Hebräer 2, 10-18 Kein Superheld

Gott hat keinen Engel geschickt, der mit seinen wunderbaren himmlischen Kräften auf wunderbare Weise uns Menschen kurzfristig aus Gefahr und Tod errettet. Er hat Jesus Christus geschickt, der einer von uns wurde, Fleisch und Blut, der mit uns gelitten hat, der unsere Versuchungen und Nöte kennt und der für uns den irdischen Tod gestorben ist. Gerade so hat der die Macht des Todes endgültig überwunden.

Jesus Christus war kein Superheld, der mit seinen Superkräften auf spektakuläre Weise die Welt vor dem Untergang rettet, sondern einer von uns. Er will nicht für und anstatt uns kämpfen, sondern in und durch uns. „Denn worin er selbst gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.“ (V.18)

Ich kann verstehen, dass wir Menschen immer wieder die Sehnsucht nach einem Engel (oder einem Superhelden) haben, der für uns unsere Probleme löst. Das wünsche ich mir so manches mal auch, wenn mir alles über den Kopf wächst: dass da jemand ist, der an meiner Stelle alle Probleme und Sorgen beiseite schafft. Aber Jesus ist keine Engel und kein Superheld. Er wurde wie ich, er wurde mein Bruder, er leidet mit mir an meiner Angst und an meinen Sorgen. Er durchleidet für mich den Tod, so dass ich keine Angst mehr davor haben muss. Er kennt meine Angst und meine Sorgen, und er hilft mir, selbst damit fertig zu werden.

| Bibeltext |

Exodus 17, 1-7 Gott auf die Probe stellen

In Massa und Meriba haben die Israeliten „gehadert und den Herrn versucht“ (V.7; vgl. auch V.2). Das Thema Versuchung ist in der Bibel sehr vielfältig und vielgestaltig. Versuchung kann man auch mit „auf die Probe stellen“ übersetzten. Es kann sein, dass Gott einen Menschen auf die Probe stellt (wie z.B. Abraham in Gen.22,1). Es kann sein, dass der Satan Menschen versucht (1.Kor.7,5; in Mt.4,3 wird der Satan als Versucher bezeichnet). Es kann sein, dass Menschen durch äußere Umstände versucht werden (z.B. durch Reichtum: 1.Tim.6,9 oder durch Verfolgung: 1.Petr.4,12).

Interessant an dieser Stelle heute ist, dass nicht Menschen auf die Probe gestellt werden, sondern umgekehrt: Menschen stellen Gott auf die Probe! Darf man das denn?! Ist das nicht ein Zeichen von Unglauben und fehlendem Vertrauen?! Natürlich fehlt dem Volk hier das Vertrauen – aber das Spannende ist, dass Gott sich auf diese „Versuchung“ einlässt. Er lässt sich auf die Probe stellen! Er hört ihre Forderung und erfüllt sie!

Das ist kein Freibrief, um Gott leichtfertig heraus zu fordern. Gottes Ziel mit uns ist nicht das Misstrauen und die Angst. Aber es zeigt, dass Gott bereit ist zu hören, wenn wir verzweifelt sind, keinen anderen Ausweg mehr sehen, mit ihm hadern und ihn auf die Probe stellen.

| Bibeltext |

Matthäus 4, 1-11 – Wüstenerfahrungen

Immer wieder, wenn ich die Versuchungsgeschichte Jesu lese, stolpere ich darüber, dass Jesus „vom Geist in die Wüste geführt [wurde], damit er von dem Teufel versucht würde“. Nicht der Teufel lockt Jesus an den Ort der Versuchung, sondern der Geist schickt ihn dorthin! Und er schickt ihn nicht nur zum meditieren und fasten in die Wüste, sondern DAMIT er versucht wird! Gott schützt ihn nicht vor dem Teufel, sondern er stellt ihn durch den Teufel auf die Probe. Erst mal wird die Kraft Jesu durch Fasten geschwächt und dann darf der Teufel zuschlagen…

Wenn ich mich selbst so anschaue, dann hab ich ganz und gar keine Lust mich vom Teufel in die Wüste führen zu lassen. Ich möchte lieber ins gelobte Land geführt werden, in ein Land in dem Milch und Honig fließt. Ich möchte lieber ein Leben in Fülle, als mich in der Einöde halb zu Tode zu fasten und dann auch noch vom Teufel umsäuselt zu werden. Vielleicht hat es Gott deswegen manchmal so schwer, an mit zu arbeiten und mich zu verändern: Weil ich Angst vor den Bedrohungen und den Schmerzen der Veränderung habe. Denn bei Jesus war es ja so, dass diese Wüstenerfahrung ihn bereit gemacht hat für seinen Weg und seine Aufgabe. Wenn Gott uns für etwas besonderes bereit machen will, dann kann das auch durch solche Wüstenerfahrungen geschehen.

Und übrigens: Auch Israel hat das gelobte Land auch erst nach einer (ziemlich langen und zermürbenden) Wüstenerfahrung erreicht. Und selbst dann war nicht alles so rosarot, wie sie sich das erträumt hatten… 😉