Daniel 2, 1-26 Traumdeutung

Träume galten in der Antike allgemein als Tor zur göttlichen Welt. Träume wurden als Botschaften der jenseitigen Welt verstanden. Auch der biblische Glaube verstand Träume auf diese Weise. Da Träume aber oft vieldeutig waren, war es nötig diese Botschaften durch Traumdeutung zu entschlüsseln. Schon im Neuen Testament verändert sich die Auffassung von Träumen. Sie kommen zwar auch vor als göttliche Offenbarungen, sie sind aber seltener und eindeutiger. So braucht z.B. Jose in Mt.1,18-25 keinen Traumdeuter, um die Botschaft Gottes, welche er im Traum empfangen hatte, zu verstehen.

Ob Gott auch heute noch in Träumen spricht? Weiß ich nicht. Ich denke, das kann durchaus geschehen. Ich selbst habe das noch nie in so eindeutiger Weise erlebt. Vorsichtig wäre ich bei Träumen, die nicht eindeutig sind und die verschieden ausgelegt werden können. Da scheint mir im Neuen Testament doch eine eindeutige Tendenz da zu sein: Wenn Gott spricht, dann spricht er deutlich. Wir wissen heute auch viel klarer als damals, wie wir in unseren Träumen unsere eigenen Gefühle verarbeiten (aber vielleicht kann Gott gerade deswegen nicht mehr so leicht in Träumen zu uns sprechen?).

Bei Daniel ist mir wieder aufgefallen, wie sich bei ihm menschliche Weisheit und Nüchternheit mit Gottvertrauen verbindet. Er verfällt nicht in Panik, sondern wendet sich „klug und verständig“(v.14)  an den Obersten der Leibwache. Zugleich wendet er sich im Gebet an Gott, welcher ihm dann auch durch eine nächtliche Offenbarung hilft (Auch im Traum? Das bleibt offen).

| Bibeltext |

Uwe Timm: Rot

 „Ich schwebe. Von hier oben habe ich einen guten Überblick, kann die ganze Kreuzung sehen, die Straße, die Bürgersteige. Unten liege ich.“ Ein genialer Beginn dieses Romans. Das hat mich in der Buchhandlung gleich so gefesselt, dass ich mir das Buch gekauft habe, obwohl ich von dem Autor bisher noch nicht gekannt habe. Man ist gleich mitten drin in der Geschichte. Offensichtlich endet die Geschichte mit dem Tod des Erzählers und alles was folgt ist im Rückblick erzählt.

Auch mit seiner Hauptfigur hat mich der Autor sofort gehabt: Der Alt-68er Thomas Linde ist Jazzkritiker und Beerdigungsredner. Eine interessante Kombination. Für mich als Pastor, der ja auch auf Beerdigungen zu reden hat, war es spannend zu lesen, wie Thomas Linde diese Aufgabe angeht. Jemand der Trauerreden hält muss sich ernsthaft mit dem Thema Tod auseinander setzen. Wie sieht das bei jemand aus, der ohne den Horizont des christlichen Glaubens über den Tod spricht? Uwe Timm: Rot weiterlesen

J.M.G. Le Clézio: Der Goldsucher

Auf der Buchrückseite steht etwas von „wilden Abenteuern“ – die wird man in dem Buch vergeblich suchen. Es ist kein wildes Buch, mit viel Action und wilden Kampfgeschehen. Und auch unter einem „Abenteuerroman“ stellt man sich etwas anderes vor. Es ist ein ruhiges, gemächliches Buch mit vielen genauen und ausufernden Naturbeschreibungen. Es geschieht rein äußerlich gesehen, seitenweise gar nicht viel. Und es geht letztendlich auch gar nicht um eine Suche nach richtigem „Gold“.

Erzählt wird die Geschichte von Alexis. Er wächst auf der Insel Mauritius auf und träumt nach dem frühen Tod seines Vaters davon, einen legendären Piratenschatz zu finden, den sein Vater auf einer Insel im indischen Ozean vermutete. Es wird seine Familiengeschichte beschrieben, seine Reise zu der Insel, seine Suche nach dem Schatz (den er letztendlich nicht findet), seine Liebe zu einer schönen Eingeborenen (die letztendlich auch keine Erfüllung findet) und eine etwas deplatziert wirkende Zwischenepisode als Soldat im ersten Weltkrieg.

Es geht Le Clézio nicht um das Abenteuer oder das Gold, es geht nicht um einen spannenden und fesselnden Abenteuerroman, sondern es geht um die Suche (nach sich selbst, nach Erfüllung, nach der Verwirklichung seiner Träume oder dem Enttarnen seiner Träume…). Es geht ihm um die Auseinandersetzung zwischen europäischer Zivilisation und ursprünglicher Naturverbundenheit. Immer wieder klingt das Motiv des „edlen Wilden“ an, der den wahren Wert und Sinn des Lebens viel besser erkannt hat, als der auf Macht und Reichtum fixierte Europäer. Letztendlich ist die Geschichte des Helden eine Entwicklungsgeschichte, in der er lernt, dass der Goldschatz gar nicht so wichtig ist.

Was findet er am Ende? Eigentlich nur das, was er schon von Kindheit an gehört hat und was sein Herz höher schlagen ließ: Das Rauschen des Meeres.

Kein Buch von dem ich ganz unmittelbar begeistert und gefesselt bin. Es hat seine Längen, man muss sich durchkämpfen, der Schreibstil ist teilweise etwas ausufernd und kompliziert. Aber trotzdem hat der Stil und auch die Geschichte eine gewisse Magie, die einen bezaubert, die einen hinein nimmt in eine fremde Welt. Wer gerne auch mal etwas anspruchsvolleres liest und es dabei schätzt, dass trotzdem noch einen Geschichte erzählt wird (wenn auch auf etwas schleppende Weise) und der sich auch von manchmal etwas langen Natur- und Seefahrerbeschreibungen abschrecken lässt, für den ist es das richtige Buch.

Ich hab es nach dem Lesen erst einmal etwas unzufrieden (auch über den Schluss) aus der Hand gelegt. Aber nachdem sich das Buch gesetzt hat und ich ein bisschen darüber nachgedacht habe, finde ich den Roman gar nicht so schlecht: er hat seinen Zauber, seinen Reiz, er regt zum Nachdenken über die eigenen Kindheitsträume und Sehnsüchte an.

Zitate:

„Bedürfen sie [die Seevögel] des Goldes, der Reichtümer? Ihnen genügen der Wind, der Morgenhimmel, das Meer, das von Fischen strotzt, und die Felsen, die aus ihm emporragen, ihrem einzigen Schutz vor den Unwettern.“ (S.221)

„Das Gold ist nichts wert, man muß keine Angst vor ihm haben, es ist wie die Skorpione, die nur den stechen, der Angst hat.“ (S.273)

„Mir scheint, mit dem Tod meines Vaters habe ich begonnen, rückwärts zu schreiten, einem Vergessen entgegen, das ich nicht akzeptieren kann, das mich für immer von dem entfernt, was meine Kraft war, meine Jugend. Die Schätze sind unerreichbar, unwirklich. Sie sind das ‚Narrengold‘, das die schwarzen Goldsucher mir bei meiner Ankunft in Port Mathurin gezeigt haben.“ (S.365)

Benedict Wells: Spinner

Der zweite Roman von Benedict Wells. Seinen ersten, Becks letzter Sommer, fand ich sehr gut. Es wirkt mit einer erstaunlichen Leichtigkeit geschrieben zu sein und hat viele ungewöhnliche Charaktere. Dieses zweite Buch scheint ein sehr persönliches Buch zu sein. Die Hauptfigur ist Jesper Liers, der sich als Schriftsteller versucht, aber – zumindest für die Zeit der Romanhandlung – daran scheitert. Wie Benedict Wells wächst er in Münschen auf und zieht nach Berlin. Wie sein Erschaffer versucht er nicht zu studieren, sondern Schriftsteller zu werden.

Ich denke, der Autor verarbeitet in diesem Roman viele seiner Ängste und Schwierigkeiten als angehender Schriftsteller. Das zeigt sich auch in der langen Entstehungszeit dieses Romans. Wells hat ihn 2003 mit 19 Jahren angefangen, erschienen ist er 2009. Also genau in den Jahren, in denen bei Wells selbst die Entscheidung für seinen Weg als Schriftsteller gefallen ist.

Jesper Liers ist ziemlich am Ende. Er zog nach der Schule nach Berlin und spielt sich selbst und anderen die Rolle des verkannten Genies vor, der an einem wirklich großen Roman arbeitet. Studieren tut er nur zum Schein, die ganze etablierte Welt um sich herum verachtet er und seine ganzen Hoffnungen hängen an seinem großen Romanwerk, das er nachts, am Ende nur noch mit Hilfe von Alkohol und Schlaftabletten zu Ende bringt. Das einzig große an dem Roman ist allerdings der Umfang: über 1500 Seiten…

Freunde hat er so gut wie keine, nur der schwule Gustav und Frank einen ehemaligen Klassenkameraden, der ziemlich verunsichert ist und wenig Selbstvertrauen hat. Jesper träumt von der großen Liebe, doch die Realität sieht erbärmlich anders aus. Im Lauf des Romans steuert er immer deutlicher auf die große Katastrophe zu. Wie es ausgeht erwähn ich hier nicht, … selbst lesen!

Wie im ersten Roman geht es um ziemlich ungewöhnliche und herunter gekommene Typen. Vom Stil her schlägt Wells einen ähnlich lockeren und flüssigen Ton an. Die Stimmung ist noch etwas düsterer.

Mir persönlich hat „Becks letzter Sommer“ besser gefallen. Aber auch diesen Roman hab ich gern gelesen. Erst im Nachhinein wurde mir deutlich, wie persönlich dieser Roman ist. Es ist ein Roman über das Erwachsen werden, über das Finden des richtigen Weges, über das Verlieren von Träumen und die Angst vor den Festlegungen der Realität. Aber letztendlich auch um den Mut, sich der Realität zu stellen und Entscheidungen für sein Leben zu treffen. Man kann nicht immer nur in seiner Traumwelt leben und vor dem wirklichen Leben fliehen.

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon

„Ein fesselndes Abenteuer. Ein wunderbarer Roman.“ So steht es auf der Titelseite dieses Buches. Ein Zitat aus einer Rezension des Spiegels. Fesselnd fand ich den Roman nun nicht unbedingt. Er hat seine Längen, zieht sich etwas in die Länge und vom Geschehen her passiert rein äußerlich gesehen gar nicht viel fesselndes. Aber dass es ein wunderbaren Roman ist finde ich trotzdem.

Zum Inhalt: Der staubtrockene Lehrer Raimund Greogorius bricht plötzlich aus seiner Welt aus. Er unterrichtet seit Jahrzehnten alte Sprachen und eines Tages steht er im Unterricht einfach auf und geht. Er fährt mit dem Zug nach Lissabon. Im Hintergrund steht eine zufällige Begegnung mit einer portugiesischen Frau, bei der ihn der Klang ihrer Sprache fasziniert und ein portugiesisches Buch, das ihm in die Hände fällt.

In Lissabon erforscht Gregorius das Leben des geheimnisvollen Autors des Buches. Er lernt verschiedene Menschen kennen, die dem Schreiber des Buches, Amadeo de Prado, nahe standen. Er erfährt einiges über sein Schicksal, seine Träume, seine Leiden, seine scharfsinnigen Gedanken und auch über die portugiesische Widerstandsbewegung.

Es geht in dem Buch v.a. um die innere Entwicklung der Hauptpersonen Gregorius und vermittelt durch ihn auch um de Prado. In der Begegnung mit dem inzwischen verstorbenen de Prado findet der korrekte schweizerische Schullehrer eine neue Seite an sich selbst und auch ein neues Leben, eine neue Freiheit.

Mir hat das Buch gefallen. Besonders schön finde ich die Hochschätzung der Sprache und des scharfsinnigen Nachdenkens über das Leben. Für den Sprachlehrer Gregorius ist eine Sprache mehr als ein Hilfsmittel, er lebt in der Sprache und er entdeckt zum ersten mal mit dem Portugiesischen auch eine lebendige Sprache.

Gut fand ich auch die Grundidee des Buches. Wie ist es, wenn einer aus seinem bisherigen Leben ausbricht. Wenn er spürt, dass es irgendwie noch mehr geben muss. Wenn er sich aufmacht in ein fremdes Land, in unbekanntes Gebiet…

Benedict Wells: Becks letzter Sommer

So, in den nächsten Tagen stelle ich noch einige Artikel online zu Büchern, die ich während der Reha gelesen habe. Legen wir los mit Bededict Wells:

Wow, was für ein Roman! Eigentlich wollt ich noch dazu schreiben: …für einen Dreiundzwanzigjährigen! Aber unabhängig vom Alter des Autors ist dieses Buch einfach gut. Um so erstaunlicher ist es jedoch, dass der Autor erst dreiundzwanzig ist und er in diesem Alter schon solch einen gut geschriebenen, ideenreichen, witzigen und an vielen Stellen tiefgründig-melancholischen Roman über den Sinn des Lebens vorlegt.

Die Hauptperson des Romans ist Robert Beck, ein Musik- und Deutschlehrer Ende Dreißig. Als junger Mensch hatte er jede Menge Träume. Er machte Musik und träumte davon, mit seiner Band groß raus zu kommen. Doch dann wurde er aus der Band raus geschmissen und desillusioniert wählte er für sein weiteres Leben die sichere und langweilig-bürgerliche Variante: Er wurde – wie schon sein Vater – Lehrer. Doch in seinem Inneren spürt er, dass dieses Leben nicht genug ist für ihn. Auch in der Liebe ereignet sich nichts besonderes. Er hat eine Reihe kurzlebiger Beziehungen, die immer wieder an seiner Gefühlskälte und seiner Bindungsangst scheitern.

Das ändert sich, als er herausfindet, dass einer seiner Schüler, Rauli, ein hochbegabter Gitarrist und Musiker ist, ein richtiger „Gitarregott“, der scheinbar mühelos auf seiner Gitarre die schwierigsten Sachen spielt und dem ohne Probleme einfach himmlisch schöne Melodien einfallen. Beck wittert seine Chance, aus dem grauen Einerlei heraus zu kommen und als Manager und Songschreiber des Jungen doch noch zu Ruhm und Erfolg im Musikbusiness zu kommen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht: Beck freundet sich zwar mit dem Jungen an, musiziert mit ihm, finanziert eine Demo-CD und eine Releaseparty, aber Rauli ist ein notorischer Lügner und er führt Beck immer wieder hinters Licht. Es kommt wie es kommen muss: Becks Träume gehen nicht in Erfüllung. Rauli bekommt einen Vertrag von einer großen Plattenfirma – ohne Beck als Manager.

Ein anderer Handlungsstrang erzählt von Becks großer Liebe: Laura. Obwohl er selbst nicht mehr daran glaubt, erwischt ihn mit dieser Frau die große Liebe. Es dauert lange, bis er das erkennt. Aber auch in dieser Beziehung scheitert er kläglich. Laura verlässt ihn letztendlich. Eine weitere Person in dieser Geschichte ist Charly. Er war in Becks früherer Band Schlagzeuger und er verließ mit Becks Rausschmiss aus Solidarität auch die Band. Seitdem ist er der einzig wirkliche Freund von Beck. Charly ist ein großer, muskelbepackter Schwarzer mit psychischen Problemen und Drogenproblemen.

All diese skurrilen Figuren und gescheiterten Existenzen verwebt Wells zu einer spannenden und immer wieder überraschenden Geschichte. Zu den Überraschungen zählt auch, dass der Erzähler irgendwann im Buch selbst auftaucht und von seiner eigenen Geschichte mit Beck berichtet. Das wirkt zwar an manchen Stellen etwas gekünstelt, aber ist eine interessante Idee, um noch einmal einen anderen Blick auf die Hauptperson zu gewinnen.

Mir hat das Buch gefallen. Ich hab es gern gelesen. Wells wirft einen illusionslosen und manchmal harten Blick auf das Leben. Aber immer wieder blitzt auch Hoffnung auf, immer wieder blitzt die Freude am Leben auf. Wells schreibt kurzweilig, gut lesbar, ideenreich und doch nicht oberflächlich. Es geht ihm nicht nur darum, eine spannende und skurrile Geschichte zu schreiben, die unterhaltsam ist, sondern er will den Leser anregen, über sein eigenes Leben nachzudenken: Was sind meine Träume? Was sind meine gescheiterten Träume? Was sind die Träume, die ich nie gewagt habe zu verwirklichen?

Die Botschaft dieses Buches ist – zumindest hab ich es so verstanden: Lebe deine Träume, auch wenn du daran scheiterst. So musst du am Ende keinen verpassten Chancen hinterher trauern, sondern kannst sagen: Ich hab’s zumindest versucht. Für mich als Christ greift das zu kurz. Selbstverwirklichung ist nicht das einzige und größte Ziel im Leben. Für mich ist der Glaube und das Vertrauen auf Gott noch einmal eine ganz andere und tiefere Dimension, die mein Leben wirklich sinnvoll macht…

Auto-Pilot aus

Hatte heute Nacht einen Traum, den ich behalten konnte, weil ich gleich danach aufgewacht bin und er mir besonders eindrücklich war. Normalerweise vergisst man ja die meisten Träume wieder… In dem Traum war ich nachts im Auto unterwegs. Allerdings saß ich nicht vorne am Steuer, sondern auf der Rückbank und achtete auch nicht besonders auf den Weg. Am Steuer sass niemand, das Auto schien von einer Art Auto-Pilot gesteuert zu sein. Was mich aber nicht besonders beunruhigte, da das Auto seinen Weg durch die Straßen und Städte zu finden schien. Irgendwann fragte ich mich, wo ich eigentlich bin und wo ich eigentlich hin wollte. Ich schaute aus dem Fenster und konnte Bäume und Straßen einer unbekannten Stadt erkennen. Und ich hatte keine Ahnung wo ich hinwollte und was ich tun wollte. Dann bin ich aufgewacht.

Mich hat der Traum ins Nachdenken gebracht: Fahren wir nicht meist genau so durch unser Leben? Mit Auto-Pilot den Alltag bewältigen ohne genau zu wissen, warum und wozu wir das alles tun. Ohne uns bewusst zu sein, wo unser Ziel ist? Mir kommt meine Erkrankung und die Zeit hier im Krankenhaus ein bisschen so vor, als ob Gott (auf ziemlich radikale Weise) den Auto-Piloten abschaltet. Mein Leben kommt zum Stillstand, Ruhe kehrt ein, raus aus dem Alltag, aber anders als Urlaub: nicht so viel Abwechslung und Zerstreuung. Fast ein wenig wie ein Kloster-Aufenthalt: Reduktion des Lebens auf Grundfunktionen. Auto-Pilot aus und Konzentration auf das Wesentliche: Was ist dir wichtig im Leben? Worauf kommt es an?

Ich erlebe das alles nicht als ein Verlassensein von Gott, sondern im Gegenteil, als eine neue Tiefe in der Beziehung zu ihm. In all dem weiß ich mich getragen. Er ist da! Ich weiß, dass diese Einstellung im Alltag zwangsläufig wieder verloren geht. Alltag geht nicht ohne Auto-Pilot. Aber die Zeit jetzt hilft mir, wieder neu die Richtung zu bestimmen, mich wieder neu an Gott auszurichten.

Noch ein ganz profaner Nachtrag: Heute morgen musste der Bluterguss unter meiner Wunde noch mal punktiert werden und somit hab ich meinen Turban wieder auf… 😉 Voraussichtlich darf ich am Mittwoch wieder nach Hause.

Apostelgeschichte 2, 42-47 – Ein Traum von Kirche

Hab zu dem Text am vergangenen Sonntag gepredigt. Was mich bei dem Text und den Erklärungen von Douglass besonders beschäftigt hat, war der enorme Kontrast „zwischen dem hier Beschriebenen und der real existierenden Kirche“ (S.299). Dieses Idealbild von Gemeinde, das Lukas hier zeichnet kann einen entweder in die Verzweiflung treiben oder aber zum hoffnungsvollen Träumen animieren. Das eine lähmt und zerstört, wogegen das andere motiviert und auferbaut.

Genesis 12, 1-4 – Glaube heißt Unterwegssein

Glauben heißt: „Unterwegs-Sein“. Diesen Schluss zieht Klaus Douglass aus der Abrahams-Geschichte (S.84). Glaube ist nicht nur eine Sache des Kopfes, sondern der Füße. Glauben ist nicht ein Zufrieden-Sein mit dem Ist-Zustand, sondern das Gehen auf ein Ziel hin. Glaube lebt, wächst, bewegt und verändert sich. Und natürlich darf dann in diesem Zusammenhang auch ein kleiner Seitenhieb auf die Institution Kirche nicht fehlen: Dass aus einer Bewegung eine Instituion geworden ist, hat der Christenheit nicht gut getan (S.84).

Ich stimme dem allem völlig zu und ich finde es toll, wie er das beschreibt und wie er Mut dazu macht, die Komfortzone zu verlassen und mehr zu wagen (bzw. mehr zu vertrauen: Vertrautes hinter sich zu lassen und statt dessen sich auf Gottes Wort verlassen). Aber ist das alles? Können wir im Glauben nicht auch mal irgendwo ankommen, anstatt immer nur unterwegs zu sein? Ist Glaube nicht auch Heimat finden, anstatt immer nur „heimatlos“ auf dem Weg zu sein? Ich möcht auch gern mal ankommen und Ruhe finden, anstatt immer nur von einer besseren Zukunft zu träumen und dieser besseren Zukunft hinterher zu rennen.

Matthäus 2, 13-15 – Traumhaft

Erstaunlich wie oft auf den ersten Seiten des Neuen Testaments Gott durch einen Traum redet. Und erstaunlich wie bereitwillig und eifrig Maria und Josef diesen Träumen folgen. Ich das noch nie so erlebt, dass Gott deutlich zu mir im Traum spricht. Aber trotzdem weiß ich, dass das auch heute noch geschehen kann.

Erst vor kurzem habe ich mit einer Frau gesprochen, die etwas total abgefahrenes erzählte. Ähnlich abgefahren wie bei Maria und Josef damals. Sie hatte einen Traum. Und zwar träumte sie von einem Brautkleid. Am Morgen danach hat sie ihrer Tochter (aus einer geschiedenen Ehe) davon erzählt und beide haben über den Traum herzlich gelacht. Einige Zeit später hat sie in einem Diakonieladen ein Brautkleid gesehen – und es war genau das Brautkleid aus dem Traum! Sie hat das Kleid dann nicht gekauft, weil zu der Zeit noch nicht einmal eine feste Beziehung mit einem Mann da war. Eine Freundin hat ihr dann das Kleid gekauft und geschenkt. Der passende Mann kam dann auch noch dazu… Und inzwischen planen die beiden zu heiraten.

Vielleicht sollte ich versuchen, mich mehr an meine Träume zu erinnern…