Psalm 69 – Für depressive Zeiten

Der Psalm ist eine intensive Bitte und Klage an Gott. Der Beter wird unschuldig verfolgt (V.5), er wird verspottet (V.11-12), er fühlt sich dem Tod nahe (V.16), keiner hat Mitleid mit ihm (V.21) und hat körperliche Schmerzen (V.27.20). Dazu kommt noch, dass er schon lange zu Gott schreit und er bis jetzt noch keine Hilfe erfahren hat (V.4).

Ich kann mit dem Psalm nicht viel anfangen, denn er ist zum Glück weit weg von meiner Lebensrealität. Aber er macht wieder neu deutlich, wir gut es mir zur Zeit eigentlich geht. 😀 Und dafür bin ich dankbar. Es ist toll, dass die Psalmen die unterschiedlichsten Lebenserfahrungen abdecken. Für die unterschiedlichsten Situationen gibt es treffende Psalmen. Dieser Psalm passt eher in eine depressive Phase, in der man sich dem Tod nahe fühlt und sich von Gott verlassen fühlt. Erstaunlich und ermutigend finde ich bei diesem Psalm, dass der Beter trotz allem an Gott festhält und darauf vertraut, dass Gott ihm helfen wird.
Bibeltext

Psalm 26 – Selbstjustiz?

„Ich wasche meine Hände in Unschuld…“ (V.6) Ja, das kann ja jeder sagen! Bei diesem Ausdruck (der wohl schon damals sprichwörtlich war!?) kommt bei mir schnell die Vermutung hoch: Der tut doch nur so! Wer ist schon wirklich unschuldig? Und schnell denk ich an Pilatus, der sich mit der Geste des Händewaschens nur auf billige Weise von seinem schlechten Gewissen befreien wollte.

Aber bei dem Beter von diesem Psalm war es wohl wirklich so, dass er – zumindest in der Sache in der er angeklagt wurde – unschuldig war. Was tun, wenn man zu unrecht angeklagt wird? Zur Selbstjustiz greifen? Auf eine gerechte Rechtssprechung vertrauen? Oder, so wie es der Psalmschreiber tut, einfach nur zu Gott beten?

Ich war noch nie vor Gericht angeklagt, aber bei jedem von uns ist es doch immer wieder so, dass wir uns von anderen ungerecht behandelt fühlen. Was tun? Selbstjustiz – sich selbst wehren und dem anderen eins auswischen? Oder einfach auf Gott vertrauen, dass er uns Recht verschafft? Wie ist das, wenn z.B. jemand hinter meinem Rücken über mich herzieht? Soll ich auch anfangen schlecht über ihn zu reden? Wie ist das, wenn mir jemand nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die ich mir wünsche? Soll ich ihn in Zukunft einfach nicht beachten und ihn beleidigt links liegen lassen? Oder soll ich einfach nur beten: „Herr, schaffe mir Recht, denn ich bin unschuldig!“ (V.1)
Bibeltext