Johannes 21, 20-25 So viele Wege

Jesus geht mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Wege. Petrus geht den Weg des Märtyrers (vgl. V.18f), der Jünger, den Jesus lieb hatte, wird bleiben (V.22), d.h. er wird nicht den vorzeitigen Märtyrertod sterben. Auch wenn es Petrus Auftrag ist, für Jesu Schafe zu sorgen, so bedeutet es doch nicht, dass er über ihre Wege bestimmen könnte. Auch wenn wir die Wege, die Jesus mit uns oder mit anderen geht nicht immer verstehen können, so bleiben es doch Jesu Wege.

Was nehme ich am Ende mit vom Johannesevangelium? Es ist anders als die anderen Evangelien. Es hat in vielem seinen eigenen und ganz besonderen Blickwinkel. Es ist müssig, darüber nachzudenken und zu diskutieren, welche Darstellung „historischer“ ist. Jedes der vier Evangelien hat seine Berechtigung und ist für uns wichtig. Jedes hat einen etwas anderen Blick auf Jesus. Jedes kann uns Gottes Wahrheit näher bringen. Schon diese Vierzahl der Berichte über Jesu Leben, Sterben und Auferstehen, mit all ihren Abweichungen in Details zeigen, dass es der Bibel nicht um einen einheitlichen und neutralen Bericht über Jesus geht. Gott will auch mit uns Lesern einen individuellen und persönlichen Weg gehen. Nicht jeder erlebt Jesus und den Weg des Glaubens völlig gleich. So war es schon damals im Jüngerkreis.

| Bibeltext |

Johannes 1, 35-42 Erste Worte

Die ersten Worte Jesu im Johannesevangelium sind eine Frage: „Was sucht ihr?“ Der zweite Satz den er spricht, ist eine Einladung: „Kommt und seht!“ Das Johannesevangelium ist mehr als ein historischer Bericht über etwas Vergangenes. Johannes möchte vor allem die Leser im Hier und Jetzt ansprechen. Jesus spricht nicht nur zu seinen ersten Jüngern, sondern er spricht hier mit jedem Leser. Diese Frage gilt uns: „Was suchst du?“ Ich finde es wunderbar, dass dies die erste Aussage Jesu ist. Er setzt uns nicht seine fertigen Antworten vor die Nase, sondern fragt uns erst einmal, war wir suchen. Das ist die Frage eines jeden Lebens: Was suchen wir eigentlich? Und dann lädt uns Jesus ein: „Komm und sieh!“ Glaube ist in erster Linie eine Einladung, mit Jesus unterwegs zu sein. Zu ihm zu kommen und zu sehen.

Diese doppelte Ebene des Erzählens begegnet uns bei Johannes häufiger. Er erzählt immer auf mehreren Ebenen. Da ist zunächst die oberflächliche Erzählerbene. Jesus ruft seine ersten Jünger in die Nachfolge. Da ist aber darunter zugleich die existentielle Ebene eines jeden Menschen: Was suchen wir? Wo suchen wir? Wie finden wir was wir suchen? Da ist zugleich die Einladung an den Leser: Lasse dich auf dieses Evangelium von Jesus Christus ein, folge ihm, erlebe und sehe was die ersten Jünger mit Jesus erlebt und gesehen haben.

| Bibeltext |

Apostelgeschichte 28, 1-16 Endlich in Rom

Nun ist Paulus endlich in Rom angekommen. Schon im Römerbrief hat er der Gemeinde in Rom angekündigt, dass er sie gerne besuchen würde und dass er von Rom aus auch gerne in Spanien missionieren möchte (Röm.15,23f). Er sah seine Aufgabe im Osten des Römischen Reiches als erfüllt an und wollte nun auch im westlichen Teil das Evangelium verkündigen. Allerdings hat er sich seine Reise nach Rom wohl anders vorgestellt. Denn er kommt nicht als freier Mann nach Rom, sondern als Gefangener. Immerhin war er ein Gefangener mit Sonderbehandlung: er durfte alleine wohnen und hatte nur einen Soldaten, der ihn bewachte. Auch schien es kein Problem zu sein, dass er mit den Christen von Rom Kontakt hatte.

Gottes Wege sind manchmal anders, als wir uns das vorstellen. Wie es dem Paulus selbst wohl dabei gegangen ist? Lukas berichtet nichts über sein Innenleben. Hatte Paulus seine Fragen und Zweifel über diesen Weg, den Gott mit ihm gegangen ist? Oder konnte er diesen Gefangenentransport nach Rom als gute Fügung Gottes ansehen? Wie auch immer: er erscheint nicht als ein Mensch, der resigniert hat, sondern er nutzt jede Möglichkeit, um anderen zu helfen und um Jesus zu bezeugen.

Apostelgeschichte 19, 23-40 Der neue Weg

Ich bin an der Bezeichnung für den christlichen Glauben hängen geblieben. In V.23 beschreibt Lukas ihn als „den neuen Weg“. Unser Glaube ist nicht in erster Linie eine neue Lehre oder eine neue Offenbarung, sondern ein neuer Weg. Es ist nichts Statisches, sondern etwas das in Bewegung ist. Einen Weg muss man gehen. Es ist kein Standpunkt, an dem verweilen kann und es sich bequem einrichten. Nein, es ist ein Unterwegssein. Das Entscheidende ist, dass dieser Weg nicht auf einer Landkarte vorgezeichnet ist, sondern dass wir ihn nur in Begleitung der Person Jesu Christi finden. Es geht nicht in erster Linie darum göttlichen Gesetzen zu folgen, sondern dem Sohn Gottes.

| Bibeltext |

Richter 6 Das Vlies des Gideon

Das berühmte Vlies des Gideon. Um ganz sicher zu sein, dass er wirklich im Auftrag Gottes die Midianiter angreifen soll legt Gideon zwei mal über Nacht ein Wollflies aus. Beim ersten mal soll zur Bestätigung seines Auftrags das Vlies nass vom Tau sein und der Boden drumherum nicht. Beim zweiten mal soll es genau umgekehrt sein. Und Gott geht tatsächlich darauf ein: Gideon bekommt diese deutliche Bestätigung.

Können wir das heute noch so machen und von Gott bei Entscheidungen ein deutliches Zeichen verlangen? Ich denke im Prinzip ja – aber: In der Bibel wird die Forderung nach einem Zeichen auch durchaus kritisch gesehen. Die Pharisäer forderten z.B. von Jesus ein Zeichen, um seine Autorität zu beweisen. Jesus gab ihnen aber keine Beweise in die Hand, sondern forderte Umkehr, Glaube und Vertrauen. Auch seinen Jüngern hat er nicht empfohlen in schwierigen Situationen ein eindeutiges Zeichen zu verlangen. Viel wichtiger ist das schlichte Vertrauen auf Gott.

Auch bei Gideon muss man den Zusammenhang sehen: Er war sich eigentlich schon vorher seines Auftrages sicher. Ein Engel des Herrn hat mit ihm gesprochen (V.11), ja Gott selbst sprach mit ihm (V.23). Dieses Auslegen des Flieses war also eingebettet in ein Fragen und Hören auf Gottes Wort. Außderdem war es eine große Entscheidung, die nicht nur Auswirkungen für Gideon hatte, sondern auch viele andere Menschen betraf.

Gott will sicher nicht, dass wir wegen jeder Kleinigkeit nach einem eindeutigen Zeichen fragen. Er hat uns seinen Geist gegeben, er hat uns unseren Verstand gegeben. Aber ich bin sicher, dass Gott auch heute noch vielfältige Möglichkeiten hat, um uns in schwierigen Fragen den richtigen Weg zu zeigen…

| Bibeltext |

2. Timotheus 2, 1-7 attraktiv und bequem?

Leiden (V.3), Krieg (V.4), Kampf (V.5),… das klingt nicht gerade attraktiv und bequem. Aber Glaube ist nicht immer attraktiv und bequem. Die Wahrheit ist nicht immer attraktiv und bequem. Glaube, Hoffnung, Liebe, Hingabe, wahres Leben,… das lässt sich nicht mit solchen Wohlfühlkategorien beschreiben. Sich mit Drogen die Sinne benebeln, scheint auch attraktiv und bequem zu sein, sich mit dem Strom in den Abgrund treiben zu lassen, scheint auch bequem und attraktiv – aber wo führt es hin?! Dann lieber den scheinbar schweren Weg gehen und wahrhaft frei werden.

| Bibeltext |

Josua 3 Er macht den Weg frei

Israel geht über den Jordan in ein neues Land. Es wird nicht einfach werden, das wissen alle. Ganz betont wird in dem Text deshalb dargestellt, dass Gott voraus geht. Sieben mal wird die Bundeslade erwähnt. Nach damaligem Verständnis ist Gottes Gegenwart in besonderer Weise mit dieser Lade verknüpft. Gott geht für die Israeliten sichtbar in Gestalt der Lade voraus, er macht den Weg frei, er sorgt mit einer Wiederholung des Wunders am Schilfmeer (beim Auszug aus Ägypten) dafür, dass sein Volk sicher über den Jordan gelangt.

„Herr, lass auch mich keine Angst haben vor neuem Land. Auch wenn ich nicht recht weiß, was mich erwartet. Solange Du dabei bist, kann ich diesen Weg gehen. Vater, lass mich erkennen, welche Wege Du mit mir vorhast. Lass mich sehen, wo Du mich haben willst. Danke, dass Du voraus gehst. Ich will Dir vertrauen und Dir folgen.“

| Bibeltext |

Hesekiel 33, 10-20 Die Füße des Glaubens

Zwei Stellen sind mir in diesem Text aufgefallen. Zum einen, dass der Glaube (und Unglaube) mit einem Weg verglichen wird: „So kehrt nun um von euren bösen Wegen.“ (V.11) Wieder einmal wird deutlich: Glaube ist nicht nur eine Sache des Kopfes, oder des Herzens, sondern auch eine Sache der Hände und Füße. Es gibt so manche Christen, die von ihrer absolut richtigen Theologie und Vorstellung von Gott unterwegs sind und andere mit ihrer Rechtgläubigkeit erschlagen wollen (v.a. im Internet, weil man da schön anonym dem anderen seine theologischen Erkenntnisse um die Ohren schlagen kann). Und es gibt so manche Christen, die mit vollen Herzen und Eifer bei der Sache sind und die andere mit ihrer Begeisterung einfach überrollen. Aber es gehört eben nicht nur der Kopf und das Herz zum rechten Glauben, sondern auch die Füße, das rechte Handeln. Und da will ich nicht nur über andere lästern, sondern muss selbst zugeben: das ist oft das Schwierigste!

Der andere Vers, der mich berührt hat: „Aber dein Volk spricht: ‚Der Herr handelt nicht recht‘, während doch sie nicht recht handeln.“ (V.17) Der typisch menschliche Hochmut und die typisch menschliche Verkennung der Realität: Gott wird angeklagt, obwohl der Mensch sich eigentlich selbst anklagen müsste!

| Bibeltext |

 

Exodus 23, 1-19 Gegen den Strom

In diesem Abschnitt geht es um rechtliche Dinge, Sabbat und Opferfeste. Ein Vers hat mich besonders angesprochen: „Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen.“ (V.2) Ja, es ist so einfach und bequem, mit der Masse zu schreien. Es ist so anstrengend gegen den Strom zu schwimmen. Das ist eine ständige und bleibenden Herausforderung für uns Christen.

Aber der Maßstab dabei ist nicht die Menge, sondern das Recht: Was meiner Überzeugung nach die Wahrheit ist – dafür soll ich einstehen. Egal was die Menge sagt. Man muss nicht aus dem „gegen den Strom schwimmen“ ein Prinzip machen. So manche sind ja grundsätzlich gegen alles: Wenn zehn Personen nach links gehen, dann geht man aus Prinzip nach rechts. Wenn die Mehrheit sich einig ist, dann ist man aus Prinzip dagegen.

Es geht nicht um ein Prinzip des dagegen Seins, sondern um die Frage nach dem Guten und Bösen. Wir sollen den Weg des Guten gehen, auch wenn er eng ist und wenige ihn gehen. Vielleicht liegt das Gute ja auch manchmal flussabwärts…

| Bibeltext |

Exodus 13, 17-22 Wegweisung

Ein spannender kleiner Abschnitt. Gott lässt die Israeliten nicht den schnellsten Weg ins verheißene Land gehen, sondern er führt sie einen Umweg durch die Wüste. Entlang der Mittelmeerküste wäre eigentlich der direkte Weg von Ägypten nach Kanaan. Aber dieses Gebiet ist dicht besiedelt, Kämpfe wären da wohl vorprogrammiert (V.17). Deshalb der weitere und wenig einladend klingende Weg durch die Wüste.

Schön ist, wie Gott führt: Er zieht vor ihnen her – am Tag in einer Wolkensäule, in der Nacht in einer Feuersäule. Er ist nicht sichtbar und greifbar dar, er verbirgt sich hinter Wolken und Feuer. Und doch macht er sich bemerkbar und gibt die Richtung vor. Ich wünsche mir, dass ich die Wolken und das Feuer in meinem Leben nicht übersehe, sondern dass ich Gottes Wegweisung darin erkennen kann. Ich wünsche mir, dass ich nicht immer gleich den schnellsten und scheinbar bequemsten Weg gehe, sondern auf Gottes Wegweisung höre.

| Bibeltext |