Matthäus 18, 1-5 – Kindisch

Was heißt das denn, wie die Kinder werden? Sind es nicht gerade die Kinder, die immer die Größten und Stärksten sein wollen? Welches Kind träumt denn nicht davon, ein unbesiegbarer Superheld zu sein, den alle bewundern? Kinder können ganz schön brutal und rücksichtslos sein, wenn es um ihre eigenen Interessen geht. Wahrscheinlich können das so ziemlich alle Eltern bestätigen, dass Kinder normalerweise ganz und gar nicht bescheiden und demütig sind. Das Teilen und abgeben müssen sie erst mühsam lernen. Gerade dieser Rangstreit unter den Jüngern ist ja eigentlich ziemlich kindisch. Warum stellt Jesus hier ein Kind als Vorbild hin?

Vielleicht war das in der damaligen Gesellschaft ja noch etwas anders. Da hatten Kinder wahrscheinlich gar keine andere Wahl, als bescheiden und demütig auf die Großen zu hören. Aber ich glaube der eigentlich Punkt ist nicht eine bestimmte Verhaltensweise von Kindern. Es geht um die objektive Abhängigkeit, in der sie sich befinden. Sie brauchen Erwachsene, die für sie sorgen. Sie brauchen jemand, der ihnen Essen, Trinken, Schutz, Geborgenheit und noch vieles mehr gibt.

Wer sich selbst als solch ein Kind Gottes sehen kann, der ist der Größte im Himmelreich. Wer begreift, dass er in völliger Abhängigkeit von Gott lebt, der hat das entscheidende geblickt. Und dann gibt es auch keinen Grund mehr, dass sich ein Kind über das andere erhebt. Wobei das ja bis heute ein Problem auch von uns Christen bleibt – wir scheinen da ein bisschen schwer von Begriff zu sein. Und selbst wenn wir’s mit dem Kopf verstanden haben, spielen all zu oft die Gefühle da nicht mit.

Matthäus 14, 13-21 – Lächerlich wenig

Mein erster Gedanke: „Oh ja Herr, mach mich auch satt. Du hast damals die Leute satt gemacht, du kannst das auch heute tun. Ich hab so Hunger! Ich brauche dich. Gib mir das Brot. Gib mir dein Brot. Bitte!“

Mein zweiter Gedanke: „Ach, stimmt ja: In der Geschichte geht’s ja darum, dass die Jünger Jesu etwas von dem, das sie haben abgeben und austeilen, um dadurch die anderen satt zu machen. Und ich sollte mich wohl eher mit den Jüngern identifizieren, als mit der hungrigen Masse. Schade, schade… Das klingt anstrengender, als sich einfach nur von Jesus satt machen zu lassen.“

Mein dritter Gedanke: „Aber was hab ich schon zu geben, der ich mich selbst so hungrig fühle? Wie soll ich die anderen satt machen? Aber andererseits hatten ja auch die Jünger damals lächerlich wenig. Mit den paar Broten und Fischen konnte man auf keinen Fall 5000 Leute sat machen. Und trotzdem ging’s! Oder besser gesagt: Lies ER es gehen!“

Mein Gebet ist: „Herr, ich bring dir meine Brotkrumen. Ich weiß, das ist wenig. Lächerlich wenig. Aber du kannst damit irgendwie auch andere satt machen. Darum bitte ich dich!“

Noch was ganz anderes zu dem Text: Schön, dass nach der Frusterfahrung in Nazareth, Jesus jetzt die Massen nachlaufen und sie ihn unbedingt hören und erleben wollten. Und das, was in Nazareth nicht ging, das ging jetzt: Er heilte ihre Kranken. Aber typsich ist natürlich, dass das ausgerechnet da geschah, als Jesus sich mal predigtfrei nehmen wollte und sich eine wohlverdiente Auszeit gönnen wollte… 😉