Apostelgeschichte 26, 24-32 Nicht überzeugt

Interessant wie Festus und Agrippa auf die Verteidigungsrede des Paulus reagieren. Beide sind sich einig, dass Paulus nichts getan hat, was eine Verurteilung nach römischen Recht zuließe (V.31). Für Festus sind die Ausführungen des Paulus so abwegig, dass er zwar das große Wissen anerkennt, Paulus aber als wahnsinnig bezeichnet. Agrippa dagegen scheint durchaus beeindruckt, drückt sich jedoch mit einer leicht ironischen Äußerung davor, wirklich Stellung zu beziehen (V.28). Letztendlich kann Paulus die beiden zwar von seiner Unschuld überzeugen, aber nicht von seinem Glauben. Für sie ist er ein harmloser, aber auch nicht überzeugender Spinner.

Von diesen Erfahrungen her wird die Aussage von Paulus in 1. Kor. 1,23 plastisch: Der gekreuzigte Christus ist den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. Genau diese Erfahrung wird in der Apostelgeschichte beschrieben. Die Juden ärgern sich über die Predigt des Paulus. So sehr, dass sie ihn tot sehen wollen. Die griechisch gebildeten Römer nehmen Paulus Predigt gar nicht richtig ernst und tun sie als töricht, abwegig oder sogar wahnsinnig ab. Manche erkennen vielleicht das große Wissen an, oder sind in gewisser Weise beeindruckt, aber behalten doch innerlich eine ironische Distanz. Das war damals gar nicht viel anders als heute.

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Sprüche 26, 1-12 Torheit und Weisheit

In diesen Sprüchen geht es um Toren, bzw. Narren. Das sind im biblischen Sinn nicht einfach Dummköpfe, sondern Menschen, die ihr Leben ganz bewusst ohne Gott gestalten wollen. Das biblische Gegenbild ist der Weise, der sein Leben klug und in Demut vor Gott gestaltet. Mir ging es beim Lesen so, dass ich schwankte zwischen Ablehnung und Zustimmung. Ablehnung, weil ich mich fragte: kann man so überheblich und herablassend von anderen sprechen? Müssen wir nicht Verständnis für alle Menschen zeigen? Und Zustimmung, weil ich das Gefühl hatte, da redet jemand mal Klartext – was in unserer heutigen Welt nicht mehr selbstverständlich ist, weil wir auf alle und jedes Rücksicht nehmen, für alles Verständnis zeigen, gegenüber allem tolerant geworden sind, ja niemand verletzen wollen, immer politisch korrekt sein müssen und uns ja kein falsches Wort über die Lippen kommen darf.

Schön fand ich, dass im V.12 auch diejenigen, die sich selbst für weise halten, zurecht gewiesen werden. Es geht also nicht um eine überhebliche Haltung. Wahre Weisheit hat immer auch mit Demut zu tun.

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