Exodus 12, 29-51 Eine Nacht des Wachens

Endlich gibt der Pharao nach. Es muss bis zum Äußersten kommen bis er einsieht, dass der Gott der Hebräer mächtiger ist, als seine Götter (und selbst diese Erkenntnis hält nicht lange vor…). Endlich lässt der Pharao das Volk Israel ohne Bedingungen ziehen.

Eine Formulierung ist mir in diesem Abschnitt besonders aufgefallen: „Eine Nacht des Wachens war dies für den Herrn, um sie aus Ägyptenland zu führen.“ (V.42) Damit ist wohl nicht gemeint, dass Gott aus lauter Angst und Sorge nicht schlafen konnte, sondern dass er so etwas wie eine Nachtwache gehalten hat. Er hat in besonderer Weise über sein Volk gewacht, hat es beschützt, hat es vor Gefahren bewahrt.

Mich erinnert das auch an die Nacht des Wachens, die Jesus vor seinem Kreuzestod durchgemacht hat. Er hat gewacht und gebetet, um bereit dafür zu sein, uns zu beschützen, unseren Tod auf sich selbst zu nehmen. Ein tröstlicher Gedanke: Wenn es um und in uns dunkel wird, dann wacht Gott in besonderer Weise über uns.

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Epheser 6, 18-24 Der Kairos des Gebets

Beim Lesen dieser Verse bin ich in V.18 an den zwei Wörtern „allezeit“ und „wacht“ hängen geblieben. Wie soll man das verstehen? Allezeit beten und wachen?! Wortwörtlich kann es ja nicht so gemeint sein, denn wer dauernd wacht, der überlebt das nicht lange. Schlafentzug ist eine Foltermethode! Aber wie ist es dann zu verstehen?

Ich hab mir das Griechische angeschaut und interessantes herausgefunden. Die Zeit von der Paulus hier spricht ist der Kairos. Im Griechischen gibt es zwei unterschiedliche Bezeichnungen für Zeit: Chronos ist der regelmäßige, gleichmäßige Ablauf der Zeit (also eher linear) und Kairos ist der richtige, günstige Zeitpunkt (also eher punktuell). Paulus spricht also davon, zu jedem Zeitpunkt zu beten. Das meint nicht das ständige unaufhörliche Gebet, sondern das Gebet zu jedem günstigen Zeitpunkt.

„Wachen“ kann einerseits ganz wörtlich das wach bleiben meinen. Es kann im Griechischen aber auch übertragen verwendet werden: auf etwas achten. Diese übertragene Bedeutung macht an dieser Stelle mehr Sinn: Wir sollen nicht achtlos vor uns hin beten, sondern dabei „wach sein“. Wir sollten gerade im beharrlichen Gebet auf das achten, was wir beten und nicht nur vor uns hin plappern. In diesem Sinne: Verpasst nicht den Kairos zum Gebet und betet achtsam!

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