Römer 16, 17-27: Gehorsam des Glaubens

Bei dem Text bin ich vor allem an dem Ausdruck „Gehorsam des Glaubens“ (V.26) hängen geblieben. Das ist in unsren Ohren eine eher ungewöhnliche Verbindung. Gehorsam klingt für uns eher einschränkend und entmündigend. Gehorsam weckt nicht unbedingt nur positive Assoziationen. Gehorsam klingt eher nach einer menschlichen Willensanstrengung oder nach etwas erzwungenem. Glaube dagegen verbinden wir eher mit etwas Befreiendem. Glaube verbinden wir mit Gefühlen oder mit einem innerlichen Überzeugtsein. Glaube kann man nicht von außen oder auch bei sich selbst erzwingen – Gehorsam schon.

Und doch wird hier beides verbunden: Glaube und Gehorsam. Damit wird nicht gesagt, dass beides das Gleiche ist. Es ergänzt sich eher gegenseitig. Der Schwerpunkt in diesem Ausdruck liegt für mich im Begriff Glauben. Aber die Ergänzung Gehorsam verdeutlicht, dass zum innerlichen Überzeugtsein des Glaubens auch der konkrete Gehorsam gegenüber Gott kommen muss. Glaube umfasst den ganzen Menschen und ist mehr als ein schönes Gefühl der Geborgenheit.

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Hebräer 3, 7-18 Treu bleiben

Der Hebräerbrief vergleicht die Situation von müde gewordenen Christen mit der Situation Israels während der Wüstenwanderung. In beiden Situation ist es wichtig, „die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende“ (V.14) festzuhalten. Es ist also wichtig, im Glauben treu zu bleiben. Um am Ziel anzukommen, muss man den ganzen Weg gehen, es bringt wenig am Anfang dabei gewesen zu sein, wenn man unterwegs stehen bleibt. Deswegen ist dem Hebräerbrief dieses alttestamentliche Zitat wichtig: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (V.7f) Heute wird es jeden Tag neu. Und jeden Tag ist es von neuem wichtig Gottes Stimme zu hören und offen dafür zu sein.

Ich frage mich bei diesem Vergleich allerdings, ob es durch die Gabe des Heiligen Geistes für uns Christen nicht einen wesentlichen Unterschied zu Glaubenden aus früheren Zeiten geben müsste. Durch den Geist wohnt doch Gott in uns, wir sind Gottes Haus (vgl. V.6). Sagt nicht Jesus selbst von seinen Jüngern: „Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh. 10,28) Hängt denn die Treue im Glauben von unserer menschlichen Willenskraft ab, oder ist sie nicht viel mehr eine Wirkung des Heiligen Geistes? Wie sollten wir denn, wenn wir wirklich die persönliche Stimme Gottes an uns hören, unser Herz gegenüber Gott verstocken können?

Wahrscheinlich ist es beides: Dass wir treu bleiben können, ist ein Geschenk Gottes und zugleich müssen wir immer selbst auch zur Treu aufgerufen werden. Der Hebräerbrief betont hier mehr unsere persönliche Verantwortung. Aber wenn unsere Treue nur an unserer Kraft alleine hinge, dann wären wir verloren…

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Jeremia 35 Willst du?

Ein Wort ist mir in diesem Kapitel besonders aufgefallen: das Wort „wollen“. Es geht in dem Kapitel um den Gehorsam gegenüber Gott. Dieser Gehorsam wird an mehreren Stellen mit dem Willen verknüpft. Z.B. V.13: „Wollt ihr euch denn nicht bessern und meinen Worten gehorchen?“ Immer wieder hat Gott versucht, zu seinem Volk zu sprechen, aber sie wollten ihm ihre Ohren nicht zuwenden (V.15).

Beim Gehorsam ist das der erste und wichtigste Schritt: das Wollen. Es kommt nicht zuerst auf das Können an. Niemand (außer Jesus selbst) kann Gottes Geboten völlig gehorsam sein. Die entscheidende Frage ist aber: Will ich es versuchen? Mir ist klar, es wird schief gehen, aber ich will von ganzem Herzen gehorsam sein, auf das Wort Gottes hören.

Übrigens ist es in diesem Kapitel mal wieder herrlich zu beobachten, wie Jeremia Gottes Wort richtig anschaulich macht. Von ihm sind viele Zeichenhandlungen überliefert. Auch hier predigt er nicht nur oder schreibt seine Erfahrungen in einem Blog auf ;), nein er macht Gehorsam am Beispiel der Rehabiter deutlich und anschaulich. Er stellt sie seinen Landsleuten vor Augen, sie können an ihnen Gehorsam sehen und erleben.
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