Johannes 2, 13-25 Worauf es wirklich ankommt

Für Johannes hat die Tempelreinigung ebenso programmatische Bedeutung wie das Zeichen bei der Hochzeit zu Kana. Gleich zu Beginn des Berichts über Jesu Wirksamkeit wird auch hier deutlich, um was es Jesus geht. Indem er den Tempel reinigt, macht er zeichenhaft deutlich, dass er die wahre Gottesverehrung wieder herstellen will. Glaube soll kein religiöses Geschäft sein, sondern soll sich allein auf Gott ausrichten. Gleich in dieser Geschichte wird auch deutlich, wie Jesus das letztendlich erreichen will: durch seinen Tod und seine Auferstehung (V.19). In der damaligen Situation konnte das niemand verstehen – erst im Nachhinein ist auch den Jüngern klar geworden, was damit gemeint ist.

Gleich zu Beginn lesen wir also hier einen Hinweis auf Jesu Heilshandeln in Tod und Auferstehung. So wie es schon vorher Hinweise darauf gab (z.B. Joh.1,29: Jesus als Gottes Lamm), soll hier deutlich werden, dass das ganze Evangelium unter diesem Blickwinkel zu lesen ist. Hier handelt nicht ein menschlicher Wundertäter oder ein großer Rabbi, sondern es handelt der Sohn Gottes, der für uns Erlösung und Heil bringt.

Für viele interessant ist natürlich die Frage, warum die Tempelreinigung bei Johannes zu Beginn von Jesu Wirksamkeit steht und bei den anderen Evangelien am Ende seiner Wirksamkeit. Was stimmt jetzt? Wer hat Recht? Wie war es historisch tatsächlich? Wenn wir ängstlich am Buchstaben kleben bleiben wollen, dann müssen wir behaupten, dass es zwei Tempelreinigungen gab. Ich für mich sage: Ich kann es historisch nicht genau sagen. Wir haben zwei Überlieferungen, die verschiedene Aussagen machen und dahinter kann ich nicht zurück. Wichtig ist für mich auch nicht, wann es geschehen ist, sondern dass es geschehen ist – und darin sind sich beide Überlieferungen einig.

Gerade dieser Abschnitt zeigt uns ja, wie sehr wir Jesus missverstehen, wenn wir uns nur am Buchstaben festklammern: die Juden können Jesu Aussage über den Tempel überhaupt nicht verstehen, weil sie Jesus nur buchstäblich verstehen (V.20). Jesus geht es aber in Wahrheit um eine ganz andere Ebene. So begegnen uns im Johannesevangelium häufig Missverständnisse, weil die Zuhörer Jesus auf einer viel zu oberflächlichen Ebene verstehen und gar nicht die geistlichen Wahrheiten dahinter erkennen. Ähnlich geht es uns, wenn wir die Wahrheit der Bibel an rein historischen Fragen festmachen wollen.

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Sacharja 6, 9-15 Unerfüllte Verheißung?

Noch einmal tauchen hier zwei künftige Heilsfiguren auf. Mit „Spross“ (V.12) bezeichnen die Propheten den Messias. Neben ihm soll einen Priester geben und die beiden werden einmütig und in Frieden (V.13) Gottes Volk anführen. Auffällig ist, dass hier zwar der Name des damaligen Hohenpriesters Jeschua fällt – dieser wird jetzt schon zeichenhaft gekrönt – dass aber der Name Serubbabel nicht mehr erwähnt wird. In Sach. 4,6-10 wird er noch als derjenige angekündigt, der den Tempelbau vollenden wird. Jetzt wird ein zukünftiger „Spross“ erwartet, der den Tempel bauen wird (V.13).

Offensichtlich hat sich die messianische Erwartung an Serubbabel so nicht erfüllt. Nicht Serubbabel ist der zukünftige Messias, sondern Sacharja wartet auf jemand Anderes. Hier zeigt sich innerhalb eines biblischen Buches, dass Prophezeiungen nicht immer ihre automatische Erfüllung nach sich ziehen. Oder hat sich Sacharja geirrt? Aber dann hätte man die ursprüngliche Erwartung an Serubbabel ja konsequenterweise aus dem Buch gestrichen und verschwiegen. Nein, in Serubbabel hat sich die Verheißung des Wiederaufbau des Tempels ansatzweise erfüllt, aber noch nicht vollendet. Nun wartet Sacharja auf einen Anderen, einen Größeren (das Neue Testament spricht von einem, der Gottes Tempel in drei Tagen auf eine andere Weise wieder aufbaut…).

Sacharja selbst sagt zu dieser neuen Erwartung: „Das soll geschehen, wenn ihr gehorchen werdet der Stimme des Herrn“ (V.15). Er selbst macht deutlich, dass Gott seine Verheißungen nicht automatisch und unabhängig von unseren menschlichen Reaktionen erfüllt. Göttliche Verheißungen schließen unsere menschliche Reaktion nicht aus, sondern sie schließen sie ein. Wenn Gott handelt, heißt das nicht, dass wir nicht handeln brauchen…

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Sacharja 4, 1-14 Die beiden Ölsöhne und der eine Gesalbte

In dieser Vision tauchen zwei Gesalbte (wörtlich: „Ölsöhne“) auf. Sie stehen wohl für politische und religiöse Führungspersönlichkeiten, also für König und Priester. Die Vision scheint von den damaligen Erwartungen beeinflusst zu sein. Denn man erwartete die Wiederherstellung Israels unter dem Hohenpriester Jeschua (vgl. Kap. 3) und durch den in messianischen Farben geschilderten Serubbabel, der damals Statthalter von Juda war (vgl. 4,9f und Haggai 2,21-23). Allerdings lesen wir danach nichts mehr von Serubbabel – die Erwartungen haben sich wohl so nicht erfüllt.

Im Neuen Testament wird Jesus Christus als der eine wahre König und Hohepriester gesehen. In ihm vereinen sich als dem einen Gesalbten alle Erwartungen. Wir sehen wieder einmal, dass nicht alle Prophetien einfach eins zu eins aufgehen. Es sind Zukunfts- und Hoffnungsbilder, die etwas andeuten, aber nicht exakt voraussagen. In der damaligen Zeit haben sich die Erwartungen im Hohepriester Jeschua und dem Statthalter Serubbabel ansatzweise erfüllt. Die beiden sorgten für den Wiederaufbau des Tempels, trotz mancher Widerstände. In Jesus Christus ist diese Prophezeiung der „Ölsöhne“ auf veränderte Weise fortgeführt worden. Die endgültige Aufrichtung der Herrschaft des Messias steht noch aus und wird wohl auch etwas anders aussehen, als wir uns das jetzt noch vorstellen können.

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Sacharja 1, 1-6 Immer wieder neue Umkehr

Der Prophet Sacharja erfährt im Jahr 520 V. Chr. seine Berufung. Zu der Zeit waren die Juden aus dem Exil in Babylonien wieder zurück gekehrt nach Jerusalem in ihre Heimat. Allerdings war es keine triumphale Rückkehr und es gab so manche Probleme. Juda war kein selbständiges Königreich mehr. Nachdem die Babylonier ihre Vormachtstellung verloren hatten, waren die Perser die neue Großmacht, unter deren Einfluss auch Jerusalem stand. Neben den politischen Problemen war auch das religiöse Leben angeschlagen, was sich z.B. darin zeigte, dass der Wiederaufbau des Tempels nicht einfach und sich immer wieder verzögerte.

In dieser Situation erinnert Sacharja seine Zeitgenossen an die Geschichte ihrer Väter. Sie haben sich von Gott abgewandt und das Exil wurde dann als Abkehr Gottes von seinem Volk verstanden. Aber Gott hat sein Volk nicht verlassen und es wieder zurück ins verheißene Land gebracht. Deswegen ist es jetzt wichtig – auch wenn nicht alles glatt läuft – Gott treu zu bleiben, bzw. immer wieder neu zu ihm umzukehren. Glaube und Umkehr zu Gott ist etwas, das von jeder Generation und von jedem einzelnen Menschen immer wieder neu gefordert ist. Glaube ist nicht etwas, das man als Volk oder Einzelner einmal in der Tasche hat, sondern etwas, das sich immer wieder neu bewähren muss.

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Hebräer 3, 1-6 Gottes Haus

Jesus ist nicht nur wichtiger als die Engel, welche als Mittlerwesen zwischen Himmel und Erde gesehen werden können, er steht auch höher als Moses, welcher dem Volk Israel das Gesetz Gottes übermittelt hat. Mose ist ein Knecht oder Diener Gottes. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern im Alten Testament ein Ehrentitel für jemand, der in besonders engem Verhältnis zu Gott steht. Aber mit Jesus wird diese Nähe zu Gott noch einmal übertroffen. Er ist nicht nur Diener Gottes, sondern Sohn Gottes, nicht nur Hausangestellter, sondern Miterbauer und Mitbesitzer des Hauses.

Mich hat an dem Text besonders angesprochen, dass wir heilig sind mit himmlischer Berufung (V.1) und dass wir Gottes Haus sind (V.6). Wenn wir auf ihn schauen (V.1) und mit Zuversicht und freudigem Stolz (V.6 nach der Guten Nachricht Bibel) an unserer Hoffnung festhalten, dann sind wir Gottes Haus, d.h. dann wohnt Gott in uns. Er wohnt nicht im Tempel, er ist nicht ferne, so dass wir Engel als himmlische Vermittler nötig hätten, er wohnt nicht in Buchstaben und Gesetzen. Nein, wir selbst sind sein Haus, er wohnt in uns.

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Apostelgeschichte 7, 44-53 Jetzt wird’s persönlich

Die Hauptanklagepunkte gegen Stephanus waren, dass er gegen „diese heilige Stätte“ (also den Tempel) und gegen „das Gesetz“ redet (7,13). Zunächst hat er sich in seiner Rede mit dem Überbringer des Gesetzes, mit Mose, beschäftigt. Jetzt geht es um den Tempel, den er ganz grundsätzlich kritisiert: Ein von Menschenhänden errichtetes Haus kann keine Wohnung Gottes sein. Mit dieser Kritik bewegt er sich auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition. Schon da gab es von verschiedenen Propheten grundsätzliche Kritik am Tempel. Dann wird es persönlich: im Stil eines alttestamentlichen Propheten kritisiert er seine Zuhörer als halsstarrig und verstockt. So wie ihre Vorfahren die Propheten getötet haben, so töteten sie nun Jesus, den von den Propheten angekündigten Gerechten.

Ich hab mich an der Stelle gefragt, ob diese harten Worte wirklich hilfreich und klug waren. Durch die heftigen Angriffe wird Stephanus niemand vom Hohen Rat überzeugen – im Gegenteil: der Hass wird sich nur verstärken. Und auch seine eigene Lage hat Stephanus damit nicht gerade verbessert. Taktisch klüger wäre ein Zurückziehen auf die gemeinsamen Wurzeln gewesen. „Wir glauben doch alle an denselben Gott…“  Was ja auch stimmt: Jesus hat keinen anderen Gott als den des Alten Testaments verkündigt. Aber an der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Stephanus hat diese Konfrontation nicht von sich aus gesucht – das ist wichtig. Soweit es an uns liegt, sollen wir versuchen mit allen – auch Andersgläubigen – im Frieden zu leben. Aber wenn Jesus in Frage gestellt wird, dann stehen wir vor der Entscheidung, ob wir ihn bekennen oder verleugnen.

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Hesekiel 48 Hier ist der Herr

Das letzte Kapitel des Hesekielbuches (geschafft!!! 😉 ) und der Abschluss der großen Heilsvision des Propheten. Hesekiel schließt mit der Verheißung einer neuen Landverteilung an die zwölf Stämme Israels. Für die damaligen Hörer war das wohl eine zentrale und wichtige Hoffnung. Viele Israeliten waren (wie Hesekiel selbst) im Exil in Babylonien, der Tempel und die Hauptstadt Jerusalem waren zerstört, das ganze Land stand unter der Oberherrschaft der Babylonier. All das, was Gott den Israeliten in ihrer Geschichte zunächst versprochen und dann auch gegeben hatte, war verloren.

Hesekiels Vision macht deutlich, dass Gott mit seinem Volk neu anfangen will, dass er es nicht aufgibt. Dass der Prophet von den zwölf Stämmen spricht, macht deutlich, dass Gott das ganze Volk wiederherstellen will, nicht nur einen Teil. Die Landverteilung geschieht in gleich große Gebiete: Gott bevorzugt keinen Stamm vor dem anderen. Das Heiligtum und die Stadt Jerusalem bekommt ein extra Gebiet, d.h. alle Stämme haben gleiches Anrecht und Zugang. Für ein Volk, das alles verloren hat, müssen diese Zukunftsbilder sehr wichtig gewesen sein.

Für mich bleibt die Frage, ob diese Zukunftsvisionen des Hesekiel wörtlich verstanden werden wollen. Sie haben sich zumindest bis jetzt nicht wörtlich erfüllt. Ich denke aus neutestamentlicher Perspektive können wir sehen, dass Gott seine Verheißungen auf andere Weise erfüllt hat. Auf einer tieferen und sehr viel grundsätzlicheren Ebene. In Jesus Christus hat er den Opferdienst überboten, wir brauchen Gott keine Opfer mehr bringen, sondern er hat uns durch seinen Sohn mit uns versöhnt. Die Gemeinde ist der Leib Christi und der Tempel des Heiligen Geistes, wir brauchen kein zentrales Heiligtum aus Steinen. Wer Christus vertraut, ist Teil des Volkes Gottes und jeder hat unmittelbaren und gleichberechtigten Zugang zum Thron Gottes. In Christus können wir sagen, was Hesekiel am Schluss seiner Vision als Verheißung sagt: „Hier ist der Herr.“ (V.35)

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Hesekiel 47 Strom des Lebens

Nein, es geht nicht um einen neuen Energieversorger oder um Öko-Strom, sondern es geht um Hesekiels große Hoffnungs- und Zukunftsvision. Nach den ganzen Ausführungen zum Tempel und Opferdienst, kommt jetzt ein Bild, das auch mich heute noch ganz unmittelbar anspricht: Hesekiel sieht aus dem Tempel einen Wasserstrom fließen, der ständig größer und tiefer wird. Am den Flussufern stehen viele Bäume, mit immergrünen Blättern und Früchten ohne Ende. Der Fluss fließt ins Tote Meer und sein Wasser hat so viel Lebenskraft, dass selbst das Tote Meer wieder „gesund“ wird und es dort viel Fische gibt.

Was für ein herrliches Bild: aus dem Tempel, dem Ort von Gottes Gegenwart, fließt lebendiges Wasser ins Land. Es macht das Land fruchtbar und lebendig. Ich möchte auch so ein Baum sein, der am Ufer dieses lebendigen Flusses steht, grünt und Früchte im Überfluss hervorbringt. Ich will nicht menschlich-fromme Früchte erzwingen, sondern das Wasser des Lebens aufnehmen und in mir wirken lassen. Ich will mich nach Gott ausstrecken und seine Kraft in mir Früchte hervor bringen lassen.

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Hesekiel 45 Gottesdienst und Menschendienst

Erstaunlich, dass beim Priester Hesekiel, dem soviel am Tempel, dem rechten Opferdienst, der korrekten Ausführung aller religiösen Pflichten liegt, zwischendurch auch die soziale Dimension des Glaubens auftaucht. In dieser Vision des idealen Tempels taucht auch der Fürst auf (der betont nicht König genannt wird, weil Hesekiel das Königtum in Israel als gescheitert ansieht), der nicht nur für den rechten Opferdienst zu sorgen hat (V.13-25), sondern auch zur sozialen Gerechtigkeit gegenüber seinem Volk aufgefordert wird (V.9-12).

Selbst bei Hesekiel wird deutlich, dass Gottesdienst nicht nur auf Gott ausgerichtet ist, sondern dass der richtige Gottesdienst auch das Wohl des Nächsten im Blick hat. Gottesliebe ohne Nächstenliebe geht auch bei Hesekiel nicht. Das sollten auch wir nicht vergessen: wer sich wirklich Gott ganz hingeben will, muss sich auch um die Nöte seiner Mitmenschen kümmern.

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Hesekiel 43 Bruchstückhafte Bilder einer herrlichen Zukunft

In diesem Kapitel beschreibt Hesekiel, wie in seinen visionären Tempel Gottes Herrlichkeit einzieht (welche nach einer Vision in Kap. 10 den damals noch bestehenden Tempel verlassen hatte) und wie der Opferdienst wieder aufgenommen werden soll. Aus neuttestamentlicher Sicht ist das alles etwas seltsam. Denn der Tempel wurde zwar später tatsächlich wieder aufgebaut und der Opferdienst fortgesetzt, aber der Tempel hatte nicht die Ausmaße, wie es Hesekiel in seiner Vision sieht. Im Jahr 70 n. Chr. wurde auch dieser Tempel wieder zerstört.

Das Neue Testament kennt in Offenbarung 21 eine ähnliche Zukunftsvision: da berichtet Johannes vom neuen Jerusalem das aus dem Himmel herab kommt (Offb. 21,2). Auch dort wird verheißen, dass dann Gott mitten unter seinem Volk wohnen wird. Aber es wird ausdrücklich betont, dass im neuen Jerusalem kein Tempel vorhanden sein wird, „denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm.“ (Offb. 21,22)

War die Vision des Hesekiel falsch? Ich sehe sie – wie auch Offb. 21 – eher als eine Andeutung von einer Zukunft, die wir mit unserem Verstand gar nicht richtig erfassen können. In Bildern, die Hesekiel damals verständlich waren, wird eine neue Zukunft mit Gott verheißen. Ähnlich wird in Offb. 21 das zukünftige Jerusalem als gigantische Stadt, gebaut aus Gold und glänzenden Edelsteinen beschrieben. Diese Zukunft mit Gott können wir uns einfach nicht vorstellen, deswegen offenbart sie uns Gott in bruchstückhaften Bildern, damit wir zumindest eine Ahnung von der zukünftigen Herrlichkeit haben.

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