Hesekiel 23 Gott als Opfer

Ein häufiges Bild bei den Propheten: Gott als liebender Ehemann und seine Volk als Ehefrau, die ihren Mann mit anderen Männern betrügt. In diesem Kapitel wird das Volk durch zwei Frauen symbolisiert: eine steht für das Nordreich Israel, das zu Zeit des Hesekiel schon von den Assyrern erobert wurde und die andere steht für das Südreich Juda, das kurz davor steht, von den Babyloniern erobert zu werden.

Spannend an diesem Kapitel finde ich die Frage, welches Bild hier von Gott vermittelt wird. Hesekiel beschreibt hier nicht einen allmächtigen und in sich ruhenden Gott, sondern einen zornigen und enttäuschten Ehemann. Gott ist nicht derjenige, der als unparteiischer Richter das Urteil fällt, sondern er ist das Opfer, das betrogen wurde. Er leidet an der Untreue seines Volkes. Sein Volk hat sich selbst das Urteil gesprochen, indem sie sich anderen Mächten und Göttern zugewandt haben als ihm. „Da übergab ich sie in die Hand ihrer Liebhaber.“ (V.9) „Weil du mich vergessen und mich verworfen hast, so trage nun auch du deine Unzucht und deine Hurerei!“ (V.35)

Das ist ein Grundmotiv durch die ganze Bibel hindurch: Gott will (und kann?) unsere Liebe und Treue nicht erzwingen. Er wartet darauf, er hofft darauf, er schafft die Voraussetzungen dafür – aber wir haben die Freiheit uns von ihm abzuwenden. Dann müssen wir allerdings auch die Konsequenzen dafür tragen.

In Jesus Christus geht Gott noch einmal einen Schritt weiter: Er nimmt selbst die Konsequenzen für die Untreue seiner Ehefrau auf sich. Er wird auf doppelte Weise Opfer. Er leidet darunter, dass sich seine Geschöpfe von ihm abwenden und er nimmt selbst die Konsequenz für diese Abkehr vom Schöpfer auf sich: den Tod! Unglaublich!

Exodus 34, 1-10 Ein Gott der zweiten Chancen

Erstaunliches hin und her. Gott befreit sein Volk aus Ägypten und schließt einen Bund mit ihm (Ex. 24,1-8). Kurz darauf bricht das Volk diesen Bund und macht sich mit dem goldenen Kalb einen eigenen Gott (Ex. 32,1-6). Und wiederum kurz darauf schließt Gott schon wieder einen neuen Bund mit seinem Volk (Ex. 34,10). Das ist so als ob ein Mann eine Frau heiratet, sie dann kurz nach der Hochzeit mit einem fremden Mann erwischt, sich scheiden lässt und dieselbe Frau dann kurz darauf wieder heiratet.

Zurecht bezeichnet Mose Gott als „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ (V.6). Natürlich ist er zornig und frustriert über sein untreues Volk, aber seine Liebe ist stärker. Er gibt nicht auf. Er versucht es noch einmal. Er schließt einen neuen Bund.

| Bibeltext |

Jeremia 3, 1-10 Szenen einer Ehe

Szenen einer Ehe… Die Frau liegt ständig mit anderen Männern im Bett (V.1). Sie scheint kein Unrechtsbewusstsein zu haben und schämt sich nicht dafür (V.3), sondern ist pikiert über den Zorn ihres Mannes (V.5). Heuchlerisch betont sie ihre Treue zu ihm (V.4.10). Und der Mann? Zornig und zutiefst enttäuscht beschimpft er seine Frau als Hure. Immer wieder hatte er gehofft, dass seine Frau zur Vernunft kommt, aber sie kehrte nicht zurück (V.7).

Das riecht nach Scheidung… und heutzutage geht das ja schnell. Aber das verrückte ist, dass dieser Ehemann nicht aufgibt. Er kämpft und wirbt, er hofft und bangt, er droht und schreit. Er wird schließlich klein und wehrlos, er gibt sein Leben für die Frau. Er gibt nicht auf…
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