Römer 8, 31-39: Gott schenkt uns alles?

Das klingt zunächst einmal nach einer sehr triumphalen Theologie und auch ein bisschen nach Wohlstandsevangelium: Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein? Wer kann uns noch widerstehen? Gott schenkt uns in Christus alles – nicht nur ein wenig Trost, sondern alles! Das schließt dann doch auch materielle Dinge und leibliche Wohlergehen mit ein, oder?

Aber der weitere Text macht dann doch deutlich, dass es nach wie vor viele Dinge gibt, die gegen uns sein können und die uns bedrängen können: Trübsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Blöße, Gefahr, Schwert (V.35). Das klingt nicht gerade nach einem bequemen Wohlstandsevangelium. Denn Paulus sagt ja nicht, dass diese Dinge uns nicht mehr treffen können, sondern sein entscheidender Punkt ist, dass sie uns nicht mehr scheiden können von der Liebe Christi. Das heißt im Klartext: Sie werden kommen, sie werden wider uns sein, aber sie werden uns nicht von der Liebe Christi trennen können.

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Johannes 15, 18 – 16, 4 Wir brauchen uns nicht zu wundern

Wie bei allen Bibeltexten ist auch bei diesem zu beachten, dass er zunächst in eine bestimmte historische Situation hinein an bestimmte Adressaten geschrieben wurde. Unsere Zeit und unsere Situation ist eine andere. Dass uns jemand aus der Synagoge ausschließen will (16,2), ist z.B. für uns gar kein Thema – wir leben einfach in einer anderen Welt als die Adressaten damals.

Trotzdem wird in dem Text etwas ganz Grundsätzliches klar: Als Christen haben wir ganz nüchtern damit zu rechnen, dass wir von anderen abgelehnt und angefeindet werden. Wenn das nicht so ist, dann brauchen wir das natürlich nicht zu suchen oder zu provozieren, aber wenn es so ist, so brauchen wir uns auch nicht darüber zu wundern.

Paulus schreibt in Röm. 12,8, dass wir versuchen sollen, mit allen Menschen in Frieden zu leben. Wir sollen nicht den Konflikt suchen, sondern Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen leben. Trotzdem kann uns unser Glaube in Konflikte führen. Dann ist es wichtiger Gottes Stimme zu folgen, als sich in allem anzupassen und den Glauben aufzugeben. Jesus verheißt uns für solche Situationen den Heiligen Geist (V.26), der uns dann die richtige Reaktion schenken wird.

Apostelgeschichte 13, 42-52 Scheidung und Entscheidung

Die Predigt des Paulus führt unter den Zuhörern zur Scheidung und Entscheidung. Seine Worte provozieren. Sie provozieren „die Juden“ (V.45) zum Widerspruch und führen „die Heiden“ (V.48) zum Glauben. Bei einer ganz normalen Predigt am Sonntagmorgen hier in Deutschland geschieht weder das eine noch das andere. Als Prediger der Gnade Gottes müssen wir nicht Angst vor Verfolgung und Ausweisung (V.50) haben. Aber es ist auch nicht so, dass durch unsere Predigten massenweise Menschen zum Glauben kommen.

Woran liegt das? Predigen wir nicht provozierend genug? Oder sind die Menschen heute gleichgültiger (man könnte auch sagen: toleranter)? Manche Prediger setzen auf radikalere Botschaften, um zu provozieren. Aber was war denn bei Paulus für die Zuhörer provokant? Für die jüdischen Synagogenbesucher war es unerhört, dass ein Mensch allein durch Glauben vor Gott gerecht werden soll ohne das Gesetz des Mose zu befolgen. Wenn ich das heute predige dann nicken die Menschen entweder (weil sie das ja schon so oft gehört haben und weil heutzutage niemand mehr durch Werkgerechtigkeit meint sich erlösen zu müssen) oder sie sagen: „Ist mir doch egal – Gott interessiert mich nicht!“

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Apostelgeschichte 12, 1-25 Gottes Hand hält uns

Petrus wird auf wunderbare Weise aus dem Gefängnis errettet. Die Gemeinde bittet intensiv und ausdauernd für ihn und Gott erhört dieses Gebet. Er greift ein und rettet Petrus aus der Hand des Feindes. Die Beter können es selbst kaum glauben als Petrus an der Tür klopft. Es erscheint ihnen plausibler, dass ein Engel vor der Tür steht, als dass tatsächlich Petrus aus dem Gefängnis frei kam. Was für ein Wunder!

Aber bei dem Text sind mir auch die ersten zwei Verse aufgefallen. Hier wird nur kurz und ohne ausführliche Beschreibung erzählt, wie einer der zwölf Apostel – Jakobus, der Bruder von Johannes – von Herodes Agrippa (dem Enkel des Herodes, welcher für den Tod von Jesus mitverantwortlich war) getötet wurde. Das ist aus unserer Sicht ganz und gar nicht wunderbar. Warum hat Gott hier nicht eingegriffen und Rettung geschenkt?

Dieses Gegenüber beschäftigt mich: Einerseits kann Gott auf wunderbare Weise eingreifen und vom Tod bewahren. Andererseits kann er es zulassen, dass seine Nachfolger um des Glaubens willen getötet werden. Wir haben als Christen keine Garantie dafür, dass alles glatt läuft. Wir dürfen mit all unseren Anliegen zu Gott kommen. Sicher wurde auch für Jakobus und für andere Märtyrer gebetet. Aber Gott kann auf unterschiedliche Weise auf Gebet antworten. Er kann unser Leben auf unterschiedliche Weise führen. Er kann uns aus der Hand des Feindes erretten. Es kann aber auch sein, dass wir als Nachfolger in der Hand des Feindes sterben. Was in beiden Fällen sicher ist: wir sind von einer noch stärkeren und größeren Hand gehalten.

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Apostelgeschichte 9, 1-9 Der Leib Christi

War mir heute bei diesem Text besonders aufgefallen ist, ist die Antwort Jesu auf die Frage des Saulus: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ (V.5) Genau genommen hat Saulus ja die Anhänger des „neuen Weges“, die Jünger und Jüngerinnen Jesu verfolgt. Aber Jesus ist derartig eng mit seinen Nachfolgern verbunden, dass es keinen Unterschied macht, ob sie oder er verfolgt werden. Vielleicht liegt hier die Ursprungserfahrung für die späteren Ausführungen des Paulus, dass wir als Gemeinde Christi auch der Leib Christi sind (z.B. 1.Kor.12,12f.27).

Christus und wir sind eins. In uns und durch uns lebt Christus auf dieser Welt. In uns und durch uns handelt und leidet er in dieser Welt. Was für eine Ehre!

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Apostelgeschichte 7, 54 – 8, 3 Das Evangelium breitet sich aus

Diskussionen über die Bedeutung von Gesetz und Tempel, sowie prophetische Gerichtsbotschaften gab es schon im Alten Testament. Alles was Stephanus bis jetzt gesagt hatte sorgte zwar für Ärger und Wut, wäre aber noch halb so schlimm gewesen für die Zuhörer. Aber als er nun sagt, dass er den Menschensohn (damit meint er Jesus) zur Rechten Gottes sieht, bringt er das Fass zum Überlaufen. Aus dem geordneten Prozess gegen ihn wird ein Aufruhr, der in Lynchjustiz endet.

Aber gerade diese dunkle Stunde wird zu einem entscheidenden Impuls für die Verbreitung des Evangeliums. Die griechisch sprechenden Judenchristen werden aus Jerusalem vertrieben und fliehen in das Gebiet von Judäa und Samarien. So beginnt sich die Verheißung von Apg. 1,8 zu erfüllen, dass die Christen Jesu Zeugen werden „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“. Vielleicht kann Gott auch heute noch unsere dunklen Stunden nutzen, um uns zu Zeugen werden zu lassen…

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Apostelgeschichte 4, 1-12 Gefangen um Jesu willen

Für mich hier in Deutschland ist es kein Problem, jeden Sonntag auf die Kanzel zu steigen und von Jesus zu erzählen. Bei Petrus damals war das nicht ganz so einfach. Er wurde wegen seiner Predigt gefangen genommen. In vielen Ländern der Welt ist es auch heute noch gefährlich, über Jesus öffentlich zu reden. In manchen Gebieten ist es sogar gefährlich, heimlich an Jesus zu glauben.

Ich bin dankbar für diese Freiheit. Ich weiß nicht, wie mein Glaube unter anderen Umständen aussähe. Hätte ich die Kraft und den Mut, mich trotzdem zu Jesus zu bekennen? Oder wäre ich zu feige? Würde mein Glaube dann schwächer sein – oder würde er durch die Widerstände sogar stärker werden?

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Lukas 6, 17-26 Weh uns!?

Vor einiger Zeit habe ich mit jemand gesprochen (bzw. er hat mehr mit mir gesprochen ;)), der überzeugt war, dass es in Deutschland so wenige Christen gibt, weil es uns zu gut geht. Wir sind zu reich und satt, wir leiden nicht unter Verfolgung. Mir war es etwas unwohl bei diesen Aussagen. Denn was ist die Konsequenz daraus? Sollen wir um Armut, Hunger und Verfolgung bitten, damit mehr Menschen zu Jesus finden?

Bei der Feldpredigt in Lukas macht nun Jesus ähnliche Aussagen: Selig sind die Armen und Hungrigen und diejenigen, die um Jesu willen gehasst werden. Den Reichen, Satten und nicht Verfolgten dagegen gilt Jesu Weheruf. Na toll! Dann hab ich ja schlechte Karten bei Jesus! Im weltweiten Durchschnitt gesehen bin ich reich, ich bin satt und ich brauche mich nicht vor Verfolgung fürchten…

Soll ich diese Seligpreisungen und Weherufe geistlich umdeuten – so wie es Matthäus macht? Bei Matthäus spricht Jesus nämlich von den geistlich Armen und denen, die nach Gerechtigkeit hungern. Oder sollte ich um so dankbarer sein, dass ich trotz Wohlstand und Freiheit zum Glauben kommen durfte?

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1. Petrus 5, 5-9 – Ein süßes, kleines Kätzchen

In seine Schlussmahnungen packt Petrus noch einmal einiges rein – es wird deutlich, was ihm wichtig ist. Die Stichworte sind: Demut, Vertrauen auf Gottes Fürsorge und Nüchternheit angesichts der Leiden in dieser Welt. Diese Aufforderung zur Nüchternheit unterlegt er mit einem eindrücklichen Bild: „Denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (V.8). Wahrscheinlich geht dieses Bild auf Psalm 22,14 zurück, wo die Feinde des Beters mit Löwen verglichen werden.

Für die damalige Verfolgungssituation mag das ein sehr treffender Vergleich gewesen sein. Die Christen wurden angefeindet und mussten mit offenem Hass und Ablehnung zurechtkommen. Ich glaube zu unserer heutigen Situation in Deutschland passt das nicht mehr so richtig. Hier hat der Satan eine andere Strategie. Er begegnet uns nicht als brüllender Löwe, den wir schon von weitem erkennen können (niemand droht uns offensichtliche Verfolgung an weil wir an Jesus glauben), sondern er ist eher ein verführerisch, schnurrendes Kätzchen, das uns langsam und unbewusst vom Weg der Nachfolge ablenkt: „Ich bin so süß und harmlos. Komm spiel doch ein wenig mit mir. Man muss die Sache mit dem Glauben ja nicht übertreiben und ein bisschen Ablenkung tut dir gut…“
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1. Petrus 4, 12-19 – Juhu, es geht mir schlecht!

Das sind schon fremdartige Gedanken, die hier formuliert werden: „Freut euch, dass ihr mit Christus leidet“ (V.12). Normalerweise freuen wir uns doch, wenn Gott unser Leben leichter und angenehmer macht, wenn er uns hilft, uns heilt, uns Segen schenkt. Petrus aber sagt: „Freut euch, wenn ihr mit Christus leidet. Lasst euch von diesem Leiden nicht befremden, auch wenn euch darin Gottes Handeln fremd erscheint. Gerade wenn ihr leidet, seid ihr Christus besonders nahe.“

Heißt das im Umkehrschluss auch, dass wir Leiden suchen sollten, dass wir eigentlich traurig sein sollten, wenn es uns so gut geht, wenn unser Bauch immer dicker wird, wenn wir ganz ohne Hindernisse und Anfeindung unseren Glauben leben können? Ich denke mit solchen Umkehrschlüssen muss man vorsichtig sein. Nicht jede Aussage ist dafür geeignet. Petrus schreibt an Christen, die in dieser Verfolgungs- und Anfeindungssituation drin stecken. Er ermutigt sie dazu, im Leiden die besondere Nähe Gottes zu suchen. Daraus kann ich aber nicht automatisch den Umkehrschluss ziehen, dass wir diese Situationen von uns aus suchen und herbeiwünschen sollten.

Aber auch ohne solche Umkehrschlüsse stellen diese Verse so manche Bequemlichkeit meines Wohlstandschristentums gehörig in Frage. Wie ist das wenn ich down bin, wenn ich erschöpft und müde bin, wenn ich gefrustet bin von Gott und der Welt, wenn mein Glaube so wenig zu bewegen scheint, wenn in unserer Welt einfach kein Hunger nach Gott da ist…? Kann ich mich dann freuen, dass ich mit Christus leide?
Bibeltext