Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

Bucay: Komm, ich erzähl dir eine GeschichteNach vielen Büchern im elektronischen Format endlich mal wieder ein „echtes“ Buch zum anfassen. Ich habe mir die Ausgabe der Fischer Taschenbibliothek gekauft – ich mag das handliche Format und die schöne Aufmachung.

Das Buch selbst ist eigentlich kein Roman, sondern durch eine Rahmenerzählung zusammen gehaltene Kurzgeschichten. Jorge Bucay ist in seiner Heimat Argentinien ein bekannter Psychiater, der seinen Patienten weniger durch abstrakte Wahrheiten helfen will, sondern durch lebendige Geschichten. In diesem Buch hat er einige seiner Geschichten, welche er wohl in der Therapie verwendet, einfach zusammengefasst und lässt sie einem fiktiven Patienten namens Demian zu Gute kommen. Als Leser dürfen wir miterleben, wie Demian dadurch besser mit dem Leben zurecht kommt. Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte weiterlesen

Apostelgeschichte 7, 17-43

In seiner Beschreibung der Mosegeschichte hebt Stephanus vor allem hervor, wie das Volk damals Mose – und damit Gottes Rettungsangebot – mehrfach abgelehnt haben. Der Punkt auf den Stephanus damit abzielt ist klar: Mit Jesus hat es das Volk nun ebenso gemacht. In Jesus sieht Stephanus die Verheißung erfüllt, dass Gott einen Propheten wie Mose senden wird (V.37).

Gottes Rettungsangebot zu erkennen, scheint nicht immer einfach zu sein. So manches mal kann dabei die eigene Frömmigkeit im Weg stehen. Denn der Hohe Rat, vor dem sich Stephanus zu verantworten hat, sieht sich ja gerade in der Treue zu Mose. Sie wollen Mose nicht so einfach aufgeben, um einem anderen Retter hinterher zu laufen. Sie wollen Mose und dem Gesetz, das er ihnen gegeben hat, treu sein. Aber gerade dieses blinde Festhalten an vergangenen Rettungstaten Gottes verschließt ihre Augen für das neue Handeln Gottes in Jesus Christus.

Stephanus hält beides fest: er sieht sich in der Tradition von Abraham, Mose und anderen. Aber er hat auch offene Augen für Gottes neues Handeln in Jesus Christus. Gott schenke mir die offenen Augen, das offene Herz und die nötige Weisheit, um das auch zu tun: Gottes Handeln in Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen zu erkennen.

| Bibeltext |

Sprüche 31, 1-8 Zuhören, statt aburteilen

Keiner weiß, wer Lemuel, der König von Massa ist. Der Ortsname und auch manche Ausdrücke in diesem Abschnitt weißen auf einen arabischen Stamm hin. Ein jüdischer König dieses Namens ist auf jeden Fall nicht bekannt. Ich finde es klasse, dass die Bibel so offen für Traditionen von außerhalb ist. So manche Christen sind da heute engstirniger. Der jüdische Glauben erkennt nicht nur außerisraelitische Weisheit als wahr und gut an, er nimmt sie sogar in die Heilige Schrift auf!

Das steht in einer gewissen Spannung zum gestrigen Abschnitt, in dem betont wird, dass wahre Weisheit von Gott kommt. In Spr. 30,6 werden wir darauf hingewiesen, nichts zu Gottes Worten hinzuzufügen. Aber offensichtlich kann sich Gottes Weisheit auch in den Worten von nichtisraelitischen Königen zeigen. Und umgekehrt muss nicht alles wahr sein, was israelitische Propheten im Namen Gottes sagen. Es tut uns also gut, in Demut auch das anzuhören, was Menschen mit anderem Glauben Gutes zu sagen haben…

| Bibeltext |

Sprüche 30, 1-19 Genug haben

Agur warnt vor all zu großer Selbstsicherheit des Weisen. Menschliche Weisheit ist gut und richtig, aber wir dürfen dabei nie vergessen, dass wir nur Menschen sind und unser Wissen daher begrenzt ist. Wirkliche Weisheit finden wir nur bei Gott und dem was er uns offenbart. Agur stellt hier (V.4) ähnliche Fragen, wie Hiob sie von Gott gestellt bekommt (Hiob 38). Hiob kommt mit der Frage nach dem Leid an die Grenze der menschlichen Weisheit. Er bekommt auch letztendlich von Gott keine Antwort, sondern wird auf seine menschliche Begrenzung hingewiesen. Auf eben diese Grenze weist auch Agur hin.

Mir gefällt in dem Abschnitt besondert V.8f. Agur bittet darum, weder zu reich noch zu arm zu sein. Denn beides birgt Gefahren. Der Reiche wird schnell satt und vergisst Gott dabei. Der Arme steht in der Gefahr aus Verzweiflung gegen Gottes Gebote zu verstoßen. Jeder der genug, aber nicht zu viel zum Leben hat, sollte von Herzen dankbar sein. Ich habe genug zum Leben, nicht nur materiell gesehen. Und doch kenne auch ich diese Gier nach mehr, diese innere Unzufriedenheit. Agur hält mir hier den Spiegel vor: Es ist gar nicht erstrebenswert noch mehr zu haben. Sei zufrieden und freue dich an dem, was du hast!

| Bibeltext |

Sprüche 29, 1-18 Glaube und Politik

In diesen Sprüchen geht es vor allem um die politisch-soziale Dimension des Glaubens. Erstaunlich, wie ähnlich die Themen damals wie heute sind: Steuer, Armut, respektvolles Miteinander. Oder muss man sagen: das ist gar nicht erstaunlich, sondern die Probleme menschlichen Zusammenlebens sind heute die dieselben  wie damals? Trotz allen Fortschrittes, trotz aller neuen Erkenntnisse und Entdeckungen – der Mensch ist immer noch derselbe. Die Grundfragen menschlicher Gesellschaft sind heute noch dieselben: Wie kommt es zu einer gerechten Verteilung des Geldes und wie gehen wir in Respekt und Weisheit miteinander um?

Für die Sprüche ist klar, dass dazu ein offenes Ohr für die Weisungen Gottes gehört (V.18). Aber gerade in den Sprüchen wird auch deutlich, dass dazu nicht nur ein fester Glaube nötig ist, sondern auch nüchterner und sachlicher Menschenverstand. Gerade die Sprüche sind Sammlungen von Lebensweisheiten, die zwar mit Gott in Verbindung gebracht werden, die aber nicht als göttliche Offenbarung vom Himmel gefallen sind. Wichtig ist, dass sich menschliche Weisheit und Lebenserfahrung mit Gottesfurcht (oder anders übersetzt: Respekt vor Gott) verbindet. Glaube kann sich nicht nur auf innerliche und persönliche Erfahrungen zurück ziehen. Er hat Verantwortung auch für andere. Aber umgekehrt gilt auch: eine Politik ohne Respekt vor Gott, steht in der Gefahr, falsche Maßstäbe anzuwenden.

| Bibeltext |

Sprüche 26, 1-12 Torheit und Weisheit

In diesen Sprüchen geht es um Toren, bzw. Narren. Das sind im biblischen Sinn nicht einfach Dummköpfe, sondern Menschen, die ihr Leben ganz bewusst ohne Gott gestalten wollen. Das biblische Gegenbild ist der Weise, der sein Leben klug und in Demut vor Gott gestaltet. Mir ging es beim Lesen so, dass ich schwankte zwischen Ablehnung und Zustimmung. Ablehnung, weil ich mich fragte: kann man so überheblich und herablassend von anderen sprechen? Müssen wir nicht Verständnis für alle Menschen zeigen? Und Zustimmung, weil ich das Gefühl hatte, da redet jemand mal Klartext – was in unserer heutigen Welt nicht mehr selbstverständlich ist, weil wir auf alle und jedes Rücksicht nehmen, für alles Verständnis zeigen, gegenüber allem tolerant geworden sind, ja niemand verletzen wollen, immer politisch korrekt sein müssen und uns ja kein falsches Wort über die Lippen kommen darf.

Schön fand ich, dass im V.12 auch diejenigen, die sich selbst für weise halten, zurecht gewiesen werden. Es geht also nicht um eine überhebliche Haltung. Wahre Weisheit hat immer auch mit Demut zu tun.

| Bibeltext |

Sprüche 25, 11-28 Das süße Leben

Wer Honig findet, der hat Glück (V.16). Für jemand im Alten Orient, der keinen Industriezucker und bergeweise Süßigkeiten im Küchenschrank hat, ist gefundener Honig eine seltene Köstlichkeit. Honig ist süß und macht glücklich. Aber in unserer Überflussgesellschaft merken wir das ganz genau: Dass sich das Glück mit der Menge des Honigs proportional erhöht ist ein Trugschluss. Wenn wir zu viel Gutes in uns hinein stopfen, dann schmeckt es uns am Ende nicht mehr und es wird uns schlecht davon. Weniger ist mehr – das ist wahre Lebenskunst.

„Ein Mann, der seinen Zorn nicht zurückhalten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.“ (V.28) Aber ist nicht ein Mann, der dauernd seinen Zorn unterdrückt wie ein explosives Pulverfass? Was ist die richtige Balance, um mit unserem Zorn nicht entweder andere oder uns selbst zu schaden? Wie können wir mit Zorn konstruktiv umgehen?

| Bibeltext |

Daniel 2, 1-26 Traumdeutung

Träume galten in der Antike allgemein als Tor zur göttlichen Welt. Träume wurden als Botschaften der jenseitigen Welt verstanden. Auch der biblische Glaube verstand Träume auf diese Weise. Da Träume aber oft vieldeutig waren, war es nötig diese Botschaften durch Traumdeutung zu entschlüsseln. Schon im Neuen Testament verändert sich die Auffassung von Träumen. Sie kommen zwar auch vor als göttliche Offenbarungen, sie sind aber seltener und eindeutiger. So braucht z.B. Jose in Mt.1,18-25 keinen Traumdeuter, um die Botschaft Gottes, welche er im Traum empfangen hatte, zu verstehen.

Ob Gott auch heute noch in Träumen spricht? Weiß ich nicht. Ich denke, das kann durchaus geschehen. Ich selbst habe das noch nie in so eindeutiger Weise erlebt. Vorsichtig wäre ich bei Träumen, die nicht eindeutig sind und die verschieden ausgelegt werden können. Da scheint mir im Neuen Testament doch eine eindeutige Tendenz da zu sein: Wenn Gott spricht, dann spricht er deutlich. Wir wissen heute auch viel klarer als damals, wie wir in unseren Träumen unsere eigenen Gefühle verarbeiten (aber vielleicht kann Gott gerade deswegen nicht mehr so leicht in Träumen zu uns sprechen?).

Bei Daniel ist mir wieder aufgefallen, wie sich bei ihm menschliche Weisheit und Nüchternheit mit Gottvertrauen verbindet. Er verfällt nicht in Panik, sondern wendet sich „klug und verständig“(v.14)  an den Obersten der Leibwache. Zugleich wendet er sich im Gebet an Gott, welcher ihm dann auch durch eine nächtliche Offenbarung hilft (Auch im Traum? Das bleibt offen).

| Bibeltext |

Kolosser 2, 8-15 Menschenweisheit und göttliche Offenbarung

Ja, das schreibt sich so leicht, dass man seinen Glauben nicht auf Philosophie und Menschenlehre bauen soll, sondern auf Christus (V.8). Bei manchen Philosophien ist das unmittelbar einsichtig, dass sie sich nicht auf Christus gründen. Aber das gefährliche sind doch die christlichen Irrlehren, die sich ganz bewusst auf Christus beziehen wollen, dabei aber so manches verdrehen. Da ist die Unterscheidung dann nicht mehr so einfach.

Man kann es sich natürlich einfach machen und ganz strikt sagen: alle menschliche Weisheit und alles menschliche Denken ist böse, allein die göttliche Offenbarung ist gut. Deswegen sind manche Christen auch kritisch gegenüber der Theologie eingestellt – weil da mit menschlicher Weisheit über die göttliche Offenbarung nachgedacht wird. Manche wollen es sich einfach machen und nur beim wortwörtlichen Verständnis der Schrift bleiben, alles Nachdenken über die Schrift ist für sie schon vom Teufel.

Aber das ist natürlich nur eine scheinbare Lösung. Um die Schrift und um Gottes Offenbarung zu verstehen, brauchen wir ganz einfach unseren menschlichen Verstand. Die Bibel besteht aus menschlichen Worten, die gedeutet und im Zusammenhang verstanden werden müssen. Es geht gar nicht anders. Wir brauchen menschliche Weisheit um die göttliche Offenbarung zu verstehen. Ansonsten bräuchten wir die Schrift gar nicht und brauchten nur darauf zu vertrauen, dass Gott ganz direkt jedem Christen die Wahrheit ins Herz und ins Denken hinein gießt. Aber Gott hat offensichtlich einen anderen Weg gewählt. Darum bleibt es bis heute schwierig und herausfordernd, zwischen Menschenweisheit und göttlicher Offenbarung zu unterscheiden. Wobei das ja nicht immer ein Gegensatz sein muss…

| Bibeltext |

Kohelet 12, 9-14 Zu provozierend und skeptisch?

In diesem Abschnitt wird deutlich, dass das Buch (zumindest in der Form in der wir es vorliegen haben) von einem Schüler des Predigers herausgegeben wurde (es wird hier in der dritten Person über den Prediger beschrieben). In der Auslegungsgeschichte gab es unzählige Meinungen, wer denn jetzt der „Prediger“ war und wann dieser Schüler das Buch geschrieben hat. Das ist meiner Meinung nach für das Verständnis nicht von zentraler Bedeutung. Das Buch Kohelet beruft sich auf jeden Fall auf die Autorität des Salomo – egal zu welcher Zeit es geschrieben wurde und wer der Schüler war.

Interessant finde ich allerdings die Zusammenfassung, die der Schüler von der Weisheit Kohelet gibt. Wenn ich selbst den Inhalt zusammenfassen sollte, dann würde ich sagen: Alles ist vergänglich, alles ist ein Haschen nach Wind – darum genieße dein Leben so gut es geht! Der Herausgeber sagt dagegen: „Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.“ (V.13) Offensichtlich hatte da jemand etwas kalte Füße bekommen bei den pointierten und provozierenden Aussagen des Prediger. Denn mit dieser Zusammenfassung möchte der Schüler das Buch ein bisschen in Richtung traditioneller theologischer Aussagen der Bibel rücken und von den harten Spitzen des Predigers ablenken.

Im Judentum war es lange Zeit umstritten, ob das Buch überhaupt in die Bibel mit aufgenommen werden sollten. Für viele waren die Aussagen Kohelets zu extrem und zu skeptisch. Letztendlich wurde es doch aufgenommen (wahrscheinlich auch weil man davon ausging, dass Salomo als Autorität dahinter stand). Das ist gut so! Es ist gut, dass in der Bibel auch unterschiedliche Meinungen nebeneinander stehen bleiben können. Es ist gut, dass sich in der Bibel die Vielfalt des Lebens spiegelt. Es ist gut, dass in der Bibel auch kritische und skeptische Stimmen zu Wort kommen dürfen.