Römer 1, 1-7 Wer bin ich?

Der Römerbrief ist ein Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom, in dem er sich selbst und vor allem seine Theologie vorstellen möchte. Er hat die Gemeinde nicht selbst gegründet und war auch noch nie dort. Aber er will seine Missionsbemühungen nach Westeuropa ausdehnen und hofft dabei auf die Unterstützung der römischen Gemeinde. Zum Glück haben wir diesen Brief, den nirgendwo anders stellt Paulus seine Theologie so ausführlich und systematisch dar. Das liegt natürlich daran, dass er in den anderen Briefen auf konkrete Fragen und Probleme der Gemeinden eingeht und darum auch konkreter und spezieller schreibt. Hier im Römerbrief nimmt er sich Zeit für unbekannte Leser seine Ansicht des Evangeliums ausführlich darzustellen.

Bei damaligen Briefen gab es keinen Briefumschlag mit Absender und Adressangabe. Das geschieht in den ersten Sätzen des Briefes selbst – so auch hier im Römerbrief. Paulus stellt sich vor als „ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes.“ (V.2) Das ist interessant, wie er mit wenigen Worten das seiner Meinung nach wichtigste über seine Person sagt. Er sieht sich als Knecht Christi. Das klingt in unseren Ohren erst einmal sehr demütig. Ist es natürlich einerseits auch. Aber andererseits stellt er sich damit in die Linie so mancher alttestamentlicher Figuren, die auch den Ehrentitel Knecht Gottes erhielten: Mose, Josua, David und die Propheten. Dahinter steckt also auch ein gewisser Anspruch.

Auch stellt Paulus gleich fest, dass er sich selbst als Apostel sieht – das war ja wohl damals in manchen Kreisen durchaus umstritten. Denn Paulus war dem leibhaftigen Jesus nie begegnet, sondern ist erst durch den auferstandenen Christus zum Glauben gekommen. Trotzdem sieht er sich als einen der Apostel – der maßgeblichen Augenzeugen von Jesus Christus. Er weiss auch ganz genau, was seine persönliche Aufgabe von Gott her ist: Gott hat ihn ausgesondert das Evangelium zu predigen. Dass das für ihn klar und unumstösslich war, das sieht man auch seinem Lebenslauf an.

Wie würde ich mich in einem Brief an unbekannte Menschen vorstellen? Könnte ich das auch so klar benennen? Wer bin ich in Gottes Augen? Was ist meine Aufgabe? Habe ich das wirklich erkannt und folge dieser Bestimmung? Ob sich da auch Paulus immer so klar und sicher war, wie es in diesen wenigen Worten anklingt?

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Johannes 6, 35-40 Hunger und Durst nach Leben

Jesus sagt uns hier dass jeder, der zu ihm kommt und an ihn glaubt, nie wieder hungern und dürsten wird (V.35). Eine tolle Verheißung – aber ich glaube an Jesus Christus und habe trotzdem noch einen unbändigen Hunger und Durst nach Leben. Mir ist dazu das bekannte Gedicht „Wer bin ich?“ von Bonhoeffer eingefallen. Im zweiten Teil heißt es hier:

„Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?“

Bonhoeffer war ein Mensch, der wie kaum ein anderer mit allen Fasern seines Lebens auf Jesus Christus vertraut hat. Und auf andere hat er selbst in seiner Zelle noch wie ein gelassener und würdevoller König gewirkt (so schreibt er im ersten Teil dieses Gedichtes). Und trotzdem hat er sich selbst als unruhig, hungernd und dürstend empfunden. Wenn Jesus uns sagt, dass wir als Glaubende keinen Hunger und Durst mehr haben werden, dann meint er damit nicht, dass all unsere menschlichen Bedürfnisse plötzlich gestillt sind oder keine Rolle mehr spielen. Es geht um den Hunger und Durst nach ewigem Leben, um die Gewissheit von Gott in Ewigkeit gehalten zu sein. Genau in diesem Sinn schließt Bonhoeffer sein Gedicht mit den Worten: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

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Lukas 22, 63-71 Wer bin ich?

Tragisch: sie fragen danach, wer Jesus ist, aber die Antwort interessiert sie gar nicht. Sie haben sich ihr Bild von Jesus schon gemacht. Er ist für sie gefährlich und muss darum aus dem Weg geräumt werden. Drei Titel tauchen in diesem Abschnitt auf: Christus, Menschensohn und Sohn Gottes. Alle drei sind nach damaligem Verständnis Hoheitstitel für den endzeitlichen von Gott gesandten Retter. Jesus bestätigt direkt oder indirekt alle drei Titel.

Aber das entscheidende sind nicht die Titel, nicht die Bezeichnungen, nicht die Schubladen in welche wir Jesus stecken. Entscheidend ist, was das für uns bedeutet und wie wir mit Jesu Anspruch umgehen. Ist er für mich Sohn Gottes? Welche Konsequenzen hat das dann für mich und mein Leben? Ist er für mich ein Hochstapler und Gotteslästerer? Welche Konsequenzen hat das dann? Oder ist er mir ganz einfach egal? Die Antwort auf die Frage, wer Jesus ist, zeigt auch die Antwort auf die Frage, wer ich bin.

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Lukas 21, 20-28 Aufsehen

Diese Verse erinnern mich an Bonhoeffers berühmtes Gedicht: „Wer bin ich?“ Er hat es in seiner Zelle geschrieben, als er von den Nazis gefangen genommen wurde. In diesem Gedicht schreibt er von seinen Ängsten und seiner Schwachheit. Zugleich wird er aber von anderen als stark und gelassen wahrgenommen.

So ist es als Glaubender: Auch wir haben Angst und sind schwach. Auch bei uns gibt es genügend Gründe dafür. Jesus beschreibt das auch in diesem Text. Aber wir haben etwas, an das wir uns festklammern können: Die Angst hat nicht das letzte Wort. Wir dürfen aufsehen, unsere Häupter erheben, weil wir wissen, dass sich unsere Erlösung naht. Wir dürfen auf Jesus schauen. Er kommt.

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Ernst Augustin: Mahmud der Bastard

Also, ich mag seine Bücher. Ernst Augustin ist ein ausgezeichneter Erzähler mit einem weiten Horizont und einem feinen Gespür für Humor. So manches mal spürt man richtig, wie er als Schriftsteller seinem Leser zuzwinkert. Er hat einen breiten Wissens- und Erfahrungshintergrund (als Arzt und Psychologe, der auch schon einige Jahre in Afghanistan gearbeitet hat), den er mit leichter Hand in seine Bücher einfließen lässt.

Der Roman beschreibt die Geschichte einer historischen Person: Mahmud von Ghazni, der um das Jahr 1000 n.Chr. in Afghanistan gelebt hatte. Aber der Roman ist keiner dieser gewöhnlichen historischen Romane, die einem weismachen wollen, dass es sich so, oder zumindest so ähnlich, tatsächlich zugetragen hat. Dazu ist Augustin sich der historischen Distanz und der dürftigen Quellenlage viel zu bewusst. Deswegen lässt er den Leser immer wieder teilhaben an seinem Ringen mit dem Stoff und mit dieser Person, die sich im Lauf des Schreibens sympathischer entwickelt als es eigentlich gedacht war. Eigentlich geht es um einen Bösewicht, einen Schlächter (die ursprüngliche Ausgabe trug den Titel: Mahmud der Schlächter). Aber dem Autor wächst dieser Bösewicht im Lauf des Erzählens sichtbar ans Herz.

Mahmud ist einer der Söhne eines afghanischen Fürsten, der eigentlich schon kurz nach der Geburt sein Leben verlieren sollte, weil die Mutter eines anderen Sohnes gegen ihn intrigiert. Wie durch ein Wunder kommt er mit dem Leben davon und wird die ersten Lebensjahre von einer Löwenmutter großgezogen. Wir merken schon hier, dass Augustin keinen historischen Bericht geben möchte, sondern einstimmt in den vielstimmigen Chor der afghanischen Legende, die das Leben des Mahmuds umranken. Noch so manch sonderliche und wunderbare Begebenheit wird im Lauf des Buches erzählt.

Sein Gegenspieler ist ein verwöhnter indischer Prinz, der jedoch auf seine Weise auch ein schweres und entbehrungsreiches Leben führen musste. Mahmud ist eine Zeit lang als Anführer einer räuberischen und wilden Rotte unterwegs und verbreitet Furcht und Schrecken. Dabei wird sein Ruf größer, imposanter und brutaler als seine Taten. Auf jeden Fall findet er durch viele Wirrnisse hindurch am Ende doch noch so etwas wie persönlichen Frieden.

Ein phantastisches Buch. Dabei meine ich „phantastisch“ nicht in erster Linie als Bewertung, sondern als Beschreibung des Inhalts. Man kommt sich vor, als ob man irgendwo in Afghanistan am Lagerfeuer sitzt und jemand erzählt mit leuchtenden Augen und mit ganzem Körpereinsatz von dem großen Mahmud. Wie so oft bei Ernst Augustin geht es aber nicht nur um eine spannende Abenteuergeschichte, sondern auf einer anderen Ebene, um die Geschichte einer langwierigen und schwierigen Selbstfindung. Ohne dass es angesprochen wird, geht es um die Frage nach der eigenen Identität, um die Frage: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wie finde ich Erfüllung und Frieden?

Ein Buch das ich sehr genossen habe, gerade wegen der Verbindung von spannender und gut erzählter Geschichte und tiefgründigen Fragen, nach der eigenen Identität und nach historischer Wahrheit. Und das Ganze wird mit einem Schuss Humor noch etwas versüßt…

coming out

Es ist soweit: Der windhauch lüftet sein größtes Geheimis! Wer steckt hinter dem bisher anonymen windhauch?Portrait Jochen Röhl

Tataaah: Jochen Röhl, aus Geislingen.

Klingt jetzt nicht besonders spannend und aufregend – ist es auch nicht. Hab nur langsam das Gefühl, dass es Zeit ist, hier auf dem Blog nicht nur persönliche Gedanken, Gefühle und oft auch Zweifel und Fragen loszuwerden, sondern auch zu all dem zu stehen. Über manches kann man anonym besser schreiben. Aber manchmal ist es auch schwieriger persönlich zu sein, weil man ja seine Identität nicht lüften möchte.

Ein paar Takte zu meiner Person: Ich bin Pastor, und das ist auch gut so! 😉 Seit 2004 bin ich hier in Geislingen an der Steige bei der Evangelisch-methodistischen Kirche (emk-geislingen.de => Hier gibt’s auch meine Predigten…). Ich möchte auf dem Blog weiter ganz bewusst als windhauch und nicht als Pastor schreiben. Das lässt sich natürlich nicht trennen – wir sind ein und dieselbe Person (auch wenn ich in diesem Satz schon das leicht schizophrene und nicht hoheitlich gemeinte „wir“ verwende 😉 ), aber als windhauch hab ich mehr innere Freiheit manches auch offener und ungeschützter zu formulieren.

Was sonst noch wichtig ist: Ich bin verheiratet mit der heiß geliebten Nicola und wir haben drei wundervolle Söhne, auf die ich sehr stolz bin.

Matthäus 13, 18-23 – Göttliche Agrarlehre

Was für ein Ackerfeld bin ich für Gottes Wort? Hat seine Botschaft bei mir Auswirkungen, bringt sie Frucht? Bin ich wie ein hart getretener Weg, an dem Gottes Wort wirkungslos abprallt? Bin ich innerlich verhärtet und lasse Gottes Wort gar nicht an mein Herz kommen, so dass ich es nicht wirklich verstehen kann (verstehen in einem tieferen Sinn, als nur das verstandesmäßige Verstehen)?

Oder bin ich wie der Felsboden, der manchmal begeistert ist und mit Freude dabei ist. Wenn aber schwierige Zeiten kommen – wie sieht es dann aus? Würde ich bei Verfolgung treu sein können? Ist mir Jesus wichtiger als alles andere? Wichtiger als mein Besitz, mein Ruf, mein Leben, meine Familie? Bin ich mehr als ein Schönwetterchrist?

Oder bin ich wie der Ackerboden unter den Dornen? Das Wort wird aufgenommen und wächst, aber die Dornen dieser Welt ersticken es. Wird mein Glaube und meine Begeisterung für Gott von den Sorgen dieser Welt und der „immer mehr haben wollen Mentalität“ die mich umgibt erdrückt?

Vielleicht bin ich aber auch wie der gute Ackerboden, auf dem das Wort guten Boden finden? Wo es wachsen und gedeihen kann. Wo es viel Frucht bringt. Wer bin ich?

Ich bin von allem etwas! Es gibt so vieles in Gottes Wort, das ich nicht wirklich verstehe und das ich nicht an mich ranlasse. Vielleicht auch vieles, vor dem ich Angst habe und bei dem ich mein Herz hart und unzugänglich mache. Ich habe auch etwas von den wetterwendischen „Schönwetterchristen“. Ich habe im Moment nicht das Gefühl dass ich bei echter Verfolgung Jesus über alles andere stellen könnte. Ganz sicher hab ich auch etwas von den „Sorgenchristen“, deren Gedanken und Sorgen sich viel zu oft um Nichtigkeiten drehen. Aber ich hoffe, dass ich auch ein klein wenig der gute Ackerboden bin, bei dem Gott wirklich Frucht bringen kann…

Fight Club

Durch das Buch „Die Zukunft gestalten“ von Frost und Hirsch bin ich auf den Film „Fight Club“ aufmerksam geworden. Der Film wird als Beispiel für ein postmodernes Lebensgefühl angeführt. Hab den Film jetzt gesehen und muss sagen: Wow! Ein richtig guter Film, der zum Nachdenken anregt. Gute, inovative Story, die perfekt umgesetzt wird. Leider mit einigen zu brutalen Szenen, aber das gehört wohl bei dem Film dazu, weil er sich eben gerade mit dieser Gewalt beschäftigt. Das war für mich kein Feel-good Film von dem man nachher begeistert ist. Der Film rüttelt kräftig an unserem Selbstbild, an unserem Weltbild und an unserer modernen Gesellschaft. Nach dem Ende des Filmes war ich erst mal wie benommen und wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte. Es tauchen Fragen auf wie: Wer bin ich eigentlich? Welchen Sinn macht mein alltägliches Leben in unserer Wohlstandsgesellschaft?

Auf eine Inhaltsangabe verzichte ich an der Stelle – das können andere besser (z.B. bei Wikipedia). Aber ein paar Gedanken dazu: Aus Sicht des Glaubens fand ich den Film interessant, weil wirklich etwas von der postmodernen Unzufriedenheit mit unserer modernen, blutarmen und seltsam künstlichen Glitzerwelt des Scheins deutlich wird. Der Film zeigt etwas von der Sehnsucht nach ursprünglichen und kraftvollen Erfahrungen, welche wir heute kaum noch machen können (Ich glaube diese Sehnsucht drückt sich auch bei den vielen Verrückten aus, die lebensgefährliche Bergbesteigungen und sonstige Abenteuer auf sich nehmen, um wirklich mal wieder echte Grenzerfahrungen machen zu können…). Eine normale Gemeinde in der heutigen Zeit ist von dieser Sehnsucht leider oft meilenweit entfernt. Da läuft alles (zumindest an der Oberfläche) so schön gesittet, geordnet und zivilisiert ab. Starke Gefühle gibt’s nur bei den Charismatikern und auch dort muss man sie erst mit viel Aufwand künstlich erzeugen.

Etwas anderes, was mich nach dem Film beschäftigt, ist die Frage, wie wir als Christen mit Aggressionen umgehen. Der Film thematisiert ja v.a. die männliche Aggression und das Gefühl der Befreiung, wenn diese endlich mal ausgelebt werden darf. Ich denke es ist kein Wunder, dass viele Jugendliche von Ballerspielen, aggressiven Filmen und aggressiver Musik in den Bann gezogen werden. Ansonsten darf heutzutage ja Aggression gar nicht mehr vorkommen… Was tun wir Christen mit der Wut im Bauch? Immer wieder nur runterschlucken und ans Kreuz bringen? Immer nur so tun als ob man als guter Christ solche Gefühle nur vom Hörensagen kennt? Ich hab keine Antworten, nur Fragen. Vor allem wenn ich an Kinder und Jugendliche denke: Wie können wir mit der Aggression konstruktiv umgehen? Vor allem den Jungs genügt es doch nicht nur Bibel zu lesen und um eine brennende Kerze herum zu sitzen – die wollen kämpfen und siegen, auch in spiritueller Hinsicht.

Papa Ro Botta

Hab jetzt doch beschlossen, ein Stück meiner Identität zu lüften. Hier ein Portrait von mir:

Papa Ro Botta

Der Künstler dieser dann doch etwas abstrakten Darstellung ist mein ältester Sohn… Warum er mich ausgerechnet als „Ro botta“ gezeichnet hat, versteh ich auch nicht. Hoffe, dass ich in Wirklichkeit etwas menschlicher bin, als dieser Blechkasten. Und natürlich hab ich in Wirklichkeit auch zwei gleich lange Beine… 😉 Zu denken gibt mir auch, dass an der Stelle des Herzens eine Alarmleuchte aufblinkt?!?