Cormac McCarthy: All die schönen Pferde

John Grady ist sechzehn Jahre alt und nichts hält ihn mehr zu Hause in Texas. Zusammen mit seinem Freund Lacey Rawlins reitet er zu Pferd nach Mexiko. Unterwegs schließt sich ihnen Jimmy Blevis an, ein noch jüngerer Ausreißer, der die beiden in ziemliche Schwierigkeiten bringt. Die beiden Freunde kommen jedoch ungeschoren davon und finden auf einer Farm Arbeit. John Grady besitzt ein einmaliges Talent für das Zureiten von Pferden und das kann er bei seinem wohlhabenden Arbeitgeber mit Erfolg einsetzen. Die Beiden sind eigentlich am Ziel ihrer Träume.

Doch John Grady verliebt sich in die Tochter des Farmbesitzers. Das geht nicht lange gut, denn diese Beziehung stößt beim Vater und der Tante auf wenig Gegenliebe. Die beiden Freunde werden überraschend festgenommen und ins Gefängnis geworfen. Ihnen ist lange nicht klar warum eigentlich. Sie geraten in einen Albtraum aus Gewalt und knallhartem ÜberlebenskampfCormac McCarthy: All die schönen Pferde weiterlesen

Ian Morgan Cron: Chasing Francis

Ein Buch wie ein Überraschungsei: Gleich drei Wünsche auf einmal werden erfüllt. Rein von der äußeren Form und vom Rahmen her ist das Buch ein recht gut geschriebener Roman über einen Pastor, der auf der Suche ist, wie man Gemeinde und Glaube heute authentisch leben kann. Dann gibt das Buch einen kurzen Überblick in das Leben und Denken von Franziskus von Assisi. Und als drittens ist das ganze eine hervorragende Einführung in zentrale Gedanken der „emerging church“. Als Ergänzung gibt es dann sogar noch einen Studienteil, mit dem man sich noch weiter in das Thema einarbeiten kann… (Dieser Teil hat mich jetzt aber nicht so besonders angesprochen).

Mich hat das Buch sehr angesprochen. Alle drei Bereich deckt der Autor recht gut ab. Natürlich kann er in den gut 200 Seiten des Romanteils nicht groß in die Einzelheiten gehen. Aber gerade dieser unterhaltsam und spannend verpackte Einstieg zu Fransikus und Kirche in der Postmoderne ist anregende. Durch das aufeinander Bezug nehmen der beiden Themen gewinnen beide Seiten. Und die Romanform macht das ganze lebendiger und konkreter als eine trockene Abhandlung.

Natürlich merkt man dem ganzen Buch den amerikanischen Hintergrund an. Manche Kritik am evangelikalen Christentum erscheint im europäischen Kontext etwas überzogen. Aber auch wenn es bei uns keine solche Extreme gibt, wie im amerikanischen Zusammenhang, so gelten die Anfragen doch von der Richtung her auch für uns hier. Der Autor macht auf jeden deutlich, dass wir gerade in unserer heutigen Zeit einiges von Franziskus lernen können.

Die Waffe der Schwachheit

Hab gestern ein interessantes Interview mit Alice Walker, der Autorin von „Die Farbe lila“ gesehen. Sie wurde zur Wahl in den USA befragt und sie hat mich durch ihre knappen, präzisen und gehaltvollen Antworten begeistert (anders als manche Politiker, die in solchen Interviews immer wahnsinnig viel zu sagen haben und am Ende doch nicht wirklich etwas gesagt haben…). Ein Satz ist mir besonders hängen geblieben: „war is the weapon of weakness.“ Krieg ist die Waffe der Schwachheit. Das ist (besonders im Englischen) eine fast schon poetische Formulierung die trifft und die durch ihre scheinbare Widersprüchlichkeit aufrüttelt und zum Nachdenken anregt.

Wow! Sie haben es getan!

Sie habens tatsächlich getan! Sie haben ihn gewählt! Obwohl er (relativ) jung ist, obwohl er (relativ) unerfahren ist und obwohl er schwarz ist! Was mich freut ist nicht nur diese Wahl, sondern auch die Deutlichkeit – vielleicht kann Obama ein wenig die Gespaltenheit der USA überwinden. Was mich ebenfalls freut, sind die Reaktionen auf diese Wahl: Die Begeisterung, die Freude, die großen Emotionen der Menschen in Amerika. Viele verstehen, dass hier etwas Besonderes geschehen ist und bekommen neue Hoffnung. Sogar Busch und McCain zeigen großen Respekt für Obama.

Im konkreten Alltagsgeschäft der Politik wird Obama auch nicht alles anders machen können, er wird auch von vielen Zwängen und Machtspielen getrieben sein. Er wird sicher auch viele Hoffnungen enttäuschen müssen. Aber allein dass Amerika einen schwarzen Präsidenten bekommt, ist ein Zeichen des Wandels und eine Zeichen der Offenheit. Es gibt nicht nur das engstirnige, rücksichtslose und ängstliche Busch-Amerika, sondern auch noch das offene, veränderungsbereite und mutige Obama-Amerika.