Fedora 14 – LXDE

Am 2. November 2010 ist das neue Fedora 14 erschienen. Gleich nach dem Erscheinen hab ich die LXDE-Variante auf meiner Testpartition installiert und seitdem im Alltagsgebrauch getestet (komischerweise hat sich die Gnome-Version sich bei mir trotz mehrmaligen Downloads und verschiedenen Brennversuchen bei mir nicht installieren lassen…).

Der LXDE Desktop von Fedora 14

Für den Desktop-Anwender auffällige Neuerungen finden sich nicht in Fedora 14. Am ehesten bemerkbar macht sich vielleicht die neue JPEG-Bibliothek libjpeg-turbo, die im gesamten System zu einem schnelleren Umgang mit Bilddateien führt. Eine weitere Neuerung ist die Desktop- Virtualisierung Spice. Aber für einen normalen Desktop Endanwender wie mich ist das uninteressant.

Natürlich wurden Programme und Desktop-Umgebungen aktualisiert. Gnome 2.32 ist dabei und bei KDE leider nur KDE 4.5.2  (am 3. Nov. ist 4.5.3 erschienen). Der Kernel wurde auf 2.6.35.4 aktualisiert. Interessant ist, dass sich über die Repos auch Meego 1.0 (eine speziell für Netbooks optimierte Desktopumgebung) und Sugar 0.90 (eine für Kinder entwickelte Oberfläche) nachinstallieren lassen.

Die Standard Desktop Umgebung ist nach wie vor Gnome, aber auch von KDE, LXDE und XFCE lassen sich Installationsmedien herunterladen >>>.

Installation

Wie gesagt, die Gnome-Version hat bei mir nicht funktioniert. Der LXDE-Spin dagegen tadellos. Die Installation fand ich sehr professionell und sehr schnell. Eine gute Balance zwischen Einfachheit und genügend Möglichkeiten, die Installation seinen Bedürfnissen anzupassen.

Design

Nicht mein Fall. Ein aktuelles und modernes Design gehört offensichtlich nicht zu den Prioritäten von Fedora (im Gegensatz zu Ubuntu, wo bei jedem Release auch kräftig an der Oberfläche gefeilt wird und das einfach moderner aussieht). Bei Fedora zählen mehr die inneren Werte. Es wendet sich an erfahrene Linux-Anwender und Entwickler, die sich dann das Design sowieso selbst zusammensuchen.

Leistung

Klasse! Die LXDE Umgebung hat natürlich von Haus aus einen geringeren Speicherverbrauch und ist sehr schnell. Aber auch insgesamt macht das System einen sehr flotten Eindruck. So z.B. auch die Paketverwaltung, die schnell startet und schnell nach Paketen sucht. Das Auflösen von Abhängigkeiten dauert dagegen etwas länger.

Für meinen Geschmack werden beim Systemstart zu viele Dienste und Programme geladen, die man nicht unbedingt braucht. Aber über die gute Diensteverwaltung und das Programm zu den Sitzungseigenschaften kann man das schnell ändern.

Ärgernisse

Ich weiß: Fedora ist nicht unbedingt für Linux-Anfänger und ganz normale Desktopbenutzer konzipiert. Es richtet sich vor allem an Entwickler und Profis. Ich weiß auch, dass Fedora die Philosophie hat, freie Software zu fördern und proprietäre Software zu meiden. Aber für mich bleibt es jedes mal ein Ärgernis, wenn man nach der Installation erst einmal verschiedene Einstellungen vornehmen muss, um das System alltagstauglich zu bekommen. Mit dem Programm easylife und dem rpmfusion-Repo geht das inzwischen zwar einfacher als noch vor Jahren – aber das muss man ja auch erst einmal wissen (mit easylife kann man relativ bequem z.B. SELinux abschalten, den Flash-Player nachinstallieren, mp3-Codecs installieren oder die NVIDIA-Treiber für bessere 3D Performance installieren). Fedora selbst gibt hier keine Hilfestellung.

Ein Bug bei meiner LXDE-Installation: es lassen sich manche Programme nicht installieren, weil sie nach den Nautilus-Extensions verlangen, die aber eigentlich installiert sind.

SELinux habe ich sofort wieder abgeschaltet: es nervt mich mehr, als dass es hilft. Für den normalen Endanwender ist das System auch ohne diese Security Hinweise sicher genug.

Fazit

Sehr positiv! Ein gutes Release. Aktuell, schnell und stabil. Wenn man einige Anpassungen und weiß was man tut, auch durchaus für den Endanwender ein gutes Arbeitssystem. Aber mein Lieblingslinux Archlinux wird es nicht verdrängen 😉

Screenshots

OpenSUSE 11.3 KDE

Am 15. Juni erschien die Version 11.3 der Linux Distribution OpenSUSE. Ich hab OpenSUSE wenige Tage nach Erscheinen zum ausprobieren installiert und seitdem in meinem Alltagsgebrauch getestet. Ich muss sagen: Ich bin sehr zufrieden. Das ist wieder ein sehr solides und verbessertes Release von OpenSUSE.

Der OpenSUSE 11.3 KDE Desktop
Der OpenSUSE 11.3 KDE Desktop

OpenSUSE ist eine der ältesten bestehenden Linux-Distributionen. Seit Jahren arbeiten die Entwickler sehr beständig und zuverlässig an der Verbesserung und Weiterentwicklung. Man merkt bei OpenSUSE, dass es eine sehr ausgereifte Distribution ist. OpenSUSe bemüht sich, den verschiedensten Ansprüchen zu genügen. Es möchte einerseits Einsteigerfreundlich sein, andererseits den Profis genügend Möglichkeiten zu individuellen Einstellungen zu geben. So eine Art eierlegende Wollmilchsau. Das ist einerseits eine Stärke von OpenSUse, kann aber auch ein Schwachpunkt sein. Einerseits ist OpenSUSE in vielen Bereichen gut, aber es gibt für bestimmte Anwendungsgebiete gibt es andere Distributionen, die besser sind. Z.B. ist OpenSUSE auch für Einsteiger eine gute Distribution. Aber es gibt andere Distributionen, die da besser sind (vieles in OpenSUSE wirkt überladen und schwerfällig). Aber andererseits ist es auch faszinierend wie OpenSUSE es schafft verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Ich habe die KDE-Live Version von OpenSUSE installiert. Hier wird KDE SC 4.4.4 verwendet. Als Kernel wird die Version 2.6.34 verwendet. Die Installation wirkt etwas umständlich und schwerfällig, ist aber solide. Es werden viele optionale Einstellungen angeboten, die meisten Anwender werden mit den voreingestellten Vorschlägen gut zurecht kommen. Meine Hardware wurde sehr gut erkannt, alles funktionierte auf Anhieb (siehe aber unten den Abschnitt zu den NVIDIA-Treibern).

Was mir gefällt

OpenSUSE ist noch einmal spürbar schneller geworden. Die Entwickler haben keine großen Neuerungen eingebaut, sondern viel an der Performance gearbeitet. Für mich ist OpenSUSE eine der besten KDE-Distributionen. KDE fühlt sich hier leicht und schnell an. Auch das Paketmanagement mit zypper ist noch einmal flüssiger geworden (wobei es noch nicht an apt-get von debian heranreicht). Der Boot-Vorgang ist für einen KDE-Desktop erstaunlich schnell.

Gefallen hat mir auch der niedrige Speicherverbrauch des OpenSUSE KDE-Desktops. Von den Distributionen, die ich bis jetzt mit KDE 4 ausprobiert habe, war OpenSUSE hier eine der besten. Mit wenigen zusätzlichen Einstellungen ist es mir sogar gelungen den Speicherverbrauch geringer zu halten, als bei dem von Haus aus spartanischen Archlinux (im Gegensatz z.B. zu dem neuen Mandriva, bei dem bei einer normalen Installation schon in den Grundeinstellungen jede Menge überflüssiges und speicherfressendes Zeugs gestartet wird).

Das System läuft sehr stabil, ich habe bis jetzt noch keine Probleme gehabt.

Was mir nicht gefällt

Mit der Installation des Grub-Bootloaders hatte ich schon in der vorherigen Version Probleme gehabt. Ich habe mehrere Linux-Distributionen installiert und möchte daher den Bootloader nicht in den MBR schreiben, sondern in die jeweilige Startpartition der Distribution. Die Starteinträge in Grub verändere ich dann von Hand. Mit den meisten Distributionen geht das problemlos. Bei OpenSUSE hab ich noch nicht herausgefunden, wie das geht. Wahrscheinlich geht es schon irgendwie, aber wenn, dann ist diese Option nicht intuitiv zu finden. Bei mir war es entweder so, dass OpenSUSE mit den MBR überschrieben hat oder ihn gelöscht hat.

Als Standardtreiber für NVIDIA-Karten werden nun auch von OpenSUSE die nouveau-Treiber verwendet. Das ist ja an sich okay, aber mit 11.3 ist das Installieren der proprietären Treiber noch einmal komplizierter geworden. Um diese zu installieren, muss man vorher das Kernel Mode Setting deaktivieren (vgl. hier>>>). Erst danach kann man die 1-Klick-Installation verwenden. Ärgerlich für mich war auch, dass die vorkompilierten Treiber wenige Tage nach Erscheinen noch nicht vorhanden waren (inzwischen sind sie erschienen) und ich so eine manuelle Installation der NVDIA-Treiber vornehmen musste. Wenn man die schönen Arbeitsflächeneffekte von KDE 4 nützen will oder ab und zu mal ein grafisch anspruchsvolles Spiel spielen will, braucht man nach wie vor die proprietären Treiber, da die 3D-Unterstützung der nouveau-Treiber noch experimentell ist.

Seltsam fand ich auch das erste Update, nach der Installation der KDE-Live Version. Da wurden jede Menge Sprachpakete und andere Pakete automatisch nachinstalliert. Darunter auch so unsinnige Pakete wie die Datei für die russische Hilfe in OpenOffie (siehe Screenshot „Update“ unten).

Fazit

OpenSUSE ist eine geniale Allround-Distribution, die in der neuen Version noch einmal besser geworden ist (vor allem im Performancebereich). Eine der besten KDE 4 Distributionen. Allerdings reicht es für meine persönlichen Geschmack und meine Einsatzzwecke noch nicht ganz an Archlinux, Debian-Testing oder Ubuntu heran.

KDE SC 4.4.0

KDE 4.4 - Desktop

Am 9. Feb. 2010 ist die neue KDE-Version erschienen. Ich hab sie gleich installiert und teste sie seither im Alltagsbetrieb. Hier meine Eindrücke:

Was ist neu?

Viele kleine und große Verbesserungen, Erweiterungen und Bugfixes. An den Desktop-Effekten wurde gearbeitet. Die Geschwindigkeit der Arbeitsumgebung soll erhöht worden sein und am Air-Theme wurde poliert.

Sehr gut gelungen finde ich die verbesserte Geräteüberwachung, die nun Wechselmedien automatisch mountet und die Aktionen für die Medien im gleichen Benachrichtigungsfenster anzeigt, wie die Meldung für neue Geräte.

Zwei Neuerungen im Fenstermanager KWin: In Anlehnung an Aero-Snap bei Windows kann man nun bequem zwei Fenster nebeneinander anordnen, indem man sie an den rechten bzw. linken Rand des Desktops zieht:

KDE 4.4 - Fenster automatisch nebeneinander anordnen
KDE 4.4 - Fenster automatisch nebeneinander anordnen

Allerdings ist diese Funktion m.E. noch sehr rudimentär. Man kann keine eigenen Einstellungen vornehmen. Für meine Arbeitsgewohnheit wäre es z.B. sehr viel sinnvoller, wenn ich die Fenster untereinander anordnen könnte.

Neu ist auch, dass man verschiedene Programme in einem Fenster sammeln kann und sie dann per Tab umschalten kann. Finde ich jetzt nicht so wahnsinnig hilfreich, aber u.U. kann es beim manchem beim Gruppieren von zusammengehörenden Programmen helfen:

KDE 4.4 - Verschiedene Programme in einem Fenster mit Tabs
KDE 4.4 - Verschiedene Programme in einem Fenster mit Tabs

Eine interessante Neuerung für Netbook-Besitzer ist die integrierte neue Oberfläche für Netbooks. Find ich gut und richtig, dass die Entwickler für diesen wachsenden Markt die passende Oberfläche gleich mitliefern. Sieht auch m.E. gut aus und ist schön flüssig animiert.

KDE 4.4 - Plasma-Desktop für Netbooks
KDE 4.4 - Plasma-Desktop für Netbooks

KDE sieht sich ja nicht nur als eine Desktop-Umgebung, sondern als eine Sammlung von Programmen. Das wird auch in der neuen Bezeichnung deutlich: Beim offiziellen Namen taucht nun ein SC auf, welches für Software Compilation steht.

Neu in dieser Softwaresammlung ist mit KDE 4.4 eine Blogsoftware: Blogilo. Das mag für manche hilfreich sein – mich hat die Anwendung noch nicht überzeugt. Die Grundfunktionen für’s Blogschreiben sind da. Aber wenn man bestimmte zusätzliche Plugins auf dem Blog laufen hat, werden die natürlich über Blogilo nicht angesprochen. Ich werde meine Blogartikel also weiterhin im Browser schreiben.

KDE 4.4 - Die neue Blogsoftware Blogilo
KDE 4.4 - Die neue Blogsoftware Blogilo

Mein Eindruck

Es läuft gut und flüssig. Ein paar kleine Darstellungsfehler hab ich bei mir bemerkt, aber nichts dramatisches. Es lässt sich immer besser mit KDE 4 arbeiten!

Was mich allerdings stört ist, dass KDE 4.4 deutlich mehr Speicher braucht als KDE 4.3. Ich weiß nicht so genau an was es liegt und ich hab versucht, alles unnötige abzuschalten – aber es ist definitiv deutlich speicherhungriger als der Vorgänger.

Auch mit dem semantischen Desktop Nepomuk (mit dem man seine Dateien verschlagworten kann) und der Desktop-Suche Strigi (mit der man nach Wörtern in seinen Dokumenten suchen kann) kann ich mich nicht so richtig anfreunden. Zum Glück kann man beides abschalten. Beides verbraucht sehr viele Ressourcen, ist recht langsam und liefert schlechte Ergebnisse. Ich verwende als Desktop Suche Google-Desktop für Linux. Das arbeitet schneller, verbraucht weniger Speicher und liefert wesentlich bessere Suchergebnisse.

Screenshots

Parsix 3.0

Der Parsix-Desktop
Der Parsix-Desktop

Heute mal was über eine eher unbekannte Linux-Distribution: Parsix. Es handelt sich um eine Live-CD, die aber auch installiert werden kann. Parsix basiert auf Kanotix und Debian. Als Debian-Grundlage wird der „testing“-Zweig verwendet (vgl. zu den unterschiedlichen Debian-Versionen das Debian-FAQ). Die aktuelle Version 3.0 wurde vor einigen Tagen veröffentlicht.

Interessant ist der Entstehungsort von Parsix: Iran. Dementsprechend ist Parsix mit persischen Schriftarten ausgestattet und auch auf Persisch übersetzt. Aber keine Angst: Parsix ist multilingual, es kann genau so auf Englisch oder Deutsch installiert und benutzt werden. Einer der Entwickler von Parsix, Alan Baghumian, lebt in Teheran und er sagt über Linux: „For me, the main reason for using GNU/Linux is its spirit of freedom.“ (Interview auf distrowatch) Stark, wie durch Linux politische und geografische Grenzen überwunden werden!

Die Installation

Parsix startet relativ zügig als Live-System. Auch die Arbeitsgeschwindigkeit im Live-Betrieb ist erstaunlich flüssig. Die Sprache kann man gleich am Anfang beim Bootmanager auswählen und der Desktop startet dann auch in der entsprechenden Sprache. Installiert wird Parsix dann mit einem eigenen Installer. Der ist recht spartanisch gehalten, gibt aber genügend Einstellmöglichkeiten und bringt das System sehr schnell auf die Festplatte.

Die Hardware-Erkennung funktionierte tadellos. Bei mir hat alles funktioniert. Auflösung wurde richtig erkannt, Sound funktionierte, sogar die Multimediatasten wurden richtig eingebunden. Erfreulich ist auch dass Multimedia-Codecs und der Flash-Player gleich mit installiert werden und damit gleich mit der Basis-Installation z.B. auch mp3 gehört werden können oder Flash-Filme im Internet ohne Probleme angezeigt werden.

Bei mir musste ich nur den proprietären NVIDIA-Treiber nachträglich installieren. Das hat leider nicht so problemlos funktioniert. Im Software-Manager taucht zwar ein Treiber auf, der hat bei mir aber nicht funktioniert. Somit musste ich den Linux-Treiber von der NVIDIA-Seite runterladen und selbst installieren. Ist kein großes Problem, nur wenn z.B. der Kernel upgedatet wird, muss man die Prozedur wiederholen. Das funktioniert bei anderen Distributionen (wie z.B. ubuntu einfacher und komfortabler).

Software

Parsix ist eine Gnome-zentrierte Distribution. Dementsprechend finden sich gtk-Programme in der Standard-Installation. Als etwas ungewöhnlichere Wahl ist mir Exaile als Musikplayer aufgefallen und Balsa als Email-Klient (welches ich gleich durch Icedove/Thunderbird ersetzt habe, weil Balsa keinen integrierten Spam-Filter hat). Als Büroanwendung wird OpenOffice installiert und für die Bildbearbeitung Gimp. Insgesamt eine gute Auswahl an Programmen und ein guter Ausgangspunkt für die eigene Software-Auswahl.

Und das Finden und Installieren von Programmen ist bei Parsix auch kein Problem. Es basiert wie gesagt auf Debian-Testing und hat dementsprechend eine riesige Softwareauswahl über das bewährte Synaptic zugänglich. Auffällig ist, dass Parsix eigene Repos hat, die offensichtlich nicht mit dem Debian-Testing Repo synchron gehalten werden. D.h. dass das System nicht mit Debian-Testing aktualisiert wird, sondern nur mit eigenen Updates von Parsix. Das kann ein Vorteil für die Stabilität sein, kann aber auch ärgerlich sein, wenn z.B. nach einiger Zeit in Testing neuere Programme auftauchen, die in den Parsix Repos noch nicht drin sind.

Was mir aufgefallen ist, ist dass die Google-Gadgets zwar in den Repos sind, sie aber nicht funktionieren. Es kommt die Meldung, dass die Java-Script Engine nicht gefunden wird. Mit einem kleinen Trick kann man die Gadgets dann doch nutzen (allerdings nicht die schöne gtk-Seitenleiste): Wenn man das Programm über folgenden Aufruf startet, funktioniert es: ggl-qt –script-runtime qt.

Leistung und Stabilität

Obwohl Debian-Testing nicht besonders stabil klingt, ist es zuverlässiger und stabiler als so manche Linux-Distribution, die als stable bezeichnet wird. Bis bei Debian ein Programm vom Experimentellen Bereich, über den unstable-Zweig schließlich in den Testing-Bereich kommt, ist es schon recht gut getestet und die schlimmsten Bugs sind ausgebügelt. Und so ist Parsix auch sehr stabil und zuverlässig. Nur an so mancher Feinabstimmung hapert es hier und dort.

Sehr überrascht und erfreut war ich über die Geschwindigkeit. Ich hab ja schon einige Distris ausprobiert, aber eine vergleichbare Boot-Geschwindigkeit wie bei Parsix hab ich sonst noch nie gesehen! (Außer bei irgendwelchen Minimalsystemen mit Minimal-Desktop). Echt beeindruckend! Auch die Arbeitsgeschwindigkeit und die relativ geringe Speicherbelegung ist toll. Parsix ist laut dem Interview wohl auf i686 optimiert und das spürt man.

Design

Naja, das ist wohl Geschmackssache. Das gilt für jede Distribution, aber für Parsix wohl noch mehr. Ich finde das Braun schon sehr…, ääh… braun. Aber warum nicht? Ist auf jeden Fall mal ’ne Abwechslung. Erfreulicherweise gibt es in den Gnome-Einstellungen auch noch ein paar andere eigene Themen von Parsix, die etwas neutraler sind… Schade ist, dass sowohl beim Standard Thema als auch beim dunklen Alternativ Thema die Schriften bei nicht aktiven Fenstern sehr schlecht lesbar sind.

Fazit

Ich war positiv überrascht von Parsix. Es hat mit Debian eine stabile Grundlage und hat mich v.a. durch die Geschwindigkeit beeindruckt. Wer schnell und bequem ein funktionierendes Debian-Testing samt Codecs und Flash installieren will, der ist mit Parsix gut bedient. Es ist sicher keine Distri für absolute Linux-Neulinge, aber wer sich ein wenig auskennt, wird problemlos damit zurecht kommen.

Bei mir bleibt allerdings die Frage, wie mit der Aktualisierung des Systems aussieht. Debian-Testing ist ja ein System in der Entwicklung: es wird ständig daran gearbeitet und es werden Fehler ausgemerzt. Wie ist das nun bei Parsix? Es wird ja mit den normalen Vorsteinstellungen nicht mit Testing synchron gehalten, die Fehlerverbesserungen von Testing fließen nicht mit ein. Bleibt Parsix auf dem Stand wie bei der Veröffentlichung? Steuern die Parsix-Entwickler Sicherheitsaktualisierungen oder Fehlerkorrekturen selbst bei? Ich hab Parsix schon einige Tage laufen und bis jetzt kam keine einzige Aktualisierung… Man kann natürlich auch die Testing-Repos von Debian aktivieren. Aber wie verträgt sich dann das mit den Ergänzungen von Parsix?

Damit zusammen hängen Bedenken bezüglich manch kleiner Feinabstimmung des Systems (bei mir hakt z.B. ab und zu das Gnome-Panel: es erscheint nur zur Hälfte; nach nochmaliger Anmeldung ist dann wieder voll da). Es ist klar, dass bei Debian-Testing immer wieder solch kleine Unstimmigkeiten noch vorkommen. Die Frage ist, ob mit dem kleinen Entwickler-Team von Parsix solche Unstimmigkeiten wirklich gründlich genug angegangen werden können…

Screenshots

Fedora 11

Fedora-logo
Fedora-logo

Fedora ist die Open-Source Test- und Spielwiese für die kommerzielle Linux Distribution von Red Hat. Das heißt dass Fedora freie Software ist und von der Community entwickelt wird, dass es aber manche, auch finanzielle Unterstützung und Verknüpfung zu der Firma Red Hat gibt. Das was in Fedora getestet wird, kommt irgendwann auch in der kommerziellen Distribution von Red Hat zum Einsatz.

Die vier Grundsätze von Fedora sind: Freedom, Friends, Features, First (vgl. die Beschreibung auf der Fedora-Seite).

Die vier Grundsätze von Fedora
Die vier Grundsätze von Fedora

Freedom steht dafür, dass Fedora nur freie Software verwendet. Keine proprietäre (= urheberrechtlich geschützte) Software soll zum Einsatz kommen, sondern nur Open Source Software (Offene Quellen: Die Quellcodes der Software sind frei zugänglich und einsehbar). Friends steht für die Community (= Gemeinschaft). Die Weiterentwicklung von Fedora geschieht nicht in einem geschlossenen Zirkel, sondern in der offenen Community. Features steht für den Willen möglichst viele technische Features in Fedora einzubauen, die Fedora, aber auch Linux insgesamt vorwärts bringen und besser benutzbar machen. Schließlich steht First dafür, dass Fedora die ersten sein möchten, die neue, innovative Entwicklungen in ihre Distribution aufnehmen. Fedora hat deswegen den berechtigten Ruf, eine „bleeding edge“-Distribution zu sein. Es wird vorzugsweise die neuste Software benutzt, die noch so manche Ecken und Kanten hat. D.h. dass die Software teilweise noch nicht ganz ausgereift ist, dafür aber brandaktuell.

Installation

Für meine Installation habe ich die Gnome-Live-CD verwendet. Dabei bin ich bei der Installation gleich auf die ersten schwerwiegenden Probleme gestoßen (man könnte auch sagen: eine scharfe Kante, an der man sich blutig schlagen kann 😉 ): Bei der benutzerdefinierten Installation auf eine freie Partition meiner Festplatte kam es zu zwei widersprüchlichen und scheinbar unauflöslichen Fehlermeldungen. Fedora 11 verwendet als neuen Standard für das File-System EXT4. Wenn ich nun aber meine freie Partition als EXT4 verwenden möchte, kommt die Fehlermeldung: „Bootbare Partitionen können nicht auf einem ext-4 Dateisystem sein.“ Ich denk mir: Okay, dann nehm ich halt das ältere EXT3. Und siehe da: Auch hier kommt eine Fehlermeldung (dieses mal auf Englisch! Schlecht!) – nämlich, dass mein Wurzelverzeichnis nicht dem Live-Image entspricht und dass es als EXT4 formatiert werden muss. Tja, Pech gehabt?!

Der Hintergrund von diesem Problem: Fedora 11 verwendet Grub als Bootloader. Grub kann jedoch noch nicht mit EXT4 umgehen (erst ab der neuen Version Grub2). Die Lösung des Problems: Entweder man lädt sich die DVD zur Installation runter, damit kann man die Partition auch als EXT3 formatieren und verwenden. Oder man legt zwei Partitionen für Fedora an: Ein kleine (100-200 MB) „/boot“ Partition, die als EXT3 formatiert wird und eine größere „/“ Partition, die mit EXT4 formatiert wird. Das hab ich dann auch gemacht und es hat wunderbar funktioniert. Allerdings fand ich es ziemlich ärgerlich, dass es bei einer modernen Linux-Distribution zu solch einem Problem kommen kann und v.a. dass bei der Installation keinerlei konkreten Hinweise auftauchen, wie man damit umgehen soll.

Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (1)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Warnmeldung bei der Installation (2)
Partitionierung mit extra Boot-Partition
Partitionierung mit extra Boot-Partition

Ärgerlich ist auch, dass Fedoras Boot-Manager bei mir außer Fedora und Windows (das dezent als „Other“ eingebunden wird 😉 ) keine anderen Betriebssysteme erkannt hat. Ich hab noch Debian und Archlinux auf dem Rechner – keine Spur davon im Boot Manager. Bei einer Distribution, die Wert auf freie Software legt, sollte man doch erwarten können, dass andere Linux-Systeme zumindest genau so gut erkannt werden wie Windows!

Ansonsten war die Installation problemlos und sehr schnell. Das Installieren der Software selbst brauchte weniger als 10 Minuten! Meine Hardware wurde sehr gut erkannt und z.B. auch meine Multimediatasten gleich richtig konfiguriert. Sehr schön! Nur das Soundsystem „Pulseaudio“ scheint immer noch so seine Kinderkrankheiten zu haben: Beim Login-Sound gibt es bei mir regelmäßig einen kleinen Aussetzer. Aber ansonsten funktioniert der Sound mit meiner Intel-Soundkarte gut.

Kommen wir jedoch zum nächsten Problem: Die NVIDIA-Grafikkarte. Die wurde richtig erkannt und Fedora verwendet als Treiber die neuen und freien noveau-Treiber. Die funktionieren besser als die alten nv-Treiber, bieten aber noch keine 3D-Unterstützung. Wer ab und zu mal ein Spiel machen möchte oder die schicken Compiz-Effekte nutzen möchte braucht notgedrungen den proprietären Linux-Treiber von NVIDIA. Naja, dürfte ja kein großes Problem sein: Es gibt für Fedora das rpm-Fusion Repo, mit dem sich auch nicht freie Software über die Paketverwaltung einspielen lassen. Die Einbindung ging auch gut und problemlos (vgl. Anleitung auf rpmfusion). Das Installieren der NVIDIA-Treiber funktionierte bei mir jedoch nicht. Auch nach viel rumprobieren wollten die Treiber nicht laufen. 🙁 Um meine Grafikkarte richtig zu nutzen, musste ich den Originaltreiber von NVIDIA runterladen und von Hand installieren. Damit läuft’s jetzt prima…

Überhaupt gibt es da noch manche Abstimmungsprobleme was nicht freie Software angeht. Auch das Einbinden von Multimedia Codecs, die man z.B. für die Wiedergabe von mp3 braucht ist nicht ganz so einfach wie z.B. bei ubuntu. rpmfusion wird ja bei einer Standard-Installation nicht als Repo mit eingebunden. Wer das will, muss das später selbst erledigen (ist ja auch okay so, denn Fedora steht für freie Software ein). Wenn man nun aber nach der Standard-Installation versucht, eine mp3-Datei abzuspielen, dann erkennt Fedora richtig, dass die nötigen Codecs fehlen und schlägt vor, sie zu suchen und einzubinden. Toll! Funktioniert aber leider nicht, solange man nicht selbst das rpmfusion-Repo eingebunden hat. Da kommt dann nur die Fehlermeldung, dass die nötigen Codecs nicht gefunden wurden. Das ist alles nicht besonders Einsteiger-freundlich. Wer da nicht ein bisschen Ahnung von Fedora hat, ist schnell aufgeschmissen.

Hier noch die Schnell-Version für die Installation der Multimedia-Codecs über ein Terminalfenster:

Zuerst die rpmfusion Repos einbinden:

su -c 'rpm -Uvh http://download1.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-stable.noarch.rpm http://download1.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-stable.noarch.rpm'

Dann die gstreamer-plugins-ugly installieren:

yum install gstreamer-plugins-ugly

Neuerungen

Die zwei wichtigsten Neuerungen für mich sind das neue File-System ext4, welches mehr Performance und Zuverlässigkeit bringt, und der schnellere Bootvorgang. Fedora wirbt damit nur 20 Sekunden für den Start zu brauchen (vom Bootloader bis zum grafischen Login). Das ist ein Durchschnittswert, der je nach Hardware noch einmal anders aussehen kann. Auf meiner Hardware (viereinhalb Jahre alt; Pentium 4) wird das nicht ganz erreicht, aber Fedora ist bei mir bis jetzt trotzdem die am schnellsten startende Distribution. Beeindruckend!

Auch sonst gibt es jede Menge neue Features. So z.B. die Verwendung der neuen freien noveau-Treiber für NVIDIA (die aber wie oben beschrieben, keine 3D Unterstützung bringen) oder die Unterstützung für Kernel-based Mode-Setting (KMS), die allerdings nur bei Intel Grafikchips funktioniert. Das KMS sorgt für einen flickerfreien Bootvorgang. Mit meiner NVIDIA Grafik komme ich nicht in den Genuss und muss mich mit einem simplen Fortschrittsbalken beim Boot begnügen.

Die Software ist hoch aktuell. Es wird der Kernel 2.6.29 verwendet und alle Pakete wurden mit gcc 4.4 erstellt. Gnome ist in der Version 2.26.2 mit dabei, man kann aber auch KDE 4.2.3 oder Xfce 4.6.1 verwenden. Bei Firefox wird sogar schon als Standard die aktuelle Beta-Version von 3.5 installiert und wenn man Thunderbird aus den Repos installiert bekommt man ebenfalls eine Beta von Version 3 (Beides hat bei mir bis jetzt ohne Probleme funktioniert, wobei die Firefox-Beta in der Entwicklung wohl schon weiter und stabiler ist, als die Thunderbird-Beta; d.h. dass die Auswahl von Thunderbird 3 durchaus gewagt ist).

Vgl. zu den vielfältigen Neuerungen auch die Feature List bei Fedora.

Design

Der Fedora Desktop der Live-CD
Der Fedora Desktop der Live-CD

Naja! Den neuen Desktop Hintergrund finde ich sehr gelungen, der gefällt mir. Ansonsten wirkt das Design auf mich ziemlich angestaubt. Das knallige blau der Fensterrahmen passt überhaupt nicht zu dem dezenteren blau des Hintergrundes. Dazu viel biederes und langweiliges grau… Mein Fall ist es nicht.

Insgesamt scheint man bei Fedora mehr Wert auf die technische Basis, als auf die optische Wirkung zu legen. Find ich prinzipiell auch richtig und gut so. Aber ein bisschen mehr Glanz für die Oberfläche würde auch nicht schaden. Und so manches Detail ärgert einfach: Z.B. ist beim Gnome Desktop von Fedora die Standardeinstellung des Dateimanagers Nautilus so, dass Ordner jeweils einzeln in einem neuen Fenster ohne Navigation gezeigt werden. Wird ein Ordner in diesem Fenster angeklickt, öffnet sich ein neues Fenster. In der Praxis ist solch eine Einstellung total unbrauchbar. Das kann man natürlich ändern, aber es zeigt keine große Liebe zum Detail, wenn die Standardeinstellungen so gelassen wurden.

Die Standard Ansicht des Filemanagers
Die Standard Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Veränderte Ansicht des Filemanagers
Theme Auswahl
Theme Auswahl: Wenig Neues

Leistung und Stabilität

Super! Schnell und stabil. Zum Bootvorgang hab ich oben schon geschrieben, dass er, zumindest auf meiner Hardware, der schnellste ist, den ich bis jetzt erlebt habe (und ich habe schon Dutzende von verschiedenen Linux-Distris ausprobiert…). Das arbeiten mit dem Desktop ist auch flüssig und schnell. Die Software-Verwaltung ist auch deutlich schneller geworden. Trotz der hochaktuellen Software habe ich von der Stabilität her bis jetzt keine Einschränkungen bemerkt.

Fazit

Insgesamt hab ich zu Fedora 11 gemischte Gefühle: Wenn mal alles läuft und man sich selbst den Desktop ein bisschen verschönert hat, ist es eine tolle, schnelle und zuverlässige Arbeitsumgebung. Aber bis es soweit ist, muss man manche Arbeit investieren.

Meine Meinung: Fedora 11 ist für Bastler und Linux-Enthusiasten eine fantastische Distribution. Viele innovative Features, eine tolle technologische Grundlage, hochaktuelle Software, gute Geschwindigkeit. Für Einsteiger gibt es sicher einfachere und komfortablere Distributionen.

Weitere Screenshots

automtische Updates nach der Installation
automtische Updates
Die Paketverwaltung
Die Paketverwaltung
Compiz Aktivierung
Compiz Aktivierung
Desktop mit Compiz-Würfel
Desktop mit Compiz-Würfel
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Eine der Neuerungen in Firefox 3.5: Privater Modus
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Standard Bildbetrachter Eye of Gnome funktionierte bei mir nicht
Thunderbird 3
Thunderbird 3

(K)Ubuntu 9.04 – Jaunty Jackalope

Am 23. April ist die neue Version der Linux Distribution Ubuntu erschienen. Wie üblich gibt es neben der Standard-Edition Ubuntu mit Gnome als Desktop-Manager auch andere Versionen: Kubuntu mit KDE oder Xubuntu mit XFCE. Ich hab mir Ubuntu und Kubuntu angesehen und getestet. (K)Ubuntu 9.04 – Jaunty Jackalope weiterlesen

Test: Mandriva One 2009.1 RC 1 (KDE4)

Zu Mandriva habe ich eine besondere Beziehung: Vor ca. 7 Jahren war das die erste Linux-Distribution, die ich wirklich für den produtkiven Einsatz Windows vorgezogen habe. In Sachen Benutzerfreundlichkeit und Einsteigerfreundlichkeit waren Mandrake (so hieß die Distribution damals noch)  und Suse damals das Beste, was es gab (von Ubuntu wusste noch niemand was…). Noch im Frühjahr soll die neue Version 2009.1 von Mandriva herauskommen (geplanter Public Release: 29.04.2009). Am 11. März erschien der erste Release Candidate, den ich mir ein bisschen genauer angeschaut habe und von dem ich hier ein paar Eindrücke weitergebe. Test: Mandriva One 2009.1 RC 1 (KDE4) weiterlesen

Web-Statistiken: Meine Top 3

In den vergangenen Monaten und Wochen habe ich die unterschiedlichsten Web-Statistik Programme und Tools ausprobiert. Hier nun meine momentanen Favoriten, was Web-Statistik und Web-Analyse angeht:

Piwik

Piwik ist ein Open-Source Web-Analyse Programm. Es steckt noch in der Entwicklung (zur Zeit ist es als Beta zu erhalten), aber es läuft im produktiven Einsatz schon sehr zuverlässig. Piwik hat für sich den Anspruch ein freie Alternative zu Google-Analytics zu sein. Das ist zumindest bis jetzt noch etwas übertrieben, aber Piwik ist auf einem guten Weg und in manchen Bereichen jetzt schon Google-Analytics überlegen.

Piwik ist ein Programm, dass auf dem eigenen Web-Server installiert wird und das dann auch die Server-eigene Datenbank benutzt. Die Installation geht recht einfach und ist vergleichbar mit einer WordPress-Installation. Wenn man es für ein WordPress-Blog benutzt kann man problemlos seine vorhandene WordPress-Datenbank zum Speichern der Daten angeben. Die nötigen Tabellen werden ergänzt, ohne die WordPress Daten zu beeinflussen. Nach der Installation kann das Programm über den Browser benutzt werden.

Vom Funktionsumfang her ist Piwik bis jetzt noch recht begrenzt. Aber es bietet alle grundlegenden Funktionen eines Web-Analyse-Programms. Sehr gut ist, dass die Startseite frei konfigurierbar ist. Man kann aus den vorhandenen Statistik-Widgets auswählen und beliebig viele in drei Spalten anordnen. Die Widgets lassen sich auch auf anderen Webseiten oder im Blog selbst anzeigen.

Piwik ist auf Erweiterbarkeit hin konzipiert. Es können verschiedene Plugins aktiviert oder deaktiviert werden. Die Pluginverwaltung erinnert dabei sehr stark an die Pluginverwaltung von WordPress. Zur Zeit ist der Umfang der Plugins noch sehr begrenzt, aber wird sich im Lauf der Zeit sicher verbessern.

Eine Live-Ansicht der Aktivitäten auf der eigenen Webseite gibt es bis jetzt nur als frühe Entwickler-Version. Die funktioniert aber schon mit grundlegenden Infos (leider werden zumindest bei mir die deutschen Umlaute bei den Suchbegriffen noch nicht richtig erkannt). Mit etwas Feinarbeit in der Template der Live-Ansicht kann man sich auch selbst die gewünschten Infos zusammenstellen und die Ansicht anpassen. In der aktuellen Version 0.2.32 ist das Plugin zwar enthalten, aber es gibt noch keinen Link aus dem Dashboard oder den Einstellung, um es tatsächlich zu sehen. Dazu kann man aber die URL seines Piwik-Accounts folgendermaßen abändern: /index.php?module=Live&action=index. Und schon läuft das Live-Plugin.

Für die Integration in WordPress gibt es ein gut funktionierendes Plugin, mit dem man auch die eigenen Besuche auf der Seite von der Zählung ausschließen kann: Piwik Analytics.

Hier gibt’s eine Online-Demo zum selbst ausprobieren: Piwik Demo

Pro:

  • Real-Time Statistik
  • Daten werden auf eigenem Server gespeichert
  • Erweiterbarkeit und Flexibilität
  • Open Source (alle Funktionen kostenlos!)
  • Recht zuverlässiges Ausfiltern von Bots

Kontra

  • Noch in der Entwicklung
  • Bei viel Traffik sammeln sich viele Daten an und blähen die eigene Datenbank auf
  • Schwieriger zu installieren als externe Statistik-Tools

Screenshots

piwik Dashboardpiwik Besucher Einstellungenpiwik Pluginverwaltungpiwik Widget erstellenpiwik Live-View

Clicky

Clicky ist ein kommerzielles Statistik-Tool, bei dem die Daten auf dem Server von Clicky gespeichert und ausgewertet werden. In die eigene Seite wird ein Code-Schnipsel eingefügt und bei jedem Laden der Seite werden Infos an Clicky geschickt und ausgewertet.

Vom Funktionsumfang, der Zuverlässigkeit und dem Design ist Clicky wirklich klasse. Auch hier kann das Dashboard individuell angepasst werden und es gibt verschiedene Widgets, die man auf beliebige Web-Seiten integrieren kann (so kann man z.B. die letzten Besucher mit Länderflagge und Landeseite auf dem eigenen Blog anzeigen).

Sehr schön umgesetzt ist auch die Live-View, die hier „Spion“ genannt wird. Man kann Live verfolgen, was gerade auf dem Blog los ist. Zur Auswertung der Daten kann man dann unterschiedliche Datumbereiche eingeben und sich die unterschiedlichsten Statistiken zu Herkunft, betrachtetem Inhalt und technischen Einstellungen der Besucher anschauen.

Solch ein guter und professioneller Dienst kostet natürlich was! Man kann Clicky nach der Anmeldung drei Wochen lang kostenlos mit allen Funktionen testen. Danach muss man entweder auf eine Pro Account upgraden oder man nutzt die kostenlose Variante, die zum Teil erheblich eingeschränkt ist. Bei der kostenlosen Version gibt es z.B. keinen Spion und die Daten werden nur für den Zeitraum von einem Monat gespeichert. Für mich bleibt aber auch das kostenlose Angebot eine sehr gute Möglichkeit, um zu sehen, was in den letzten Tagen auf dem Blog los war. Für die längerfristige Analyse braucht man dann andere Tools, die die Daten unbegrenzt speichern (wie z.B. Piwik).

Hier gibt’s eine Online-Demo zum selbst ausprobieren: Clicky Demo

Pro

  • Einfache Installation
  • Großer Funktionsumfang
  • Modernes, übersichtliches Design
  • Anpassbares Dashboard
  • Widgets für die Webseite
  • Recht zuverlässiges Ausfiltern von Bots

Kontra

  • Voller Funktionsumfang ist kostenpflichtig
  • In der kostenlosen Version muss auf der Seite ein Clicky-Schildchen sichtbar eingebunden sein

Screenshots

clicky: Dashboardclicky: Letzte Besucherclicky: Karte der letzten Besucherclicky: Übersicht zu Seitenzugriffenclicky: Spion (Live-View)

BBclone

Jetzt noch ein kleines, feines PHP-Programm: BBClone. Es handelt sich hier nicht um ein ausgewachsenes Analyse-Programm, sondern eher um einen umfangreicheren Counter. Mir gefällt das Programm sehr gut weil es resourcesparend ist und es eine tolle Übersicht über die letzten Besucher auf der Webseite hat. Mir gefällt an dieser Übersicht besonders, dass viele Informationen auf einen Blick zu erfassen sind (besonders gut: Die Zahl der Seitenaufrufe und die Suchwörter, über die Besucher auf die Seite kamen werden auch dargestellt).

Für die Installation ist einiges an Handarbeit gefragt. Das Programm muss auf dem eigenen Webserver installiert werden, dann wird ein Aktivierungscode auf den zu zählenden Webseiten eingefügt (bei WordPress geht das am besten über die Theme-Templates. Bei einem Wechsel des Themes müssen die Code-Schnipsel dann aber wieder neu eingefügt werden). Schließlich kann man wichtige Funktionen über eine Konfigurationsdatei mit einem Texteditior einstellen. In der Konfiguration kann man auch einstellen, ob Bots auch mitgezählt werden sollen oder nicht. Wobei die Erkennung von Bots nicht so zuverlässig funktioniert wie bei Piwik oder Clicky – allerdings werden dafür bei Piwik und Clicky auch manchmal echte Besucher ausgefiltert. BBClone zählt deswegen deutlich höhere Besuchszahlen als die beiden anderen.

Im Gegensatz zu Piwik kommt BBClone ohne MySQL-Datenbank aus. Die Daten werden in einer eigenen Datei gespeichert. Es gibt drei übersichtliche Ansichten (welche sich über die Konfigurationsdatei oder auch über die Template-Datei anpassen lassen). Zum einen gibt es eine allgemeine Übersicht auf der in unterschiedlichen Kategorien jeweils die häufigsten Einträge dargestellt werden. In der Übersicht kann man kein Datumsbereich einstellen, sondern es werden immer die Ergebnisse aus dem gesammten Zeitraum dargestellt. Dann gibt es eine ausführliche Statistik, in der die letzten Besucher aufgeführt werden. Und schließlich haben wir noch eine Zeitstatistik, in der die Zugriffszahlen in unterschiedlicher zeitlicher Dauer grafisch dargestellt werden.

Hier gibt’s eine Online-Demo zum selbst ausprobieren: BBclone Demo

Pro:

  • Schnell und resourcesparend
  • Sehr informative Übersicht über die letzten Besucher
  • Keine MySQL-Datenbank notwendig
  • Daten werden auf eigenem Server gespeichert
  • Open Source

Kontra

  • Dient eher zur ersten Übersicht, nicht für detaillierte Analyse
  • Bots werden oft nicht erkannt und ausgefiltert
  • Nicht so einfach zu installieren

Screenshots

bbclone: Allgemeine Statistikbbclone: Ausführliche Statistikbbclone: Zeitstatistik