Apostelgeschichte 16, 6-15 Gottes Wegweisung

Gott leitet den Weg des Paulus auf seiner Missionsreise hin nach Europa. Das schien wohl von Paulus nicht so geplant zu sein, aber Gott macht ihm deutlich, dass das Evangelium auch in Europa gepredigt werden muss. Ich finde es spannend, wie das ganz konkret aussah, dass Paulus sich von Gott leiten ließ. Das deutlichste Zeichen ist eine Erscheinung bei Nacht (ist das ein Traum oder eine Erscheinung im wachen Zustand?). Schon zuvor hatte der Heilige Geist die Pläne der Missionare durchkreuzt: Er „verwehrt“ ihnen die Predigt in der Provinz Asien. Es wird nicht deutlich gesagt, wie der Heilige Geist ihnen das verwehrt hat, aber die Formulierung lässt am ehesten auf äußere Umstände schließen.

Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich mir das eigentlich gedacht habe, dann kann das ein Fingerzeig des Heiligen Geistes sein. Wenn meine ursprünglichen Pläne nicht so aufgehen, wie ich das auch im Glauben erwartet habe, könnte es sein, dass Gott mir etwas sagen will. Wobei natürlich nicht gleich jedes Hindernis ein Hinweis Gottes ist. Bei Paulus war es ja auch wichtig, dass der klare und positiv formulierte Auftrag hinzu kommt. Für ihn gingen zwei Türen zu und es öffnete sich dafür eine dritte. So hat Gott seinen Weg geleitet.

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Exodus 13, 17-22 Wegweisung

Ein spannender kleiner Abschnitt. Gott lässt die Israeliten nicht den schnellsten Weg ins verheißene Land gehen, sondern er führt sie einen Umweg durch die Wüste. Entlang der Mittelmeerküste wäre eigentlich der direkte Weg von Ägypten nach Kanaan. Aber dieses Gebiet ist dicht besiedelt, Kämpfe wären da wohl vorprogrammiert (V.17). Deshalb der weitere und wenig einladend klingende Weg durch die Wüste.

Schön ist, wie Gott führt: Er zieht vor ihnen her – am Tag in einer Wolkensäule, in der Nacht in einer Feuersäule. Er ist nicht sichtbar und greifbar dar, er verbirgt sich hinter Wolken und Feuer. Und doch macht er sich bemerkbar und gibt die Richtung vor. Ich wünsche mir, dass ich die Wolken und das Feuer in meinem Leben nicht übersehe, sondern dass ich Gottes Wegweisung darin erkennen kann. Ich wünsche mir, dass ich nicht immer gleich den schnellsten und scheinbar bequemsten Weg gehe, sondern auf Gottes Wegweisung höre.

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Psalm 86 – Weise mir deinen Weg

Dem Beter geht es dreckig: „Ich elend und arm“ (V.1). Und was tut er? Er schaut auf den großen, guten und gnädigen Gott. Durch den ganzen Psalm hindurch unterbricht er immer wieder seine Bitten und hält sich Gottes Wesen vor Augen (V.5.8.10.15). Und schon bevor sein Gebet erhört wurde, dankt er Gott dafür, dass er ihn aus Todesgefahr erettet hat: „Du hast mich errettet aus der Tiefe des Todes.“ (V.13)

Starke Sache! Nicht im Selbstmitleid versinken, oder nur über die böse Welt und die bösen Menschen schimpfen… Nein, auf Gott schauen. Sich klar machen, dass er stärker ist als all mein Elend. Darauf vertrauen, dass er hilft. Und zugleich wissen: Ich darf mit meinem Elend und mit meiner Bitte zu ihm kommen.

Zu Vers 11 noch ein schönes Erlebnis: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Ich war zu Besuch bei einer älteren Dame und sie berichtete aus ihrem Leben. Voller Begeisterung erzählte sie von einem bestimmten Ort und ich fragte: „Da war es schön? Da hat es ihnen gefallen, oder?“ Ein ganz kurzen Augenblick schaute sie etwas verwundert und meinte dann nur: „Der Herr hat mich dorthin geführt!“

Und mir wurde mit einem Schlag klar: Sie hat ihr Leben nicht an der Frage ausgerichtet, was ihr gefällt, was schön und was angenehm ist, sondern an der Frage, wo Gott sie hinführt. Das tolle bei dieser Frau ist, dass sie trotzdem (oder besser gesagt: gerade deswegen!!!) ein erfülltes, schönes, zufriedenes Leben hatte und auch jetzt im hohen Alter ist sie einfach fröhlich und zufrieden.
Bibeltext

Jesaja 53 – Dumme Schafe

„Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jes. 53,6)

Ich hab mal gehört, dass Schafe einen ziemlich schlechten Orientierungssinn haben. Wenn sie keinen Hirten haben oder nicht eingezäunt sind, dann verlaufen sie sich garantiert und finden nicht wieder zurück. Deswegen macht z.B. die Geschichte vom verlorenen Schaf in Lukas 15 Sinn: Ein Schaf findet nicht alleine wieder zurück zur Herde. Ähnlich sind wir Menschen, zumindest auf geistlichem Gebiet. Ohne Hirten verirren wir uns hoffnungslos. Da schaut jeder nur nach dem nächsten Stückchen grünem Gras und irgendwann weiß keiner mehr wo er eigentlich ist und wie es wieder zurück nach Hause geht. Nach Hause – an den Ort des inneren Friedens, den Ort der Geborgenheit, den Ort der Sicherheit.

Hier sagen die Israeliten von sich selbst, dass sie in die Irre gegangen sind wie Schafe – und das obwohl sie doch den „guten Hirten“ kannten, obwohl sie doch schon seit Generationen an Gott glaubten, obwohl sie immer wieder erlebt haben, dass Gott da ist und den Weg weist. Trotz allem haben sie wieder angefangen nur auf sich selbst zu starren, nur zu fragen: Was will ich? Was tut mir gut? Was soll Gott für mich tun? Wie werde ich glücklich? – Kommt mir alles irgendwie bekannt vor…

Jesaja 52 – Göttliche Routenplanung

„Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels wird euren Zug beschließen.“ (Jes. 52,12)

Für die Israeliten war das damals zunächst einmal nur eine Verheißung. Eine Verheißung, die sie als Gefangene der Babylonier im Exil kaum glauben konnten. Jetzt im Nachhinein wissen wir, dass sie sich erfüllt hat. Gott hat sein Volk befreit und nach Hause geführt. Damit waren nicht alle Probleme gelöst und auch danach gab es – und gibt es bis heute – viel Leid und viel Grund zur Klage. Aber neben dem Auszug aus der Gefangenschaft aus Ägypten ist die Befreiung aus dem Exil für die Israeliten bis heute eine Urerfahrung des Glaubens. Gott befreit. Gott geht mit.

„Herr, ich möchte mich nicht in der Höhle meiner Angst, meiner Müdigkeit, meiner Enttäuschung und meines fehlenden Vertrauens verstecken. Ich möchte mit gehen. Ich möchte dir folgen. Ich möchte erleben, dass du voraus gehst und dass du mich umgibst und schützt.“

Ja, das stimmt wohl: Wer sich nicht aufmacht und losgeht, der kann auch nicht erleben, dass Gott auf dem Weg beschützt. Wer sich nicht traut Gott zu folgen, der kann auch nicht erleben, dass Gott den Weg zeigen wird. Wir bekommen Gottes Wegweisung leider nicht vorher als Routenplan des Lebens zugeschickt, sondern können sie immer nur ganz konkret auf dem bereits begonnenen Weg erleben.