Hesekiel 33, 1-9 Das Katastrophenhorn blasen?

Die Aufgabe des Propheten Hesekiel wird hier als die eines Wächters beschrieben. Er ist wie ein Wachmann, der mit einem Posaunenton Alarm schlägt, wenn der Feind anrückt. Er kann nicht verhindern, dass der Feind kommt und er kann auch nicht beeinflussen, wie die Hörer auf den Warnruf reagieren. Wenn man Hesekiel mit anderen Propheten, im Extremfall mit Jona vergleicht, so stellt man fest, dass es durchaus Unterschiede gibt, wie dieses Wächsteramt ausgeübt wird. Jona geht nur widerwillig nach Ninive und verkündigt dort kurz und lustlos das drohende Gericht Gottes. Hesekiel warnt über Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz und auf immer neue kreative Weise vor einem Leben ohne Gott. Das dramatische ist, dass Jona „Erfolg“ hat (die Einwohner Ninivehs kehren um) und Hesekiel nicht. Ganz schön frustrierend, was Gott da seinem Propheten zumutet.

Ich habe mich bei diesem Text gefragt, ob wir Christen heute eine ähnliche Aufgabe haben? Müssen wir die Menschen vor dem Gericht Gottes warnen? Ich denke, unsere Botschaft ist anders, sie ist mehr als nur vor dem Untergang zu warnen. Wir haben nicht die Botschaft weiter zu geben, dass der Feind vor den Toren steht, sondern wir haben die Botschaft weiter zu geben, dass der Erlöser vor der Tür steht. Das ist etwas anderes! Unsere Aufgabe ist nicht Katastrophenangst zu schüren, sondern Hoffnung zu wecken und zum Leben einzuladen. Natürlich ist es einfacher, laut und kräftig in das Katastrophenhorn zu blasen. Aber angemessener ist es, auf möglichst vielfältige und einladende Weise zum Tanz des Lebens aufzuspielen.

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Hesekiel 9 Wirkt Gott Unglück?

Kein angenehmes Kapitel: Hesekiel sieht in einer Vision, wie Todesengel durch Jerusalem gehen und einen Großteil der Bevölkerung erschlägt. Nur wer sich nicht am Götzendienst beteiligt hat, bekommt ein Zeichen auf die Stirn und wir verschont. Einige Jahre später kommt für Jerusalem tatsächlich die große Katastrophe: die Babylonier erobern die Stadt, zerstören den Tempel, viele Bewohner kommen um oder werden in das babylonische Exil gebracht.

Wie jedes geschichtliche Ereignis kann man diese Geschehnisse auch ohne Gott deuten: das ist halt politisch blöd gelaufen, vielleicht hätte man doch eine andere Bündnispolitik wählen sollen. Die Bibel deutet jedoch die Geschichte des Volkes Gottes immer auf dem Hintergrund ihrer Beziehung zu Gott. Der Untergang Jerusalems wurde von Hesekiel schon prophetisch und danach auch von anderen als Strafe Gottes für den Unglauben des Volkes gedeutet.

Ist damit im Umkehrschluss jedes geschichtliche Ereignis direkt ein Wirken Gottes? Ist jede Katastrophe, jedes Unglück eine Strafe Gottes für Unglauben? Ist z.B. das Erdbeben in Japan eine Strafe Gottes für die Vielgötterei der Japaner? Mit Umkehrschlüssen ist es immer so eine Sache, das ist oft gefährlich. Jesus verneinte solch einen pauschalen Zusammenhang: als in Siloah ein Turm einstürzte und achtzehn Menschen erschlug, lehnte er es ab, darin eine direkte Strafe Gottes für diese achtzehn Menschen zu sehen (Lk. 13,1-5). Trotzdem können uns solche Ereignisse wachrütteln und dazu bringen uns wieder neu Gott zuzuwenden. So sieht es auch Jesus bei dem Unglück in Siloah: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.“ (Lk.13,5) Er deutet das Unglück nicht als von Gott gewirkte Strafe für die achtzehn Menschen, aber er sieht darin einen Anlass zu Buße, zur Umkehr.

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Jeremia 52 Zum Schluss ein kleiner Hoffnungsschimmer

Letztes Kapitel. Einerseits bin ich froh, endlich durch zu sein. Das zieht sich jetzt mit Unterbrechungen, doch schon sehr lange hin. Andererseits fällt es mir auch ein wenig schwer, Jeremia hinter mir zu lassen. Dieser „erfolglose“ und oft enttäuschte Prediger ist mir ans Herz gewachsen. Ich bewundere sein Durchhaltevermögen, trotz aller Enttäuschungen.

Das letzte Kapitel ist ein Nachtrag, der sich noch einmal mit dem Untergang Jerusalems beschäftigt. Die Babylonier erobern nach langer Belagerungszeit Jerusalem, töten viele leitende Persönlichkeiten, nehmen viele als Gefangene mit nach Babylonien und zerstören den Tempel und alle großen Häuser. Der Statthalter Zedekia wird nicht umgebracht. Ihm werden „nur“ die Augen ausgestochen und er muss in Babylonien bis zum Tod im Gefängnis bleiben.

Ein deprimierendes Ende! Und doch leuchtet auch in diesem Kapitel ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Auch der König Jojachin, der vor Zedekia für eine kurze Zeit regiert hatte, befindet sich in der Gefangenschaft in Babylonien. Aber anders als sein Nachfolger muss er nicht im Kerker sterben, sondern er wird begnadigt. Vom Nachfolger des babylonischen Königs Nebukadnezars wird er aus dem Gefängnis geholt und er bekommt sogar eine Ehrenstellung am Tisch des babylonischen Königs. Die Stuttgarter Erklärungsbibel schreibt dazu: „Außerhalb des Heiligen Landes wird ein Angehöriger der David-Dynastie wieder als König von Juda anerkannt.“

Das ist kein triumphales Erfolgszeichen, aber es ist der leise Hoffnungsschimmer, dass Gott auch durch die Katastrophe hindurch Leben schaffen kann. Gott gibt sein Volk nicht auf. Und irgendwann wird der wahre König kommen, der seinem Volk wirklich die Kleider der Gefangenschaft ausziehen kann…
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Jeremia 41 Schwer von Begriff

Und noch immer haben manche nicht erkannt, was dran ist. Anstatt in Demut zu Gott umzukehren und zu fragen, was er von seinem Volk möchte, handelt ein gewisser Jischmael selbstsüchtig, hinterhältig und beleidigt. Er ist aus königlichem Geschlecht und gönnt es dem Gedalja nicht, dass er von den Babyloniern als Statthalter eingesetzt wurde. Deshalb geht er hin und erschlägt ihn einfach. Dann flieht er zu den Ammonitern.

Kaum zu fassen: Man müsste denken, nach dieser großen Katastrophe- dem Untergang Jerusalems – müsste auch der letze begreifen, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Aber manche wollen es nicht kapieren, sie denken einfach in den alten Bahnen weiter…
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Jeremia 32 Das Ende ist der Neuanfang

Das scheint nicht so besonders weise und diplomatisch zu sein: Da steht der große, übermächtige Feind vor den Toren der heiligen Stadt Jerusalem und anstatt den Menschen Mut und Hoffnung zu geben sagt Jeremia: „So spricht der Herr: Siehe, ich gebe diese Stadt in die Hände des Königs von Babel und er soll sie erobern.“ (V.4) Die logische Konsequenz ist, dass Jeremia verhaftet und in den Kerker gesteckt wird. Mit seiner Botschaft verdirbt er ja völlig die Widerstandsmoral der Jerusalemer.

Aber Jeremia macht auf einer anderen Ebene Hoffnung. Er kauft gerade in dieser schwierigen Zeit, in welcher der völlige Untergang Judas droht einen Acker! Auch das erscheint nicht besonders schlau und geschickt. Aber es ist ein Zeichen der Hoffnung: Nach dem Ende mit Schrecken wird es einen Neuanfang geben, nach dem Unheil sollen in diesem Land wieder Äcker gekauft werden (V.42f). In meiner Stuttgarter Erklärungsbibel ist das sehr schön auf den Punkt gebracht: „Das Volk denkt angesichts der Belagerer an das Ende, Gott spricht bereits vom neuen Anfang.“

Vielleicht trifft das auch in unserem Leben manchmal zu: Was uns wie das Ende erscheint, ist in Wahrheit ein neuer Anfang von Gott her…
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