Sprüche 30, 1-19 Genug haben

Agur warnt vor all zu großer Selbstsicherheit des Weisen. Menschliche Weisheit ist gut und richtig, aber wir dürfen dabei nie vergessen, dass wir nur Menschen sind und unser Wissen daher begrenzt ist. Wirkliche Weisheit finden wir nur bei Gott und dem was er uns offenbart. Agur stellt hier (V.4) ähnliche Fragen, wie Hiob sie von Gott gestellt bekommt (Hiob 38). Hiob kommt mit der Frage nach dem Leid an die Grenze der menschlichen Weisheit. Er bekommt auch letztendlich von Gott keine Antwort, sondern wird auf seine menschliche Begrenzung hingewiesen. Auf eben diese Grenze weist auch Agur hin.

Mir gefällt in dem Abschnitt besondert V.8f. Agur bittet darum, weder zu reich noch zu arm zu sein. Denn beides birgt Gefahren. Der Reiche wird schnell satt und vergisst Gott dabei. Der Arme steht in der Gefahr aus Verzweiflung gegen Gottes Gebote zu verstoßen. Jeder der genug, aber nicht zu viel zum Leben hat, sollte von Herzen dankbar sein. Ich habe genug zum Leben, nicht nur materiell gesehen. Und doch kenne auch ich diese Gier nach mehr, diese innere Unzufriedenheit. Agur hält mir hier den Spiegel vor: Es ist gar nicht erstrebenswert noch mehr zu haben. Sei zufrieden und freue dich an dem, was du hast!

| Bibeltext |

Matthäus 13, 31-33 – Ich will Bäume sehn!

SenfkörnerWie kommt es eigentlich, dass ich jetzt – im Jahr 2009 – immer noch so viele Senfkörner sehe, anstatt den versprochenen Baum? Jesus sagt, dass das Reich Gottes beginnt wie ein einzelne kleines Senfkorn. Aber es wächst und wird groß wie ein Baum (eine ausgewachsene Senfstaude wird zwar nicht zu einem richtigen Baum, aber sie kann bis zu drei Meter hoch werden). So langsam, knapp 2000 Jahre später müsste doch aus dem Senfkorn ein bisschen was geworden sein. Wo bleibt der Baum, von dem Jesus spricht?

Wenn ich uns Christen, vor allem hier in Deutschland, anschaue, dann denke ich eher an ein Senfkorn. Das ist alles so klein und so wenig sichtbar. Klar, es geschieht so manches, aber müsste das nicht viel mehr sein? Wo bleibt das Reich Gottes? Wo richtet Gott wirklich seine Herrschaft auf? Es gibt so wenige Menschen in Deutschland, die Jesus wirklich von Herzen lieben. Und selbst in den christlichen Gemeinden gibt es so viel Streit, Unzufriedenheit und Trägheit. Auch bei mir selbst ist vieles noch so klein und unbeutend – obwohl ich schon jahrelang Christ bin. Immer nur Senfkörner! Nichts als Senfkörner! Ich will Bäume sehn!
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