Hebräer 11, 23-31 Seltsames Glaubensvorbild

Neben der ausführlichen Darstellung von Abraham und Sara als Glaubensvorbilder, behandelt der Hebräerbrief auch Mose ähnlich ausführlich. Abraham und Mose sind also die beiden großen Figuren des Alten Testaments, die auch uns heute noch ein Vorbild sein können. Spannender finde ich allerdings, dass in dieser großen Reihe auch die Hure Rahab auftaucht. Von ihr wissen wir nicht so viel wie von Abraham und Mose. Sie gehörte nicht zum Volk Gottes. Wir wissen nur von einer Tat, in der sich ihr Vertrauen auf den Gott Israels gezeigt hat. Sie hat die israelitischen Kundschafter in Jericho vor den Feinden verborgen (Jos. 2).

Bei Rahab wird deutlich, dass der Hebräerbrief seine Leser nicht mit übermenschlichen Glaubensvorbildern erdrücken will, sondern ermutigen im konkreten Leben auf den, den wir nicht sehen so zu vertrauen, als ob wir ihn sehen (vgl. V.27). Rahab hatte sicher nicht an den Gott Israels geglaubt, sie hatte als Hure auch keinen vorbildlichen Lebenswandel, aber in dieser einen Situation hat sie auf diesen Gott vertraut. Welche Auswirkungen das auf ihr späteres Leben hatte, wissen wir nicht. Glaube heißt nicht, immer alles richtig zu machen. Aber es heißt in entscheidenden Situationen auf Gott zu vertrauen.

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Daniel 6 Vorbildlicher Glaube

Eine der bekanntesten Geschichten im Alten Testament. Mir ist heute beim Lesen vor allem V.6 aufgefallen: „Wir werden keinen Grund zur Anklage gegen Daniel finden, es sei denn wegen seiner Gottesverehrung.“ Fast schon verzweifelt suchen Daniels Feinde einen Anklagegrund, um ihn zu Fall zu bringen. Aber sie finden offensichtlich nichts. Daniel hat sich tadellos verhalten. Er schaut nicht auf den eigenen egoistischen Vorteil, indem er z.B. Steuern hinterzieht und dies mit einem Schwarzgeldkonto in der Schweiz vertuscht, sondern er dient dem König und dem fremden Land auf vorbildliche Weise. So sollte es eigentlich immer sein, wenn andere Menschen über Glaubende urteilen. Sie sollten keinen Grund zur Anklage finden. Es wäre schön, wenn man das auch über mich sagen könnte.

Natürlich wissen wir vom Neuen Testament her, dass auch Daniel kein perfekter und sündloser Mensch war. Auch er war vor Gott Sünder. Aber er lebte doch so, dass seine Gegner bei ihm keinen Verstoß gegen die Landesgesetze oder irgendwelche moralischen Verfehlungen entdecken konnten. Vor Gott lebte auch er aus der Vergebung. Aber vor Menschen lebte er so, dass sein Leben ein Zeugnis war: er zeigte seinen Glauben und er verhielt sich anderen gegenüber korrekt. Auch wir leben aus der Vergebung Gottes. Das heißt aber nicht, dass unser moralisches Leben völlig egal ist, weil ja eh alles vergeben wird. Daniel kann da ein Vorbild für uns sein.

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Richter 17 Tragischer Held

Erstaunlich, dass die Geschichte von Simson überhaupt in der Bibel vorkommt. Er kämpft zwar gegen die Feinde Gottes, aber ansonsten verhält er sich nicht gerade vorbildhaft und klug. Er geht zu einer Hure (V.1) – war hier übrigens nur kommentarlos dargestellt wird und nicht bewertet wird! – und er lässt sich von Delila das Geheimnis seiner Kraft entlocken, so dass die Philister ihn überwältigen können.

Ich finde es wunderbar, dass in der Bibel auch die tragischen Helden auftauchen. Immer wieder macht vor allem das Alte Testament deutlich, dass wir fehlbare Menschen sind. Das spricht für die Glaubwürdigkeit der Bibel. Es tauchen nicht nur strahlende und makellose Helden auf, sondern die Bibel zeichnet ein realistisches Bild von uns Menschen. Und gerade damit macht sie deutlich, dass Gott jeden gebrauchen kann – auch dich und mich. Wir müssen nicht perfekt sein, um den Weg zu Gottes Herz zu finden.

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Richter 8 Ein Glaubensheld auf Achterbahnfahrt

Was für Extreme! In V.23 ist Gideon noch das große Vorbild im Glauben. Er lehnt es ab über die Israeliten zu herrschen und sagt demütig: „Ich will nicht Herrscher über euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher über euch sein, sondern der Herr soll Herrscher über euch sein.“ Für ihn gibt es nur einen wahren Herrscher: Gott selbst. Doch schon in V.27 wird berichtet, dass auch Gideon auf Abwege geraten ist: Er hat sich aus dem erbeuteten Gold der Feinde eine Götterstatue machen lassen „und ganz Israel trieb dort mit ihm Abgötterei.“

Vom großen Helden zum Götzendiener! Wie nah liegen vorbildhafter Glaube und Scheitern doch oft zusammen! Es ist erschreckend, dass unser Herz so wankelmütig ist, dass wir Menschen uns so schnell aus der Bahn werfen lassen. Wir sollten uns nicht zu viel auf unsere eigene Glaubensstärke einbilden. Ohne Gottes Gnade und seinen Heiligen Geist sind wir schnell am Ende. Auch Glaubenshelden (und vielleicht sie in besonderer Weise) haben immer wieder die demütige Ausrichtung auf Gott nötig.

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2. Timotheus 4, 16-22 Gute Ratschläge

Am Ende macht Paulus noch einmal deutlich worauf es – auch für Timotheus – ankommt: am Evangelium festhalten, gerade gegen Widerstände und wenn man von anderen verlassen wird. Das Beeindruckende bei Paulus ist, dass er das nicht nur als schlauen Rat weitergeben kann, sondern dass er das an seinem eigenen Beispiel deutlich machen kann.

Solche Ratschläge sind überzeugend. Wenn man beim Anderen sieht, dass er selbst danach lebt und handelt, dann wirkt es gleich ganz anders. Wie schnell sind wir Christen dabei, von anderen zu fordern, was wir selbst nicht überzeugend leben! Das wird dann schnell überheblich und heuchlerisch. Für mich als Pastor gilt das in besonderer Weise – wir Pastoren sollen ständig anderen Ratschläge geben und dabei selbst überzeugende Vorbilder sein. Aber das gilt für uns alle: mehr Demut und Ehrlichkeit würde uns gut tun.

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1. Timotheus 4, 6-16 Gemeindeleitung

Was ist der wichtigste Rat für Timotheus als Gemeindeleiter? „Hab Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken!“ (V.16) Für mich als Pastor ist das interessant. Das wichtigste ist nicht, die Irrlehrer zu bekämpfen, nicht kluge Argumente oder autoritäre Zurechtweisung ist gefragt. Das wichtigste ist nicht, sich wie ein Hirte um die Schafe zu kümmern, jedem einzelnen nachzulaufen und den geistlichen Puls von jedem zu messen. Das wichtigste sind nicht irgendwelche Programme und Konzepte zum Gemeindeaufbau.

Das zentrale ist, dass der Gemeindeleiter auf sich selbst, auf seinen eigenen Glauben, auf seine eigene Beziehung zu Gott und auf seine Lehre achtet. Gemeindeleitung geschieht nach diesen Versen nicht in der Zurechtweisung, sondern im persönlichen Vorbild (V.12: „Du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“).

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Philipper 3, 17-21 Folgt mir!

„Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt.“ (V.17) Ganz schön eingebildet dieser Paulus. Ich will doch nicht Paulus folgen, sondern Christus. Was denkt er sich dabei? Warum nimmt er sich so wichtig? Warum stellt er sich selbst als Vorbild hin und nicht Christus?

Wenn man den Text weiter liest, so wird deutlich, dass es nicht um das Gegenüber von Paulus oder Christus geht, sondern um die Alternative: Paulus bzw. himmlisch gesinnte Christen oder Feinde des Kreuzes Christi bzw. irdisch gesinnte Christen. Bei diesen zwei Möglichkeiten soll man sich lieber Paulus zum Vorbild nehmen. Offensichtlich gab es in Philippi einige Leute, die Irrlehrern auf den Leim gegangen sind. Paulus meint: Folgt meiner Linie, anstatt diesen Evangeliumsverdrehern nach zu laufen.

Mir wär’s ja trotzdem lieber, wenn er einfach nur gesagt hätte: Folgt Christus! Aber vielleicht ist ja auch was dran an dem Gedanken, dass wir Menschen auch immer konkrete menschliche Vorbilder brauchen, um im Glauben zu wachsen. Für meinen Glauben waren auf jeden Fall immer wieder reifere Mitchristen wichtig, die mich weiter gebracht haben. Das ist natürlich eine andere Ebene der „Nachfolge“ als die Christusnachfolge, aber es ist auch wichtig, dass uns der Glaube von anderen ganz konkret vorgelebt wird, wir sie nachahmen können und wir so im Glauben wachsen können.
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1. Petrus 2,21-25 – exemplum und sacramentum

So, heute wird’s mal ein bisschen theologischer – wobei: Wer Bibel liest betreibt ja immer Theologie, jeder muss über das Gelesene nachdenken, es in sein Glaubensverständnis einordnen und herausfinden, was das nun für ihn zu bedeuten hat. Jeder Bibelleser ist immer auch Theologe, nur merken das manche gar nicht…

Seit Augustinus gibt es bei der Betrachtung von Jesu Tod die Unterscheidung von exemplum (Beispiel) und sacramentum (Sakrament). Hier im Text von 1. Petr. tauchen beide Dimensionen auf.  Wir sollen Jesu Leiden als ein Beispiel, als ein Vorbild nehmen, um unser eigenes Leben daran auszurichten (V.21). Jesus litt für andere und wenn wir ihm nachfolgen, dann kann und wird das auch so sein, dass wir um der Liebe willen für andere leiden. Davon zu unterscheiden ist jedoch Jesu Tod als sacramentum für uns. Damit ist gemeint, dass Jesu Tod für uns geschah, dass er dadurch Erlösung von den Sünden bewirkte: Er hat unsere Sünde hinaufgetragen an das Holz, durch seine Wunden sind wir heil geworden (V.24). Diese Dimension von Jesu Tod können und brauchen wir nicht nachahmen. Wenn wir um des Glaubens willen leiden, dann brauchen wir dadurch weder für uns, noch für andere Erlösung von den Sünden erwirken. Das hat Jesus ein für alle mal getan.

Diese Unterscheidung ist wichtig, damit klar bleibt wer uns von den Sünden erlöst: Jesus, durch seinen Tod am Kreuz. Wir brauchen uns in der Hinsicht Jesus nicht als Vorbild nehmen, wir brauchen niemand durch unser Leiden erlösen. Aber wir können uns trotzdem Jesu Leiden als Vorbild nehmen und selbst bereit sein zum Leiden um den Glaubens und der Liebe willen. Für Martin Luther war sehr wichtig, dass Jesu Tod als sacramentum vorgeordnet und übergeordnet ist. Wer nicht weiß, dass Jesus für ihn gestorben ist und ihn erlöst hat, dem bringt es auch wenig, wenn er sich Jesus als Vorbild und Beispiel nimmt. Wenn wir Jesus nur als Vorbild sehen, dann wird die Sache schief…Bibeltext