Epheser 4, 17-24 Kleiderfragen

Ja, wenn’s nur so einfach wäre! Paulus schreibt davon, dass wir den alten Menschen ablegen sollen und den neuen Menschen anziehen. Wir sollen also unsere alte Lebensart und Verhaltensweise ablegen und eine neue anziehen. So wie man alte, dreckiges Kleider auszieht und neue, saubere Kleider anzieht. Klingt so, als ob das kein Problem wäre.

Aber wenn es kein Problem ist und so einfach geht, warum muss er die Epheser dann dazu auffordern, bzw. sie daran erinnern? Er schreibt ja nicht an ungläubige Heiden, die jetzt endlich zu Jesus umkehren sollen und ihr Leben verändern sollen. Er schreibt an Christen, die schon längst an Jesus glauben und schon längst den neuen Menschen angezogen haben sollten.

Also wohl doch nicht so einfach! Wie so oft fordert Paulus dazu auf, das was in Christus schon längst gilt auch zu leben. Grundsätzlich gilt: Wer zu Jesus gehört, der ist eine neue Kreatur, der ist Teil der Neuschöpfung Gottes. Aber dieses punktuelle Geschehen bleibt ein Wachstumsgeschehen: Ich muss mich immer wieder daran erinnern lassen, ich muss es immer wieder konkret mit Leben füllen, ich muss mich ständig von Gott erneuern lassen.

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Epheser 4, 11-16 Wachstum und Erbauung

Wieder mal ein sehr dicht formulierter Abschnitt. Paulus spricht vom (heute sogenannten) fünffältigen Dienst: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Diese Zusammenstellung kommt in der Bibel nur an dieser Stelle so vor. Manche wollen aus dieser Stelle das Modell für eine biblische Organisation der Gemeinde sehen, aber meines Erachtens wird damit die Stelle überfrachtet. Paulus will hier keine bestimmte Gemeindestruktur vorgeben, sondern beschreibt beispielhaft, dass verschiedene Gaben in der Gemeinde dem einen Ziel unterstellt sind: den Leib Christi zu erbauen (V.12).

Wir hatten in den letzten Tagen eine Fortbildungsveranstaltung, in welcher der Referent u.a. auf zwei Punkte verwiesen hat, die auch in diesem Text vorkommen. Paulus hat als Zielrichtung für geistliches Wachstum den erwachsenen Menschen vor Augen (V.13). Es geht im Leben eines Christen darum zu wachsen, erwachsen zu werden, kein Kind zu bleiben. Es geht darum, sich nicht mehr von jedem „Wind einer Lehre“ hin- und herwehen zu lassen, sondern immer mehr zu Christus hin zu wachsen. Und wie funktioniert das? Paulus sagt: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ (V.15) Wahrhaftige Liebe und Ausrichtung auf Christus!

Ein zweiter Punkt war, dass es bei Erbauung nicht in erster Linie um die eigene Erbauung geht. Es geht darum, „dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe“ (V.16). Zentral ist also nicht meine eigene Auferbauung, sondern die Erbauung des Anderen. Gemeinde und Gemeinschaft ist nicht dazu da, dass ich selbst auferbaut, getröstet und gestärkt werde, sondern dass ich selbst andere auferbaue, tröste und stärke. Natürlich: Wenn das alle tun, dann kommt es auch mir selbst zu Gute. Aber wenn alle nur Erbauung von den anderen erwarten, dann funktioniert der Leib Christi nicht.

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Philipper 1, 3-11 Gemeinde auf dem Weg

Zwei Dinge sind mir in dem Text besonders aufgefallen. Das eine ist die Herzlichkeit mit der Paulus diese Zeilen formuliert. Er scheint ein ausgesprochen gutes Verhältnis zur Gemeinde in Philippi gehabt zu haben. Man spürt den ehrlichen Wunsch, nach Gemeinschaft mit den Leuten aus Philippi. Dieses gute Miteinander ist schön und auch in christlichen Gemeinden nicht selbstverständlich.

Das andere ist, dass hier deutlich wird, dass auch schon damals Gemeinde bedeutete, miteinander auf dem Weg zu sein. Gemeinde ist nicht perfekt. Auch nicht bei den Urchristen, auch nicht wenn sie von Paulus gegründet wurde. Paulus betet darum, dass „eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei.“ (V.10-11) Statt „Erfahrung müsste man besser mit „Einsicht“ übersetzten. Und statt „was das Beste sei“ könnte man übersetzen: „worauf es ankommt“ (es geht nicht um das Beste im gegenüber zum Guten, sondern um das Wesentliche im Gegensatz zu Unwesentlichem).

Auf jeden Fall wird deutlich, dass auch die Christen in Philippi noch in der Liebe wachsen können und sollen. Christsein ist ein Prozess, ein Weg, der hier auf Erden nie aufhört. Liebe ist kein entweder-oder sondern ein Wachstumsprozess. Interessant auch dir Formulierung, dass die Liebe „reicher“ werde und nicht etwa „größer“! Wann hab ich das letzte mal dafür gebetet, dass die Liebe immer noch reicher werde (wohlgemerkt nicht im überheblichen Sinn: Die anderen haben – im Gegensatz zu mir – so wenig Liebe, da muss noch kräftig was wachsen)?
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Psalm 122 – Von Außen nach Innen

Dieser Psalm ist ein Wallfahrtslied. Die frommen Juden sollten nach Möglichkeit drei mal im Jahr zum Tempel in Jerusalem pilgern. In dem Psalm wird etwas von der Freude deutlich, die die Pilger bei der Ankunft in Jerusalem empfinden.

Ich hab noch nie eine Pilgerreise gemacht. Ich hab keinen großen Drang, irgendwo besondere heilige Orte aufzusuchen. Wie für viele evangelische Christen ist für mich der Glaube eine Sache des Herzens und nicht eine Sache des äußeren Ortes. Und doch bringt mich dieser Psalm ins Nachdenken: Haben wir da nicht auch etwas verloren? Konzentrieren wir uns zu sehr auf die Innerlichkeit und haben so manche äußeren Ausdrucksmöglichkeiten und Hilfsmittel des Glaubens verloren?

Ich glaube nicht umsonst sind viele (auch nichtgläubige) Menschen von solchen Pilgerwegen wie dem Jakobusweg begeistert. Ich glaube schon dass so eine Pilgerreise auch die innere Einstellung verändern kann. Diese Erfahrung – tagelang unterwegs zu sein, das Ziel vor Augen zu haben und dann endlich am Tempel, dem Symbol von Gottes Gegenwart anzukommen – diese Erfahrung kann ich durch reine Innerlichkeit nicht so leicht herstellen. Wir verweisen gerne auf die Gefahr, dass solche äußeren Traditionen leicht zum reinen äußeren Schrein verkommen können. Aber schütten wir da nicht manchmal auch das Kind mit dem Bade aus? Kann der Glaube nicht auch manchmal von außen nach innen wachsen?
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Psalm 66 – Wachsen in der Krise

Im Mittelteil dieses Psalms (V.5-12) blicken die Beter zurück auf die Geschichte Israels. Da waren wunderbare Erfahrungen dabei (V.5-6), es gab aber auch schwierige und schmerzhafte Erfahrungen (V.11-12). Spannend finde ich, dass diese Erlebnisse nicht einfach als unglückliches Schicksal gesehen werden oder als böse Fügungen des Teufels, sondern dass sie als Prüfungen Gottes gesehen werden: „Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird.“ Gott selbst wird für für diese Prüfungen verantwortlich gemacht.

Ich denke nicht, dass wir alle negativen Erfahrungen einfach automatisch als Prüfung Gottes sehen können, vor allem nicht, wenn sie andere betreffen. Da kommen wir anderen gegenüber leicht in eine Überheblichkeit rein: „Ja, das musste halt so kommen, damit Gott dich prüft und du daraus etwas lernen kannst.“ Aber jeder einzelne für sich selbst kann vielleicht so manches mal im Nachhinein erkennen, dass ein zunächst unverständliches und schmerzliches Erlebnis mich geläutert hat, dass ich darin gewachsen bin und dass mein Vertrauen zu Gott dadurch gewachsen ist.

Dazu ein geniales Zitat von Hans-Joachim Eckstein in der aktuellen Aufatmen (S.5): „Auf die Idee muss man erst einmal kommen, dass ausgerechnet das, was wir uns aus unserem Alltag immer weg wünschen – die Belastungen, die Widerstände und Schwierigkeiten – uns zu dem machen, was wir ohne sie gerne werden wollten: standhaft und geduldig, erfahren und bewährt, zuversichtlich und hoffnungsvoll.“

Matthäus 13, 31-33 – Ich will Bäume sehn!

SenfkörnerWie kommt es eigentlich, dass ich jetzt – im Jahr 2009 – immer noch so viele Senfkörner sehe, anstatt den versprochenen Baum? Jesus sagt, dass das Reich Gottes beginnt wie ein einzelne kleines Senfkorn. Aber es wächst und wird groß wie ein Baum (eine ausgewachsene Senfstaude wird zwar nicht zu einem richtigen Baum, aber sie kann bis zu drei Meter hoch werden). So langsam, knapp 2000 Jahre später müsste doch aus dem Senfkorn ein bisschen was geworden sein. Wo bleibt der Baum, von dem Jesus spricht?

Wenn ich uns Christen, vor allem hier in Deutschland, anschaue, dann denke ich eher an ein Senfkorn. Das ist alles so klein und so wenig sichtbar. Klar, es geschieht so manches, aber müsste das nicht viel mehr sein? Wo bleibt das Reich Gottes? Wo richtet Gott wirklich seine Herrschaft auf? Es gibt so wenige Menschen in Deutschland, die Jesus wirklich von Herzen lieben. Und selbst in den christlichen Gemeinden gibt es so viel Streit, Unzufriedenheit und Trägheit. Auch bei mir selbst ist vieles noch so klein und unbeutend – obwohl ich schon jahrelang Christ bin. Immer nur Senfkörner! Nichts als Senfkörner! Ich will Bäume sehn!
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Matthäus 4, 23-25 – 2000 Jahre Senfkorn

„Jesus, du bist damals durch die Lande gezogen und hast gelehrt, gepredigt und geheilt. Matthäus schreibt, dass dir eine große Menge nachgefolgt ist und dass man alle Kranke zu dir gebracht hast und du sie gesund gemacht hast. Herr, wo sind heute die Mengen, die dir nachfolgen? Warum geschieht das heute nicht mehr? Wo sind die vielen Kranken, die gesund werden? Vereinzelt erleben wir das – aber warum nur vereinzelt?

Auch damals war das ja kein Dauerzustand. Die Leute sind dir hinterhergerannt – eine Zeit lang. Als es brenzlig wurde, da warst du wieder ziemlich allein. Herr, ich weiß ja, dass das alles nur ein Anfang war, dass das Reich Gottes wie ein Senfkorn ist und das es zu einem großen Strauch heranwachsen wird. Aber dieser Anfang dauert nun schon 2000 Jahre. 2000 Jahre! Und in vielem sehen wir immer noch nur ein Senfkorn. Ein kleines Körnchen, das einfach nicht größer werden will. Warum?“

Der Sonne entgegen

Irgendwie scheinen die Blumen schlauer zu sein als wir Menschen. Es ist für sie gar keine Frage, was sie tun sollen: Wachsen – und zwar der Sonne entgegen. Alles andere ist unwichtig. Wir dagegen erkennen oft die Sonne gar nicht. Und selbst wenn, dann wollen wir immer noch dies und jenes tun, diesem und jenem nachgehen, anstatt einfach nur der Sonne und dem Licht entgegen zu wachsen.