Johannes 21, 15-19 Liebst du mich?

Liebst du Jesus? Ja, ich liebe ihn. Ich weiß, dass Leben nur mit ihm sinnvoll ist, dass nur er mich zum Ziel führen kann, dass ich auf seine Gnade, Liebe und Treue angewiesen bin. Liebst du Jesus? Nein, nicht in dem Maße und mit der Hingabe, wie er es verdient hätte. Meine Liebe ist bruchstückhaft und unvollendet, sie ist schwankend und zweifelnd. Meine kleine Liebe ist dem großen Gegenüber nicht angemessen.

Jesus kennt unsere Herzen. Ihm kann ich mein unvollkommenes und oft widerspenstiges Herz nur immer wieder neu hinlegen. Er versteht besser als ich selbst, was in diesem Herzen vorgeht. Ich bete darum, dass er es fest hält. Ich kann nicht mit der Größe meiner Liebe prallen. Ich kann nicht für die Stärke meiner Hingabe garantieren. Ich kann mich nicht auf meine eigene Liebeskraft verlassen. Ich kann mich nur auf Jesus verlassen, der mich sehr viel mehr liebt, als ich jemals lieben kann.

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Johannes 10, 22-30 Wenn Gott schweigt

Das steht hier so selbstverständlich und klingt so einfach und klar: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir.“ (V.27) Aber mir geht es zumindest so, dass es alles andere als selbstverständlich und klar ist, dass ich Jesu Stimme höre. Eigentlich müsste man ja meinen, je länger man zur Herde dazu gehört, desto besser müsste man die Stimme des Hirten hören und erkennen. Mir geht es – zumindest zur Zeit – eher anders herum: je länger ich Christ bin, desto schwerer fällt es mir, wirklich die Stimme Jesu aus dem Lärm dieser Welt und aus dem Lärm in meinem Inneren heraus zu hören.

In der jugendlichen Glaubensbegeisterung scheint alles so klar und einfach zu sein. Jesus ist der gute Hirte und wir folgen ihm nach. Aber im Lauf des Lebens als Christ, werden wir immer wieder auch mit der Verborgenheit Gottes konfrontiert. Wir merken, dass auch ein Leben als Christ oft kompliziert und so manches mal enttäuschend ist. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen Gott schweigt. Manche wollen sich das nicht eingestehen und klammern sich an eine bestimmte Rechtgläubigkeit, oder an schöne religiöse Gefühle, oder spielen sich und anderen eine heile Welt vor. Andere distanzieren sich mit der Zeit innerlich von Gott und der Schritt zum Glaubensverlust ist dann nicht mehr weit.

Das ist für jeden eine Herausforderung: Wie kann ich treu bleiben, wenn ich die Stimme des Hirten gerade nicht höre? Mein Trost ist: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (V.28).

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Sacharja 1, 1-6 Immer wieder neue Umkehr

Der Prophet Sacharja erfährt im Jahr 520 V. Chr. seine Berufung. Zu der Zeit waren die Juden aus dem Exil in Babylonien wieder zurück gekehrt nach Jerusalem in ihre Heimat. Allerdings war es keine triumphale Rückkehr und es gab so manche Probleme. Juda war kein selbständiges Königreich mehr. Nachdem die Babylonier ihre Vormachtstellung verloren hatten, waren die Perser die neue Großmacht, unter deren Einfluss auch Jerusalem stand. Neben den politischen Problemen war auch das religiöse Leben angeschlagen, was sich z.B. darin zeigte, dass der Wiederaufbau des Tempels nicht einfach und sich immer wieder verzögerte.

In dieser Situation erinnert Sacharja seine Zeitgenossen an die Geschichte ihrer Väter. Sie haben sich von Gott abgewandt und das Exil wurde dann als Abkehr Gottes von seinem Volk verstanden. Aber Gott hat sein Volk nicht verlassen und es wieder zurück ins verheißene Land gebracht. Deswegen ist es jetzt wichtig – auch wenn nicht alles glatt läuft – Gott treu zu bleiben, bzw. immer wieder neu zu ihm umzukehren. Glaube und Umkehr zu Gott ist etwas, das von jeder Generation und von jedem einzelnen Menschen immer wieder neu gefordert ist. Glaube ist nicht etwas, das man als Volk oder Einzelner einmal in der Tasche hat, sondern etwas, das sich immer wieder neu bewähren muss.

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Hebräer 3, 7-18 Treu bleiben

Der Hebräerbrief vergleicht die Situation von müde gewordenen Christen mit der Situation Israels während der Wüstenwanderung. In beiden Situation ist es wichtig, „die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende“ (V.14) festzuhalten. Es ist also wichtig, im Glauben treu zu bleiben. Um am Ziel anzukommen, muss man den ganzen Weg gehen, es bringt wenig am Anfang dabei gewesen zu sein, wenn man unterwegs stehen bleibt. Deswegen ist dem Hebräerbrief dieses alttestamentliche Zitat wichtig: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (V.7f) Heute wird es jeden Tag neu. Und jeden Tag ist es von neuem wichtig Gottes Stimme zu hören und offen dafür zu sein.

Ich frage mich bei diesem Vergleich allerdings, ob es durch die Gabe des Heiligen Geistes für uns Christen nicht einen wesentlichen Unterschied zu Glaubenden aus früheren Zeiten geben müsste. Durch den Geist wohnt doch Gott in uns, wir sind Gottes Haus (vgl. V.6). Sagt nicht Jesus selbst von seinen Jüngern: „Niemand kann sie aus meiner Hand reißen.“ (Joh. 10,28) Hängt denn die Treue im Glauben von unserer menschlichen Willenskraft ab, oder ist sie nicht viel mehr eine Wirkung des Heiligen Geistes? Wie sollten wir denn, wenn wir wirklich die persönliche Stimme Gottes an uns hören, unser Herz gegenüber Gott verstocken können?

Wahrscheinlich ist es beides: Dass wir treu bleiben können, ist ein Geschenk Gottes und zugleich müssen wir immer selbst auch zur Treu aufgerufen werden. Der Hebräerbrief betont hier mehr unsere persönliche Verantwortung. Aber wenn unsere Treue nur an unserer Kraft alleine hinge, dann wären wir verloren…

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Apostelgeschichte 7, 17-43

In seiner Beschreibung der Mosegeschichte hebt Stephanus vor allem hervor, wie das Volk damals Mose – und damit Gottes Rettungsangebot – mehrfach abgelehnt haben. Der Punkt auf den Stephanus damit abzielt ist klar: Mit Jesus hat es das Volk nun ebenso gemacht. In Jesus sieht Stephanus die Verheißung erfüllt, dass Gott einen Propheten wie Mose senden wird (V.37).

Gottes Rettungsangebot zu erkennen, scheint nicht immer einfach zu sein. So manches mal kann dabei die eigene Frömmigkeit im Weg stehen. Denn der Hohe Rat, vor dem sich Stephanus zu verantworten hat, sieht sich ja gerade in der Treue zu Mose. Sie wollen Mose nicht so einfach aufgeben, um einem anderen Retter hinterher zu laufen. Sie wollen Mose und dem Gesetz, das er ihnen gegeben hat, treu sein. Aber gerade dieses blinde Festhalten an vergangenen Rettungstaten Gottes verschließt ihre Augen für das neue Handeln Gottes in Jesus Christus.

Stephanus hält beides fest: er sieht sich in der Tradition von Abraham, Mose und anderen. Aber er hat auch offene Augen für Gottes neues Handeln in Jesus Christus. Gott schenke mir die offenen Augen, das offene Herz und die nötige Weisheit, um das auch zu tun: Gottes Handeln in Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen zu erkennen.

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Titus 2, 11-15 Langweilige Besonnenheit

Die Beschreibung eines christlichen Lebens klingt hier nicht gerade revolutionär: wir sollen „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben“ (V.12). Insgesamt vier mal kommt in Titus 2 dieses Wort „besonnen“ vor. Als ob es das allerwichtigste wäre, dass wir Christen nicht über die Stränge schlagen…

Gähn! Klingt langweilig! Aber vielleicht sollten wir uns das ja ab und zu mal sagen lassen: Beim Christsein geht es nicht um permanente Hochgefühle, es geht nicht um ein ständiges Leben am Limit. Christsein kann – wie jedes andere Leben – auch einfach mal langweilig sein. Wir müssen nicht immer das Außergewöhnliche suchen. Oft genug ist es einfach dran, mit einem gesunden Gottvertrauen und viel Besonnenheit durch die Welt zu gehen. Auf die Dauer sind wahrscheinlich sogar solche „langweiligen“ Werte wie Treue, Verlässlichkeit und Besonnenheit für ein nachhaltiges Leben als Christ wichtiger als gelegentliche Hochgefühle und außergewöhnlichen Erfahrungen.

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2. Timotheus 2, 8-13 Treue

Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (V.13) Der Kontext macht deutlich, dass es hier nicht um eine billige Entschuldigung für menschliche Leichtfertigkeit geht – im Zusammenhang geht um Christen, die um ihres Glaubens willen leiden, dulden, kämpfen, ja sogar sterben. Es geht um echten Trost, wenn wir trotz allem guten Willen Gott doch untreu werden: Gott hält uns trotzdem fest.

Ja, wir können immer nur Stückwerk vollbringen. Wir fallen viel zu oft auf die Nase. Wir versagen. Wir sind untreu. Wenn wir nur auf uns und unsere schwache Kraft schauen würden, dann müssten wir verzweifeln. Wie gut, dass wir auf Gottes Kraft und seine Treue schauen dürfen.

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Hesekiel 15 Wenn die Frucht ausbleibt

Wenn ein Weinstock keine Frucht bringt, dann ist er für den Weinbauern wertlos. Er kann das Rebholz höchstens noch als Feuerholz verwenden. Mit diesem drastischen Vergleich beschreibt Hesekiel das Volk Israel. Gott wendet sich gegen sein Volk, weil es keine Frucht bringt.

Auch Jesus nimmt das Bild vom Weinstock auf (Joh. 15,1-8). Aber bei ihm liegt der Ton nicht auf der Fruchtlosigkeit. Er betont, dass er selbst der Weinstock ist, und dass es für die Rebe wichtig ist, die Verbindung zum Weinstock zu behalten. Wenn diese Verbindung da ist, dann kommt die Frucht automatisch. Ich habe mich auch bei Hesekiel gefragt, wie die Frucht denn aussieht und was das Volk tun muss, um Frucht hervorzubringen.

Ich glaube es ist bei Hesekiel genau derselbe Knackpunkt wie bei Johannes: das entscheidende ist nicht auf die Frucht zu schauen und die Frucht aus sich selbst hervorbringen zu wollen, sondern das entscheidende ist die Verbindung zu Gott. Dementsprechend ist der entscheidende Vorwurf des Hesekiel an sein Volk: „… weil sie mir die Treue gebrochen haben, spricht Gott der Herr.“ Sie bringen keine Frucht weil die Verbindung zu Gott nicht mehr stimmt!

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Jeremia 11, 15-23 Mut, Ausdauer, Treue

In den Versen 18-23 finden wir die erste von den sogenannten Konfessionen des Jeremia. Bei Jeremia wird deutlicher als bei anderen Propheten, welche persönlichen Auswirkungen seine Botschaft für ihn hatte. Er wurde immer wieder angefeindet und wurde wegen seiner Gerichtsbotschaft von vielen gehasst. Es ging sogar soweit, dass ihm der Tod angedroht wurde: „Weissage nicht im Namen des Herrn, wenn du nicht von unsern Händen sterben willst!“ (V.21) Es ist ja schon schlimm, wenn man von Ungläubigen angefeindet und bedroht wird. Und bei Jeremia ist es noch extremer: Sogar die eigenen Glaubensgeschwister wollen ihn um die Ecke bringen.

Und trotzdem… und trotzdem hält er nicht den Mund. Trotzdem predigt er immer wieder neu die Botschaft Gottes, die zur Umkehr auffordert. Was für ein Mut, was für eine Ausdauer, was für eine Treue!
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Jeremia 6, 16-30 Frustrierender Job

Jeremia wirkte als Prophet über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Seine Berufung geschah 626 oder 627 v. Chr. und er wirkte bis zum Untergang Jerusalems 587 v. Chr. (vgl. dazu Jer. 1,2-3). Das Tragische bei Jeremia ist, dass ihm schon relativ früh klar wurde, dass niemand auf seine Aufrufe zur Umkehr hören würde. Der heutige Abschnitt ist schon so etwas wie ein Fazit seiner Verkündigung: Die Israeliten wollen nicht umkehren (V.16-17), „sie sind ganz und gar abtrünnig und wandeln verleumderisch“ (V.28).

Angesichts dieser Uneinsichtigkeit ist seine Aufgabe nicht mehr die, Israel zu erneuern, sondern er ist nur noch ein „Prüfer“ (V.27), der feststellt, dass Gott sein Volk verworfen hat (V.30). Er kann nicht viel mehr tun, als die Sünde aufdecken.

Oh Mann! Was für eine frustrierende und deprimierende Aufgabe! Verständlich, dass Jeremia so manche inneren Kämpfe durchzustehen hatte. Und doch: Was für eine Treue! Über Jahrzehnte hat er sich immer wieder von Gott gebrauchen lassen, trotz aller innerer Zweifel und äußeren Anfeindungen. Er hät‘ ja auch sagen können: „Hey Gott, wenn das ganze eh nichts bringt, dann lassen wir’s doch gleich bleiben und wir ersparen uns beide jede Menge Ärger. Ich hab keine Lust darauf, mir mein restliches Leben mit diesem Job zu ruinieren und dann doch keine Ergebnisse zu sehen.“ Hat er aber nicht – zum Glück für uns und viele andere Bibelleser…
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