Römer 8, 18-25: Schon jetzt und noch nicht

Paulus scheint in diesem Abschnitt klar geworden sein, dass er nicht nur triumphalistisch das „schon jetzt“ der Kinder Gottes betonen kann, sondern dass auch das „noch nicht“ zur Sprache kommen muss. Wer als Kind Gottes lebt, bei dem hat etwas grundsätzlich Neues angefangen. Aber zugleich stellen wir fest, dass wir noch nicht am Ziel angekommen sind. „Wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung“ (V.24). Wir leben noch immer in einem vergänglichen Leib und nicht in der Vollendung der Herrlichkeit. Wir seufzen und ängstigen uns noch mit der restlichen Schöpfung, weil wir noch nicht endgültig am Ziel sind.

Mir hilft dieser Abschnitt, weil er deutlich macht, dass auch ein Leben als Christ noch ein Leben in Spannungen ist und ein Leben in der Vorläufigkeit. Nicht weil ich mir dieses spannungsvolle Leben so wünsche, sondern weil es ganz einfach meiner erlebten Realität entspricht. Da ist auf der einen Seite die Freude über das was Jesus für mich getan hat und was sich durch den Glauben in meinem Leben schon verändert hat. Da ist aber auf der anderen Seite auch das Seufzen über Unvollkommenheit, Vergänglichkeit und Vorläufigkeit. Beides gehört zu meinem Christsein dazu.

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Hebräer 10, 1-18 Vollkommen geheiligt

Noch einmal betont der Hebräerbrief die Vorläufigkeit des alttestamentlichen Opferdienstes. Dagegen sind wir durch „das Opfer des Leibes Jesu Christi“ (V.10) ein für alle Mal geheiligt. Dieses Opfer muss nicht wiederholt werden. Es ist nicht vorläufig. Es muss nicht ergänzt werden. Mit ihm ist alles geschehen. Der neue Bund ist erfüllt (V.16f). Durch Jesu Opfer sind wir ein für alle mal geheiligt.

Das heißt nicht, dass wir jetzt schon in unserem Verhalten und Leben eine moralische und geistliche Vollkommenheit erreicht haben. Nein, wir fallen nach wie vor in Sünde, wir machen nach wie vor Fehler, es ist für uns nach wie vor nicht einfach, nach dem Willen Gottes zu leben. Aber all dies kann uns nicht mehr vom heiligen Gott trennen. Insofern ist unsere Heiligung vollendet (V.14). Wir brauchen nicht immer wieder neue Opfer für unsere Sünden. Wir brauchen uns nicht immer wieder neu darüber Gedanken machen, ob Gott uns vergibt oder nicht. Wir dürfen uns der Vergebung sicher sein.

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Richter 21 Am Ende bleibt die Hoffnung

Immerhin: das Richterbuch endet einigermaßen versöhnlich. Das Volk versammelt sich zum Gottesdienst und sie freuen sich nicht über den Sieg über den Stamm Benjamin, sondern sie trauern. Sie wollen den übrig gebliebenen Benjaminitern sogar helfen, um weiter überleben zu können. Die Mittel um den übrigen Männern von Benjamin Frauen „zu beschaffen“ sind allerdings ziemlich fragwürdig…

Am Ende bleibt die Hoffnung. Die Israeliten damals setzten ihre Hoffnung auf einen irdischen König (V.25). Den bekamen sie auch und es ging eine Zeit lang gut. Aber dann kam doch wieder das Chaos. Mir geht es heute als Christ manchmal ähnlich: am Ende bleibt die Hoffnung. Man erlebt so manches mal Gottes Hilfe und Eingreifen. Aber es bleibt trotz Jesus Christus und dem Heiligen Geist, durch den er in uns wohnt, immer noch so viel Chaos in unserer Welt. Auch wir haben die Vollkommenheit noch nicht in der Hand, auch wir leben noch im Glauben und Vertrauen und nicht im Schauen. Aber die Hoffnung bleibt.

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Philipper 3, 12-16 Zwischen den Polen

Ich mag es nicht, wenn Christen selbstzufrieden und satt auf ihrer Kirchenbank sitzen und meinen, sie hätten alles schon erreicht, sie seien perfekte und vorbildliche Christen (und dabei verächtlich auf andere herunter schauen, die noch nicht so weit sind). Ich mag aber auch keine Christen, die sich ständig selbst bemitleiden, weil sie so schrecklich unperfekt sind und die gar keinen Antrieb haben an sich selbst etwas zu verändern. Auch ich selbst bin ein Wanderer zwischen diesen Polen.

Ich mag dagegen Paulus, der sich einerseits nicht einbildet, dass er schon vollkommen sei, der um seine eigene Schwäche und Unzulänglichkeit weiß und der das auch offen zugibt. Andererseits streckt er sich aus nach dem Ziel, er jagt dem Vollkommenen nach, er sieht sich selbst auf dem Weg und gibt alles, um auf diesem Weg vorwärts zu kommen. Paulus wandert nicht zwischen diesen Polen hin und her, sondern hält sie in einer guten Spannung.
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Matthäus 5, 43-48 – Vollkommenheit

In der letzten Antithese („Ihr habt gehört… Ich aber sage euch…) geht es um die Feindesliebe. Noch mal so eine radikale Aussage: Man soll seine Feinde und diejenigen, die einen verfolgen lieben. Für uns ist das ja noch „relativ“ harmlos. Man bedenke, was das für Christen bedeutet in Ländern in denen es Christenverfolgung gibt!

Zugleich wird eine Begründung für all diese herausfordernden Anweisungen Jesu gegeben: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist (V.48). Und ich hab immer gedacht, dass es Vollkommenheit und Perfektion nur im Himmel gibt…

Gott ist perfekt und er will deshalb auch von uns Perfektion. Das ist die eine Sache, aber das Problem ist, dass ich diese Vollkommenheit nicht liefern kann. Beim besten Willen nicht. Und wenn ich mich noch so anstrenge. Ich werd immer versagen. Gott weiß das, deshalb hat er ja seinen Sohn ans Kreuz geschickt: für mein Versagen. Die große Herausforderung ist, dass Gottes Ansprüche an mein konkrete Leben trotzdem bleiben. Er möchte trotzdem, dass ich so gut es geht versuche meinen Feinde zu lieben. Auch wenn er weiß, dass ich es nie vollkommen schaffen werde.