2. Thessalonicher 2, 6-18 Ordentlich leben

An prominenter Stelle – kurz vor Briefschluss – weist Paulus scharf einige Personen aus der Gemeinde zurecht. Es geht um Menschen, die „unordentlich leben und nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben“ (V.11). Wir kennen leider die genauen Hintergründe nicht. Es geht wohl um Christen, welche die normale Ordnung verlassen haben – sie arbeiten nicht, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei sind sie nicht untätig oder faul, sondern treiben „unnütze Dinge“. Was damit gemeint ist, bleibt offen. Es könnte sich um endzeitliche Schwärmern halten, welche aufgrund einer Naherwartung ihr normales Leben aufgegeben haben und sich von anderen Menschen aus der Gemeinde durchfüttern lassen. Paulus gebietet ihnen (das ist mehr als ein freundlicher Hinweis) und ermahnt sie im Namen Jesu, „dass sie still ihrer Arbeit nachgehen und ihr eigenes Brot essen.“ (V.12)

Allerdings hat ja auch Jesus selbst seinen Zimmermannsberuf an den Nagel gehängt, ist durch die Lande gezogen und hat sich von anderen versorgen lassen. Dazu hat er auch noch andere aus ihrem Beruf heraus gerissen, um ihn zu begleiten, von ihm zu lernen und selbst zu predigen. Auch seine Jünger haben von den Wohltaten anderer gelebt. Der Punkt für Paulus ist wohl mehr das „unordentliche Leben“ und das „treiben von unnützen Dingen“. Die Botschaft des Neuen Testaments soll uns nicht zu einem schwärmerischen Leben ins Blaue hinein verleiten, in welchem die ökonomischen Ordnungen dieser Welt nicht mehr gelten, sondern auch als Christen bleiben wir für uns selbst und für andere verantwortlich.

Das ist ein interessanter Gegenpol zur Bergpredigt, in der wir ja aufgefordert werden, uns keine Sorgen um den morgigen Tag zu machen. Wir sollen darauf vertrauen, dass Gott für uns sorgt und uns in erster Linie um das Reich Gottes kümmern. Das ist auf einer tieferen, existentiellen Ebene sehr richtig, aber auf der rein praktischen Ebene darf es uns nicht dazu verleiten, alle alltäglichen und irdischen Ordnungen abzulegen. Noch sind wir nicht im Himmel…

2. Thessalonicher 2, 13 – 3, 5 Nicht jedermanns Ding

Ganz nüchtern und realistisch sagt Paulus hier: „Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“ (V.2) Tja, diese Erfahrung machen wir nicht erst im postmodernen und säkularen Deutschland, sondern die hat schon Paulus vor knapp 2000 Jahren gemacht. Obwohl er einer der „erfolgreichsten“ Missionare aller Zeiten war, hat auch Paulus nur eine Minderheit mit seiner Botschaft erreicht. Obwohl Gott alle Menschen erschaffen hat und er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden (1. Tim. 2,4), haben die Meisten keine Antenne für den Glauben. Aber sollen wir deswegen resignieren? Nein, Paulus blieb treu. Er ging seinen Weg weiter und schaute auf Gott, denn „der Herr ist treu“ (V.3).

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2. Thessalonicher 2, 1-12 Alle Klarheiten beseitigt

Schon im ersten Thessalonicherbrief hat Paulus Endzeitspekulationen angesprochen, die wohl in der Gemeinde umgegangen sind. Er hat klar gesagt, dass niemand sagen kann, wann der Tag des Herrn kommt – er wird kommen wie ein Dieb in der Nacht (1.Thess.5,2). Das ist nicht voraussehbar und nicht berechenbar. Damit hatte sich aber offensichtlich das Thema in Thessalonich nicht erledigt. Auch im zweiten Brief muss Paulus den Empfängern deutlich machen, dass der Tag des Herrn noch nicht da ist (V.2). Es gab wohl Leute, die das Gegenteil behauptet haben! Paulus argumentiert, dass sich vorher noch einmal deutlich die Mächte des Bösen zeigen und der „Widersacher“ (V.4) Gottes auftreten wird. Erst dann wird Christus kommen und die Macht des Bösen endgültig besiegen (V.8).

Ob Paulus damit die Endzeitspekulationen der Thessalonicher beendet hat? Ich zweifle daran. Da brauchen wir nur die Kirchengeschichte anschauen: bis heute gab und gibt es Christen und christliche Gruppierungen, die sich mit ähnlichen Endzeitspekulationen und den damit verbundenen Ängsten beschäftigen und davon fasziniert sind. Außerdem geht es zumindest mir so, dass die Erklärungsversuche des Paulus gerade neuen Spielraum für Spekulationen eröffnen: Wer könnte dieser Widersacher sein? Könnte es ein irdischer Mensch sein oder wird es eine übersinnliche Erscheinung sein? Was könnten die „lügenhaften Zeichen und Wunder“ (V.9) sein, von denen Paulus spricht? Von wem und wie wird der Widersacher aufgehalten (V.7)? Der ganze Abschnitt ist so geheimnisvoll und apokalyptisch formuliert, dass er bei mir mehr Fragen aufwirft, als dass er zur Klärung beiträgt.

Ich denke das ist ein grundsätzliches Problem bei solchen Aussagen über die Zukunft und Vollendung unserer Welt. Da müssen ganz einfach Fragen offen bleiben, weil wir das jetzt noch gar nicht alles verstehen und wissen können, was auf uns zukommt. Nicht einmal der Sohn Gottes kennt den Tag der Wiederkunft (Mt.24,36) – wie sollten wir dann darüber mehr wissen? Mit kommt es so vor, dass es hier um Fragen geht, die auch ein Paulus nicht klären kann. Mit jeder Frage, die er zu beantworten versucht, entstehen aber zehn neue Fragen. Die Grundrichtung ist klar: Jesus Christus wird wiederkommen und das bzw. den Bösen besiegen. Bei allen weiteren Detailfragen ist es gut, wenn wir das offen lassen.

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2. Thessalonicher 1, 1-12 Ewiges Verderben

Die Thessalonicher scheinen sehr auf Fragen der Endzeit fixiert gewesen zu sein. Gleich zu Beginn des zweiten Briefes spricht Paulus das Thema Wiederkunft Jesu und Gericht an. Für mich interessant ist vor allem V.9. Hier spricht Paulus von der Strafe für Menschen, die im Gericht verurteilt werden. Dabei ist aus den wenigen Worten die Paulus dazu sagt, gar nicht so einfach heraus zu lesen, was er genau meint. Ich hab mich vor kurzem ausführlich mit dem Thema Hölle beschäftigt und an dieser Stelle hier werden die offenen Fragen zu diesem Thema ganz gut sichtbar.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass das Neue Testament und hier ganz speziell auch Paulus von einem endzeitlichen Gericht ausgehen, bei dem fehlender Glaube an Jesus Christus bestraft wird. Wie aber genau diese Strafe aussieht (das was wir so leichthin als Hölle bezeichnen) ist gar nicht so leicht zu sagen. Wenn wir heute das Wort Hölle hören, dann sind wir von unseren Vorstellungen mehr von mittelalterlichen Gemälden oder von Dantes „Göttlicher Kömödie“ geprägt als von neutestamentlichen Texten (sehr empfehlenswert ist dazu das Buch „Hölle: Der Blick in den Abgrund“ von Carsten Schmelzer). Paulus malt hier die Strafe nicht aus, sondern bezeichnet sie als „ewiges Verderben“ .

Von der Übersetzung her ist nicht ganz klar, ob der nachfolgende Satzteil die ewige Strafe näher beschreibt (so z.B. die Neue Genfer Übersetzung: „Die Strafe, die diese Menschen erhalten, wird ewiges Verderben sein, sodass sie für immer vom Herrn und von seiner Macht und Herrlichkeit getrennt sind“) oder ob damit das Woher der Strafe gemeint ist (so z.B. Luther: „Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht“). Sprachlich sind beide Übersetzungen möglich. Streiten kann man auch über die Bedeutung von „ewigem Verderben“. Ist damit ein Verderben gemeint, das ewig anhält – also eine ewige Qual (so die eher traditionelle Vorstellung der Hölle)? Oder ist damit ein Verderben gemeint, das ewig gilt – also ein völliges Verderben und Auslöschen eines Menschen (so wie es in den letzten Jahren v.a. im angelsächsischen Bereich unter den Stichworten „annihilation“ oder „conditionalism“ stärker vertreten wird)?

Wie auch immer: Für Paulus ist klar, dass Vertrauen und Glaube an Jesu – gerade auch in Verfolgung und Bedrängnis – zu einer himmlischen Ruhe führt (V.7) und Unglaube einmal harte Konsequenzen hat. Wichtig ist nicht, darüber zu spekulieren, wie das genau aussehen könnte, sondern wichtig ist, jetzt schon auf Jesus zu vertrauen.

1. Thessalonicher 5, 12-28 Überfordernde Aufforderungen?

Eine ganze Liste von Aufforderungen begegnen uns am Schluss dieses Briefes. Meint Paulus wirklich, dass eine kurze Aufforderung reicht, um Menschen wirklich zu verändern? Kann das wirklich funktionieren, dass er z.B. die Leser auffordert: „Seid allezeit fröhlich.“ (V.16) und wir sagen: „Ach so, Gott will dass ich fröhlich bin. Kein Problem. Dann bin ich von jetzt an allezeit fröhlich…“

Natürlich weiß Paulus ganz genau, dass es nicht so einfach ist. Es handelt sich hier nicht um einfache Aufforderungen, die man schnell mal umsetzen und abhaken kann. Nein, es sind eher Erinnerungen an wichtige Verhaltensweisen, bei denen wir ein ganzes Leben lang beschäftigt sind, sie einzuüben. Paulus weiß auch ganz genau, dass wir das alles nicht aus eigener Kraft tun können. Wir brauchen mehr als alles andere den „Gott des Friedens“, der uns durch und durch heiligt und bewahrt (V.23). Aus eigener Kraft kommen wir da nicht weit. Nicht einmal Paulus selbst. Auch er hat es nötig, dass andere für ihn beten (V.25).

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1. Thessalonicher 5, 1-11 Keiner weiß wann oder wie

Paulus schreibt es hier ausdrücklich: Über das „Wann“ des Kommens Jesu brauchen wir gar nicht erst anfangen zu spekulieren. Das weiß keiner. Der Tag von Jesu Wiederkunft wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Das kann jede Nacht passieren. Es kann jahrzehntelang nicht passieren. Das kann kein Mensch voraussagen. Interessant ist, dass Paulus hier die zwei griechische Grundbegriffe für Zeit benutzt: Chronos und Kairos (V.1). Beide bezeichnen die Zeit unter einem bestimmten Blickwinkel. Chronos meint eher die messbare und chronologisch gleichmäßig ablaufende Zeit. Kairos meint eher einen besonderen, quasi aus der Gleichmäßigkeit der Zeit herausgehobenen Zeitpunkt in der Geschichte. Das heißt unter allen Blickwinkeln der Zeit können wir nicht über die Wiederkunft Jesu spekulieren.

Dieses Bild vom Dieb in der Nacht, das ja von Jesus selbst stammt (Mt.24,43f), kann beängstigend sein. Denn ein Dieb in der Nacht ist ja nicht gerade eine schöne Erfahrung. Man könnte sich mit diesem Vergleich auch verrückt machen und in ständiger Angst leben. Es könnte ja jede Nacht passieren, dass ein Dieb kommt. Wir können es ja nicht wissen und sollen ständig darauf vorbereitet sein. Wenn aber unsere christliche Zukunftshoffnung in solch eine Angst umschlägt, dann läuft etwas schief. Paulus macht das sehr schön deutlich, indem er schreibt, dass die Empfänger ja gerade nicht in der Finsternis sind: „Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.“ (V.5) Wer ein Kind des Lichtes ist, braucht vor dem Dieb in der Nacht keine Angst haben.  Wichtig ist deshalb, ein Kind des Lichtes zu bleiben.

Etwas verwirrend fand ich V.10, wo Paulus im Gegensatz zu den vorigen Ausführungen von Christen schreibt, die wachen oder schlafen. Als Christen sollen wir doch wach und nüchtern sein und gerade nicht schlafen, oder?! Am sinnvollsten ist es wenn man das im größeren Zusammenhang betrachtet und als ein Wortspiel sieht: mit den Schlafenden sind hier die „Entschlafenen“ gemeint – also die Christen, die zum Zeitpunkt des Briefes schon verstorben sind. Das ist im größeren Zusammenhang die Aussageabsicht: Egal ob wir zum Zeitpunkt der Wiederkunft leben oder schon gestorben sind: wir werden mit Jesus Christus leben.

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1. Thessalonicher 4, 13-18 Enttäuschte Naherwartung

Paulus ging offensichtlich davon aus, dass er und andere damals lebende Christen, die Wiederkunft Jesu noch erleben würden (V.15). Diese sogenannte „Naherwartung“ findet sich an verschiedenen Stellen im Neuen Testament. Aus damaliger Sicht ist das auch nur all zu verständlich. Der Sohn Gottes ist gekommen, gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Er hatte gesagt, dass er wiederkommen wird. Was soll jetzt noch groß passieren? Es ist doch alles getan, Jesus ist für uns gestorben. Er ist auferstanden. Er hatte seinen Jüngern gesagt, dass einige von ihnen den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes kommen sehen (Mk.9,1).

Aus heutiger Sicht können wir sagen, dass Paulus sich hier geirrt hatte. Er ist längst gestorben und wir warten noch immer auf Jesu Wiederkunft. Wenn selbst ein Paulus sich in dieser Sache getäuscht hat, dann macht das wieder einmal deutlich, wie vorsichtig wir mit der Deutung biblischer Aussagen sein müssen – gerade wenn es um Zeitangaben geht. Wir gehen mit unserem Vorverständnis an Texte heran und deuten sie von diesem Verständnis her. So hat auch Paulus diese Aussagen Jesu von seinem Vorverständnis her gedeutet. Aber offensichtlich ist die biblische Aussage, dass das Ende nahe ist, nicht einfach in menschliche Zeitaussagen umzurechnen.

Die Thessalonicher waren wohl verwirrt und unsicher, weil einige von ihnen gestorben sind, und Jesu noch nicht erschienen ist. Paulus rechnet zu dieser Zeit trotzdem noch mit einer baldigen Wiederkunft. Aber die Hauptaussage des Abschnittes ist, dass es für uns nicht entscheidend ist, wann Jesus kommt. Die dann lebenden Christen werden keinen Vorteil gegenüber den bereits gestorbenen haben. Wir werden „zugleich“ (V.17) entrückt werden und wir werden alle für allezeit bei Jesus sein.

In gewissen christlichen Kreisen wird ja gerne über zeitliche Vermutungen über das Kommen Jesu und über genaue Abfolgen der Endereignisse spekuliert. Und für solche Spekulationen gibt es ja an so manchen Bibelstellen auch Hintergründe dafür. Aber solche „Irrtümer“ wie eine wörtlich gemeinte Naherwartung der ersten Christen, lässt mich vorsichtig sein. Ich muss nicht über das genaue „wie und wann“ Bescheid wissen. Wichtig ist, „dass“ Jesus wieder kommt und „dass“ wir bei ihm sein werden.

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1. Thessalonicher 4, 1-12 Anerkennend und herausfordernd

Schön wie anerkennend und doch zugleich auch herausfordernd Paulus hier von Heiligung spricht. Er spricht zum einen davon, dass die Thessalonicher schon so leben wie es Gott gefällt (V.1) und dass sie bereits in brüderlicher Liebe miteinander umgehen (V.10). Zugleich ermutigt er sie, „darin immer vollkommener“ (V.1) zu werden. Das ist sehr ausgewogen und angemessen.

Paulus erliegt nicht der Gefahr nur die Moralkeule zu schwingen, indem er nur auf das hinweist, was zu einem guten Leben als Christ noch fehlt. Er erliegt aber auch nicht der gegenteiligen Gefahr, alles schön zu reden und und die Empfänger zur Bequemlichkeit und Passivität zu verführen. So müsste auch heute Ermutigung aussehen: auf der einen Seite anerkennend und auf der anderen Seite herausfordernd.

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1. Thessalonicher 3, 1-13 Bedrängter Glaube

Zwei Wortfelder stehen sich in diesem Abschnitt gegenüber. Zum einen das Wort „Bedrängnis“ (3x), ergänzt durch „Versucher“ (V.5) und „Not“ (V.7) und zum anderen das Wort „Glaube“ (5x), ergänzt durch das Wort „Liebe“ (V.6.12). Beides betrifft nicht nur die Thessalonicher, sondern auch Paulus selbst.

Offensichtlich schließen sich Glaube und Bedrängnis nicht aus – es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Glaube heißt nicht, dass wir ein problemloses und einfaches Leben bekommen, sondern Glaube ist immer auch angefochtener und bedrängter Glaube. Das wollen wir natürlich in unserer Wellness-Gesellschaft nicht so gerne hören. Wir würden Glauben auch gerne als wohltuendes und beglückendes Produkt ohne Nebenwirkungen unter die Menschen bringen. Aber so einfach ist das nicht. Für mich ist der Glaube an Jesus Christus auf jeden Fall wohltuend und beglückend. Aber er schafft auch Bedrängnisse und Anfechtungen.

Paulus ist es wichtig, dass die Thessalonicher gerade in diesen Bedrängnissen „wachsen und immer reicher werden in der Liebe untereinander und zu jedermann“ (V.12). Das ist ist die Kunst des Glaubens: sich von Bedrängnissen nicht aus der Spur bringen lassen, sondern daran wachsen. Das geht nicht durch eigene Kraft, sondern nur im Vertrauen auf den Herrn, der uns wachsen lässt (V.12).

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1. Thessalonicher 2, 13-20 Wort Gottes

Die Thessalonicher sind durch Gottes Wort zum Glauben gekommen. Aber was genau Gottes Wort ist, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Paulus hat den Thessalonichern gepredigt, er nennt es „das Wort der göttlichen Predigt“(V.13). Es ist klar: Da hat nicht Gott direkt und auf irdisch hörbare Weise vom Himmel her gepredigt, sondern Paulus hat mit seinen Worten zu den Zuhörern gesprochen. Aber er hat nicht seine Privatmeinung erzählt, sondern das Evangelium – deswegen nennt er seine Worte „göttliche“ Predigt. Es sind nicht seine eigenen Ideen und Meinungen, sondern Gottes Botschaft.

Das alleine macht aber aus einer Predigt noch kein Wort Gottes. Entscheidend ist, dass die Thessalonicher diese Worte „nicht als Menschenwort aufgenommen“ haben, „sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort“ (V.13). Also ist die Predigt einerseits in Wahrheit Gottes Wort, aber die Zuhörer können es auch als normales Menschenwort verstehen und aufnehmen. Das ist erstaunlich differenziert. Auf der einen Seite ist die Predigt des Evangeliums ganz klar Gottes Wort, auf der anderen Seite ist das nicht von sich aus offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes auch verschließen und es als Menschenwort hören. Der Buchstabe allein ist doppeldeutig, erst durch das richtige hören wird daraus Gottes wirkmächtiges Wort.

Ähnlich ist es ja mit der Bibel, die ja nichts anderes ist als ein Reden Gottes in Menschenworten. Sie ist einerseits ganz klar Gottes Wort – Gott will hier zu uns Menschen reden. Aber das ist nicht offensichtlich. Man kann sich diesem Wort Gottes verschließen und es auch als ganz normales Menschenwort lesen. Liegt es dann an der Offenheit und der Bereitschaft des Zuhörers, ob aus Menschenwort Gottes Wort wird? Oder ist das reine Gnade und reines Geschenk? Warum hört der eine in der Predigt oder in der Bibel Gottes Stimme und der andere nicht? Das Reden Gottes bleibt ein Geheimnis, das wir nicht so einfach definieren und in der Hand haben können.

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