Apostelgeschichte 6, 8-15 Ein sozial-diakonischer Evangelist

Interessant wie Stephanus seine diakonische Aufgabe wahrnimmt. Er kümmert sich nicht nur um arme Witwen, sondern „tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk“ (V.8) und wird schließlich von Diasporajuden wegen seinen Predigten angeklagt (V.11). Für ihn gehörte also das ganz praktische sozial-diakonische Helfen ganz selbstverständlich zusammen mit der Christus-Verkündigung. Er spielt das eine nicht gegen das andere aus. Es ist für ihn gar keine Frage, dass er neben praktischer Hilfe auch seinen Glauben bezeugt.

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1. Johannes 1, 1-4 Verbunden in Christus

An einer Formulierung bin ich hängen geblieben: „Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt.“ (V. 3) Gemeinschaft durch Verkündigung – das ist ein ungewöhnlicher Gedanke. Wenn man den ganzen Vers in der Neue Genfer Übersetzung liest, dann wird etwas deutlicher, welcher Gedanke dahinter steht: „Und warum verkünden wir euch das, was wir gesehen und gehört haben? Wir möchten, dass ihr mit uns verbunden seid – mehr noch: dass ihr zusammen mit uns erlebt, was es heißt, mit dem Vater und mit seinem Sohn, Jesus Christus, verbunden zu sein.“

Die Gemeinschaft entsteht nicht durch die Verkündigung an sich, sondern durch den Inhalt der Verkündigung, nämlich die Verbundenheit mit dem Vater und dem Sohn. Wer an den Vater und den Sohn glaubt und ihnen vertraut, der ist auch mit anderen Gläubigen verbunden. Was uns Christen verbindet sind nicht in erster Linie gemeinsame Interessen oder Sympathie füreinander, sondern Jesus Christus.

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Titus 2, 1-10 Leben und Lehre

Das sind Hinweise an Männer, Frauen und Sklaven in der Gemeinde, dass sie ein möglichst gutes moralisches Leben führen sollten (Paulus orientiert sich dabei an den damaligen moralischen Vorstellungen). Interessant ist das Ziel dieser Hinweise. Das Ziel ist nicht, dass sie sich dadurch vor Gott was verdienen könnten, oder dass sie dadurch auf ihrem persönlichen Weg der Heiligung vorankommen – das Ziel ist dass die Botschaft des Evangeliums durch ihre Leben unterstützt wird.

Wer in einer Gemeinde lebt, in welcher Gottes Liebe verkündigt wird und selbst ein liebloses Leben führt, der schadet nicht nur sich selbst und seinen Nächsten, sondern auch der Botschaft von Gottes Liebe. Wir wissen alle, dass wir auch als Christen nicht perfekt sein können und auch nicht müssen – wir leben aus der Vergebung. Aber wir sollten auch wissen, dass wir durch falsches Verhalten sehr viel zerstören können.

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1. Timotheus 1, 1-11 Das Ziel aller biblischen Lehre

Der Timotheusbriefe sind an einen Gemeindeleiter gerichtet. Das wichtigste Thema ist der Umgang mit Irrlehrern. Gleich zu Beginn stellt der Autor zur Beurteilung folgenden Maßstab auf: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist die Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (V.5) Interessant: es wird hier kein inhaltlicher Maßstab gegeben, sondern es wird nach den Auswirkungen der Lehre gefragt. Statt „Hauptsumme“ kann man auch „Ziel“ übersetzen (griech.: telos).

Welches Ziel erreichen wir mit unserer Verkündigung? Spekulationenen und Verunsicherung, oder Liebe aus reinem Herzen? Das ist natürlich nicht der einzige Maßstab. In den neutestamentlichen Briefen wird oft genug auch inhaltlich zu bestimmten Lehren Stellung genommen. Aber es ist eine übergeordnete Beurteilungsebene. Selbst wenn eine Lehre sich sehr biblisch und fromm anhört – wenn damit keine Liebe erreicht wird, dann sollte man genauer hinschauen…

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Hesekiel 4 Ein antiker Aktionskünstler

Neben Visionen und normaler prophetischer Verkündigung sind Zeichenhandlungen für Hesekiel typisch. Und zwar Zeichenhandlungen, in denen er selbst zum Zeichen, zum Symbol wird. In diesem Kapitel soll er mit Zeichenhandlungen den drohenden Untergang von Jerusalem und die Schuld des Volkes ankündigen. Besonders bei der zweiten Handlung verlangt Gott viel von ihm: Er soll sich 390 Tage lang auf die linke Seite legen und damit das Tragen der Schuld Israels symbolisieren. Dann soll er für die Schuld Judas 40 Tage lang auf der rechten Seite liegen. Während dieser Zeit soll er sein Essen und Trinken streng rationieren, um den Mangeln an Nahrungsmitteln in der drohenden Belagerung der Stadt Jerusalem zu verdeutlichen.

Erstaunlicherweise hat er dagegen wohl nichts einzuwenden gehabt. Nur als Gott verlangt, dass er in dieser Zeit seine Gerstenfladen auf Menschenkot backen soll, da wehrt er sich: nicht weil er das als eklig empfand, sondern weil er sich damit nach dem alttestamentlichen Gesetz unrein machen würde. Körperliche Schmerzen und Mangel macht ihm weniger aus, als sich in seinem Glaubensleben zu verunreinigen!

Hesekiel gibt sich mit seinem ganzen Leben dem Wort Gottes hin. Und wo Worte nichts mehr nützen, da stellt er sich selbst als Symbol zur Verfügung, um seine Mitmenschen wachzurütteln. 430 Tage lang auf dem Boden rumliegen und kaum genug Nahrung zum überleben haben! Über ein Jahr seines Lebens opfern, nur um deutlich zu machen, welche Schuld das Volk auf sich geladen hat! Extrem! Auch aus moderner, werbetechnischer Sicht ist das eine geniale und provozierende Aktion, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wie schnell geben wir uns dagegen oft geschlagen, wenn Menschen nichts von Gott wissen wollen! Wie langweilig und unkreativ sind wir dagegen oft, wenn es darum geht, auf die Botschaft unseres Glaubens aufmerksam zu machen!

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2. Korinther 5, 11-15 – Ich oder Christus

Noch einmal geht Paulus auf seine Botschaft und die Art und Weise, wie er sie verkündigt ein (das scheint zwischen Paulus und den Korinthern wohl ein wichtiges und strittiges Thema gewesen zu sein). Er möchte Menschen aus Ehrfurcht vor Gott für den Glauben gewinnen und nicht für die eigene Befriedigung. Er verkündigt nicht besondere Offenbarungen und in ekstatischen Zuständen, sondern besonnen und nüchtern. Was ihn bei all dem drängt, ist die Liebe Christi. Dann fasst er noch einmal kurz und prägnant das Evangelium zusammen: Christus ist für uns gestorben und als Folge davon sollen wir nicht mehr für uns selbst leben, sondern für Christus.

Ein Leben für Christus. Nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den Herrn der Welt. Das sagt sich so leicht, aber wer tut das denn wirklich? Und wie kann man das, ohne an diesem Anspruch kaputt zu gehen und zu verzweifeln, weil man immer wieder versagt? Ein Leben für Christus – heißt das, dass ich micht selbst verleugne und nur noch fremdbestimmt bin? Oder benutzt Christus meine Persönlichkeit, meine Träume und Sehnsüchte für seine Zwecke? Wenn es nur die Alternative ich oder Christus gibt, dann muss man doch daran scheitern. Aber vielleicht kann Gott ja irgendwie ein neues Ich durch Christus hindurch zum Leben erwecken…