Hesekiel 32 Das Totenreich

Im zweiten Teil dieses Kapitels malt Hesekiel aus, wie das stolze Volk der Ägypter im Totenreich von anderen Völkern empfangen wird. Für mich ist es immer wieder überraschend und faszinierend, wie wenig sich das Alte Testament mit dem Jenseits beschäftigt. Wichtiger als das Schicksal des Einzelnen scheint das Schicksal des Volkes zu sein. Es gibt im Alten Testament nur vage Andeutungen. Ganz allgemein gibt es die Vorstellung von einem Totenreich, in das aber nicht nur Ungerechte kommen, sondern jeder. So rechnet z.B. Jakob damit, dass er nach seinem Tod in das Totenreich (Scheol) kommt (Gen. 37,35). Nur an wenigen Stellen leuchtet Hoffnung auf, auf eine Gemeinschaft mit Gott über den Tod hinaus.

Auch Hesekiel 32 will keine Lehre vom Jenseits entfalten, sondern ist ganz auf das Diesseits konzentriert: es geht darum, den Ägyptern deutlich zu machen, dass all ihre Macht und all ihr Reichtum einmal vergehen wird. Und dann werden sie nichts mehr davon haben. Und noch viel mehr als die Ägypter sind wohl die unmittelbaren Hörer dieser Botschaft angesprochen: die Israeliten. Ihnen soll deutlich werden, dass Ägyptens Macht schon gebrochen ist, dass Ägypten praktisch schon zum Totenreich gehört und sich das Volk Gottes nicht Hilfe vom scheinbar starken Ägypten erhoffen sollte.

Aus neutestamentlicher Sicht scheint es verstörend, dass im Alten Testament so wenig deutlich wird, was nach dem Tod passieren wird und dass so wenig Unterschied gemacht wird zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Aber ich denke, wir können da durchaus auch etwas lernen und unsere scheinbaren Gewissheiten auch mal ein bisschen hinterfragen. Dazu habe ich ein passendes Zitat gefunden: „Vom Alten Testament könnten wir lernen, Zurückhaltung zu üben gegenüber allen Versuchen, das „Jenseits“ uns auszumalen. Dass Gott selbst unsere absolute Zukunft ist, genügt als letzte Auskunft, um die Kraft der Erahnung zu entfalten, die viel gewichtiger ist als jede Vorstellung.“ (Alfons Deissler, Wer bist Du Mensch? Freiburg 1985, S. 20)hes

| Bibeltext |

1. Petrus 3, 18-22 – Was tat Christus in der Hölle?

Mal wieder so eine Stelle, über die sich herrlich theologisieren uns streiten lässt. Eine mysteriöse Aussage, die reichlich Freiraum lässt für alle möglichen Spekulationen: Christus ist hingegangen und hat den Geistern gepredigt, die einst (zur Zeit Noahs) ungehorsam gewesen sind (V.19f). Dem Zusammenhang nach sind mit den Geistern Menschen gemeint, die zur Zeit Noahs gelebt haben und sich nun als Geister im Totenreich befinden. Diese Stelle wird dann oft im Zusammenhang mit 1. Petr. 4,6 gesehen: Dort steht, dass den Toten das Evangelium verkündigt wurde. Damit in Verbindung setzen kann man dann noch Eph. 4,9, wo gesagt wird, dass Christus hinabgefahren ist in die Tiefen der Erde. Diese Vorstellung hat es sogar bis hinein ins apostolische Glaubensbekenntnis geschafft: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“

Aber was denn nun genau mit diesen Bibelstellen gemeint ist und wie man dieses „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ ausdeuten soll, dass ist sehr spekulativ und umstritten. Die Schwierigkeit ist, dass es nur wenige Stellen sind und dass sie eher in Andeutungen, als in klaren Aussagen sprechen. Man kann aus diesen Stellen – wenn man will – sehr viel heraulesen oder auch hineindeuten. Ist Christus nach dem Kreuzestod drei Tage in der Hölle gewesen und hat dort den Toten das Evangelium verkündigt? Wenn ja mit welcher Absicht? Haben selbst die Toten noch eine Chance, das Evangelium zu hören und zu Gott umzukehren? Oder geht es „nur“ um eine Proklamation des Sieges Gottes in der Unterwelt?

Wie gesagt, dieses Thema eignet sich in besonderer Weise für alle möglichen Spekulationen. Ich für mich möchte diese wenigen Stellen einfach mal als etwas rätselhaft stehen lassen. Ich muss ja nicht alles ganz genau verstehen. Und wenn Jesus dort unten war… naja, warum nicht? Und was der da gemacht hat… naja, das kann mir ja eigentlich ziemlich egal sein. Viel wichtiger für mich ist doch, was er für mich getan hat, der ich hier noch recht lebendig über der Erde bin. Und da gibt es in diesem Abschnitt viel entscheidendere und klarere Aussagen: Er hat für unsere Sünden gelitten, damit er uns zu Gott führt! Anstatt über irgendwelche Theorien zu spekulieren, freue ich mich lieber darüber, dass ich durch Christus leben darf und er mich zu Gott führt!
Bibeltext