2. Timotheus 4, 16-22 Gute Ratschläge

Am Ende macht Paulus noch einmal deutlich worauf es – auch für Timotheus – ankommt: am Evangelium festhalten, gerade gegen Widerstände und wenn man von anderen verlassen wird. Das Beeindruckende bei Paulus ist, dass er das nicht nur als schlauen Rat weitergeben kann, sondern dass er das an seinem eigenen Beispiel deutlich machen kann.

Solche Ratschläge sind überzeugend. Wenn man beim Anderen sieht, dass er selbst danach lebt und handelt, dann wirkt es gleich ganz anders. Wie schnell sind wir Christen dabei, von anderen zu fordern, was wir selbst nicht überzeugend leben! Das wird dann schnell überheblich und heuchlerisch. Für mich als Pastor gilt das in besonderer Weise – wir Pastoren sollen ständig anderen Ratschläge geben und dabei selbst überzeugende Vorbilder sein. Aber das gilt für uns alle: mehr Demut und Ehrlichkeit würde uns gut tun.

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2. Timotheus 4, 5-8 Nüchterne Leidensbereitschaft und visionärer Begeisterung

Interessant wie Paulus hier den Timotheus ermutigt: „Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.“ (V.5) Er stellt ihm keine großartigen Visionen für seine Gemeindearbeit vor Augen und er feuert nicht eine leidenschaftliche Begeisterung für den Glauben an, sondern er rät zu Nüchternheit, Leidensbereitschaft und Redlichkeit.

Natürlich weiß auch Paulus, dass Visionen und Begeisterung wichtig sind. Aber er weiß auch, dass solcher Optimismus und positive Gefühle auch ein Korrektiv nötig haben: Realismus und die Bereitschaft, an den Dingen die nicht so laufen wie erträumt, zu leiden. Beide Seiten gehören zum Glauben und zur Gemeinde dazu. Da muss jeder, auch in sich selbst, einen Ausgleich suchen zwischen dem begeisterten Pfingstler, der nur noch über dem Boden schwebt und die Realität der Welt gar nicht mehr an sich heran lässt und dem nüchternen Landeskirchler, dem vor lauter Realismus sein Glaube austrocknet.

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2. Timotheus 4, 1-4 Ohrenjucken

Paulus warnt Timotheus davor, dass die Menschen sich selbst nach eigenen Gelüsten Lehrer aufladen werden, „nach denen ihnen die Ohren jucken“ (V.3). Dieses Ohrenjucken ist nicht nur ein Problem bezüglich Irrlehrern in einer fernen Zukunft. Es betrifft jetzt schon jeden Christen. Denn wir alle hören am liebsten das, was wir von vornherein am liebsten hören würden.

Aus unserer postmodernen Perspektive wissen wir, dass jedes Hören auch einen subjektiven Anteil hat. Jeder setzt sich beim Hören den Sinn auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen und seines Verständnisses selbst zusammen. Und da hört man natürlich am liebsten das heraus, wonach einem sowieso die Ohren jucken. Gerade als Prediger ist es faszinierend und manchmal auch verstörend, was die Zuhörer so manches mal aus einer Predigt für sich selbst heraus hören.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gar nicht so dramatisch und im Gegenteil, es kann sogar bereichernd werden. Schwierig wird es dann, wenn ich gar nicht mehr offen bin für das fremde Wort Gottes, wenn ich bei Predigt und Bibellese nur noch das heraushöre, was meine festgefahrene Meinung bestätigt und wenn Gott gar keine Chance mehr hat, mich zu korrigieren. Die größte Veränderung im Leben bringen eben nicht die Worte hervor, nach denen uns die Ohren jucken,sondern das Wort Gottes, das uns manchmal in den Ohren und im Herzen weh tut und aufrüttelt, das Wort Gottes, das manchmal so fremd und unverständlich ist, das Wort Gottes, das uns immer wieder neu überrascht.

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2. Timotheus 3, 14-17 Bleibe bei der Schrift

V.16 ist sehr bekannt und wird gerne verwendet, um die Inspiration der Schrift zu belegen: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Für mich war es interessant diesen Vers im größeren Zusammenhang zu lesen. Schriftinspiration ist im Kontext kein Thema und es wird in diesem Vers auch nur beiläufig in einem Nebensatz erwähnt. Auch will dieser Vers keine umfassende Beschreibung der Schrift geben.

Im Zusammenhang geht es um Irrlehrer, Leiden und Verfolgung. In diesem Abschnitt soll nun Timotheus ermutigt werden, bei dem zu bleiben, was ihm von Kind auf vertraut ist: die Schrift (für Timotheus war das übrigens das Alte Testament – das Neue Testament gab es damals noch gar nicht!). Das gibt ihm als Gemeindeleiter Halt gegen die falschen Lehren und wenn in der Anfeindung von Außen sein Glaube in Frage gestellt wird. Deswegen ist in dieser Zusammenfassung auch der lehrhafte und erzieherische Charakter der Schrift betont. Die Schrift hat sicher auch noch andere Aufgaben. Sie ist sehr viel vielschichtiger. Sie ist für uns auch Trost, leitet uns an zum Lob und zur Klage, sie ermutigt uns,… und noch vieles mehr.

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2. Timotheus 3, 1-13 Der Schein der Frömmigkeit

Paulus spricht von Menschen, die gottlos und schlecht leben, aber trotzdem den Schein der Frömmigkeit haben. Solche Menschen soll Timotheus meiden. Aber kann man die Grenzlinie so einfach ziehen? Auf der einen Seite die Guten und auf der anderen Seite die Bösen? Auch meine Frömmigkeit hat an manchen Stellen mehr Schein als Sein. Und ich kenn genügend andere Christen, die es durchaus ernst mit dem Glauben nehmen und doch immer wieder großen Mist bauen.

Für mich ist das entscheidende nicht diese Grenzlinie bei anderen zu ziehen, sondern bei mir selbst. Paulus setzt dem Schein der Frömmigkeit die Kraft der Frömmigkeit gegenüber (V.5). Geht es mir um den Schein oder um die Kraft des Glaubens? Zum Wesen des Glaubens gehört das hinfallen dazu. Wer nur den Schein der Frömmigkeit hat, für den stürzt damit alles zusammen. Wer die Kraft der Frömmigkeit sucht, der darf an Gottes Hand wieder aufstehen.

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2. Timotheus 2, 14-26 Krebsgeschwür des Bösen

In diesem Abschnitt wird Timotheus vor unnützem Streit mit Irrlehrern gewarnt. Zwei Beschreibungen sind mir besonders aufgefallen: „ihr Wort frisst um sich wie der Krebs“ (V.17) und „Verstrickungen des Teufels, von denen sie gefangen sind“ (V.26). Das Gefährliche am Bösen ist, dass es sich so langsam und fast unmerklich ausbreitet. Es wächst im Verborgenen, wie ein Krebs. Man verstrickt sich immer mehr darin und irgendwann, kann man sich gar nicht mehr daraus befreien.

In meinem Kopf ist jahrelang ein Tumor vor sich hingewachsen und ich hab nichts davon gemerkt! Er war nicht sichtbar, er war nicht eindeutig spürbar, er ist einfach langsam gewachsen und immer größer geworden. Ähnlich kann sich das Böse ausbreiten: es nistet sich im christlichen Leben ein und breitet sich langsam aus. Zunächst merkt man es gar nicht. Es sind scheinbar harmlose Worte und Gedanken. Es scheint alles in Ordnung zu sein – aber es steigert sich langsam, es frisst um sich. Irgendwann wird es dann offensichtlich und dann wird die Bekämpfung schon ziemlich schwierig. Es ist wie beim Krebs: je früher man es erkennt, desto leichter ist es zu bekämpfen.

Erstaunlich ist für mich, wie behutsam Timotheus mit diesem Krebsgeschwür des Bösen umgehen soll: Es soll Abstand halten (V.16), sich reinigen (V.21), dem Guten nachjagen (V.22), freundlich bleiben und das Böse ertragen (V.24) und mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen (V.25). Kein radikaler Kampf gegen das Böse, sich nicht verstricken lassen in eine Auseinandersetzung, keine Angriffsfläche bieten, sondern sich abwenden und dem Guten zuwenden.

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2. Timotheus 2, 8-13 Treue

Sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (V.13) Der Kontext macht deutlich, dass es hier nicht um eine billige Entschuldigung für menschliche Leichtfertigkeit geht – im Zusammenhang geht um Christen, die um ihres Glaubens willen leiden, dulden, kämpfen, ja sogar sterben. Es geht um echten Trost, wenn wir trotz allem guten Willen Gott doch untreu werden: Gott hält uns trotzdem fest.

Ja, wir können immer nur Stückwerk vollbringen. Wir fallen viel zu oft auf die Nase. Wir versagen. Wir sind untreu. Wenn wir nur auf uns und unsere schwache Kraft schauen würden, dann müssten wir verzweifeln. Wie gut, dass wir auf Gottes Kraft und seine Treue schauen dürfen.

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2. Timotheus 2, 1-7 attraktiv und bequem?

Leiden (V.3), Krieg (V.4), Kampf (V.5),… das klingt nicht gerade attraktiv und bequem. Aber Glaube ist nicht immer attraktiv und bequem. Die Wahrheit ist nicht immer attraktiv und bequem. Glaube, Hoffnung, Liebe, Hingabe, wahres Leben,… das lässt sich nicht mit solchen Wohlfühlkategorien beschreiben. Sich mit Drogen die Sinne benebeln, scheint auch attraktiv und bequem zu sein, sich mit dem Strom in den Abgrund treiben zu lassen, scheint auch bequem und attraktiv – aber wo führt es hin?! Dann lieber den scheinbar schweren Weg gehen und wahrhaft frei werden.

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2. Timotheus 1, 12-18 Heilsame Worte

In dem Abschnitt bin ich besonders an dem Ausdruck „heilsame Worte“ hängen geblieben. Gemeint ist damit die Botschaft des Evangeliums. Von der Übersetzung her müsste man eigentlich eher übersetzen „gesunde Worte“, im Sinn von gesunder und korrekter Lehre. So übertragen es auch viele andere Bibelübersetzungen.

Doch von der Sache her gefällt mir Luthers Übersetzung außerordentlich gut: Worte des Evangeliums sind nicht nur für sich selbst genommen gesund und korrekt, sondern sie sind auch heilsam für den, der sie hört. Es geht nicht um eine Lehre, welche im abstrakten Sinn korrekt und gesund ist, sondern um Worte, welche dem Hörer Heil und Rettung vermitteln. Gesund können unsere Worte als Christen nur sein, wenn sie für andere heilsam sind. Wie wirken meine Worte für meine Mitmenschen? Sind es heilsame Worte?

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2. Timotheus 1, 6-11 Kraft zum Leiden

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (V.7) Schön! Ermutigend! Tröstend! Aber es ist auch ganz gut mal anzuschauen, wie dieser beliebte Vers fortgesetzt wird. Wozu hat uns Gott diesen Geist der Kraft gegeben? Um siegreich und triumphierend durchs Leben zu ziehen?

Nein. Paulus setzt diesen Gedanken folgendermaßen fort: „…sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“ (V.8) Gott schenkt uns nicht einen Geist der Kraft, der alle Probleme mit links aus dem Weg räumt oder der uns dazu verhilft, im Sinne eines Wohlstandsevangliums, materiell reich gesegnet durchs Leben zu spazieren. Nein. Gott schenkt uns den Geist der Kraft, damit wir leiden können. Kein Selbstmitleid, sondern Leiden um des Evangeliums willen.

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