Römer 11, 25-32: Eine kühne Schlussfolgerung

Paulus wagt am Ende seiner Auseinandersetzung mit dem Unglauben eines Teils von Isarel eine kühne Schlussfolgerung. Er ist sich dessen bewusst, denn er nennt seine Überlegung ein Geheimnis – also etwas, das nicht unmittelbar ersichtlich und zugänglich ist. Er sagt, dass ein Teil Israels verstockt ist, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt sind (V.25). Und nicht nur das: Am Ende wird ganz Israel gerettet werden (V.26). Ganz schön gewagt! Der Unglaube ist hier nicht nur ein menschliches Verschließen gegenüber Gott, sondern von Gott so gewollt, damit auch andere noch die Chance haben zum Glauben zu kommen.

Erstaunlich ist auch die Universalität, mit der Paulus hier von Rettung spricht: Die Fülle der Heiden finden zum Heil und ganz Israel wird gerettet. Das darf man natürlich nicht all zu einfach als eine platte Allversöhnungslehre verstehen. Ob die Fülle der Heiden jeden einzelnen umfasst bliebt offen und mit ganz Israel ist nicht Israel als Summe aller Individuen gemeint, sondern als ganzes Volk. Trotzdem betont Paulus hier ausdrücklich die Universalität von Gottes Heilswillen und dass Gott manchmal seltsame Wege geht, um sein Ziel zu erreichen.

Wenn ich unsere heutige Welt anschaue, mit all dem Krieg, Terror, Gewalt und Unglauben, dann stellt sich mir auch die Frage, warum das Gott so zulässt? Wir können Gott – zum Glück – nicht in die Karten schauen. Aber Paulus macht an dieser Stelle deutlich, dass Gott selbst den Unglauben benutzen kann, um etwas Gutes zu bewirken. Für mich ist das keine platte Erklärung des Leides oder des Unglaubens, aber es ist die Hoffnung und die Gewissheit, dass Gott letztendlich doch die Fäden in der Hand hält.

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Hesekiel 3, 1-11 Süßes und Saures

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: zum einen, dass Gottes Wort dem Hesekiel so süß geschmeckt hat wie Honig. Für die damaligen Menschen war Honig das allersüßeste, was sie schmecken konnten. Ihre Geschmacksnerven waren noch nicht verdorben von unzähligen Süßigkeiten und überzuckerter Industrienahrung. Wir heute müssen ja eher darauf achten, nicht zuviel Süßes zu uns zu nehmen. Süßes verbinden wir eher mit etwas ungesundem. Für damalige Erfahrungen war Honig etwas wundervolles, etwas besonderes, etwas kostbares, ein seltenes Geschmackserlebnis. So erlebt Hesekiel die Worte Gottes.

Zugleich irritiert mich, wie bei so vielen alttestamentlichen Propheten, dass von Anfang an klar ist, dass seine Botschaft gar nicht ankommen wird. Gott sagt es gleich zu Beginn, dass das Volk die Worte Gottes nicht hören will, dass das Volk in Gottes Wort nicht den süßen Honig entdecken wird, sondern dass sie von vornherein verstockt sind und harte Herzen haben. Warum dann eigentlich noch predigen? Um den Nachkommen in späterer Zeit ein warnendes Beispiel vor Augen zu stellen? Um der wenigen willen, die doch bereit sind zu hören?

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Exodus 8, 12-28 Eigentlich

Eigentlich ist die Sache gelaufen: Die ägyptischen Zauberer können nicht mehr mithalten (V.14) und der Pharao ist bereit, die Israeliten zum Opferfest in die Wüste ziehen zu lassen. Er bittet Mose und Aaron sogar darum, dass sie für ihn beten sollen (V.24)! Aber jetzt beginnt erst die wirkliche Dramatik dieser Geschichte, die wirkliche Dramatik von Verstockung!

Sobald es dem Pharao wieder besser geht, überlegt er es sich anders und lässt das Volk doch nicht ziehen (V.28). In diesem Abschnitt ist sehr schön zu beobachten, dass dies nicht nur ein Entschluss des Pharaos ist (V.28: „Aber der Pharao verhärtete sein Herz“), sondern dass Gott auch zu dieser Verstockung beiträgt (V.15: „Aber das Herz des Pharao wurde verstockt“).

Das ist bis heute ein dramatisches Geschehen: Wenn Menschen in der Not oder durch besondere Erlebnisse eigentlich kapieren, dass Gott existiert und dass er etwas von ihnen will. Sie erkennen eigentlich, wer Gott ist und dass sie etwas ändern müssen, dass sie sich Gott zuwenden müssen. Aber sobald es ihnen wieder besser geht oder andere Dinge wieder wichtig werden, verlieren sie Gott aus den Augen. Unglaublich. Tragisch. Traurig. Wie beim Pharao: er hat es eigentlich kapiert, aber er schafft es irgendwie nicht, diese Erkenntnis auch umzusetzen und zu leben.

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Exodus 5, 18-31 Rätselhafter Gott

Hier wird zum ersten mal ein Thema angeschnitten, das die nächsten Kapitel bestimmt: die Verstockung des Pharao. Von Anfang an sagt Gott: „Ich aber will sein Herz verstocken.“ (V.21) Na toll!?! Wär es nicht sinnvoller das Herz des Pharaos nachgiebig zu machen, so dass er das Volk Israel gleich ziehen lässt? Wär’s schon. Aber in den nachfolgenden Kapiteln wird deutlich, dass Verstockung nicht nur ein Wirken Gottes ist, sondern das auch der Pharao seinen Anteil dazu beiträgt. Es wird sowohl davon gesprochen dass Gott das Herz des Pharaos verstockt (so wie an dieser Stelle hier), als auch davon, dass der Pharao selbst sein Herz verhärtet (z.B. 8,11.28). Trotzdem bleibt es rätselhaft, warum Gott diese Verhärtung noch bekräftigt anstatt ihr entgegen zu wirken.

Sehr rätselhaft an dieser Stelle sind auch die Verse 24-26. Da taucht plötzlich Gott auf und will Mose töten!?! Den Mose, den er gerade eben mit der Befreiung seines Volkes beauftragt hat. Diese Verse passen überhaupt nicht in den restlichen Zusammenhang und als Leser fragt man sich: Was soll das? Es gibt sicher so manche Auslegungsmöglichkeit, mit der man diese Stelle einigermaßen hinbiegen kann. Für mich wird hier vor allem deutlich, dass Gott – trotz aller Offenbarung – für uns Menschen letztendlich nie ganz zu verstehen ist. Es bleibt immer ein letztes Rätsel, ein Geheimnis, das wir nicht völlig erfassen können. Es bleibt ein grelles Strahlen in Gottes Wesen, das wir mit bloßem Auge nicht anschauen und ergründen können.

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Jeremia 19, 1-15 Zerbrochenes Herz

Dieser Abschnitt schließt ganz gut an den Text von gestern an (Jer.18,1-17).  Dazwischen finden wir noch einige Verse (Jer.18,18-23), in denen ein frustrierter Jeremia Gott bittet, seine Feinde zu bestrafen. Find ich gut, dass die Bibel nicht peinlich berührt über diese ganz menschlichen Rachegefühle des Jeremia schweigt…

Auch in diesem Abschnitt heute geht es um Ton, Töpfer und Tongefäße. Aber im Unterschied zu gestern, ist der Ton nicht mehr weich und formbar, sondern schon hart und fest. Wenn nun dieses Tongefäß nicht den Vorstellungen Gottes entspricht, so kann er es nicht mehr neu formen. Es bleibt nur noch die Zerstörung. Jeremia vollzieht vor den Augen der Ältesten dieses Zerschmettern eines Tonkruges als Zeichen des Gerichts über das Volk.

Diese beiden Abschnitte im Vergleich zeigen sehr schön, was Verhärtung (oder biblisch gesprochen: Verstockung) bedeutet. Menschen, die sich von Gott abwenden, sind am Anfang noch weich und formbar. Sie können sich ändern, sie können sich Gott wieder zuwenden. Doch irgendwann sind sie in ihrer Ablehnung zu Gott so verhärtet, dass sie sich nicht mehr ändern können und es auch gar nicht mehr wollen. Das ist dann Verstockung.

Ich bitte Gott um ein weiches Herz, das sich von ihm formen lässt. Ich möchte kein hartes Herz haben, bei dem Veränderung nur möglich ist, wenn Gott etwas zerbricht. Die letzte Konsequenz eines harten Herzens gegenüber Gott ist ein zerbrochenes Herz.
Bibeltext

Jeremia 9, 1-10 Gewöhnung

Sie haben sich daran gewöhnt, dass einer den anderen betrügt.“ (V.4) Sünde betrifft uns alle. Auch diejenigen, die schon lange Christen sind. Wir fallen immer wieder – aber wir dürfen auch immer wieder aufstehen. Tragisch ist es jedoch, wenn man sich an die Sünde gewöhnt, wenn man sie gar nicht mehr realisiert, wenn man gar nicht mehr anders kann und vor allem: nicht mehr anders handeln will. Die Gute Nachricht übersetzt an dieser Stelle: „Sie sind Meister im Lügen und so ins Böse verstrickt, dass sie sich nicht mehr daraus lösen können.“

Tragisch ist es, wenn die Lüge normal wird, wenn ein Leben nicht mehr auf der Wahrheit (auch sich selbst gegenüber) basiert, sondern auf der Lüge und der Täuschung. Tragisch ist es, wenn sich ein Leben immer tiefer in der Lüge verstrickt und man irgendwann auch mit allergrößter Kraftanstrengung nicht mehr heraus kommt.

Ich möchte es gern anders herum versuchen: Ich will mich nicht an die Sünde, die Lüge und die Täuschung gewöhnen, sondern an die Wahrheit, das Leben und die Liebe. Ich möchte mich immer mehr an das Leben mit Gott gewöhnen, so dass es mir irgendwann gar nicht mehr auffällt und ganz von selbst geschieht…
Bibeltext

Jeremia 8, 14-23 – Alltag der Nichtigkeiten

Statt schweigen und grübeln: Weiter im Text! In diesem Abschnitt sieht Jeremia voraus, dass Juda von Feinden erobert wird (V.16) und dass die Bewohner ins Exil, ins ferne Land müssen (V.19). Selbst dort werden sie noch nicht richtig kapieren, warum das alles geschehen ist. Jeremia kann nur immer wieder im Namen Gottes wiederholen: „Ja, warum haben sie mich so erzürnt, durch ihre Bilder und fremde, nichtige Götzen?“ (V.19)

Man muss immer wieder Staunen über die Uneinsichtigkeit und Hartherzigkeit der Menschen damals. Dabei sind das Vorgänge, die wir in ähnlicher Weise an uns selbst immer wieder beobachten können. Ich merke z.B. bei mir, wie die paar Tage im Krankenhaus mich herausgerissen haben aus meinem Alltag und wie ich mich „gezwungenermaßen“ wieder ganz neu auf Gott ausgerichtet habe. Kaum bin ich wieder für ein paar Tage daheim, da greift der Alltag wieder kaum merklich seine verführerischen und umgarnende Finger aus. Und er verstrickt die Seele wieder in die ach, so wichtigen Problemchen und Sörgchen des täglichen Einerleis…

Vielleicht gab es damals schon so manchen, dem die Botschaft des Jeremia zu Herzen ging. Vielleicht wollte sich so mancher bessern und eigentlich wieder zum Gott der Väter umkehren. Aber im Rückblick wissen wir aber, dass Jahrzehntelang nicht viel passiert ist, der drohende Untergang, den Jeremia ankündigte, lies auf sich warten. Und dann ist man schnell wieder im süßen Alltag der Nichtigkeiten und der großen und kleinen Götzen…
Bibeltext

Psalm 81 – Ich würd ja gern…

„Aber mein Volk gehorcht nicht meiner Stimme, und Israel will mich nicht. So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, dass sie wandeln nach eigenem Rat.“ (V.12-13)

Eine geniale Umschreibung dessen, was geschieht, wenn Menschen verstockt sind. Verstockung heißt nicht, dass Gott ein Herz hart macht und dieser Mensch dann deswegen gar nicht mehr glauben kann, sondern Verstockung ist ein Ineinander von menschlichem und göttlichem Wirken: Der Mensch will nicht glauben, er will Gott nicht mehr und Gott lässt dem Menschen seinen Willen, er gibt ihn dahin. Und so sind beide irgendwie beteiligt an der Verstockung.

Verstockung kann ja auch – wenn sie falsch verstanden wird – schnell zu einer billigen Ausrede werden: „Ich würd ja gern glauben, wenn ich nur könnte.“ Damit schiebt man die Verantwortung von sich weg und sagt, dass Gott einem halt keinen Glauben schenkt, dass er einen verstockt und dass man deswegen gar nicht glauben kann. Gott scheint dagegen davon auszugehen, dass man auch mit verstocktem Herzen noch die Chance hat auf ihn zu hören: „Höre, mein Volk, ich will dich ermahnen. Israel, du sollst mich hören!“ (V.9)
Bibeltext

Exodus 14, 5-31 – Rätselhafte Verstockung

Ja, damit kommt so ein messerscharfer und logischer Denker wie Klaus Douglass nicht so zurecht: Damit, dass Gott das Herz des Pharaos verstockt und dass Gott (wegen diesem verstockten Herzen) diese schrecklichen Plagen über Ägypten schickt (bei der zehnten Plage stirbt jede männliche Erstgeburt!). Ich komm damit auch nicht klar, ganz und gar nicht.

Ich nehm es Douglass ab, dass er mit solchen Aussagen ringt und dass er sie nicht einfach aus der Bibel streichen will, aber letztendlich bleibt er bei seinem logischen und vernünftigen Denken und sagt: Solche Aussagen stimmen nicht mit dem in Jesus Christus offenbarten Gott überein. Und dann müssen wir, wie Luther, die Schrift von Christus her lesen. Platt formuliert heißt das dann für Douglass: „Ich glaube, der Autor dieses Textes ist etwas über das Ziel hinausgeschossen…“ (S.106) D.h. dass dieses Verstocken des Herzens des Pharaos (und auch die Tötung der Erstgeburt?) eine Übertreibung des biblischen Schreibers ist. Für ihn ist klar, dass die einzigen, die unser Herz verhärten, wir selbst sind. (S.107)

Ich finde diese Sicht okay und konsequent. Ich finde auch, dass wir manchmal mit der Schrift gegen die Schrift argumentieren müssen. Allerdings möchte ich auch gerne harte und unverständliche Bibeltexte einfach mal stehen lassen. Und ich denke, dass man das Thema Verstockung auch nicht so einfach auflösen kann, dass man dem Menschen alles in die Schuhe schiebt. Ich meine das ist gerade der Punkt bei der Verstockung, dass da etwas geschieht, was über rein menschliche Ablehnung Gottes hinausgeht. Da geschieht etwas unerklärliches und rätselhaftes.

Ich finde das Buch Exodus bringt dieses Rätselhafte ganz gut auf den Punkt, so wie die Verstockung des Pharaos an verschiedenen Stellen beschrieben wird. Da wird einerseits gesagt, das Gott das Herz des Pharao verhärtet (z.B. Ex. 7,3), dann gibt es Stellen wo einfach im Passiv formuliert wird, dass das Herz des Pharaos verstockt wurde (z.B. Ex. 7,13; wobei vom hebräischen Sprachempfinden her auch hier Gott als Urheber gehört wird), aber dann gibt es auch Stellen in denen gesagt wird, dass der Pharao selbst sein Herz verstockt (z.B. Ex. 8,11)! Verstockung ist etwas Seltsames und Unerklärliches, auch die Bibel selbst kann nicht genau sagen, wer denn nun daran „schuld“ ist: Der Mensch oder Gott, oder beide?

Ich möchte das lieber mal so unerklärbar und rätselhaft stehen lassen, als es dann gleich logisch aufzulösen und zu sagen: Natürlich ist der Mensch alleine schuld und verantwortlich für ein verstocktes Herz.

Matthäus 13, 10-17 – Kann man das verstehen?

Mein erster Gedanke bei diesem Text war: „Hä?!? Jesus erzählt Gleichnisse, damit die Leute nicht verstehen, was er zu sagen hat?“ Er sagt, dass es manchen gegeben ist, die Gleichnisse zu verstehen und manchen nicht – und gerade deswegen redet er in Gleichnissen. Wär’s dann nicht besser den Leuten den Sinn der Gleichnisse zu erklären?

Ich glaube der Schlüssel zu dieser Stelle liegt bei dem Jesaja-Zitat. Es kann sein, dass man mit den Ohren hören kann und doch nicht versteht. Es kann sein, dass man mit den Augen sieht und doch nicht erkennt. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Wenn aber das Herz verstockt ist, dann kann man das Wesentliche nicht erkennen. Das heißt für mich: Wer sein Herz Gott nicht öffnet, der wird auch die Gleichnisse nicht wirklich verstehen. Wer sich im Herzen aber Gott zuwendet, der erkennt durch die Gleichnisse die Geheimnisse des Himmelreichs.

Da bleibt jetzt allerdings noch das schwierige Thema Verstockung übrig. Wer verstockt da wem das Herz? Aber das Faß mach ich heut nicht mehr auf… 😉

Aber das zum Thema Gleichnisse kann ich schon nachvollziehen. Ist heute doch auch noch so, dass die Leute sehr gerne irgendwelche anschaulichen Geschichten in der Predigt hören. Die Frage ist nur, ob alle, die von den Geschichten begeistert sind, auch immer den tieferen Sinn darin entdecken und für ihr Leben umsetzen.