitel: Hesekiel sieht in einer Vision, wie Todesengel durch Jerusalem gehen und einen Großteil der Bevölkerung erschlägt. Nur wer sich nicht am Götzendienst beteiligt hat, bekommt ein Zeichen auf die Stirn und wir verschont. Einige Jahre später kommt für Jerusalem tatsächlich die große Katastrophe: die Babylonier erobern die Stadt, zerstören den Tempel, viele Bewohner kommen um oder werden in das babylonische Exil gebracht.

Wie jedes geschichtliche Ereignis kann man diese Geschehnisse auch ohne Gott deuten: das ist halt politisch blöd gelaufen, vielleicht hätte man doch eine andere Bündnispolitik wählen sollen. Die Bibel deutet jedoch die Geschichte des Volkes Gottes immer auf dem Hintergrund ihrer Beziehung zu Gott. Der Untergang Jerusalems wurde von Hesekiel schon prophetisch und danach auch von anderen als Strafe Gottes für den Unglauben des Volkes gedeutet.

Ist damit im Umkehrschluss jedes geschichtliche Ereignis direkt ein Wirken Gottes? Ist jede Katastrophe, jedes Unglück eine Strafe Gottes für Unglauben? Ist z.B. das Erdbeben in Japan eine Strafe Gottes für die Vielgötterei der Japaner? Mit Umkehrschlüssen ist es immer so eine Sache, das ist oft gefährlich. Jesus verneinte solch einen pauschalen Zusammenhang: als in Siloah ein Turm einstürzte und achtzehn Menschen erschlug, lehnte er es ab, darin eine direkte Strafe Gottes für diese achtzehn Menschen zu sehen (Lk. 13,1-5). Trotzdem können uns solche Ereignisse wachrütteln und dazu bringen uns wieder neu Gott zuzuwenden. So sieht es auch Jesus bei dem Unglück in Siloah: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“ (Lk.13,5) Er deutet das Unglück nicht als von Gott gewirkte Strafe für die achtzehn Menschen, aber er sieht darin einen Anlass zu Buße, zur Umkehr.

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Galater 4, 8-20 Finden UND gefunden werden

Ein Satz ist mir in diesem Abschnitt besonders ins Auge gesprungen: „Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid…“ (V.9) Genial, wie Paulus hier beschreibt, wie Menschen Christen werden. Auf der einen Seite ist es ein aktives Geschehen von Seiten des Menschen: Ihr habt Gott erkannt. Auf der anderen Seite, auf einer tieferen Ebene, ist es ein Wirken Gottes: Ihr seid von Gott erkannt.

Interessant ist, dass Paulus beides zusammenbindet. Er lässt nicht das eine zugunsten des anderen weg, sondern erwähnt beide Perspektiven. Wobei er durch das „vielmehr“ auch betont, welche die grundlegende ist: dass Gott uns erkennt. Ohne Gottes Handeln kann kein Mensch zum Glauben kommen. Aber es ist eben nicht so, dass deswegen das Suchen, Erkennen und Glauben des Menschen unwichtig wird. Paulus streicht das nicht einfach raus! Logisch gesehen ist das ein Paradox. Nach unserer menschlichen Logik kommt der Mensch entweder durch eigene Entscheidung zum Glauben oder weil Gott ihm Glauben schenkt. In der Logik des Glaubens fällt aber beides zusammen. Man kann es nicht auseinander dividieren.

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Exodus 3, 6-12 Gott handelt

Sehr schön wird an dieser Stelle wieder das Ineinander von göttlichem und menschlichem Handeln deutlich. Einerseits sagt Gott von sich: „Ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande.“ (V.8) Und andererseits überträgt er genau diese Aufgabe an Mose: „So geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.“

Damit Gottes Wille geschieht ist beides wichtig: dass Gott handelt und dass der Mensch handelt. Mose hat ja schon vorher gehandelt und auf eigene Faust versucht, ausgleichende Gerechtigkeit walten zu lassen (er schlug einen ägyptischen Mörder zu Tode; Ex.2,11f), aber das ging irgendwie in die Hose. Wahrscheinlich, weil hier nur der Mensch gehandelt hat. Wenn menschliches Handeln aufgrund von göttlichem Auftrag geschieht, dann sieht die Sache anders aus.

Könnte nun Gott auf der anderen Seite ohne menschliches Handeln nichts tun? Braucht Gott menschliches Handeln, um in diese Welt eingreifen zu können? Ich bin davon überzeugt, dass er uns dazu nicht braucht. Er ist Gott, er kann tun und lassen was er will. Aber wenn wir die Bibel lesen, dann stellen wir fest, dass er es offensichtlich nicht will. Gott will die Israeliten nicht durch ein gigantisches übernatürliches Wunder aus der Gefangenschaft befreien, sondern er will den Mose dafür gebrauchen. Gott scheint nicht am Menschen vorbei handeln zu wollen, sondern durch ihn hindurch. Was will er wohl durch mich und dich hindurch tun?

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Exodus 2, 1-10 Wunderbare Errettung

In meiner Lutherbibel ist dieser Abschnitt überschrieben mit: „Moses Geburt und wunderbare Errettung“. Ich finde es faszinierend, wie Gott hier handelt, obwohl nur von Menschen geschrieben wird. Ein levitisches Ehepaar bekommt einen Sohn, sie verstecken ihn zunächst, weil sie Angst haben, dass er von den Ägyptern getötet wird. Nach drei Monaten legen sie ihn in ein Kasten in den Nil. Die Tochter des Pharao sieht das Baby und hat Mitleid. Die ältere Schwester von Mose fädelt es raffiniert ein, dass das Baby von der eigenen Mutter gestillt werden kann.

Von Gott ist nirgends die Rede. Kein übernatürliches Eingreifen. Und doch wirkt von Anfang an Gott in der Geschichte. Durch menschliches Mitleid, durch menschliche Schlauheit. Mir gefällt vor allem dieser geschickte Schachzug der älteren Schwester. Sie ist schlau und mutig, sie wagt etwas. Göttliches Handeln schließt unsere menschliche Klugheit und Strategie nicht aus, sondern sie schließt sie mit ein. Gott hätte Mose auch durch ein offensichtliches Wunder retten können, aber er benutzt „Zufälle“, menschliche Gefühle und menschliche Schlauheit dazu. Und trotzdem ist es eine „wunderbare Errettung“.

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