Tomáš Halík: Geduld mit Gott

Halik: Geduld mit GottDer tschechische Psychotherapeut und Priester Tomáš Halík beschäftigt sich in diesem Buch mit atheistischer Kritik, Zweifel und Ablehnung des christlichen Glaubens. Er bedient sich als Analogie zu solchen Menschen der Geschichte von Zachäus. Zachäus war auch ein skeptischer Zeitgenosse, der kein Anhänger Jesu war, sondern sich Jesus aus sicherem Abstand und hinter den Feigenblätter seiner Zweifel anschauen wollte.

Seine Grundaussage ist folgende: „Glaube und Atheismus sind zwei Sichtweisen eben dieser Tatsache, der Verborgenheit Gottes, der Transzendenz, der Undurchdinglichkeit seines Geheimnisses.“ (S.72) Gott ist ein Geheimnis, er ist selbst in Jesus Christus noch quasi inkognito unterwegs, weil man auch die Selbstoffenbarung in Christus unterschiedlich deuten kann. Gott zeigt sich in unserer Welt nicht eindeutig und unzweifelhaft – sonst wäre ja auch kein Glaube nötig. Sowohl der leidenschaftliche Atheist als auch der leidenschaftlich Glaubende nehmen diese Abwesenheit Gottes wahr, ziehen allerdings unterschiedliche Schlüsse: der leidenschaftliche Atheismus ist letztendlich Glaube, dem die Geduld mit Gott fehlt, Glaube, der zu schnell aufgibt. Tomáš Halík: Geduld mit Gott weiterlesen

Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unglaublich nah

Ein postmoderner Roman – mit all seinen Stärken und Schwächen. Schon beim ersten Durchblättern fällt die Vielfältigkeit – oder man könnte auch sagen das Durcheinander – auf: Neben ganz normal beschriebenen Seiten finden sich viele Bilder, Text mit roten Unterstreichungen, leere Seiten, Seiten mit nur wenigen Worten, Seiten angefüllt mit Zahlen, Seiten auf denen die Buchstaben immer näher zueinander gerückt sind,… Auch die unterschiedlichen Erzählstränge, Erzählperspektiven, Zeitebenen und viele verschiedene Personen bestätigen diese postmoderne Vielfältigkeit. Hinzu kommen manche surrealen Elemente, bei denen man sich fragt, ob das eigentlich wirklich so passieren kann.

Zumindest gibt es einen Haupthandlungsstrang, der die ganze Geschichte einigermaßen zusammen hält: Der neunjährige Oskar Schell verliert seinen Vater bei den Terroranschlägen vom 11. Sept. Das Buch beschreibt, wie der etwas altkluge Oskar mit dem Verlust umgeht. Zu seinen Lebzeiten hat der Vater ihm gerne Rätselaufgaben gestellt und so macht sich Oskar auch nach dessen Tod auf, um ein Rätsel zu lösen. Bei den Sachen seines Vaters findet er einen Schlüssel, der in einem Umschlag mit dem Vermerk „Black“ steht. Oskar vermutet, dass es sich dabei um einen Namen handelt und so macht er sich bei den 216 Blacks die es in New York gibt auf die Suche nach dem passenden Schloss. Dabei begegnet er allen möglichen skurrilen und ungewöhnlichen Personen.

In einem zweiten Erzählstrang geht um die Großeltern von Oskar Schell, welche zu Ende des 2. Weltkrieges beim Bombardement von Dresden traumatische Erfahrungen gemacht haben. Der Großvater verliert dabei seine eigentliche Jugendliebe und auch seine Sprache (er wird stumm). Stattdessen heiratet er die Schwester seiner großen Liebe und führt mit ihr eine ziemlich seltsame Ehe.

Trotz all dem Durcheinander hab ich den Roman gerne gelesen. Foer hat einen gut lesbaren Stil und versteht es, die Neugierde des Leser zu wecken. Auch die Figur des Oskar finde ich sehr gut gelungen. Man kann sich gut in das verwirrte und suchende Kinderherz einfühlen, ohne dass die ganze Geschichte ins kitschige abrutscht. Die Vielfältigkeit des Romans macht das Lesen zum einen spannend und überraschend. Man staunt so manches mal über gelungene Einfälle des Autors. Zum anderen macht es das Lesen aber auch anstrengend und so manches mal ist es auch zu viel des Guten. Den zweiten Erzählstrang um die Großeltern herum finde ich nicht so gelungen und berührend, wie die Geschichte des Oskar.

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Bernhard Schlink: Das Wochenende

Gar nicht so leicht als Autor, wenn man einmal solch einen gelungenen und erfolgreichen Bestseller hatte, wie Bernhard Schlink mit dem Buch „Der Vorleser“. Alle nachfolgende Bücher misst der Leser unwillkürlich an diesem Buch. Nach dem Vorleser hatte ich schon verschiedene Bücher von Schlink gelesen und jedes mal ging es mir, wie auch bei diesem Buch: Nicht schlecht…, gut geschrieben, interessante Story, gut zu lesen… aber begeistert hat mich das Buch nicht.

Hinter dem Roman steht eine spannende Frage: wie kommt eigentlich ein Terrorist und Staatsfeind mit seinem Leben zurecht, nachdem er zwanzig Jahre im Gefängnis war? Die Welt hat sich verändert, der Staat den er bekämpft hatte, begnadigt ihn nun. Die damaligen Gefährten haben ihren Weg in die Bürgerlichkeit gefunden. Und die Mission von damals scheint gescheitert zu sein. Wie gibt man seinem Leben einen neuen Sinn?

Das Buch beschreibt das erste Wochenende eines begnadigten deutschen Terroristen in Freiheit. Er verbringt es mit seiner mütterlichen Schwester und einigen ehemaligen Freunden. Durch einen Aktivisten aus der linken Szene, der den Freigelassenen für seine politischen Zwecke gebrauchen möchte, kommt zusätzliche Spannung in das Miteinander. Natürlich gibt es auch die eine oder andere Romanze.

Die Zutaten sind gut, aber mich fesselt das Buch nicht. Die Konflikte wirken auf mich etwas steril und irgendwie fehlt mir das Herzblut. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass da nicht meine Welt beschrieben wird. Die Gedanken des Terroristen bleiben mir ziemlich fremd. Auch bei den anderen Figuren wird so manches aus ihrem Leben angekratzt, aber nicht wirklich tiefer gebohrt. Ständig wird von einer Person zur anderen gesprungen und alles bleibt etwas oberflächlich.

(Amazon-Link: Schlink: Das Wochenende)