2. Timotheus 4, 16-22 Gute Ratschläge

Am Ende macht Paulus noch einmal deutlich worauf es – auch für Timotheus – ankommt: am Evangelium festhalten, gerade gegen Widerstände und wenn man von anderen verlassen wird. Das Beeindruckende bei Paulus ist, dass er das nicht nur als schlauen Rat weitergeben kann, sondern dass er das an seinem eigenen Beispiel deutlich machen kann.

Solche Ratschläge sind überzeugend. Wenn man beim Anderen sieht, dass er selbst danach lebt und handelt, dann wirkt es gleich ganz anders. Wie schnell sind wir Christen dabei, von anderen zu fordern, was wir selbst nicht überzeugend leben! Das wird dann schnell überheblich und heuchlerisch. Für mich als Pastor gilt das in besonderer Weise – wir Pastoren sollen ständig anderen Ratschläge geben und dabei selbst überzeugende Vorbilder sein. Aber das gilt für uns alle: mehr Demut und Ehrlichkeit würde uns gut tun.

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Hesekiel 31 Gottes Baumschule

Hesekiel vergleicht den Pharao und sein Land Ägypten mit einem wunderschönen und riesigen Zedernbaum. Zedernbäume waren in der damaligen Welt die gewaltigsten und größten Bäume. Doch Gott wird diesen Baum stürzen, weil er zu stolz und überheblich geworden ist. Aufgefallen ist mir v.a. V.8-9: „So war ihm kein Zedernbaum gleich in Gottes Garten… Ich hatte ihn so schön gemacht mit seinen vielen Ästen…“ Ägypten nicht als ein Baum außerhalb von Gottes Garten, sondern ein Teil von Gottes Garten. Nicht andere Götter oder gar der Teufel haben Ägypten so mächtig werden lassen, sondern Gott selbst. Es scheint mir, dass bei dieser Aussage sogar ein gewisser Stolz Gottes über diesen schönen, kräftigen Baum mitschwingt.

Gott ist so manches mal da am Werk, wo wir es gar nicht vermuten! Vielleicht gibt es auch bei uns so manche Menschen, bei denen wir denken: „Da ist Hopfen und Malz verloren, die wollen doch überhaupt nichts mit dem Gott der Bibel zu tun haben.“ Aber wer weiß: vielleicht ist Gott im Verborgenen schon längst am Werk bei ihnen und freut sich über den Wuchs eines schönen Baumes und seine kräftigen Äste. Allerdings kommt bei jedem Menschen einmal der Punkt, an dem er erkennen sollte, dass nicht er selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist, sondern dass dies ein Geschenk ist. Jeder von uns steht in der Gefahr von Stolz und Überheblichkeit. Aber wir sind alle nur Bäume in Gottes Garten und er schenkt uns das Wachstum und die richtige Pflege.

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Hesekiel 28 Der Maßstab aller Dinge

Bemerkenswert: dem Herrscher von Tyrus wird nicht vorgeworfen, dass er andere Götter anbetet, sondern, dass er sich selbst zum Gott macht. Sein Stolz und seine Überheblichkeit wird ihm vorgeworfen. Sein Erfolg und Reichtum steigt ihm zu Kopf und er hält sich selbst für göttlich. Das ist im Grunde die eine große Ursünde der Menschen: sie halten sich selbst für Gott.

Das sollte jedem Menschen klar sein, auch wenn es ihm nicht gesagt wird: Es gibt da etwas, das größer ist als ich. Ich bin nicht der Maßstab aller Dinge, es gibt eine Macht, die stärker ist als ich. Ich glaube, dass diese Ahnung in jedem Menschen drin steckt. Woher sollten sonst all die religiösen Vorstellungen und Ideen kommen, die es in der Menschheitsgeschichte gibt?

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Hesekiel 14 Immer die Anderen

Bisher ging es vor allem um die uneinsichtigen Zurückgebliebenen in Jerusalem, welche lieber anderen Göttern vertrauten, als dem Gott Israels. Die nach Babylon Deportierten, zu denen auch Hesekiel gehörte, erschienen als der kleine treue Rest, der gerade wegen der Ferne zu Heimat und Tempel an Gott festhielt. Aber jetzt an diesem Text wird deutlich, dass es auch unter den Juden in Babylon Leute gab, die ihre Herzen an Götzen hingen (V.3). Nicht einmal bei den Deportierten, welche den Propheten Hesekiel in ihrer Mitte hatten, standen alle auf Gottes Seite!

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Juden, die bereits im Exil waren, als das wahre Israel vorgekommen sind. Sie hatten Gottes Handeln hautnah erfahren und durften durch Hesekiel hören, dass Gott ihnen auch im Exil nahe ist. Diejenigen in Jerusalem, das waren doch diejenigen, die vom Glauben abgefallen waren und die Hesekiel zu Recht kritisierte. Aber jetzt wird deutlich, dass die Exulanten nicht mit dem Finger nach Jerusalem zu zeigen brauchten: die Gottlosigkeit steckte mitten unter ihnen! Das tun wir ja immer wieder gern: mit dem Finger auf andere zeigen und dabei unsere eigene Fehler großzügig übersehen. Da hat doch auch mal jemand anderes etwas gesagt von Balken und Splittern…, oder nicht?!

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