Lukas 6, 43-46 Ein guter Mensch

In meiner Bibel streiche ich mir wichtige Bibelverse mit unterschiedlichen Farben an. Bei V.45a bin ich mir nicht sicher, wie ich das anstreichen soll: „Ein guter Mensch bringt gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens.“ Ist das eher ein Gebot und eine Aufforderung, oder ist das eher eine Verheißung? Soll ich mich anstrengen ein guter Mensch zu sein, oder kommt es gar nicht auf mein Bemühen an, sondern nur darauf, ob ich ein guter oder böser Mensch bin? Ist das Gut-Sein ein Geschenk, welches dann auch automatisch Früchte trägt, oder muss ich daran arbeiten?

Ich denke irgendwie ist beides richtig. Es ist auf jeden Fall eine Verheißung. Wo Gott die Herzen nicht verändert, da kann nichts Gutes entstehen. Das macht die Bibel ja immer wieder deutlich: wir Menschen können uns nicht selbst von unserer Bosheit und Sünde befreien. Nur Gott kann Erlösung und Erneuerung schenken. Aber es ist auch eine Aufforderung: Lebe auch dementsprechend. Im Losungstext gestern hieß es: „Lernt Gutes tun!“ (Jes.1,17) Gutes tun muss demnach aus eingeübt werden. Lernen geschieht über Wiederholung. Je öfter ich etwas wiederhole, desto besser kann ich es.

Also beides: Verheißung und Aufforderung. Die Verheißung entlastet mich vor Überforderung. Es hängt nicht alles von meiner Kraft und meinem Willen ab. Gott wirkt in mir. Die Aufforderung bewahrt mich vor falscher Bequemlichkeit und Trägheit. Gott traut mir zu, dass ich das Gute, das er mir schenkt auch ausnütze und umsetze.

| Bibeltext |

Matthäus 13, 31-33 – Ich will Bäume sehn!

SenfkörnerWie kommt es eigentlich, dass ich jetzt – im Jahr 2009 – immer noch so viele Senfkörner sehe, anstatt den versprochenen Baum? Jesus sagt, dass das Reich Gottes beginnt wie ein einzelne kleines Senfkorn. Aber es wächst und wird groß wie ein Baum (eine ausgewachsene Senfstaude wird zwar nicht zu einem richtigen Baum, aber sie kann bis zu drei Meter hoch werden). So langsam, knapp 2000 Jahre später müsste doch aus dem Senfkorn ein bisschen was geworden sein. Wo bleibt der Baum, von dem Jesus spricht?

Wenn ich uns Christen, vor allem hier in Deutschland, anschaue, dann denke ich eher an ein Senfkorn. Das ist alles so klein und so wenig sichtbar. Klar, es geschieht so manches, aber müsste das nicht viel mehr sein? Wo bleibt das Reich Gottes? Wo richtet Gott wirklich seine Herrschaft auf? Es gibt so wenige Menschen in Deutschland, die Jesus wirklich von Herzen lieben. Und selbst in den christlichen Gemeinden gibt es so viel Streit, Unzufriedenheit und Trägheit. Auch bei mir selbst ist vieles noch so klein und unbeutend – obwohl ich schon jahrelang Christ bin. Immer nur Senfkörner! Nichts als Senfkörner! Ich will Bäume sehn!
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