Weihnachtliche Stille

Beim windhauch wird sich jetzt erst mal weihnachtliche Stille breit machen. Ich merke, dass ich mal wieder und gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit mehr Ruhe brauche, um auch Bibeltexte ganz für mich persönlich zu lesen. Es hilft mir zwar auf der einen Seite meine Gedanken hier schriftlich zu fixieren, aber es bringt auch immer die Gefahr mit, dass ich mir schon beim Lesen zu überlege, was ich dazu schreiben könnte (anstatt zu fragen: was sagt es mir persönlich).

Allen Lesern schon mal ein frohes Fest! Vergesst in all dem Trubel und bunten Durcheinander nicht, um was es eigentlich geht…

Exodus 19 Ein gefährlicher Gott

Auf dem Berg Sinai begegnet Gott dem Mose. Ausführlich wird das Volk gewarnt, dem herrlichen und heiligen Gott zu nahe zu kommen. Das Volk muss sich drei Tage lang vorbereiten, es muss sich reinigen. Und trotzdem darf es dem Berg der Offenbarung nicht zu nahe kommen, weil sie sonst vom heiligen Gott zerschmettert würden. Auch dem Mose selbst kann Gott nur verborgen in einer dichten Wolke erscheinen. Gott ist so herrlich und heilig, dass wir Menschen es nicht ertragen können. Wir vergehen vor seiner Heiligkeit.

Auf diesem Hintergrund gewinnt das Wunder von Weihnachten noch einmal neues Gewicht. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden, seine Herrlichkeit wurde Fleisch und Blut, anfassbar, begreifbar, mitten unter uns. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Joh. 1,14)

| Bibeltext |

Psalm 144 – Der geneigte Himmel

„Herr, neige den Himmel und komm herab! … Streck deine Hände vom Himmel herab…!“ (V.5.7; Gute Nachricht) Das verrückte ist: Er hat’s getan! Er hat den Himmel geneigt und kam herab! Er hat seine Hände vom Himmel herab gestreckt. Allerdings nicht so wie sich das der Beter vorgestellt hat („Berühre die Berge, dass sie rauchen!“ V.5): Er kam als kleines Kind, das in Windeln gewickelt in der Futterkrippe lag. (Lk.2,12) Nur noch 19 Tage bis zum Fest des geneigten Himmels…
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Psalm 24 – Der gekidnappte Psalm

Dieser Psalm wude gekidnappt! Mir zumindest geht es so, dass ich bei „Macht hoch die Tür!“ (V.7) sofort an Weihnachten denke: An das Jesusbaby, an den Christbaum, an romantisches Kerzenlicht, an sentimentale Weihnachtslieder, …

Dabei geht es in Psalm 24 ganz und gar nicht um eine romantische und besinnliche Stimmung. Es geht nicht um ein Baby, sondern um den König der Ehre. Es geht um den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der Gott, der stark und mächtig ist. Ihm sollen wir die Tore und Türen aufmachen, ihn sollen wir einlassen.
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Matthäus 11, 25-30 – Balsam für die Seele

Nach dem „Haudrauf-Jesus“ (vgl. letztes Post)  gibts zum Fest einen ganz anderen Jesus: Sanft und veständnisvoll. Einer der schönsten Abschnitte in der Bibel: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Auch bei diesen Versen ist nicht alles nur rosarot, leicht und problemlos. Jesus bleibt realistisch: Auch mit ihm gibt es manche Last zu tragen (mit einem Joch haben früher die Tiere den Pflug oder Wagen gezogen). Aber Jesus sagt uns, dass wir unsere Lasten ablegen dürfen und er uns eine sanfte und leichte Last auflegt.

Ich hab ja immer ein etwas gespaltenes Verhältnis zu solchen Verheißungen. Auf der einen Seite ermutigen und trösten sie mich. Diese Worte tun einfach gut und sind Balsam für die Seele. Sie sprechen tiefe Sehnsüchte aus und stellen die Erfüllung dieser Sehnsüchte vor Augen. Auf der anderen Seite kriecht der Gedanke hoch: Das ist doch zu schön, um wahr zu sein. Und man fängt kritisch an zu fragen: Wo geschieht denn das im Glauben? Gibt es tatsächlich Christen, die das von Herzen und ohne Einschränkung so sagen und sehen können? Ich bin jedenfalls trotz (und manchmal auch wegen) Christus oft mühselig und beladen…

Aber jetzt schieben wir mal die kritischen Fragen beiseite… Heute ist Weihnachten und ich freu mich über diesen sanften und liebevollen Jesus!