Lukas 23, 26-31 Weine nicht über mich!

Also gab es doch noch einige Fische, die gegen den Strom schwammen: Einige Frauen begleiten Jesus auf seinem Kreuzweg und klagen und beweinen ihn. Sie trauen sich, öffentlich ihre Zugehörigkeit zu Jesus zu zeigen – auch wenn die große Masse mit Gebrüll seinen Tod gefordert hatte.

Mich berührt an diesem Text dann diese Zurechteweisung Jesus: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (V.28) Ist das auch eine Zurechtweisung an mich und meinen Umgang mit Karfreitag? Wichtiger als Betroffenheit und Mitgefühl für den Tod Jesu zu zeigen ist es, seine eigene Sünde und Verlorenheit zu erkennen. Schlimm an Karfreitag ist nicht Jesu Tod – der war von Gott gewollt und Jesus ist diesen Weg bewusst gegangen. Schlimmer ist es, wenn wir an Karfreitag nicht unsere Erlösungsbedürftigkeit erkennen. Denn dann war dieser Tod umsonst. Weint nicht über Jesus, sondern über euch selbst.

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Lukas 19, 41-48 Der Sohn Gottes weint

Jesus weint über Jerusalem. So manches Mal möchte ich auch weinen über die Gottlosigkeit unserer Welt. Über die satte Selbstzufriedenheit von uns Christen. Und nicht zuletzt über mein eigenes fehlendes Gottvertrauen. Wenn selbst der Sohn Gottes das Schicksal Jerusalems nicht wenden konnte, wie sollte ich dann etwas ändern können? Es ist gut zu wissen, dass ich in meinen Tränen nicht allein bin.

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Jeremia 31, 1-14 Getröstet und geleitet

In diesem Abschnitt hat mich ein Vers besonders angesprochen. Nein, es ist nicht der bekannteste aus diesem Kapitel (V.3): „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“ (So übersetzt nicht ganz richtig Luther. Wörtlich müsste die zweite Hälfte, so wie in der Elberfelder Übersetzung heißen: „…darum habe ich dir <meine> Güte bewahrt.“) Egal in welcher Übersetzung: das ist auch ein schöner und tröstlicher Vers.

Aber der Vers, der mich heute berührt hat war V.9: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Weinen, Enttäuschung, Versagen, … das alles gehört zu unserem Leben hier. Wir können versuchen, es zu überspielen, oder versuchen, es zu verdrängen, aber es wird immer wieder an die Oberfläche kommen. Dann ist es gut, wenn wir in solchen Situationen nicht ins Leere laufen, sondern in die Arme unseres Vaters, der uns tröstet und der uns leitet. D.h. dass er uns nicht nur in unserm Schmerz versteht und tröstet, sondern dass er uns auch wieder aufrichtet und hilft, den richtigen Weg weiter zu gehen.
Bibeltext

Ishmael Beah: A long way gone

[dt.:Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben]

Kein Buch zum Entspannen, sondern ein Buch zum verzweifeln, schreien, weinen,… Ishmael Beah beschreibt in dem Buch seine eigene Geschichte als Kindersoldat in Sierra Leone. 1991 brach in dem afrikanischen Land ein Bürgerkrieg aus, bei dem Ishmaels Familie getötet wurde. Zunächst war er lange Zeit auf der Flucht vor dem Krieg, teilweise alleine und teilweise zusammen mit anderen Kindern. Mit 13 Jahren wurde er dann zusammen mit anderen von der Nationalarmee als Kindersoldat rekrutiert. Die Kinder hatten gar keine andere Wahl: Entweder sie kämpften mit der Nationalarmee, oder sie wurden den Rebellen ausgeliefert, die schon ihre Eltern umgebracht hatten.

Fast drei Jahre kämpfte Ishmael in dem unmenschlichen Bürgerkrieg. Seine traumatischen Erlebnisse und die regelmäßige Einnahme von Drogen machten aus ihm eine kaltblütige Kampfmaschine. Seine einzige richtige Bindung war seine Kompanie. Seine Kameraden waren seine Geschwister und der Anführer wurde zum „Vaterersatz“. Der Hass auf die feindlichen Rebellen wurde von den Anführern immer wieder ganz gezielt durch beschwörendes Einreden gefördert. In der Nacht schauten sich die Kinder Kriegsfilme (u.a. „Rambo“ an, um sich für den Kampf noch mehr aufzuputschen).

Durch die UNICEF wurde er dann aus seiner Situation befreit und er kam in ein Rehabilitationscamp für ehemalige Kindersoldaten. Erst nach einem langen und schmerzhaften Prozess der Rehabilitierung war er wieder in der Lage, mit sich selbst und dem Leben klar zu kommen. Als der Krieg sich dann auf die Hauptstadt ausdehnte (in welcher sich das Camp befand), floh er in die USA.

Vieles von dem was er in seinem Buch schreibt ist wirklich erschütternd. Das geht los mit den Grausamkeiten, die er als Kind und unbeteiligter Zivilist sehen und erleiden muss. Er war noch ein Kind und ist plötzlich ohne Familie, er sieht wie Menschen grausam gequält und getötet werden, er ist plötzlich nur noch auf der Flucht und kämpft jeden Tag um’s Überleben.

Das Schreckliche nicht nur an diesem Krieg ist die Entmenschlichung aller Beteiligten. Selbst Kinder werden grausam und unbarmherzig. So wie Ishmael erleben viele, dass sie niemand mehr trauen können. Jeder ist ein potentieller Feind, keinem kann ich wirklich vertrauen. Und selbst wenn alles vorbei ist, bleiben doch tiefe Wunden und Narben in solch einer Kinderseele. Es dauerte lange, bis Ishmael den Mut fand, sich anderen Menschen wieder zu öffnen und ihnen zu vertrauen.

Ishmael Beah hat dieses Buch klar, ehrlich und schonungslos erzählt. Es gelingt ihm, dem Leser Erlebnisse zu beschreiben, für die es eigentlich keine Worte gibt. Trotz allem Schrecklichen ist es aber auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn Beah macht mit seiner Lebensgeschichte deutlich, dass es auch für einen Kindersoldaten wie ihn noch Hoffnung auf ein neues Leben gibt. Für uns Wohlstandeuropäer ist es ein Buch, das die Augen dafür öffnet wie gesegnet wir eigentlich sind und wie gut es uns geht.

Psalm 80 – Wichtiger als Verstehen

Ähnlich wie in vorherigen Psalm 79 geht es um die Frage, warum Gott es zulässt, dass sein Volk leidet. Und auch hier wird Gott selbst für das Leid verantwortlich gemacht: „Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.“ (V.6) Nicht die menschlichen Feinde sorgen für Tränen, nicht der Satan bringt Gottes Volk zum Weinen, sondern Gott selbst.

Aufgefallen ist mir heute bei diesem Psalm, dass der Beter nicht versucht eine Antwort auf die Leid-Frage zu geben. Es geht nicht um ein theologisches Durchdenken der Warum-Frage. Der Beter kommt einfach mit seinen Fragen (auf die er keine Antwort hat) vor Gott. Zugleich bittet er Gott um sein Eingreifen: „Schaue vom Himmel und sieh darein… Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat…!“ (V.15-16)

Wichtiger als das Verstehen ist das Vertrauen…
Bibeltext

wieder da

So, nach ein paar Tagen Internet-Abstinenz bin ich wieder da….

In den letzte beiden Einträgen zu Jesaja ging es ja um die Müdigkeit, die Enttäuschung und die Klage. In der Zwischenzeit hat xxee zwei wundervolle Bibelverse mit tollen Bilder ins Netz gestellt, die sehr gut tun und ermutigen:

„Gott segnet die, die traurig sind, denn sie werden getröstet werden.“ (Mt.5,4)

Alles hat seine Zeit: Weinen hat seine Zeit, wie auch das Lachen. Klagen hat seine Zeit, wie auch das Tanzen.“ (Pred. 3,4)

Amen dazu!!! Und ein kräftiges *thumbs up* an die Künstlerin!