Johannes 18, 28-40 Nicht von dieser Welt

Bei dem Text bin ich vor allem an Jesu Aussage hängen geblieben: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ (V.36) Es gibt ja durchaus unterschiedliche Möglichkeiten, diesen kurzen Satz zu verstehen. Man könnte es rein als Jenseitshoffnung verstehen. Jesus ist nicht gekommen um in dieser Welt ein irdisches Königreich aufzubauen, sondern er ist gekommen, um den Menschen den Weg in ein jenseitiges und himmlisches Königreich zu eröffnen. Aber hat Jesu Wirken rein jenseitige Ziele? Geht es ihm nur darum, dass nur irgendwann im Jenseits alles besser wird? Dann wäre das sinnvollste Ziel als Christ, möglichst schnell diese irdische Welt hinter sich zu lassen, um in das ewige himmlische Reich zu kommen.

Aber alle Evangelien machen immer wieder deutlich, dass das Reich Gottes nicht erst im Jenseits beginnt, sondern durch und in Jesus Christus jetzt schon gegenwärtig ist. Deswegen sagt Jesus hier auch nicht, dass sein Reich nicht „in“ dieser Welt ist, sondern dass es nicht „von“ dieser Welt ist. Sein Reich und seine Herrschaft beginnt tatsächlich in dieser Welt. Wo immer er König ist, wo er herrscht, da ist Gottes Reich jetzt schon gegenwärtig. Aber sein Königreich ist eben nicht von dieser Welt. D.h. es ist nicht bestimmt von unseren irdisch-vergänglichen Maßstäben, sondern von Gottes ewigen Maßstäben. Es geht nicht zugrunde, wie jedes menschliche Reich, sondern es ist ein ewiges Reich. Es umfasst eine ganz andere Dimension, als nur unsere irdisch-weltliche Dimension.

Deshalb ist dieser Satz mehr als eine billige Vertröstung auf ein fernes Jenseits. Nein, Jesus will jetzt schon herrschen – aber eben nicht in der Art von menschlichen Königen und Herrschern. Er ist ein König anderer Art. Und er fragt uns Menschen, ob wir ein Teil dieses Reiches Gottes sein möchten. So wird das Verhör des Pilatus letztendlich zu einer Verurteilung des Pilatus. Pilatus spricht nicht ein Urteil über Jesus, sondern er spricht über sich selbst ein Urteil: „Was ist Wahrheit?“ (V.38) Er will die Wahrheit, die Jesus bringt nicht anerkennen. So schließt er sich selbst vom Reich Gottes aus und spricht sich selbst das Urteil.

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Johannes 16, 4-15 Der Heilige Geist

In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums bezeichnet Jesus den Heiligen Geist zum einen als Parakleten und zum anderen als Geist der Wahrheit. Ein Paraklet ist ganz allgemein übersetzt ein „Helfer, Beistand oder Fürsprecher“. Als Fachausdruck kann er auch den „Anwalt“ vor Gericht meinen. Es geht also um jemand, der mir hilft und gegenüber anderen meine Interessen vertritt. Aber nicht weil ich so nett bin, oder weil meine persönliche Interessen und Vorlieben so schützenswert sind. Nein, der Paraklet hilft mir und vertritt mich, weil ich auf die Seite Jesu gehöre. Die Jünger und Jüngerinnen Jesu gehören sozusagen ins Team Gottes und wenn es mit irgendjemand von außerhalb Probleme gibt, dann ist der Paraklet an ihrer Seite.

Dabei geht es nicht darum, andere über den Tisch zu ziehen, sondern darum, die Wahrheit ans Licht zu bringen – darum wird er hier auch „Geist der Wahrheit“ genannt. Der Anwalt rettet uns nicht mit irgendwelchen juristischen Tricks, sondern damit, dass er die Wahrheit offenbart. Im Johannesevangelium ist der Begriff Wahrheit ganz eng mit Jesus selbst verbunden: er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (14,6). Der Geist der Wahrheit hat also keine andere Botschaft als die Botschaft Jesu selbst. Darum sagt Jesus auch: „Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen“ (V14). Es geht nicht um zusätzliche Offenbarungen oder über eine Wahrheit, die über Jesus Christus hinausgeht. Es geht um die Entfaltung der Wahrheit in der Person Jesu Christi.

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Johannes 8, 37-47 Warum glaubt ihr nicht?

Das Johannesevangelium ringt mit der Frage des Unglaubens. Wie kann es sein, dass der Sohn Gottes den Menschen begegnet, sie ihn leibhaftig vor sich sehen, sie seine Worte hören und sie dennoch nicht glauben? Wie kann es sein, dass Jesus ihnen die Wahrheit offenbart und sie erkennen diese Wahrheit nicht? Jesus selbst fragt sich hier: „Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?“ (V.16b)

Eine logische Erklärung scheint zu sein, dass der Feind Gottes, der Teufel, seine Finger mit im Spiel hat: „Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.“ (V.47) Ich finde diese Antwort nicht wirklich befriedigend. Sicher hat der Teufel sein Finger mit im Spiel, wenn Menschen nicht glauben können und wollen. Aber ist Gott nicht mächtiger als der Teufel? Und will Gott nicht, dass alle Menschen gerettet werden?

Die andere Alternative wäre, die Freiheit der Menschen zu betonen. Gott respektiert den freien Willen der Menschen. Wer sich von Gott abwendet, der muss auch die Konsequenzen seines Handelns tragen. Der Mensch ist nicht fremdbestimmt vom Teufel, sondern selbst für seine Entscheidung gegenüber Gott verantwortlich. Nicht der Teufel oder eine Vorherbestimmung zum Unheil ist Schuld, sondern der Mensch selbst.

In der Bibel finden sich Hinweise für beide Extrempositionen. In diesem Johannestext wird sehr stark die erste Sicht betont. An anderen Stellen wird die Verantwortung der Menschen betont. Irgendwie haben wohl beide Sichtweisen ihre Berechtigung, ohne dass wir die dabei entstehenden Widersprüche völlig auflösen können. Warum manche Menschen zum Glauben finden und andere nicht, bleibt letztendlich ein unverfügbares Rätsel.

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Johannes 8, 30-36 Wirklich frei?

„Sie reden irgendwie von Freiheit. Gott und Glaube machen frei, aber gleichzeitig stellen sie so viele Regeln und Gesetze auf, die man alle einhalten muss, weil man sonst nicht mehr bei Gott ist“ (Faix, Hoffmann, Künkler: Warum ich nicht mehr glaube, S.75). Ja, wie ist es mit der Freiheit, die Jesus verspricht? Sind wir Christen wirklich frei? Und wenn ja, wieso empfinden dann viele Menschen Gemeinde und Kirche mit ihren vielen Regeln und Vorschriften als einengend und unfrei?

Der Knackpunkt steckt wahrscheinlich in der Aussage: „Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.“ (V.34b) Wir merken auch als Christen, dass wir nicht perfekt sind, wir machen nach wie vor Fehler, wir sind nicht sündlos. Wir sind nur insofern ohne Sünde, als uns die Sünde vergeben wird. Aber Jesus spricht hier ja explizit vom Sünde „tun“. Können wir dann je richtig frei sein? Wir versuchen uns mit Regeln und Vorschriften vor sündigen Taten abzusichern. Aber macht uns das frei? Die Gefahr ist, dass wir entweder resigniert und nachlässig werden, oder dass wir die Regeln und Vorschriften immer mehr verschärfen, um ja nicht Sünde zu tun.

Vielleicht geht es Jesus an dieser Stelle nicht um die Freiheit von allen möglichen einzelnen Tatsünden, sondern um die Freiheit von der einen Sünde: der Trennung von Gott. Jesus spricht hier von Sünde in der Einzahl und nicht von Sünden in der Mehrzahl. Von einzelnen Tatsünden werden wir hier auf Erden wohl nie völlig frei sein. Wir bleiben auf Gottes Vergebung angewiesen. Aber wenn wir Jesus vertrauen, dann dürfen wir frei sein von der einen grundlegenden Sünde. Das ist die Wahrheit, die uns frei macht. Nicht von allen einzelnen Tatsünden, aber von der Angst, vor Gott nicht bestehen zu können.

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Johannes 4, 19-26 Wo beten wir Gott an?

Die Frau scheint einem Gespräch über ihre persönliche Situation ausweichen. Sie lenkt das Thema auf die theologischen Unterschiede im Glauben der Samariter und der Juden. Die richtige Gottesanbetung ist in der damaligen Vorstellung noch viel mehr als bei uns auch an den richtigen Ort gebunden. Die Samariter beten Gott auf dem Berg Garizim an, für die Juden ist Jerusalem der wichtigste Ort um Gott anzubeten.

Für Jesus ist der Ort zweitrangig. Wichtig ist, Gott „im Geist und in der Wahrheit“ (V.23f) anzubeten. Dabei meint Geist nicht den menschlichen Geist, so dass wahre Anbetung nur innerlich geschehen kann, sondern es geht um den Geist Gottes. Wenn der Geist Gottes gegenwärtig ist, dann spielt der Ort keine Rolle. „Wahrheit“ ist im Johannesevangelium ein Schlüsselbegriff. Auf den Punkt gebracht, ist Jesus selbst die Wahrheit (Joh. 14,6). Nur in ihm und durch das, was er uns von Gott offenbart, können wir Gott in Wahrheit anbeten.

Ich denke in unserer heutigen Zeit stehen wir eher in der Gefahr, den Ort der wahren Gottesanbetung zu vernachlässigen. Wir haben richtig erkannt, dass es letztendlich keine Rolle spielt, wo wir sind: Gott kann überall da sein. Aber dadurch stehen wir in der Gefahr, dass unser Glaube zu einer sehr individuellen und beliebigen Sache wird. Wenn Gott überall ist, dann gibt es keine Orte der besonderen Nähe. Vielleicht können uns bestimmte Orte auch helfen, um uns Gottes Gegenwart besser bewusst zu werden.

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Johannes 2, 13-25 Worauf es wirklich ankommt

Für Johannes hat die Tempelreinigung ebenso programmatische Bedeutung wie das Zeichen bei der Hochzeit zu Kana. Gleich zu Beginn des Berichts über Jesu Wirksamkeit wird auch hier deutlich, um was es Jesus geht. Indem er den Tempel reinigt, macht er zeichenhaft deutlich, dass er die wahre Gottesverehrung wieder herstellen will. Glaube soll kein religiöses Geschäft sein, sondern soll sich allein auf Gott ausrichten. Gleich in dieser Geschichte wird auch deutlich, wie Jesus das letztendlich erreichen will: durch seinen Tod und seine Auferstehung (V.19). In der damaligen Situation konnte das niemand verstehen – erst im Nachhinein ist auch den Jüngern klar geworden, was damit gemeint ist.

Gleich zu Beginn lesen wir also hier einen Hinweis auf Jesu Heilshandeln in Tod und Auferstehung. So wie es schon vorher Hinweise darauf gab (z.B. Joh.1,29: Jesus als Gottes Lamm), soll hier deutlich werden, dass das ganze Evangelium unter diesem Blickwinkel zu lesen ist. Hier handelt nicht ein menschlicher Wundertäter oder ein großer Rabbi, sondern es handelt der Sohn Gottes, der für uns Erlösung und Heil bringt.

Für viele interessant ist natürlich die Frage, warum die Tempelreinigung bei Johannes zu Beginn von Jesu Wirksamkeit steht und bei den anderen Evangelien am Ende seiner Wirksamkeit. Was stimmt jetzt? Wer hat Recht? Wie war es historisch tatsächlich? Wenn wir ängstlich am Buchstaben kleben bleiben wollen, dann müssen wir behaupten, dass es zwei Tempelreinigungen gab. Ich für mich sage: Ich kann es historisch nicht genau sagen. Wir haben zwei Überlieferungen, die verschiedene Aussagen machen und dahinter kann ich nicht zurück. Wichtig ist für mich auch nicht, wann es geschehen ist, sondern dass es geschehen ist – und darin sind sich beide Überlieferungen einig.

Gerade dieser Abschnitt zeigt uns ja, wie sehr wir Jesus missverstehen, wenn wir uns nur am Buchstaben festklammern: die Juden können Jesu Aussage über den Tempel überhaupt nicht verstehen, weil sie Jesus nur buchstäblich verstehen (V.20). Jesus geht es aber in Wahrheit um eine ganz andere Ebene. So begegnen uns im Johannesevangelium häufig Missverständnisse, weil die Zuhörer Jesus auf einer viel zu oberflächlichen Ebene verstehen und gar nicht die geistlichen Wahrheiten dahinter erkennen. Ähnlich geht es uns, wenn wir die Wahrheit der Bibel an rein historischen Fragen festmachen wollen.

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Apostelgeschichte 24 Egoistische Gleichgültigkeit

Ähnlich wie beim Prozess Jesu wird Paulus zerrieben zwischen dem fanatischen Hass einiger Juden und der egozentrischen Gleichgültigkeit römischer Politiker. Nachdem der Statthalter Felix die Vorwürfe gegen Paulus und auch Paulus selbst gehört hat, ist ihm eigentlich klar, dass Paulus kein politischer Aufrührer ist, sondern dass es um religiöse Streitigkeiten geht (vgl. V.22). Aber er kann sich nicht durchringen, Paulus freizugeben. Stattdessen zieht er die Sache einfach in die Länge (nach V.27: zwei Jahre!), um sie seinem Nachfolger zu überlassen. Die gleiche unentschiedene Haltung zeigt er gegenüber der Botschaft des Paulus. Er hört ihn gerne an, aber sobald Paulus persönliche Konsequenzen anmahnt, zieht er sich ängstlich zurück (V.24f).

Da fragt man sich, was schlimmer ist: der fanatische Hass der jüdischen Eiferer oder diese egoistische Gleichgültigkeit eines Menschen, der nur an sich selbst und seine Bequemlichkeit denkt? Die jüdischen Gegner des Paulus haben zumindest den Wunsch, Gott zu gefallen. Sie haben erkannt, dass Gott für ihr Leben zentral ist. Aber sie meinen mit ihrem menschlichen Fanatismus Gott selbst schützen zu müssen. Wir leben heute in Deutschland eher in einer Situation der egoistischen Gleichgültigkeit. Solange niemand dem anderen schadet, darf jeder glauben, was er will. Solange die Christen mich und mein Leben nicht in Frage stellen, dürfen sie gerne ihren Glauben haben. Solange es mir selbst gut geht und ich glücklich bin, darf jeder seine eigene Wahrheit haben bzw. darf jede Wahrheit gleich gültig sein.

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Apostelgeschichte 16, 16-22 Wahre Worte

Seltsame Geschichte: Eine Geisteraustreibung, die eigentlich gar nicht gewünscht ist und wegen der Paulus und Silas Riesenprobleme bekommen. Paulus scheint diesen Wahrsagegeist nur ausgetrieben zu haben, weil ihn die Frau tagelang genervt hat. Seltsam auch, dass dieser Geist ja durchaus positives über die Missionare gesagt hat: „Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkünden.“ (V.17) Da kann man doch eigentlich nur Amen dazu sagen. Selbst dieser geschäftstüchtig genutzte heidnisch-esoterische Wahrsagegeist ist nicht reiner Humbug, sondern er spricht durchaus Wahres aus!

Aber Wahrheit ist nicht gleich Wahrheit. Es kommt darauf an, mit welcher Motivation und welchen Absichten die Wahrheit verkündet wird. Werden damit Geschäfte gemacht oder wird damit Menschen geholfen? Das müssen wir uns übrigens auch als Christen und christliche Gemeinden immer wieder fragen.

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Apostelgeschichte 1, 15-26 Die Glaubwürdigkeit der Bibel

An dieser Stelle berichtet Petrus vom Tod des Judas. Die Darstellung hier steht in Spannung zur Darstellung des Todes von Judas in Matthäus 27,3-7. Für manche ein gefundenes Fressen, um die Widersprüchlichkeit und historische Unglaubwürdigkeit der Bibel zu „beweisen“. Für andere gar kein Problem, da die Bibel ja immer und in allem Recht hat und man die beiden Stellen nur irgendwie harmonisieren muss.

Zunächst mal muss man festhalten, dass beide Berichte in wesentlichen Teilen übereinstimmen: Judas stirbt kurz nach seinem Verrat und mit dem Verrätergeld wird wird ein Acker gekauft, der nachher „Blutacker“ genannt wird. Die Unterschiede sind folgende: Nach Matthäus kaufen die Priester mit dem von Judas zurückgegebenen Geld den Acker, nach Lukas hört es sich eher so an, als ob Judas selbst den Acker kauft. Nach Matthäus erhängt sich Judas und nach Lukas stürzt Judas vornüber und fällt auf harten Untergrund, so dass seine Eingeweide hervorquellen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Man kann versuchen die Berichte zu harmonisieren oder man kann festhalten, dass es über den Tod des Judas damals im Detail unterschiedliche Berichte gab. Ob Judas jetzt selbst den Acker gekauft hat oder ob mit dem Geld, das er erhalten hatte der Acker gekauft wurde, macht für mich jetzt keinen großen Unterschied. Da kann ich mir vorstellen, dass man das je nach Sichtweise auch sprachlich unterschiedlich ausdrücken konnte. Die Todesart zu harmonisieren scheint mir schwieriger. Eine Erklärung könnte sein, dass Judas sich erhängt hat, seine Leiche dann auf den felsigen Acker geworfen wurde und er dabei aufplatzte, so dass seine Eingeweide zu sehen waren.

Ich persönlich würde die beiden Stellen eher als teilweise widersprüchlich stehen lassen. Die Harmonisierungsversuche erscheinen mir doch sehr weit hergeholt. Es gab damals einfach verschiedene Überlieferungen über den Tod des Judas. Das kann man ja heute genauso beobachten: wenn zwei Leute von demselben Ereignis berichten, kann es sein, dass diese Berichte sich in manchen Details widersprechen – obwohl beide überzeugt sind, dass sie die Wahrheit sagen. Für mich stellen diese Unterschiede nicht die historische Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage, sondern im Gegenteil: solche Unterschiede sprechen eher für die historische Zuverlässigkeit. Denn wenn alles erstunken und erlogen wäre, dann hätten sich die neutestamentlichen Schreiber doch die Mühe gegeben, die Berichte von vornherein anzugleichen. Wenn die Berichte dagegen im Wesentlichen übereinstimmen und nur an manchen Stellen voneinander abweichen, dann spricht das rein geschichtswissenschaftlich eher für zuverlässige Quellen.

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Sprüche 27, 1-7 Ratschläge, die wehtun und guttun

„Die Schläge des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hasser sind trügerisch.“ (V.6) Was für eine tiefe Wahrheit! Aber es ist wie so oft: Diese Wahrheit einzusehen ist relativ leicht, aber sie zu leben ist unendlich schwer. Ich merke das bei mir selbst. Ich bin ein eher harmoniebedürftiger Mensch. Jemand zurecht zu weisen fällt mir schwer. Ich schweige lieber, um des lieben Friedens willen. Noch schwerer ist dies bei jemand, den man liebt. Denn wenn man einen Freund „schlägt“ (z.b. indem man ihm einen kritischen Ratschlag gibt), dann tut das einem selbst auch weh.

Schwierig finde ich auch zu beurteilen, was denn gut für den Anderen ist. Wann ist es besser zu reden und wann ist es besser schweigend zu unterstützen? Kann ich aus meiner Perspektive beurteilen, was besser für den Anderen ist? Und selbst wenn ich mir sicher bin: wie kann ich es sagen, so dass es beim Anderen auch ankommt und er es versteht? Keine leichte Sache…

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