Lukas 23, 1-12 Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit

Bizarre Szenen die sich da abspielen. Pilatus weiß nicht so recht, was er mit Jesus machen soll. Die aufgebrachten Ankläger fordern vehement seinen Tod, aber Pilatus findet keine Schuld an ihm. Er will die ganze Sache am liebsten loswerden und schickt Jesus zu Herodes, der gerade zufällig in Jerusalem ist und der als Landesfürst für Jesu Heimat in Galiläa zuständig war.

Herodes freut sich, Jesus zu sehen, aber es ist ihm völlig egal in welcher Situation dieser sich gerade befindet. Er hat schon so manches von ihm gehört und möchte gerne ein paar Wunder von ihm sehen: ein bisschen oberflächliche Unterhaltung wäre ihm ganz angenehm. Aber wenn Jesus ihn nicht unterhalten kann, dann kann Herodes auch nichts mit ihm anfangen. Konsequenterweise reagiert Jesus dann auch gar nicht auf die Fragen, die ihm Herodes stellt. Er schweigt einfach weil er weiß, dass Herodes die eigentliche Botschaft Jesus sowieso nicht interessiert.

Gleichgültigkeit das ist bis heute die häufigste Reaktion auf Jesus. Wir merken gar nicht, wer uns da gegenübersteht. Interessant wäre es ja noch, wenn wir ein paar Zeichen und Wunder zu sehen bekämen. Aber natürlich nur zur Unterhaltung. „Was geht mich schon dieser Jesus an. Ich hab mein eigenes Leben und meine eigenen Probleme…“ Schade, denn Jesus will so viel mehr von uns als nur für oberflächliche Unterhaltung zu sorgen.

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Hesekiel 33, 21-33 Religiöses Unterhaltungsprogramm

„Und siehe, du bist für sie wie einer, der Liebeslieder singt, der eine schöne Stimme hat und gut spielen kann. Sie hören wohl deine Worte, aber sie tun nicht danach.“ (V.32) Erschreckend aktuell, wie hier der Prophet Hesekiel von seinen Zeitgenossen gesehen wird: Glaube und Gottes Wort als Unterhaltungsprogramm, das man sich gerne anhört und anschaut, an dem man aber nicht sein Leben ausrichtet! Ein religiöser Zuckerguss auf dem, was einem sonst noch so wichtig ist!

| Bibeltext |

Carloz Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels

Das Buch hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck: Zum einen ist es sehr spannend und fesselnd geschrieben. Schon nach wenigen Seiten kann man sich als Leser dem Sog und der Dramaturgie dieses Buches kaum entziehen. Ich habe den über 700 Seiten Wälzer innerhalb von wenigen Tagen verschlungen. Zum anderen aber war ich nach der letzten Seite frustriert und enttäuscht – von den vielen Rätseln und Mysterien, mit denen der Autor eine ungeheure Spannung aufbaut, bleiben für meinen Geschmack zu viele ungelöst – ich als Leser steh am Ende da und frage mich: was ist da jetzt eigentlich passiert? Als ganzes bleibt das Buch ein Mysterium (was wahrscheinlich vom Autor durchaus gewollt ist – mir ist es aber zu mysteriös). Außerdem gibt es für meinen Geschmack im letzten Drittel zu viele Leichen, zu viel Blut und zu viel platte Aktion.

Um was geht es? Die Hauptperson, David Martin, ist Schriftsteller im Barcelona des frühen 20. Jh. Er ist einigermaßen erfolgreich mit einer Reihe von Grusel- und Schauerromanen, bei denen er aber kaum etwas verdient und ständig bis zum Rand der Erschöpfung arbeiten muss. Zum anderen fühlt er sich todkrank und ein Arzt bestätigt ihm, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat. In dieser Situation geht er auf ein seltsames Angebot eines geheimnisvollen Verlegers Andreas Corelli ein: der gibt ihm 100.000 Franc als Vorschuss für ein Buch, durch das eine neue Religion gegründet werden soll. Die Hauptfigur soll also eine Art Bibel, einen Mythos, eine Geschichte entwerfen, an die Menschen glauben können.

Erst im Laufe der Geschichte dämmert ihm langsam, dass es sich hier um einen faustischen Pakt handelt, bei dem er letztendlich sein Leben verlieren wird. Der angebliche Verleger hat als Erkennungszeichen einen Engel, welcher mit dem Engel des Lichts identifiziert wird. Und der Engel des Lichts ist nichts anderes als Luzifer. David Martin stößt auf immer mehr Verwicklungen und Geheimnisse und versucht, einen Ausweg aus seiner Situation zu finden. Alle Menschen die ihm bei der Aufklärung behilflich sein könnten, werden unter seltsamen Umständen umgebracht. Parallel zu dieser Handlung ist eine Liebesgeschichte eingeflochten. Die ist natürlich unglücklich und endet letztendlich tragisch mit dem Tod der Frau.

Was mir – neben der fesselnden Schreibweise von Zafón (er hat früher Drehbücher geschrieben) – gefallen hat, waren die oft sarkastisch und ironisch-witzigen Dialoge. Das entlockt dem Leser immer wieder ein breites Grinsen oder ein Lachen. Wobei diese Dialoge dadurch teilweise sehr gekünstelt und unecht wirken. Gefallen hat mir auch die Wert- und Hochschätzung von guten Büchern, die immer wieder deutlich wird und der Einblick in die Schriftstellerseele (bei der anscheinend Disziplin viel wichtiger ist, als Inspiration).

Das Buch ist insgesamt ein sehr düsteres Buch. Nicht nur melancholisch, sondern mehr als melancholisch: düster eben. Einzig die Charaktere von Isabella, der schlagfertigen und eigenwilligen jungen Assistentin von David Martin und der Buchhändler Sempre bringen immer wieder etwas Licht und Zuversicht in die Geschichte. Wie gesagt: für mich bleiben am Ende zu viele Fragen offen. Vor allem bleibt mir schleierhaft, was jetzt an den ganzen Unglücksfällen auf das Konto dieses „Engel des Lichts“ geht und was auf das von menschlichen Intrigen und Machenschaften. Auch verstehe ist nicht, warum David Martin am Ende noch am Leben ist, welche Art von Leben das ist und warum der „Engel des Lichts“ ihn nicht einfach liquidiert.

Fazit: Gute und fesselnde Unterhaltung, bei der am Ende ziemlich viele Fragen offen bleiben.

Powers: Das Echo der Erinnerung

Ein wirklich gutes, unterhaltsames und anregendes Buch. Powers ist ein guter Schriftsteller, der eine Story entwickeln kann, sprachlich spannend erzählen kann und der viel interessante Aussagen und Anregungen in der Geschichte unterbringt. Es geht in dem Buch um die Frage nach der Identität eines Menschen: Wer bin ich eigentlich? Welche Faktoren machen mich zu der Person, die ich bin? Welche Rolle spielt meine eigene Geschichte und meine Erinnerungen an diese Geschichte, für meine Persönlichkeit?

Die Hauptperson des Buches, Mark, hat einen mysteriösen Unfall: Auf einer schnurgeraden Straße verunglückt er mit dem Auto nachts schwer. Die Polizeiuntersuchungen ergeben, dass mindestens zwei Autos irgendwie an dem Unfall beteiligt waren. Bis zum Schluss bleibt der genaue Tathergang offen – das macht das Buch schon einmal auf dieser Ebene spannend und interessant.

Noch viel spannender ist aber die persönliche Ebene hinter diesem Unfall: Mark erleidet durch den Unfall eine schwere Persönlichkeitsstörung. Die äußert sich unter anderem darin, dass er seine eigene Schwester nicht mehr als seine echte Schwester anerkennt. Er hält sie für eine Doppelgängerin und überlegt sich alle möglichen Verschwörungstheorien, warum diese Doppelgängerin plötzlich in seinem Leben auftaucht. Auch die besten und vernünftigsten Argumente können ihn nicht davon überzeugen, dass es tatsächlich seine echte Schwester ist. Man kann sich vorstellen, dass die Schwester (zu der eine sehr enge Beziehung hatte) wahnsinnig unter diesem Zustand leidet.

In ihrer Verzweiflung bittet sie einen berühmte Gehirnforscher um Hilfe. Und tatsächlich: er kommt und schaut sich Mark an. Aber er ist eigentlich weniger daran interessiert Mark wirklich zu helfen, sondern sieht ihn mehr als ein interessantes Fallbeispiel für seine populären Bücher über die Funktionsweise des Gehirns.

Sehr anschaulich und tiefgehend werden die Entwicklungen dieser drei Personen geschildert. Ihre Beziehungen zueinander, ihre persönlichen Kämpfe, ihre Ängste und wie sie damit umgehen. Das ist interessant zu lesen: Wie geht man mit solch einer Lebenskrise um? Daneben fließen viele spannende Gedanken aus der Hirnforschung ein: Wie funktioniert unser Gehirn? Wie nehmen wir die Welt wahr? Gibt es so etwas wie ein einheitliches „Ich“?

Die Schlussphase des Buches fand ich dann nicht mehr ganz so spannend. Irgendwie hat mir da was gefehlt, obwohl der Fall schlau und gekonnt aufgelöst wird. Vor allem die Persönlichkeit des Hirnforschers blieb mir am Schluss etwas undurchsichtig und blass. Ich konnte seiner Entwicklung und seinen Gedanken nicht mehr so gut folgen. Kann aber auch an meiner nachlassenden Aufmerksamkeit gelegen haben und daran, dass ich manche Andeutungen übersehen oder falsch gedeutet habe.

Insgesamt auf jeden Fall ein Roman den ich genossen habe, der viel Stoff zum Nachdenken (auch über mich selbst) gegeben hat und der einfach gut geschrieben ist.